Frage von Arrien, 58

Welche Datierungsmethoden sind auf die ,,Schönninger Speere" angewandt und warum?

sind die ältesten Jagdspeeren. Zunächst auf etwa 400 000 Jahre datiert. Inzwischen wird aber nach genaueren Analysen ihr Alter auf etwa 270 000 Jahre geschätzt. Welche Datierungsmethoden sind zuerst und dann später angewandt und warum?

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 17

Die größere Altersangabe basiert auf der Lumineszenzdatierung und, in geringerem Maße, auf der Elektronenspin-Resonanz-Datierung. Diese beiden Methoden bauen auf recht ähnlichen Prinzipien auf und funktionieren wie folgt: Je länger die untersuchte Probe im Sediment eingebettet liegt, desto länger ist sie den Einwirkungen radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Diese Strahlung hinterlässt in der Struktur der Probe bestimmte Spuren in Form von Anomalien oder Strahlenschäden. Das Ausmaß dieser Schäden kann man messen, indem die Probe auf verschiedene Weisen angeregt wird (z.B. durch Hitze, das ist dann Thermolumineszenz, oder durch Licht, das ist Optisch Stimulierte Lumineszenz), sodass sie die gespeicherte Strahlungsenergie wieder abgibt. Verrechnet man den Betrag der freigesetzten Energie mit der vorhandenen Strahlung am Fundort (um die zu ermitteln, muss man oft ein Messgerät jahrelang dort liegen lassen), erhält man daraus das Alter der Probe. Lumineszenzdatierung ist für diesen Zeitraum die Standarddatierungsmethode. Die Elektronenspin-Resonanz-Datierung funktioniert so ähnlich, nur dass man damit durch Magnetismus verursachte Schäden bemisst. Mit dieser Methode wurden Zähne datiert, die aus der selben Schicht wie die Speere stammen. Meines Wissens lag das angegebene Alter aber deutlich unter 400.000 Jahren, die Angaben erstreckten sich von 250.000 bis maximal 350.000 Jahren.

Die jüngere Datierung basiert auf der Parallelisierung der fraglichen Schicht mit der Sauerstoffisotopenkurve. Diese Kurve gibt das Verhältnis von bestimmten Sauerstoffisotopen in Eisborhkernen und fossilen Tiefseebewohnern an. Daraus kann man Rückschlüsse auf das Klima in den letzten Millionen Jahren ziehen. Ein Ausschlag des Verhältnisses in die eine Richtung entspricht einer Warmzeit, ein Ausschlag in die andere einer Kaltzeit. Die Schicht, in der die Speere gefunden wurden, hat sich während der Reinsdorf-Warmzeit gebildet, die auf der Isotopenkurve dem elften Ausschlag von hinten (OIS 11, momentan haben wir OIS 1) entspricht. Dieser Ausschlag liegt aber erst rund 300.000 Jahre zurück, was demnach auch in etwa dem Alter der Schicht entspricht.

Antwort
von OriginKnight, 58

Für so antikes Zeug kenne ich nur die Radiokarbonmethode und vielleicht ist die über die Jahre detaillierter geworden

Kommentar von Arrien ,

Ist es nicht so, dass man bei der Radiokarbonmethode nur unter 60 000 Jahren datieren kann?

Ich glaube nicht, dass das richtig ist!

Kommentar von Rowal ,

60000 Jahre scheint mir schon etwas hochgegriffen. Aber dass man mit der Radiokarbonmethode 300000 Jahre zurückdatieren kann, ist unsinnig, da C14 eine Halbwertszeit von unter 6000 Jahren hat und somit nach 300000 Jahren höchstens noch 1 billiardstel des ursprünglichen C14-Gehalts vorhanden ist, wie man grob im Kopf abschätzen kann.

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