Frage von Bishioran, 77

Welche Chancen im Ingenieursstudium wenn schlecht in Mathe?

Hi, also vorab: wenn ich sage ich bin schlecht in Mathe, dann meine ich wirklich schlecht im Sinne von 1-2 Punkte im Zeugnis und nicht "ja also ich hab nur eine Note 3" - ich bin in Mathe ein traditioneller 5-er Schüler. Zu meiner Verteidigung darf ich jedoch sagen, dass ich an meiner alten Schule, an der ich die Mittlere Reife erlangt habe, kaum Mathe hatte, da ich im Wirtschaftszweig (keine Naturwissenschaften, kein Mathe) war und im Mathe-Wahlpflichtkurs meine Lehrerin krankheitsbedingt ständig mind. 2Wochen am Stück ausgefiel.

Deshalb kann ich nicht gut einschätzen, wie gut ich in Mathe wäre, wenn ich eine dementsprechend gute Vorbildung hätte, wie der Großteil der anderen Kids. Sinus-Cosinus und so waren für totale Fremdwörter als ich an der FOS durchgestartet hatte und durchgekaut wurde der Stoff auch nicht, sondern es wurde einfach erwartet, dass jeder diesen "Bildungsstandminimum" erfüllen würde (es wurde in Aufgaben nicht gesagt: "berechnen Sie mit sinus folgende aufgabe" sondern man musste selbst wissen, dass man bei der Berechnung die Formeln dafür anwenden muss - ging bei mir schlecht weil ich wie gesagt noch nie von dem Begriff gehört hatte). Würde nämlich schon mein Bafög in Nachhilfe investieren (hatte in der FOS kein Geld dafür). Ich habe jedoch trotzdem Angst, dass ich trotz Nachhilfe den Stoff nicht nachvollziehen kann und durchfalle... Hat jemand ähnliche Probleme gehabt?

In Physik bin ich garnicht so schwer vom Verstand (habe da eine Note 4), aber mit Mathe habe ich eben riesen Probleme.

(natürlich würde ich mir den A aufreißen, um im Studium durchzukommen, bloß ob es Früchte tragen wird, ist eine andere Geschichte!)

Ich hab mich in meiner Stadt aber trotzdem für Biomed. Technik und Umwelttechnik eingeschrieben, da es einerseits die einzigen Studiengänge an den 2 HS sind, die mich interessieren und andererseits auch jene sind in welche Richtung ich mich entwickeln möchte (Gesundheit - "Biologie" - Öko/Umwelt). Das Problem eben nur ist, dass ich richtig schlecht in Mathe bin und Angst habe, dass ich die Studiengänge nicht schaffe, da diese eben sehr Mathe-lastig sind.

Ich habe eig. eine Zulassung für Bio an einer Uni, aber ich kriege bei bestem Willen die 300€ für den Studienbeitrag nicht zusammen und eine passende Wohnung finde ich auchh nicht. Daher muss wohl leider den Traum vom Bio-Studium für den Moment aufgeben und als "Filler" einen der Ingenieursstudiengänge nehmen.

Naja, Danke im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von eddiefox, 27

Hallo,

die Antworten sind - leider - alle realistisch.

Als Student habe ich früher 4 Freunden, die alle ein Ingenieurstudium an der FH angefangen hatten, bei den Vorbereitungen der wichtigsten Matheklausuren geholfen. Alle vier hatten einen normalen Matheunterricht an der FOS genossen (normal in dem Sinn, dass sie in Mathe keinen Unterrichtsausfall erlebt hatten).

Trotzdem waren für sie die Mathescheine die größten Hürden, und sie waren mit dem Problem wirklich nicht allein, d.h. vielen Studenten ging es so.

Um auf den Stand eines Fachoberschülers zu kommen, dessen Matheunterricht ohne Ausfälle verlaufen ist, müsstest du den fehlenden Stoff und den Oberstufenstoff, dem du wegen deiner fehlenden Kenntnisse nicht folgen konntest, bis zum Beginn des Studiums aufholen.

Würdest du dir das zutrauen? Wann fängt das Studium an, im Oktober? Dann blieben dir knapp 5 Wochen, wenn du heute Abend mit Mathelernen anfangen würdest.

Aber zu deiner Aussage "ich bin schlecht in Mathe" habe ich eine andere Sichtweise. Du weißt eigentlich gar nicht, wie du in Mathe bist. Du weißt nur, dass du Wissenslücken hast, deren Folge war, dass du dem Unterricht an der FOS nicht oder nicht ausreichend folgen konntest.

Würde dir eine Möglichkeit einfallen, ein Jahr zu pausieren (nicht studieren, nicht arbeiten gehen...) und dir in dem "Sabbatjahr" Jahr den fehlenden Stoff in Mathe reinzuziehen? Das Lernen muss nicht unbedingt mit teurer Nachhilfe sein, du könntest es auch im Selbststudium machen. Es gibt im Internet viele Lernhilfen, die einem das Selbststudium erleichtern.

Würden bei so einem Projekt deine Eltern mitspielen? Würdest du genügend Selbstdisziplin erbringen, um das Ziel zu erreichen?

Oder du machst erst etwas anderes, z.B. eine Lehre, und holst die fehlenden Mathekenntnisse abends in der Volkshochschule nach. Auch das braucht Selbstdisziplin, aber es wäre eine Möglichkeit.

Wenn dein Wunsch ein Ingenieurstudium zu machen sehr stark ist, kommst du vielleicht auf Umwegen dahin. Das wollte ich dir sagen.

Gruß

Antwort
von Franz1957, 21

Gut möglich, daß die mathematischen Wissenslücken durch fehlenden Unterricht und ausgebliebene spätere Förderung zustande kamen.

Wenn Du ein starkes Interesse und Freude an Ingenieurarbeit hast, dann kannst Du das fehlende Wissen nachholen. Allerdings nicht mehr den ganzen Stoff bis zum kommenden Semesterbeginn. Es lohnt sich dennoch auf jeden Fall, daß Du da, wo die Lücken anfangen, einsteigst, Dich ganz frei im eigenen Tempo warmarbeitest und schaust, wie es Dir dabei geht. Du wirst dann eine klarere Einschätzung davon bekommen, wie weit Du zurück bist und wie rasch Du mit Selbstunterricht vorankommst. Brauchen können wirst Du das, was Du dabei verstehst, sowieso, egal, welchen Berufsweg Du nachher gehst. Auch in Biologie oder was auch immer Du mal tun wirst. Zu Beginn des Ing.-Studiums wird die Oberstufenmathematik auch nochmal durchgenommen, nur halt in schnellerem Tempo als an der Schule.

Es gibt spezielle Bücher für Leute, die den Schulstoff vergessen oder nie richtig verstanden haben und ihn zum Studienbeginn wiederholen wollen. Schau in der Bibliothek oder Buchhandel unter "Vorkurs Mathematik". Wer bei Brüchen, Klammern, Gleichungen, Potenzen, Logarithmen und Winkeln nicht sattelfest ist, dem empfehle ich den "Kusch".

Mach Dich im Kopf frei von der Vorstellung, "schlecht" zu sein. Das ist eine unnütze Redensart, weg damit! Sei aktiv, das ist ein wirksames Mittel gegen Angst.

Hier habe ich zum Selbstlernen Hinweise und Links auf weitere Hinweise gegeben: https://www.gutefrage.net/frage/woran-koennte-es-liegen-dass-ich-so-schlecht-bin...

Gutes Gelingen!

Antwort
von vitus64, 39

Wenn du nicht wirklich gut in Mathe bist, macht ein Ingenieurstudium keinen Sinn.

Da wird wesentlich mehr verlangt als in der Schule.

Du wirst dich nachher nur über die vertane Zeit ärgern.

Antwort
von arcticfennec, 34

Wenn du kein Mathe kannst, lass das Ingenieursstudium bleiben.
Ingenieure arbeiten extrem viel mit Mathematik und wenn du bereits im Gymnasialstoff Lücken hast, wird es im Studium noch viel, VIEL schlimmer.

Kommentar von arcticfennec ,

Biomedizinische Technik und Umwelttechnik würden übrigens ebenfalls recht viel Mathe und Physik erfordern...

Expertenantwort
von PWolff, Community-Experte für Mathematik, 20

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