Frage von ClaraBrockhaus, 72

Welche Branche der Chemie studieren?

Hallo, ich bin gerade in der 11. Klasse und habe Chemie-LK. Chemie macht mir sehr sehr viel Spaß und ich habe einen Studiengang in der Branche Chemie vor. Ich habe mich schon ausführlich mit den verschiedenen Studiengängen beschäftigt, aber ich kann mich nicht entscheiden, welcher der Richtige ist. Die, die mich bis jetzt interessiert haben sind Molekularwissenschaften (in Richtung Nanotechnologie), Chemieingenieurwesen, Pharmazeutische Chemie, Lebensmittelchemie und Chemie als allgemeinen Studiengang. Natürlich ist es unmöglich für euch zu wissen, welcher am besten zu mir passt, aber vielleicht könntet ihr mir ja ein paar Ratschläge geben die mir bei meiner Entscheidung helfen könnten, oder vielleicht sogar aus eigener Erfahrung mir sagen, welcher Studiengang für euch der Beste war. Vielen Dank für eure Hilfe! LG, Clara

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Mike074, 18

Ich rate zum Studium der Chemie. Dieses Studium lässt viele spätere Spezialisierungen zu und man bekommt im Studium die Möglichkeit, in viele Teildisziplinen hineinzuschnuppern. Das Chemiestudium kann z.B. in eine Spezialisierung auf ein Wahlfach Organische Chemie, Anorganische Chemie, Biochemie, Polymerchemie, physikalische Chemie, Analytik u.v.m. münden, das man dann mit einer Promotion in dieser Disziplin beendet. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man ist breiter ausgebildet und hat jede Möglichkeit auch interdisziplinär zu arbeiten. Wenn Sie sich von Anfang an auf einen Studiengang Materialwissenschaften oder Biochemie festlegen, schränken Sie Ihre Chancen bei der Suche auf eine spätere Stelle auch von vornherein ein. Außerdem weiß man in der Regel während der Schulzeit noch viel zu wenig über die jeweiligen Einzeldisziplinen und hat so die Möglichkeit, sich später mit einer besseren Erfahrungsbasis  zu entscheiden.

Kommentar von ClaraBrockhaus ,

Vielen Dank für die Antwort, hat mir sehr geholfen :)

Antwort
von Mustermu, 40

Studier das, was dich am meisten interessiert. Am gängigsten sind meiner Meinung nach Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie und Chemieingenieurwesen.

Lebensmittelchemie befasst sich, wie der Name schon sagt, in erster Linie mit Lebensmittel(analytik).

In der Biochemie steht die Chemie meiner Meinung nach weniger im Vordergrund. Dort befasst man sich später mehr mit Mikroorganismen und Bakterienkulturen. Viele arbeiten auch im klinischen Bereich.

Beim Chemieingenieurwesen steht der ingenieurwissenschaftliche Teil im Vordergrund.

Und dann wäre da noch die Chemie selbst. Ich würde dies am ehesten in Richtung Forschung und Entwicklung neuer Materialien einordnen. Das können Polymere oder anorganische Verbindungen sein, ebenso wie die Synthese neuer Moleküle für den medizinischen Bereich. Aber das überschneidet sich wieder mit Pharmazie und Biochemie.

Letzten Endes sind die Grenzen fließend. Was macht dir am meisten Spaß? Was interessiert dich am meisten?

Ich habe mich für Chemie entschieden, ohne groß über Alternativen nachzudenken. Und bis heute bin ich der Meinung, dass ich eine gute Wahl getroffen habe.

Kommentar von ClaraBrockhaus ,

Vielen Dank für deine Antwort, ich interessiere mich tatsächlich für die chemische Forschung und Entwicklung, mehr als für Ingenierwesen, Lebensmittleanalytik oder Biologie. Kann man denn mit einem reinen Chemiestudium später auch in spezifischen Bereichen der allgemeinen Chemie arbeiten? Weil es ja zum Beispiel auch das Studium organische Chemie gibt, könnte man in dem Bereich auch arbeiten ohne diesen spezifischen Studiengang zu wählen?

Kommentar von Mike074 ,

Selbstverständlich.

Kommentar von Mustermu ,

Die Studiengänge unterscheiden sich immer etwas von Uni zu Uni. Die Möglichkeit, einen spezialisierten (Master-)studiengang wie z.B. organische Chemie zu wählen gab es nicht.

Die Spezialisierung erfolgt bei uns eigentlich nur über die Abschlussarbeiten. Während der Bachelorarbeit konnte man in eine Arbeitsgruppe und damit in ein Themengebiet seiner Wahl rein schauen. Wenn das gefiel und man gute Arbeit abgeliefert hat, dann war man zur Masterarbeit gerne gesehen. Wenn nicht, dann verbuchte man es unter Lehrgeld und suchte sich eine andere Arbeitsgruppe für die Masterarbeit.

Die eigentliche Spezialisierung erfolgt dann in den letzten beiden Semestern. Für diese Semester wählte man eine Vertiefungsrichtung wie bspw. organische Chemie, anorganische Chemie, physikalische Chemie. Im ersten Semester der Vertiefung hörte man Vorlesung und musste noch das eine oder andere Laborpraktikum, auch zur Vorbereitung auf die Masterarbeit, absolvieren. Dann folgte im letzten Semester die Masterarbeit.

Letzten Endes äußert sich die Spezialisierung darin, dass man entsprechende handwerkliche Fähigkeiten und Kenntnisse über die benötigten Analyseverfahren erwirbt. Und wird man feststellen, dass noch viele Wege offen stehen. Denn Fachwissen zu gewissen Themengebieten ist innerhalb weniger Wochen erworben. Zumindest so, dass es für einen Einstieg in das Gebiet reicht.

Und ganz am Ende, da entscheidet auch immer etwas der Zufall. Genau planen, was man später tun wird, kann man nicht. Man muss die Chancen ergreifen, die man sieht.

Eigene Erfahrung: Ich habe mich nach meinem Studium deutschlandweit auf Doktorandenstellen beworben und am Ende nur eine Zusage bekommen. Damit musste ich den Weg gehen, der sich mir eröffnet, ohne allzu großen Einfluss nehmen zu können - und bisher bin ich auch sehr zufrieden damit. Man Fachgebiet habe ich mir nicht selbst ausgesucht, nur die Fachrichtung.

Kommentar von Mike074 ,

"n der Biochemie steht die Chemie meiner Meinung nach weniger im
Vordergrund. Dort befasst man sich später mehr mit Mikroorganismen und
Bakterienkulturen. Viele arbeiten auch im klinischen Bereich."

Das kann man so überhaupt nicht sagen. Ich habe selbst Biochemie im Hauptstudiengang Chemie belegt und sage Ihnen, dass auch die Biochemie extrem chemielastig sein kann. Es kommt darauf an, wo und bei wem studiert.

Kommentar von Mustermu ,

Bei uns gehörte die Biochemie sogar zu einer anderen Fakultät. Wir hatten nicht viel mit denen gemeinsam, abgesehen von der Mathevorlesung in den ersten beiden Semester. Dort waren nur wenige äußerst chemielastig unterwegs, was dann vermutlich sich auch auf die organische Synthesechemie beschränkte.

Antwort
von Amok91, 29

Was möchtest du denn nach dem Studium machen? Forschung? Industrie? Interessant sind sicherlich alle Studiengänge. Ich würde mich über die Berufe hinter den jeweiligen Studiengängen informieren und dann kann man vielleicht das eine oder andere ausschließen.

Beispiel: Wenn du sagst du möchtest eine wissenschaftliche Karriere starten und möchtest nicht in die Industrie würde ich Chemieingenieurwesen aus der Auswahl rausschmeißen.

Du kannst dich auch einfach mal auf alles bewerben und warten von wo du positive Rückmeldung bekommst. Dann schließt sich das eine oder andere vielleicht schon von selbst aus und macht die Entscheidung einfacher ;)

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