Frage von mlgneumann, 64

Welche Bedeutung hat die demokratische Staatsform für die soziale Marktwirtschaft?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 30

Beide haben die gleiche Grundeinstellung zum Menschen. Beide betrachten den Menschen nicht als unmündiges Kindergartenwesen, das von selbsterkorenen Nannys gegängelt werden müsste. In der Wirtschaftsform freier Märkte geht es darum, dass selbstbestimmte Nachfrager und Anbieter frei Preise und Warenauswahl aushandeln ohne hoheitliche Vorgabe. Bei öffentlichen Gütern fordert Smith ausdrücklich, dass sie einer demokratischen Entscheidung aller unterliegen sollen.

Das gleiche Prinzip des hohen Denkens von selbstverantwortlichen zu als solche zu respektierenden Menschen liegt dem Prinzip der demokratischen Staatsform zugrunde. Die Grundauffassung beider ist: Selbst wenn Menschen nicht so perfekt sind, dass sie selbstständig alles richtig entscheiden, ist eine gemeinsame Entscheidung aller ob über Märkte oder über Wahlen immer noch besser als eine diktatorische Gängelung von oben.

Es ist schon seltsam: Adam Smith und seine Aufklärer hatten gerade erst hunderte Jahre der Gängelung durch Feudalherren hinter sich und ein bischen mehr Freiheit war ihnen lieber als gar keine mehr. Nun haben wir gemessen an den Zeiten der Gängelung gerade mal ein paar Jährchen Freiheit hinter uns, und schon wollen einige gleich wieder zurück in den behüteten Kindergarten, weil ihnen Freiheit mehr Angst macht als Hoffnung. Weil einige ihre diktatorische Besserwisserei für das Non plus ultra halten und meinen, andere in ihrem Welterlösungswahn gängeln zu können. Hochmut ist eine schlimme "Sünde" und man kann nur staunen, wenn 17-jährige schon meinen, sie allein hätten das "System" der Weltenrettung in der Tasche.

Kommentar von Saragoza ,

in meinem Augen ein ultra neo konservativer Beitrag,  extrem  staatstragend,  freiheitlich  bedenklich und unglaublich "devot", bis einseitig positivistisch, gratuliere, .. !

Kommentar von berkersheim ,

@Saragoza

Ich weiß, unter Deiner Herrschaft wäre ich schon lange auf dem Schafott. Deine Freiheit wäre für mich tödlich.

Kommentar von Saragoza ,

Mein guter Freund, mässige dich, du übertreibst auch hier wieder mal  masslos, oder?

Kommentar von berkersheim ,

Wow, danke für den 800. Stern.

Antwort
von Saragoza, 16

"Soziale Marktwirtschaft" ist in weiten Bereichen als Begriff und im kritisch konkreten Verständnis dessen ein Kampfbegriff der konservativen, wirtschaftlich staatstragenden (auch neoliberalen) Kräfte (des  Kapitals), die damit ihre extremen wirtschaftlichen Macht-Interessen, also der Einflussnahme als Monopole, Konzerne, etc. verschleiern, kleinreden und verdrängt haben wollen, um dahinter in aller „Ruhe“ ihre Geschäfte  auf Kosten des Allgemeinwohls, der Arbeitnehmer und der anderen, kleinen Leute (siehe Steuergesetze, kalte Progression, Höchstgrenzen in Freibeträgen, Abschaffung der Reichensteuer, geringe Erbschaftssteuer, niedrige Kapitalertragsteuer, etc) in aller Ruhe abwickeln zu können.

Soziale Marktwirtschaft  war immer eine Luftnummer, ein ausgehöhlter Begriff im realen "Staat des Kapitals", der ganz andere "an sich böse" Begriffe dagegen hochhält und massiv eingefordert hat. So etwa die „ehren-werten“ Begrifflichkeiten des „Konkurrenzkampfs/ Wettbewerbs und der allgültigen Leistungsbereitschaft, (u.ä..) Begriffe, die insgesamt schon andeuten, wohin  der  Zug geht, nämlich in eine bewusste Verschärfung der Arbeits-, Lebensverhältnisse und daran angeschlossenen Existenzbedingungen und dahinter mit  dem Ziel operiert wird, die einseitige Bereicherung der grossen Besitzer, Industrien und weiteren Geldeliten beschleunigt voran zu treiben,

Interessen, die auch im  Rahmen konventioneller Politikabsicht und Herrschaftsanspruch nicht nur über harmlose Bedarfs-„Lobbys“ die  Ausrichtung der Wirtschaftspolitk in sogn. "Demokratien" zu ihren Gunsten stark bis monopoListisch beinflussen, bzw. weitgehend lenken und recht undemokratisch im Kern, darüber fremd bestimmen.
Also damit das Leben und Überleben der Restbevölkerung gemäss ihren Vorstellungen ausrichten.

Diese „BRD“ ist (leider?) noch keine Volksrepublik und die weitergehenden Interessen der  darin tapfer den massiven Fremdinteressen zuarbeitenden Bevölkerung (etwa nach Selbbstbestimmung , Mitsprache, etc.) sind nebenrangig, das was zählt, ist die Verwertungsrate des Kapitals und dessen Grundinteressen wie Renditeabsichten.

Zitat aus einem Jugend-Politiklexikon der 70er Jahre :
(und daran hat sich kaum etwas geändert, eher im Gegenteil:)

Die Bundesrepublik, (..) ,„sei eine autoritäre Formaldemokratie mit plebiszitärer Billigung", ein Grundübel in ihr der Konflikt zwischen politischer Demokratie (-absicht)  und undemokratischer Wirtschaftsstruktur".

Und wer hier in der Substanz anderes behauptet, stützt und aufführt, handelt ebenso im Interesse der Anpassung an ruhig haltende Geldmoral und Kapitalabsicht, aber wer sollte hier demnach auch anderes erwarten, als ein Sedieren und bereitwilliges Einschläfern der gewöhnlich unpolitisch gehaltenen Fragesteller?



Kommentar von wfwbinder ,

Soll das nun ein ausgeglichener Beitrag sein?

Nach meiner Ansicht vertrittst Du eine rein sozialistische Zielsetzung. Wo die gelandet ist, hat man an der DDR gesehen (Pleite) und noch schlimmer an der Sowjetunion, die nach der Auslösung in den ehemaligen Teilrepubliken zu einen extremen Raubtierkapitalismus geführt hat. Oligopole haben dort zu einer extremen Spaltung der Gesellschaft geführt.

Kommentar von Saragoza ,

Sozialismus wird hier (von dir) zudem nur als Totschlagargument benützt, ohne die „sozialen“ Ideen dahinter ernsthaft an-zu sehen, aber so ist es eben, !?

Und was ist an vernünftigem, human-gerechten Sozialismus (der auch entwickelbar ist und bleibt zudem, !) ernsthaft auszusetzen?

Die allgemein monströsen Lebensverhältnisse im „Kaputtalismus“, sind also
erheblicher und freudiger anzunehmen, wie etwa:

Zerstörung der  ökologischen Lebens-Grundlagen aller Lebenwesen, Gier, Geiz, Geldausrichtung,  Materialismus, Hass, Gewinnstreben, Übervorteilung, Überbevölkerung, Ausbeutung, Konkurrenzkrampf, Gewaltabsicht, Militariserung etc. das sind also alles „gutherzige-gutmeinende“, lapidare Nebeneffekte eines an sich „human ausgerichteten“ Staats/- Machtkonzepts, das allen im Kern „zu Gute kommt“ sicherlich , oder?

Kommentar von berkersheim ,

Das Jugend-Polit-Lexikon wurde wohl in der DDR verlegt! Die wollten gegen jede freie Meinung durchpauken, ihre diktatorische Planwirtschaft sei das Non plus ultra an Demokratie.

Was Zerstörung von Lebensgrundlagen angeht waren die DDR und die Sowjetunion dem Westen immer um mehrere Schritte voraus. Aber glaubenstreue Marxisten, Kommunisten fischt die Realität ja nicht an.

Kommentar von Saragoza ,

Was du jetzt gegen die DDR haben solltest und vorbringst, die  nach dem brutalen barbarischen , Menschen mordenden Nazi Regime zumindest  versucht hat auf deutschem Boden eine andere Richtiung einzuschlagen  viele NS Verbecher nicht nur  nett "abgemahnt",  sondern wirklich verurteilt und bestraft hat (das was im Westen nur schlepend voran ging) ist schon bedneklich??

Das "Jugend Lexikon Politik" ist übrigens  von "rororo" gewesen und hier der  entsprechende Text dazu:

Zitat aus "Spiegel online", über den Artikel von 1971:

„Geschichten und Bilder vom "Apfel und dem Schmetterling", von "Mrs. Beestons Tierklinik", vom "Löwen Leopold" und von Science-fiktiven Marsfahrern ("Die Erde ist nah") wurden am vorletzten Sonnabend mit den "Deutschen Jugendbuchpreisen 1971" ausgezeichnet Käte Strobel. deren Jugend-Familien-Gesundheits-Ministerium die Auszeichnungen dotiert (je 7500 Mark), zelebrierte den Preis-Akt in der Nürnberger Meistersingerhalle -- und sah sich veranlaßt, zum fünften preisgekrönten Jugendbuch. dem Politik-Lexikon "Gesellschaft und Staat", doch "ein Wort mehr" zu sagen. Dieses Lexikon, so sprach die Ministerin, sei teilweise "einseitig" und ermangele der "Ausgewogenheit", seine Preiskrönung dürfe demnach nicht als ministerielle "Bestätigung des Inhalts" aufgefaßt werden. Aus dem Inhalt: Die Bundesrepublik, heißt es da etwa, sei eine "autoritäre Formaldemokratie mit plebiszitärer Billigung", ein Grundübel in ihr der Konflikt "zwischen politischer Demokratie und undemokratischer Wirtschaftsstruktur". Das Lexikon, herausgegeben von Hanno Drechsler, Wolfgang Hilligen und Franz Neumann (alle an der Universität Gießen). ist erschienen im Signal-Verlag, Baden-Baden, und kostet 16,80 Mark.“

Antwort
von HansH41, 12

Seit der französischen Revolution sind die Begriffe Liberte',Egalite' Fraternite' Kennzeichen der westlichen Demokratie. Die Fraternite' angewandt auf die Marktwirtschaft ergibt die "Soziale" Marktwirtschaft.

Beides gehört also zu einer erfolgreichen Demokratie.

Antwort
von wfwbinder, 24

Ohne Demokratie keine Soziale Marktwirtschaft. In einer Diktatur, egal ob Kommunistisch, oder rein National, gibt es im Normalfall nur eine gelenkte Wirtschaft.

Kommentar von wfwbinder ,

Übrigens würde das auch gelten, wenn ich das Ganze aus Sozialistischer Sicht betrachte und z. B. die USA als "Diktatur des Kapitals" sehe. Denn denen fehlt zu einer sozialen MArktwirtschaft auch noch Einiges.

Kommentar von Saragoza ,

Mal abgesehen davon, das sogn. "soziale Marktwirtschaft" immer nur ein Kampfbegriff, (im Raub - und Beute Kapitalismus ist: wozu denn anders , etwa den "heilige" Konkurrenzkampf darin - wenn alles so  "sozial" geregelt abläuft?)
- der unbewusst haltenden "Gegenaufklärung" bzw. konservativer Kreise war,  die ihre manifesten Profit Absichten dahinter/ damit verschleiern wollten, zudem recht fragwürdige Anwort, die dazu recht postivistisch und einseitg "Norm-staatstreu", zudem,daher kommt

Kommentar von wfwbinder ,

Als Keynsianer bin ich naurgemäß Anhänger der sozialen Marktwirtschaft (im Gegensatz zur klassischen Wirtschaftstheorie).

Und wenn Du es als einseitig empfindest fehlt hier ein Posting von Dir, um eine andere und ggf. gegenteilige Auffassung zu vertreten.

Andere Staatsformen erheben entweder den Anspruch sozial/sozialistisch zu sein, bei denen ist aber der Markt zumindest weitgehend ausgeschaltet (oder funktioniert nur in der Schattenwirtschaft wie in der DDR "haste blaue Kacheln, dann mache ich es"), oder ein Regime lässt einen Raubtierkapitalismus zu.

Kommentar von Saragoza ,

es geht hier zuerst mal nicht um andere "Staatsformen", sondern um reale Demokratieabsicht mein Bester und wo Keynes' Grenzen sind und waren  ist auch derzeit  wieder gut zu betrachten "Deficit Spending" als Endlösung(?) - schon lange nicht mehr, nicht mal das oder?

Achso: ist derzeitiger Raub- und Beite Kapitalismus etwa kein Raubtierkapitalismus, zumal  an den "erwirtschafteten"  Profitraten gemessen, ?

Antwort
von 1988Ritter, 18

Ich denke das sie soziale Marktwirtschaft ohne eine demokratische Staatsform nicht möglich wäre.

Nur über den Willen der Wählerstimmen ist der Grundstein für soziales Gedankengut gegeben, was aber dann nicht mit der Wirtschaft in Konkurrenz steht, sondern vielmehr harmoniert.

Antwort
von voayager, 9

Keine Ahnung, glaube eher nicht, dass Demokratie, so wie sie hier interpretiert wird, für eine soziale Marktwirtschaft erforderlich ist.

Im übrigen isses so, dass wir seit Schröder/Fischer keine soziale Marktwirtschaft mehr haben.

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