Welche Auswirkungen hat es wenn man keine Noten lesen kann?

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13 Antworten

Das hat zur Folge, dass man, wenn man kein extremes Genie ist, nur Stücke auf einfachem oder maximal mittlerem Niveau spielen kann. Man kann z.B. Flöte lernen, ohne Noten lesen zu können und wenn man ein paar Töne kann, kann man sich einfache Lieder beibringen, die man schon oft gehört hat, nur durch Ausprobieren. Kann man mehrere solcher Lieder spielen - "Alle meine Entchen" usw. - schafft man es, etwas komplexere Lieder zu spielen, z.B. einfache Popsongs. Die meisten müssen dabei anfangs sehr viel ausprobieren und verspielen sich oft. Wenn man aber dranbleibt, schafft man es, nach Gehör viele Lieder oder auch einfache (meist Teile von) klassische(n) Stücke(n) zu spielen.

Jetzt kommt das Aber: Komplexe Stücke, vor allem klassische Concerti und andere Stücke schafft man normalerweise nicht nur nach Gehör und Ausprobieren zu spielen. Höre dir mal die Solosonaten und Partiten für Violine von Bach an: Mehrere Stimmen, die nur von einem Instrument (Geige) gespielt werden, Akkorde aus zwei, drei oder selten vier Tönen. Ich denke nicht, dass ein ungeschulter (Hobby-)Musiker solche Stücke nur durch Ausprobieren nach Gehör spielen kann. Vielleicht gibt es ein paar wenige, höchstbegabte Menschen, die das ohne Schulung hinbekommen, aber das wird eine verschwindend kleine Minderheit sein.

Und bis jetzt reden wir nur von Solostücken, die also einer alleine spielt!

Was ist mit Kammermusik (wenige Spieler, jeder ein anderes Instrument) oder Orchestermusik? Da spielen zig Musiker ganz verschiedene Instrumente in ganz verschiedenen Melodien, genau zeitlich abgestimmt. Das schafft man vermutlich nicht, ohne Noten lesen zu können! Man muss genau wissen, was man wann wie (laut, leise, ausdrucksstark, mit Verzierung etc.) spielen soll. Was man wie wann spielen soll und wie lang der einzelne Ton ist, sagen einem die Noten. Wenn das Stück sehr kurz ist, könnte einem das auch ein Coach sagen, der jede Note für den Musiker interpretiert und genaue Angaben gibt. Das wäre aber so, als würdest du ein Buch wollen ohne Lesen zu können, und statt dass es dir jemand vorspielt, würde er die bei jedem Wort sagen, was die einzelnen Buchstaben bedeuten, wie sie ausgesprochen werden, so dass du dich durchbustabierst. Eine ziemliche Mühsal!

Allerdings gab es meines Wissens ein paar Komponisten, die keine Noten lesen konnten, und die Melodien immer anderen vorsummten, die sie dann aufschrieben. Das geht bestimmt auch nur bis zu einem gewissen Punkt. 

Auch gibt es Menschen, die sehr talentiert sind, bei der Blockflöte anfangen und sich immer neue Instrumente kaufen, Videos zu Anfängerübungen anschauen und dann nach und nach einfache Stücke und eigene Melodien auf verschiedenen Instrumenten spielen können. Nur beim Zusammenspiel mit anderen (präzise Zeiten müssen eingehalten werden) und komplexeren Stücken wird es schwierig!

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Kommentar von knallpilz
30.09.2016, 09:24

"Ich denke nicht, dass ein ungeschulter (Hobby-)Musiker solche Stücke nur durch Ausprobieren nach Gehör spielen kann."

Genausowenig kann doch aber jemand, der ungeschult im Notenlesen ist, solche Stücke nach Noten spielen.

Darum geht's ja gerade, dass es eben zwei unterschiedliche Herangehensweisen sind. Wenn die eigene Musikalität nicht ausreicht, um Bach nach Gehör zu spielen, muss man eben Noten zur Hilfe nehmen. Ich kenne auch jemanden, der nach Gehör alles mögliche, was er mal gehört hat, auf nem Klavier spielen kann. Weil er musikalischer ist als ich. Natürlich braucht der bei Bach auch länger bzw. muss es sich öfter anhören als bei Britney Spears. Aber das ja beim Notenlesen auch nicht anders.

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Analphabeten können ja auch sprechen.

Musikalität hat an sich nichts mit Noten und Noten lesen können zu tun. Musikalisch ist, wenn man intuitiv Muster in Musik erkennt und es reproduzieren kann. 
Notenschrift ist ein rationales Hilfs- und Verständigungsmittel. Genau wie Schriftsprache.

Weil man nicht jedem auf der Welt alles zigmal vorspielen kann, damit sie es nachspielen können, gibt  es ein Mittel, die Musik in Noten zu übersetzen, damit man diese Noten später wieder in Musik übersetzen kann. Das ist eben einfach nützlich. Hans Zimmer hat das lange Zeit auch hinbekommen, zu vertuschen, dass er keine Noten lesen kann (und der war auf einer speziellen musikorientierten Schule), hat sich das dann irgendwann aber angeeignet. Als er schon ein bekannter Komponist und Musiker war. Nicht, weil es ihn zum besseren Musiker gemacht hat, sondern weil es dadurch einfacher ist, sich mit anderen auszutauschen.
Gerade in einem Zeitalter, wo es Software gibt, die dir automatisch Melodien in Noten hinschreiben kann, wenn du sie spielst.

Aber die Fähigkeit, Noten lesen zu können, ist eine rational-logische Fähigkeit, keine musikalische. Man kann also musikalisch begabt sein, ohne im Notenlesen begabt zu sein.


Die Auswirkungen sind sicher verheerend, wenn du heutzutage Session-Musiker bist. Bzw. sehe ich nicht, wie man das hinkriegen sollte. Du kannst halt nicht zu ner Big-Band-Probe gehen, wo du vorher keine Noten bekommen hast, und irgendwas vom Blatt spielen.

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Das passt wunderbar zusammen, weil man Stücke auch lernen kann, wenn man ein gutes Ohr hat. "Anhören - nachspielen" ist die Devise. Erstmal einzelne Noten finden, oder mal einen Akkord (verschiedene Akkorde durchprobieren). Auf den Bass achten, der spielt nämlich bei Pop-Songs oft die Grundtöne. Und nach und nach kann man auch so ein Stück lernen.

Aber das braucht eben wirklich viel Übung. Und ein Stück über Noten lernen, ist eben oft weniger mühsam.

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Kommentar von knallpilz
30.09.2016, 09:36

"Aber das braucht eben wirklich viel Übung. Und ein Stück über Noten lernen, ist eben oft weniger mühsam."
Ist bei mir genau andersrum. Und ich bin auch nicht besonders musikalisch begabt. Noten lesen muss man eben auch üben.
Beim Schlagzeug spielen meinte mein Lehrer immer, dass ich bewusst mitzählen soll, wenn ich irgendwo rausgekommen bin. Aber das hat mich nur noch mehr rausgebracht. Weil es daran nicht lag. Wenn man mit 4/4-Takten aufwächst, zählt man die irgendwann unterbewusst automatisch mit. Genauso 6/8, usw...

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Warum denn auch nicht? Noten sind lediglich eine Art um Musik sichtbar zu machen bzw. um sich mit anderen Musikern auszutauschen. Mit Noten kann ich jemandem zeigen was er wann wie spielen soll, obwohl er das Stück noch nie gehört hat und ein völlig anderes Instrument spielt als ich. Aber deswegen kann man doch trotzdem wissen wo auf dem eigenen Instrument welcher Ton liegt und wie er klingt. Es ist dann halt manchmal nicht ganz so einfach sich mit anderen Instrumentalisten auszutauschen. Oft reicht es aber ja auch schon aus wenn ich sagen kann "spiel da mal ein A statt dem E und bitte in 8tel statt 16tel...". Dazu muss man keine Noten können.

Wenn man natürlich überhaupt keinen Plan hat und nicht einmal die Töne auf dem eigenen Instrument kennt, dann ist man meiner Meinung nach auch kein Musiker. Wer malen nach Zahlen macht ist ja auch kein Maler.

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Kommentar von knallpilz
30.09.2016, 09:32

"Wenn man natürlich überhaupt keinen Plan hat und nicht einmal die Töne auf dem eigenen Instrument kennt, dann ist man meiner Meinung nach auch kein Musiker."
Töne kennen und ihnen genormte Bezeichnung zuordnen sind doch aber zwei unterschiedliche Dinge.
https://www.youtube.com/watch?v=mbihUX5Kr3M
Ist das dann auch keine Musik, weil der Komponist nicht wusste, wie welcher Akkord heißt?

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Ob man ein guter Musiker ist, hat überhaupt nicht damit zu tun, ob man Noten lesen kann. Wirklich gute Musiker brauchen keine Noten, die hören ein Stück, und können es sofort (meistens noch besser als das Original) nachspielen.

Noten sind einzig und alleine dazu da, Musik, die sich jemand ausgedacht hat, aufzuschreiben, sodass man sie nachspielen kann, ohne dass der Komponist einem jede Stimme vorspielen muss.

Desweiteren vereinfacht sie das gemeinsame musizieren natürlich auch ungemein, weil man sich keinen Kopf mehr darum machen muss, wie das, was man gerade spielt, zu den anderen Musikern passt.

Noten sind also nur ein Hilfsmittel, um das Erlernen von Stücken auch für "Laien" zu ermöglichen. Ob man ein grandioser Musiker ist, hat also nichts damit zu tun, ob man nun Noten lesen kann oder nicht. Beispiele dafür wurden ja schon genannt (Ray Carles...).

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Der beitrag von tasha triffts recht gut:

ich verstehe auch nicht ganz warum sich mancher so strikt diesem sehr hilfreichen mittel zum musizieren und misikverständnis verwehrt.

Es eröffnet so viel mehr möglichkeiten, und sooo horrend schwer ist es letztlich nicht!

Ist es faulheit? Oder eine furcht davor sein "ursprüngliches" musizieren einzubüssen?

Zuudem bin ich davon überzeugt, dass viel herumphantasiert wird um berühmte musiker die angeblich nicht noten lesen konnten; e ebso wie um komponisten die angeblich autodidakten waren...

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Kommentar von knallpilz
30.09.2016, 09:41

"Es eröffnet so viel mehr möglichkeiten, und sooo horrend schwer ist es letztlich nicht!"
Das empfindet aber nicht jeder so.

"Ist es faulheit? Oder eine furcht davor sein "ursprüngliches" musizieren einzubüssen?"
Manch einer ist eben musikalisch begabt, der andere rational. Dem einen fällt also das intuitive musizieren leichter, dem andere das mit Hilfsmitteln.

"Zuudem bin ich davon überzeugt, dass viel herumphantasiert wird um berühmte musiker die angeblich nicht noten lesen konnten; e ebso wie um komponisten die angeblich autodidakten waren..."
Aber mit welcher Begründung?
Es gibt auch Legastheniker, die rhetorisch begabt sind.
Hör dir mal einen Tarantino-Dialog an und lies dir dann die entsprechende Szene im Drehbuch durch.

Nur weil du nicht autodidaktisch veranlagt bist, heißt das nicht, dass sowas unrealistisch oder selten ist.
Wie könnte es auch selten sein. So lernt doch jedes Kind sprechen. Durch Zuhören und Beobachten. Kinder lernen nicht in der Schule sprechen, da können sie das schon. In der Schule lernen sie, wie man Sprache in Schriftzeichen übersetzt. Nicht andersrum.





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Ich spiele Saxophon,Orgel,Keyb. und Gitarre.Ich kenne keine einzige Note, war also in der Schule in Musik eine totale Niete.Spiele alles nach Gehoer ,wir hatten in den 70ern eine Band, konnten allesamt keine Noten und hatten damals einige Auftritte .

Ich finds nicht schlimm wenn Du keine Noten kennst, probiers doch mal aus.

Viel Glueck

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Kommentar von Torrnado
30.09.2016, 01:47

wie hiess denn eure Band ? Genre Krautrock ?  ;-)

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Bestimmt Talent, Gefühl oder der Ghostwriter der die Texte schreibt und die Melodie verkauft?! Ray Charles war bzw. ist weiß gerade nicht😅 Blind und das ist ja auch nicht so leicht dann in die Tasten zu hauen oder Stevie Wonder 😄👍🏽

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Kommentar von healey
30.09.2016, 01:34

Ray Charles war blind als er noch lebte !

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Manche spielen "aus dem Gefühl ". Heutzutage musst du nicht mehr zwingend Noten lesen können, wobei das nur ne Lernphase ist.

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Da kommt direkt die Folgefrage ;) Noten sind ja nur eine Methode um Lieder zu "speichern" und weiterzugeben. Wenn man ein Lied im Kopf hat, sind keine Noten mehr nötig. Wenn jemand ein gutes Gehör hat, und sein Instrument beherscht, kann er auch ohne Noten zu lesen neue Lieder erlernen.

Du kannst es dir Ähnlich vorstellen, wie mit einem Dichter, der nicht lesen kann ;)

Gruß

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Sie können Noten hören.

Was meinst du denn mit Auswirkungen?

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Das kann man sich so verstellen wie sprechen ohne lesen zu können.

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Man kann doch auch sprechen, wenn man nicht lesen kann.

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