Frage von Lilliy12, 70

Welche Art von Psychotherapie soll ich wählen?

Hallo,
auf Empfehlung vom Hausarzt soll ich in Psychotherapie. Ich weiß aber nicht ob ich zu einer analytischen oder verhaltenstherapeutischen Psytherapeut gehen soll. Ich habe eine depressive Verstimmung und eine emotionale Verstimmung.Noch dazu bin ich sehr impulsiv und wechsle ständig meine Freunde. Irgendwie habe ich es schwer mich in Gruppen einzufügen. Und wenn mir jmd etwas gemeines sagt verletzt mich das noch mehr als es bei anderen wär.Und  ich bin jmd der Dinge eher zu genau macht.Irgendwie habe ich das Gefühl dass ich erst in meinem Unterbewusstsein forschen soll und hilfe zur Selbsthilfe bekommen soll und dann nach einem halben Jahr ungefähr in analytische Psychotherapie gehen soll aber ich weiß net....
Bitte keine dummen Kommentare. Was ich brauche ist eine ernst gemeinte Antwort.

Danke vorab
Lg  lilliy

Antwort
von bikerin99, 41

Von der Forschung her, weiß man, dass nicht die Methode entscheidend ist, sondern die Beziehung zum Psychotherapeuten/in. Das heißt, dass du gut mit dem Therapeuten/in kannst, du ihm/ihr vertraust und auch glaubst, dass er/sie dir helfen kann.

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 24

Dies hängt primär davon ab, wie tiefgreifend deine Beschwerden sind. Eine Verhaltenstherapie ist z.B. bei Angststörungen (die du nicht zu haben scheinst) sehr effektiv. Es geht darum zu lernen, wie man sich dosiert gewissen Reizen wieder aussetzt.

In einer Verhaltenstherapie werden vor allem die Symptome bekämpft. Der Patient soll lernen, sein kognitives Denken und sein Verhalten zu ändern. Dies geschiet meist mittel Übungen. So soll eine Verbesserung der Symptomatik erzielt werden.

Eine Psychoanalyse ist im gegensatz zu einer Verhaltenstherapie viel tiefgreifender. Das Unterbewusstsein spielt dabei eine zentrale Rolle. Es wird versucht das Unterbewusstsein zu erreichen und so grundlegende Probleme zu lösen.

Eine Psychoanalyse ist ein sehr effektiver doch langwieriger Prozess. Meist sind mehrere Jahre dafür notwendig bei einem Therapieinterval von mind. 2x die Woche. Im Gegensatz zu einer Verhaltenstherapie heilt eine Psychotherapie und bekämpft nicht nur die Symptome.

Was du schlussendlich willst ist also von dir abhängig. Symptombekämpfung (was schon mal ein erster Schritt ist) oder Heiliung. Kürzere oder längere Therapie.

Kommentar von TRichter1956 ,

Ach, da ist wieder das uralte Vorurteil der Psychoanalytiker am Werk! VT bekämpft Symptome, PA geht "tiefer". Nun ja, leider ist diese Meinung, auch wenn es ein "Experte" hier sagt, durch nichts belegt.

Ich behandle seit vielen Jahren depressive Menschen, das ist manchmal sehr "tiefgreifend" und oft ziemlich effektiv. Psychoanalyse dauert unglaublich lange und eine höhere Wirksamkeit gibt es nicht. Übrigens gibt es nur wenige Psychoanalytiker.

Wenn Lilly aber eher ihre Kindheit genauer anschauen möchte, dann wäre eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll.

Kommentar von Harald2000 ,

Genau !

Antwort
von DocRough, 44

Hi, warum tendierst du in Richtung analytischer Psychotherapie? Meinst du,  dass das Aufarbeiten möglicher traumatischer Ereignisse in der Vergangenheit so hilfreich ist deine Verhaltensmuster zu verstehen und zu ändern? Ich würde mir da eher von einem Facharzt Rat holen an deiner Stelle und dir dann noch einmal überlegen welches Ziel die Therapie haben soll.

Mein Favorit wäre hier die Verhaltenstherapie (habe selbst vor Jahren eine hinter mich gebracht, mein Krankheitsbild ist das manisch-depressive. Unterstützend zu Medis und dadurch, dass die Chemie zwischen mir und meiner Therapeutin gestimmt hat, war diese Art der Therapie sehr erfolgreich. Hierbei wurden eben Verhaltensmuster ausgelotet und nach und nach verändert, so dass ich die negativen Aspekte der Krankheit sehr gut in den Griff bekommen habe. Zudem stärkt der oder die Therapeut/in das Selbstbewusstsein gerade in depressiven Phasen. 

Fazit: Ich empfehle dir die Verhaltenstherapie, schließlich sollte doch der Blick auf das Hier und Jetzt und die Zukunft gerichtet werden und so manche Sache aus der Vergangenheit sollte man ruhen lassen und nicht wieder unnützerweise hervorkramen.

Kommentar von Lustigst ,

Ein Professor meinte mal, ohne Psychoanalyse wäre es eher eine Symptombehandlung und die Patienten würden (wenn auch nach Jahren) rückfällig werden. Aber er selbst war ein Analytiker. Von daher kann man natürlich die Objektivität der Aussage in Frage stellen :/

Kommentar von DocRough ,

Na ja, der Teilbereich der Depression, den sie beschreibt, bei dem ist eine Symptomverbesserung ja schon mal nicht schlecht und vorallem auch die Verbesserung des in sich hinein hören, um den Beginn einer Phase besser zu erkennen und früh reagieren zu können. Der menschliche Körper und Geist sind ja zum Glück mit Memoryeffekten ausgestattet, somit kann man jede schlechte Handlungsweise eben auch in eine Gute ändern.

Je öfter und regelmässiger man das schafft, desto besser prägt sich das auch ein. Ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen und war auch bei einem Analytiker vorher, aber sorry, ich werde damit nicht warm und was der Professor da meint, es sei ihm gegönnt, nur am Ende beruhen seine Erfahrenswerte auf Studien und die eines Kranken auf seine eigenen Erfahrungen, die er selbst durchlebt. Wie du selbst sagst, eine Krähe wird der anderen kein Auge auspicken^^ 

Kommentar von schloh80 ,

Die Studienlage sieht Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) etwas besser als Antidepressiva, am besten kommt eine Kombinationstherapie mit Antidepressiva und KVT weg, übersetzt heißt das, dass diese Kombinationstherapie eine Rückfallquote von 50% bei Ersterkrankung und über 70% bei einer zweiten depressiven Episode erzielt. Auch eine tiefenpsychologisch fundierte Kurzzeittherapie, die sich nur auf die Bearbeitung des aktualisierten Konflikts beschränkt, liegt auf dem Niveau.

Glaubt man den Umfragen bei Therapeuten und Patientenbefragungen, ist der Mehrheit der Patienten das Prinzip "Kürzer, aber dafür öfter" lieber, als eine Langzeitbehandlung.

Neuere Studien (Vergleichsstudien moderne VT wie CBASP, Achtsamkeit u.a. vs. manualisierte analytische Psychotherapie zur Bahendlung chronischer Depression) zur Behandlung von chronischen Depressionen deuten auf eine langfrisitig deutlich bessere Stabilität und auch Symptomreduktion bei der analytischen Behandlung hin, unklar ist, ob das Verfahren als solches oder die höhere Intensität verantwortlich zeichnet.

Kommentar von schloh80 ,

Meinst du,  dass das Aufarbeiten möglicher traumatischer Ereignisse in der Vergangenheit so hilfreich ist 

Das hat aber wenig mit analytischer Psychotherapie zu tun.

Kommentar von DocRough ,

Klasse Arbeit eines Copy-Paste Psychologen, schon mal eine mitgemacht? Dieses ganze Wiki-Wissen darfst du gerne weiter rumkopieren, Fakt ist, dass es bei dieser Form der Psychotherapie primär um ein besseres Verständnis der eigenen Lebensgeschichte und der im Verlauf der Kindheit erlernten unbewussten Erlebens- und Verhaltensmuster geht. Die Psychoanalyse geht also davon aus, dass es die, in den frühen Beziehungen zu den Eltern und in der Familie gelernten und verinnerlichten Beziehungsmuster sind, die im späteren Leben zu spezifischen inneren und äußeren Konflikten und seelischen Störungen führen. Unweigerlich wird man also mit Dämonen der Vergangenheit konfrontiert. 

Da kannst du noch so viele Zahlen und Studien hier reinrotzen und wenn du wenigstens vorher mal lesen würdest, was Lilly schreibt, hier geht es nicht um chronische Depressionen. Wenn schon Hobbypsychologe, dann doch bitte auf Grund eigener Erfahrungen und nicht auf Grund von im Net umherschwirrenden Studien, die Woche für Woche andere Erkenntnisse darlegen, je nach dem welche Lobby sie gerade bezahlt.

Antwort
von schloh80, 29

Die Frage ist, was du möchtest. Geht es dir um rasche Entlastung und rasche Symptomreduktion und sollen die Symptome im Vordergrund stehen, dann eher Verhaltenstherapie. Oder siehst du die Symptome eher verwoben in leidvoll erlebten Beziehungskontexten mit ursächlichen Beziehungsstörungen (zB trotz anderer Wünsche immer wieder ratloses Scheitern in Beziehungen und die Symptomlage ist abhängig davon, wie es in der Bezeihung läuft bzw. rasante Abstürze nach Beziehungsende / Trennungen), die du dir nicht erklären kannst, dann eher eine psychodynamische Psychotherapie.

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