Frage von Carola98, 116

Welche Art von Messern darf man mit sich führen?

Hallo liebe Community ;)

Man könnte meinen das sich meine Frage leicht googeln lässt, aber das ist leider nicht so... Überall (auch im Gesetzbuch) steht, man darf keine Einhandmesser, also einhändig feststellbare Messer mit sich führen.

So weit so gut.

Mein Problem ist jetzt aber, dass ich ein Messer habe, bei dem der Knauf für das einhändige Öffnen fehlt und man somit zwei Hände zum Öffnen benötigt. Allerdings ist die Klinge des Messers feststellbar und mein Vater meinte, dass ich es dadurch nicht in meiner Tasche mitnehmen dürfe. Über so ein Messer steht nichts genaueres im Waffenrecht (heißt es nun einhändig und feststellbar oder einhändig oder feststellbar?) , noch wird es auf einer Internetseite thematisiert.

Also noch einmal meine Frage: Darf ich mein Taschenmesser, dass man zweihändig Öffnen muss aber feststellbar ist in der Öffentlichkeit mit mir führen?

Vielen Dank im Voraus ;)

Eure Caro

P.S. Mir ist bewusst, dass ich kein Messer bei öffentlichen Veranstaltungen dabei haben darf.

Antwort
von FloTheBrain, 30

Dazu habe ich vor langer Zeit mal einen langen Text verfasst:

Der
Gesetzgeber macht keine Altersbeschränkungen was das Führen von
Messern angeht, jedoch beim Besitz. Bestimmte Messer darf man erst ab
18 besitzen. Bei diesen gilt aber grundsätzliches Führverbot. Eine
Ausnahme bilden noch die Einhandmesser. Diese dürfen auch von
Minderjährigen besessen werden, aber es gilt auch hier ein
grundsätzliches Führverbot, unabhängig vom Alter des Besitzers.

Alle
Messer darf man führen (auch Minderjährige), welche nicht solche
Eigenschaften aufweisen, wie hier im gesamten Text beschrieben. Also
Klappmesser, welche zweihändig zu öffnen sind. Bei Klappmessern,
egal ob die Klinge verriegelt oder nicht, gibt es keinerlei
gesetzliche Begrenzung der Klingenlänge! Weiterhin feststehende
Messer mit unter 12 cm Klingenlänge. Andere Messertypen und Messer
mit Waffeneigenschaften sind vor dem Gesetz problematischer.

Verbot
des Führens

-
Einhandmesser. Einhandmesser sind Messer, bei der sich die Klinge mit
einer Hand öffnen und feststellen lässt, egal welche
Klingenlänge. Die berechtigten Interessen solche Messer zu führen,
werden in der Praxis so gut wie nicht mehr anerkannt, oft mit der
Begründung auch Zweihandmesser würden den Zwecken gerecht werden.
Bestimmte Einhandmesser, die als Rettungsmesser gelten wurden von
einem BKA Feststellungsbescheid vom Führverbot ausgenommen. Für
viele Rettungsmesser, die auch Einhandmesser sind, bleibt das
Führverbot aber bestehen!

-
Messer mit fester Klinge (Fahrtenmesser) mit über 12 cm
Klingenlänge, dazu gehört auch der ungeschliffene Klingentei. Solch
ein Messertyp wird auch nicht zu einer Waffe, wenn die Klingenlänge
mehr als 12 cm beträgt. Der Besitz ist somit auch Minderjährigen
gestattet.

Zum
Führen dieser beiden Messertypen (Einhandmesser und Fahrtenmesser
mit über 12 cm Klingenlänge) benötigt man ein berechtigtes
Interesse: Wenn das Führen im Zusammenhang mit der Berufsausübung
erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein
anerkannten Zweck dient (Wandern, Fischen, Camping, Jagd etc.).

Der
Transport solcher Messer, und auch Messer die Waffen i.S.d.
Waffengesetzes sind ist aber immer erlaubt (unter Beachtung der
Regelungen zum Mindestalter bei Waffen). Dazu muss das Messer nicht
zugriffsbereit transportiert werden. Erreicht wird dies mit einem
abgeschlossenen Behältnis, wie z. B. einen Rucksack dessen
Reißverschluss mit einem kleinen Vorhängeschloss abgeschlossen ist.

Ein
Verstoß gegen das Führverbot ist eine Ordnungswidrigkeit und wird
mit einem Bußgeld von bis zu 10 000 Euro bestraft (Fallbeispiele
bewegen sich aber nur im unteren 3-stelligen Bereich). Das Messer
wird eingezogen und nicht an den Besitzer zurückgegeben.

Waffeneigenschaften,
die grenzwertig sind und so eventuell im Einzelfall Probleme bereiten
können (uneinheitliche Rechtsprechung)

-
Gute Sticheigenschaften der Klingenform

-
Geringe Eignung als Schneidwerkzeug

-
Die Beschaffenheit des Griffs geht über die eines üblichen
Schneidwerkzeugs hinaus

-
Ausgeprägtes Parrierelement

-
Reflexionsschutz für Klinge oder Messer insgesamt (schwarze Klinge!)

-
Waffentypische Hinweise des Herstellers (Artikelbeschreibung und
Bezeichnung, tac, tactical, military usw.)

-
Hohlkehle (auch „Bahn“, „Hohlbahn“, „Gracht“, „Kalle“,
„Blutrinne“ oder „Blutrille“) dient bei Jagdmessern dazu Luft
den Wundkanal zu leiten, was zu einem schnellen verenden des
Wildstücks führt (z. B. durch Lungenkollaps). Die genaue Funktion
ist jedoch vielfach umstritten, es wird auch die Meinung vertreten
so ein Merkmal diene nur der Gewichts- und Materialersparnis.

-
Waffentypisches Gesamterscheinungsbild

-
Ein Wellenschliff in der Klinge ist keine Waffeneigenschaft. Ein
solcher Schliff dient dazu effektiv Seile durchschneiden zu können.

Führverbot,
aber Besitz ab 18 erlaubt

-
Zweischneidigkeit der Klinge: Dolch (Waffe)

-
Tanto-Klinge (Stoßwaffe)

-
seit 2012 auch Kerambitmesser (Klinge wie Kralle geformt)

-
Springmesser, bei denen die Klinge seitlich herausspringt,
maximal 85 mm lang ist und nicht zweiseitig geschliffen ist

-
Springmesser, deren Klinge nicht verriegelt, sind keine Springmesser
i.S.d. Waffengesetzes

-
und sämtliche Klingenformen die typischen Blankwaffen nachempfunden
sind wie z. B. das Tanto

Auch
hier gibt es Ausnahmen beim Führverbot durch ein berechtigtes
Interesse, wie z. B. Theateraufführungen oder Brauchtumspflege. Wer
Waffen mit Erlaubnis oder berechtigtem Interesse führt, oder
transportiert muss sich ausweisen können.

Verbotene
Messer

-
Springmesser bei denen die Klinge gerade nach vorn aus dem Griff
springt

-
Springmesser bei denen die Klinge seitlich herausspringt und länger
als 85 mm ist und/oder zweiseitig geschliffen ist. (Ausnahmen durch
BKA Feststellungsbescheid für bestimmte Rettungsmesser)

-
Butterflymesser

-
Butterflymesser und Springmesser mit seitlich aufspringender Klinge
mit unter 41 mm Klingenlänge und unter 10 mm Klingenbreite werden
nach einem BKA Feststellungsbescheid nicht als Waffen, oder verbotene
Gegenstände eingestuft, auch wenn die Klinge zweiseitig geschliffen
ist.

-
Fallmesser (es gibt Ausnahmen für bestimmte Rettungsmesser durch
einen BKA Feststellungsbescheid)

-
Faustmesser (Griff quer zur Klinge)

-
Messer, die andere Gegenstände vortäuschen wie z. B. der klassische
Stockdegen oder Feuerzeugspringmesser. Feuerzeugspringmesser, also
Feuerzeuge mit eingebautem Springmesser sind aber nicht verboten wenn
die Klingenlänge 50 mm nicht übersteigt, die Klingenbreite maximal
20 % der Klingenlänge ausmacht und die Klinge nicht Zweiseitig
geschliffen ist (BKA Feststellungsbescheid).

-
WASP Injection Knife (Google oder Youtube klärt auf) rechtliche
Situation ist (mir) noch unbekannt, wird vermutlich bald eine
verbotene Waffe sein, bis dahin aber, weil es als Waffe entwickelt
wurde, darf es auf keinen Fall geführt werden. Es gibt zudem keinen
Händler der es hier in Deutschland anbietet.

Ein
Verstoß gegen dieses Gesetz, also der Besitz solcher verbotenen
Gegenstände ist eine Straftat und wird mit Freiheitsstrafe bis zu 3
Jahren bestraft.

Unterschied
zwischen Einhandmessern und Springmessern, beide mit seitlich
aufgehender Klinge

Einhandmesser
haben keine automatische Öffnung und sind durch spezielle bauliche
Merkmale mit nur einer Hand zu öffnen, wobei die Klinge verriegelt.
Es ist als Werkzeug eingestuft und darf auch von Minderjährigen
besessen werden. Zum Führen muss ein berechtigtes Interesse
vorliegen. Nach einem BKA Feststellungsbescheid vom Mai 2013 sind
auch Klappmesser als Einhandmesser einzustufen, die keine speziellen
baulichen Merkmale aufweisen, sondern bei denen sich die Klinge
„ungeübt“ mit einer Hand öffnen und feststellen lässt.
Betroffen war hiervon ein Pohl Force Messer, bei dem die schwere
Klinge aus dem Handgelenk aufgeschleudert werden kann und verriegelt.

Springmesser
mit seitlich aufspringender Klinge haben eine automatische,
Feder-unterstützte Öffnung wobei die Klinge ebenfalls verriegelt.
Sie sind nicht verboten wenn die Klingenlänge 85 mm nicht
überschreitet und nur einseitig geschliffen ist. Der Besitz ist aber
im Gegensatz zu den Einhandmessern erst ab 18 erlaubt. Zum Führen
ist auch hier ein berechtigtes Interesse von Nöten. Der Gesetzgeber
unterscheidet diese Messertypen also nicht beim Führen (einhändig
feststellbar) , wohl aber bei den Anforderungen an den Besitz.

Verriegelt
die Klinge aber nicht im geöffneten Zustand, dann sind solche
Messer vor dem Gesetz weder Einhand- noch Springmesser. Damit fallen
automatisch die verbundenen Einschränkungen beim Mindestalter und
Führen weg! Von solchen Messern ist aber abzuraten, da das Arbeiten
mit nicht verriegelter, nur durch Federspannung gesicherter Klinge
ein hohes Verletzungsrisiko mit sich bringt.

Sonderregelungen

-
Im Gegensatz zu manch anderen Ländern gibt es keine Beschränkung
wie viele erlaubte Messer man tragen darf, es gilt: Keins bis soviel
man schleppen kann!

-
Städte und Gemeinden können besondere Bereiche der Öffentlichkeit
ausweisen, bei denen das Tragen von Messern generell verboten ist.

-
Bei Demonstrationen sind alle Gegenstände untersagt, die dazu
geeignet sind sich einer Festnahme zu entziehen. Dazu gehören neben
Messern und z. B. Pfeffersprays auch sog. „Schutzwaffen“ wie
Helme oder Protektoren in der Kleidung zum Schutz vor Schlägen.

-
Bei öffentlichen Veranstaltungen (Flohmärkte, Weihnachtsmärkte,
Konzerte etc.) ist das Tragen von Waffen verboten. Messer die keine
Waffen i.S.d. Waffengesetzes sind fallen nicht darunter,
genauso wenig wie Pfefferspray, was i.S.d. Waffengesetzes ebenfalls
keine Waffe ist (im Gegensatz zu CS-Gas-Spray).

Kommentar von Tuehpi ,

Sehr schön. Sollte automatisch gepostet werden wenn eine Frage mit "Messer" & "Gesetz" oder "Recht" getaggt ist.  

Antwort
von Lazcek, 30

Wenn du es nun wirklich nicht mit einer Hand aufbekommst, dann OK (es gibt da welche, bei denen geht das immer noch oder du kommst an einen Gesetzeshüter, der das an der Klinge fasst und den Griff aufschnappen lässt und das dann einzieht und vom Richter klären lässt)

Es gibt sogar Messer, die als "Zweihandmesser" gebaut wurden, aber die "Nagelrille" ist so groß, daß es trotzdem noch mit einer Hand aufgemacht werden kann - http://www.bka.de/nn\_205626/SharedDocs/Downloads/DE/ThemenABisZ/Waffen/Feststel...

Da wird gut beschrieben, daß das Merkmal eines "Bedienelements" zum einhändigen öffnen (also der Pin) nicht unbedingt vorhanden sein muß...

Das feststellen allein ist kein Problem, hauptsache, es ist nicht mit einer Hand zu öffnen, dann solltest du keine Probleme bekommen!

Typ oder Bild deines Messer würde auch weiterhelfen..

Antwort
von Tuehpi, 47

Um unter das Führverbot nach 42a zu fallen müssen beide Mermale, einhändig & feststellbar, erfüllt sein. 

Wenn du es WIRKLICH nicht mehr mit einer Hand aufbekommst sollte alles paletti  sein. 

Kommentar von Carola98 ,

Danke für die schnelle Antwort ;)

Kommentar von Tuehpi ,

Im übrigen, die verschwundene Antwort mit dem "schwarze Klingen verboten" lag traurigerweise nicht SOOO weit daneben wie man glauben will. 

Der Passus 

"Hieb- und Stoßwaffen (Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, unter unmittelbarer Ausnutzung der Muskelkraft durch Hieb, Stoß, Stich, Schlag oder Wurf Verletzungen beizubringen" 

Würde nämlich als "super tacticool kill all super kampfmesser" mit, ja, meist geschwärzter Klinge, beworbene und beschriftete Messer erfassen die nicht mal zwingend die Merkmale aus 42a Absatz 1 Punkt 3 überschreiten. Und schwupps ist man im Führverbot nach 42a Absatz 1 Punkt 2.

Aber das sind Feinheiten für schlecht gelaunte Beamte denen jemand morgens aufs Leberwurstbrot gelatscht ist. Geben tut es die durchaus. 

Antwort
von ES1956, 56

Das Führen von Messern regelt § 42a WaffG
Kurzfassung: Verboten ist das Führen (unverschlossen dabeihaben) von Messern die als Waffe gelten (Dolch, Karambit, Springmesser ...)
Außerdem verboten ist das Führen von feststehenden Messern mit Klingen über 12cm Länge und von allen Messern die einhändig verriegeln (Einhandmesser)
http://www.gesetze-im-internet.de/waffg\_2002/\_\_42a.html


Der Knackpunkt und die Antwort auf deine Frage ist >>einhändig verriegeln<< , das bedeutet dass BEIDE Bedingungen

"einhändig UND verriegeln" 

erfüllt werden müssen um ein Messer unter das Führverbot fallen zu lassen.

Kommentar von Carola98 ,

Danke, dass du dir die Mühe gegeben hast mir zu antworten, allerdings hättest du zuerst den Text lesen sollten, denn in meiner Frage geht es um ein ganz bestimmtes Messer. Alles was du geschrieben hast war mir bereits bekannt.

Kommentar von ES1956 ,

...

Kommentar von Groessenordnung ,

Kurz: JA.

Kommentar von Carola98 ,

ups hab erst jetzt deine Ergänzung gesehen :) Danke für deine Antwort

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