Frage von Kitty113, 177

Welche Art dieser Erkrankung macht einem Menschen das Leben "schwerer": leichter frühkindlicher Autismus (F84.0 - F84.1) oder schweres Asperger-Syndrom?

Hallo,

Ich weiß nicht, ob ich damit jetzt richtig liege oder mich doch ein wenig täusche. Wenn ja, könnt ihr mich gerne "korrigieren" :)

Aus meiner Sicht hat es jeder Autist (bis auf ein paar Ausnahmen) mehr oder weniger schwerer im Leben, als der Durchschnitt, was zumindest die Kommunikation oder Gespür für soziale Situationen angeht.
Dem einen Autisten fällt es bspw. schwer, Gesichtsausdrücke eines Menschen zu erkennen, sie anzuwenden oder auch beides. Andere können kaum bis gar nicht in die Gefühle eines Menschen hineinversetzten oder verstehen viele soziale Situationen nicht. Das sind die Beispiele, die mir gerade so spontan einfallen.

Davon abgesehen bedeutet die Erkrankung Autismus generell, "anders zu sein" als der Durchschnitt. Und dieses "Anderssein" ist meiner Meinung nach nicht immer etwas Positives, da man in manchen Fällen oder auch häufig aufgrund der angeblich "ganz besonderen und komischen Art" an allen möglichen Schulen, Oberstufenzentren sowie Arbeits- und Ausbildungsstellen gemobbt, gemieden, ignoriert, nicht ernst genommen oder gar als behindert /sonderbar/unterdurchschnittlich im sozialen Bereich usw. abgestempelt wird. Bei mir zumindest kam so etwas desöfteren im Leben vor.

Zurück zu meiner eigentlichen Frage: Da diese Erkrankung ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann (egal welche Form) und zudem noch, grob gesagt, in zwei Hauptformen unterteilt wurde, nämlich den frühkindlichen Autismus (F84.0 - F84.1) und das Asperger-Syndrom, würde es mich wirklich sehr interessieren, welche Form dieses Krankheitsbildes einem Menschen in der Regel das Leben "schwerer" macht, und weshalb.

Frage 2: Hängt eine Autismus-Diagnose vom IQ des Betroffenen ab oder ist dies eher umgekehrt der Fall?

Antwort
von Pramidenzelle, 86

Deine Beschreibung von Autismus zielt, wie man es im Internet oft findet, sehr stark auf die sozialen Einschränkungen ab, aber Autismus ist viel mehr als das. Autisten nehmen die Welt ganz anders war, und das beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln, bei Asperger kommt dann noch eine motorische Problematik dazu ...

Also, es gab bisher drei Diagnosen: Asperger-Syndrom, Kanner-Syndrom (=frühkindlicher Autismus) und atypischer Autismus.
Ich bin keine Expertin, aber habe vor kurzem einen Vortrag von einem Professor für Psychiatrie zum Thema gehört, der sagte theoretisch wir die Diagnose Kanner unabhängig vom IQ gegeben, atypischer Autismus nur bei geistiger Behinderung (IQ<70) und Asperger nur wenn keine geistige Behinderung vorliegt (IQ>70) - doch das wird in der Praxis nicht unbedingt von allen Klinikern auch so umgesetzt.
Technisch gesehen ist die Diskussion aber ohnehin bald hinfällig, da man inzwischen darauf gekommen ist, dass Autismus ein Spektrum ist, keine Zusammensetzung von klar abgegrenzten Einzeldiagnosen.
Jedenfalls können Menschen mit jedem beliebigen IQ Autisten sein.

Was einem das Leben schwerer macht, dass kann man, meiner Meinung nach eigentlich kaum herausfinden. Einerseits hängt es, wie meine Vorredner schon sagten, sehr von den Umständen ab, andererseits liegt es aber auch daran, dass jeder Autist an einem Punkt des Spekrums ist. Wenn du wissen willst, ob eine Grippe oder ein gebrochener Finger schlimmer ist, dann fragst du eben jemanden, der schon beides hatte, aber das gibt es in dieser Situation ja nicht.
Meine Psychotherapeutin sagt, dass hochbegabte Frauen mit Asperger-Syndrom überaus häufig auch noch Depressionen erleiden, aber ich weiß nicht, ob das stimmt.

Jedenfalls kann niemand in die Köpfe anderer Menschen hinein schauen (auch wenn ich gelegentlich den Eindruck habe, dass neurotypische Menschen untereinander es doch können) und deshalb ist eine objektive Beurteilung, was einem das Leben schwerer macht nicht zu treffen.

Antwort
von halbsowichtig, 85

Wie schwer das Leben fällt, kommt auf die Symptome an. Autismus ist in ein Spektrum. Das heißt, man kann jedes einzelne Symptom schwer oder leicht haben.

Deshalb trennt man heute eigentlich auch nicht mehr in frühkindlichen Autismus und Asperger-Symdrom. Die Unterteilung gilt als veraltet und wird mit der nächsten ICD-Ausgabe abgeschafft.

Wie schwer man es mit dem individuellen Autismus hat, kommt wiederum aufs Umfeld an:

  • Wer eine verständnisvolle Familie um sich herum hat, bekommt weniger Probleme, als jemand der gewaltsam zum Normalsein gezwungen wird.
  • Jemand mit auf dem Arbeitsmarkt gefragten Spezialinteressen wird es leichter haben, als jemand mit total abgehobenen Interessen.
  • Wer so schwer behindert ist, dass er im Heim leben muss, kann es dort leichter haben, als jemand der sich durch den Arbeitsmarkt kämpft.
  • Wer es dermaßen schwer hat, dass er einen Betreuer bezahlt bekommt, kann es daraufhin wieder leichter haben als ähnlich schwer Behinderte ohne fremde Hilfe.

Zur zweiten Frage: Die genaue Diagnose hängt von der Klinik ab. Manche Ärzte vergeben fast immer frühkindlichen Autismus, manche geben fast jedem Asperger. Auch das wird mit der nächsten ICD-Ausgabe entfallen.

Antwort
von kiniro, 92

Es wird nicht zwischen "leichtem" und "schwerem" Autismus unterschieden, sondern heißt allgemein "Autismusspektrumstörung".

Es gibt da kein "das macht es schwerer und jenes leichter".

Jeder Autist hat unterschiedliche Schwierigkeiten, die sogar verschieden stark sein können, je nach Tagesform und äußeren Umständen.

Eine Autismus-Diagnose hat nichts mit dem IQ zu tun.
Ebenso sind die üblichen IQ-Tests sinnlos bei Autismus, da sie auf NTs (neurotypische Menschen) ausgelegt sind.

Antwort
von DeliriumTremens, 62

"welche Form dieses Krankheitsbildes einem Menschen in der Regel das Leben "schwerer" macht, und weshalb." 

Autismus ist keine Krankheit, aber auch ein Autist kann mal krank sein --> ;) 

Jeder Mensch hat es so schwer, wie es ihm seine Umwelt macht. Der Mensch in sich ist und fühlt in jeder Form so lange vollkommen, bis er auf andere Menschen und/oder deren verursachten Umstände stößt und somit mit seinem mitgebrachtem Potenzial in der Interaktion/Reaktion in den Bereich des Messbaren gelangt. Erst dann wird "Wert" und "Nutzen" anhand von in der betreffenden Umwelt geltenden Normen und Paradigmen festgestellt und etikettiert- der Selbstwert durch die Resonanz geformt. Ändert sich die Umwelt, so das Maß, so der Gemessene. 

Antwort
von Meriages, 43

Ich bin selber Asperger Autist und möchte dich gerne auf folgendes hinweisen: Es ist keine Erkrankung, zumindest in meinen Augen, eine bessere Definierung wäre Behinderung, ist es nämlich.

Desweiteren: Asperger Autismus macht einem das Leben keineswegs schwerer, ich würde sogar sagen das einige Asperger sich verdammt gut in ihr Leben einfinden, analytisches Denken zahlt sich eben aus. 

Es gibt viele die sich in den Bereichen engagieren (Autor, Soziale Berufungen, wobei das eher weniger machen, Naturwissenschaften, wovon ich selber ein Fan bin, neben Geschichte)

Klar, es gibt einige monströse Behinderungen im Alltag die einen auf Dauer wirklich fertig machen können, ich war 3 Monate in der Psychatrie und hatte eine wirklich lange Zeit Depressive Symptome, diese Zeit hat mir allerdings wirklich viel gezeigt und geschenkt, ich kann es kaum fassen soviel Glück zu haben.

Aus eigener Erfahrung kann ich nicht sagen das ich "gemobbt" oder gemieden werde, eher meide ich die anderen und mobben würde ich im Leben nicht tun. Wenn es mal hier und da vorkommt weiß ich doch Abhilfe zu schaffen. Beim "Anders sein" kommt es drauf an, wer ist anders die NT (=Neurotypischen) oder wir, die Autisten? Sowas zu sagen ist meiner Meinung nach unnötig und dumm.

Nach den ganzen Belehrungen komme ich einfach mal zu deiner eigentlichen Frage: Das ist weder vergleichbar, noch macht das eine jemanden das Leben schwerer als das andere. 

Alle anderen Antworten zeugen zumindest in meiner Sicht von Unwissenheit oder von "nicht-Vertrautheit", gibt ja viele Autisten die sich anfangs nicht darüber informieren und irgendwas sagen. Wie diverse Vorredner bereits gesagt haben, Autismus ist ein ganz breites Spektrum an Symptomen von denen man welche haben kann oder eben nicht. Ich kann mir z.B. Gesichter nur bei Personen merken die ich etwas länger kenne oder schon oft gesehen habe, andere wiederum erkennen Gesichter zumeist nur bei, ihnen wichtigen Personen. Alles in allem würde ich sagen: 

  • Wenn man eine Familie hat die sich damit auseinandersetzt und einen aktiv unterstützt (Hilfe gibts nicht, am Ende ist sowieso jeder auf sich alleine gestellt) dann kann man das ärgste lindern.
  • Wenn man einen ausgewählten engen Freundeskreis hat der einen ebenfalls unterstützt dann ist das aller erste Sahne.
  • Wenn man eine Beziehung hat und die/der Partnerin/Partner Verständnis dafür zeigt und sich darüber informiert und einen trotzdem annimmt wie man ist dann vergisst man bei seinem Partner vieles, was einen wirklich vor dem "Absturz" retten kann.
  • Es kommt drauf an wie schwer die Symptome ausgeprägt sind, es gibt Leute die bekommen jahrelang keine Arbeit und wenn, dann werden sie nach kurzer Zeit gefeuert, dann gibts Leute die arbeiten schon jahrelang in dem gleichen Betrieb und kommen mit ihrem Aufgabengebiet bestens zurecht, was sicherlich auch am Interessengebiet liegt. Wobei man zwischen Spezial-Interessen und Savant-Syndrom unterscheiden muss.
  • Wenn die Schule/Schulen bereits damit vertraut sind oder sich dem gegenüber aufgeschlossen zeigen dann verschafft das eine unglaubliche Minderung des alltäglichen Stresses. Ich habe die Diagnose mit 14 bekommen und ich hatte viel Rückhalt in der Schule.
  • Es kommt auf die Lebenserfahrung an, mit 14 hatte ich bereits mehr davon als so manch anderer Erwachsener jetzt und es hat damals einige verblüfft. Ich glaube vor allem meine daraus resultierenden Grundüberzeugungen (z.B. negative Gedanken konsequent "vertreiben") haben mir echt geholfen.
  • Struktur. Ja, Struktur, vor allem Asperger Autisten brauchen Struktur. Ohne einen strukturierten Tagesplan, vor allem in der Schule damals, hätte ich wohl einiges an Ärger gehabt wäre das nicht da gewesen, mit regelmäßigen Ruhepausen usw. (Shutdown, Meltdown, Overload etc.)

Um zu deiner zweiten Frage zu kommen, das sollte rational zu erklären sein: Wenn jemand einen zu niedrigen IQ hat und vom Verhaltensbild her nicht in das eines Asperger Autisten passt dann wird das bei ihm auch nicht diagnosiziert, beim IQ kommt es darauf an ob der Test auf NT oder auf Autisten zugeschnitten ist. Da solltest du dich speziell informieren, bei Experten, und nicht bei Gutefrage.net, erfahrungsgemäß keine wirklich 100 prozentige Verlässlichkeit.

Auf manche Sektionen meiner Vorredner möchte ich gar nicht eingehen, so sehr tut das in den Augen und im Verstand weh.

Leider kann ich nichts zu frühkindlichem Autismus sagen da ich nicht damit vertraut bin, daher kann ich es mir nicht erlauben dazu etwas zu sagen. Die Gefahr etwas falsches zu sagen ist mir da zu hoch, will bei solchen Themen keine Falschinformationen verbreiten.

Wünsche dir noch einen schönen Tag ;)

Kommentar von DeliriumTremens ,

Es ist ziemlich vermessen, seine Vorredner in der eigenen Antwort für "blöd" zu erklären und sich mit dem Argument aus der Sache zu stehlen, nicht darauf eingehen zu wollen, da es in Verstand und Augen weh tue. 

Ich würde hier nicht jede Antwort unterschreiben oder vertreten, empfinde dich aber dennoch als dreist.

'Wünsche dir noch einen schönen Tag ;)"

Kommentar von Meriages ,

DeliriumTremens, es gibt Themen wo ich mir recht schnell denke, was ist das für ein Schwachsinn, selbst wenn es Einzelheiten sind.

Das ich meine Meinung frei heraus rede kannst du mir, vor allem wenn wir hier gerade beim Thema sind, nicht verübeln.

Zudem musst du hier ein wenig praktischer denken, der Text war schon ziemlich lang und ich wollte es dabei belassen und hier keine große Diskussion gegen alle anderen anfechten, die sich davon eventuell angegriffen fühlen.

Das du es dreist findest kann ich durchaus verstehen, aber mal ehrlich, diese Phrase habe ich in meinem Leben so oft gehört, ich denke das macht keinen Unterschied mehr.

Kommentar von DeliriumTremens ,

Die Erklärung interessiert mich nicht, da du dein Verhalten damit legitimieren willst, welches deswegen aber noch lange nicht ok ist. 

Kommentar von Meriages ,

Dann bitte ich dich doch einmal genauer hinzukucken.

Meine Meinung werde ich wohl bis in alle Zeit frei herausposaunen, es macht für mich keinen Unterschied was andere sagen.

Ausserdem habe ich dich auch nur gebeten ein wenig praktischer zu denken, wo will ich mein Verhalten damit legitimieren?

Ich verstehe es einfach nicht.

Antwort
von Annisoli, 12

Hallo von einer Autistin.
Es gibt keinen "milden" oder "schweren" Autismus. Nur Fälle in der die Person lernt zB zu sprechen und zu kommunizieren. Die Sache mit der Spektrumsstörung statt Kategorien stimmt. Man kann es so aber nicht einschätzen, was das Leben mehr einschränkt, weil alle Autisten anders sind. Manche sind enorm Lichtempfindlich, ich bin zum Beispiel hauptsächlich Geräuschempfindlich. Es ist nicht zu sagen was schwerer ist - nur dass manche besser damit klar kommen und manche schlechter. Das ist zum Beispiel Kompensationsverhalten - ich versuche mich so weit möglich wie andere Menschen zu verhalten (was ich gelernt habe, indem ich ihr Verhalten beobachtete und nachfragte), aber breche dann Zuhause erschöpft zusammen. Manche kompensieren nicht. Vielleicht ist das klüger, vielleicht macht es aber auch unglücklich, weil sie vielleicht weniger als neurotisch wahrgenommen werden. Ich habe einige gute Antworten zu der Frage gelesen und möchte daher nicht viel mehr schreiben, aber sollte jemand Frage haben, stellt sie ruhig.

Antwort
von kiniro, 34

Schwer machen es Mitmenschen, die auf "pass dich doch mal an" beharren.

Selbst aber so was unflexibel sind und unfähig, Autisten auch nur ein Stück weit entgegen zu kommen.

Antwort
von einfachichseinn, 67

Du hast vor kurzem eine ziemlich ähnliche Frage gestellt und eine Menge Antworten erhalten, die aussagen, dass nicht nur die Diagnose das Leben schwer macht, sondern auch die kompletten Lebensumstände.

Wenn du Asperger-Autismus hast, aber deine Eltern sich nicht wirklich um dich kümmern und deine Probleme nicht ernst nehmen hast du es gewiss nicht so leicht, wie ein Mensch mit hfa, der von seiner Familie und anderen Bezugspersonen gefördert und vor allem angenommen wird.

Wieso musst du die Frage noch mal stellen, was hast du an den letzten Antworten nicht verstanden?

Antwort
von MonikaDodo, 57

Kannst du mit deinen Eltern nicht reden ?

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