Frage von Mat15, 82

Welche analoge (profi) Kamera soll ich mir kaufen?

Hallo,

ich bin Hochzeitsfotograf (Nikon) und möchte mich gerne dem Thema analoge Fotografie widmen.

Eigentlich wollte ich mir mit der Contax 645 einen richtigen Kracher kaufen aber die Kamera ist mir einfach viel zu teuer und zu schwer, dafür dass ich nur gelegentlich damit fotografieren will.

Ich bin leider etwas zu jung, um mich wirklich mit der analogen Fotografie aus zu kennen und da ich mir auch keinen Schrott kaufen möchte wäre meine Frage, welche analoge Kamera damals wirklich richtig richtig gut war (auch für Profis)?

Habt Ihr eine Empfehlung für mich?

Am schönsten wäre natürlich eine richtige retro Kamera.

Über ein paar Vorschläge würde ich mich freuen.

Expertenantwort
von IXXIac, Community-Experte für Fotografie & Kamera, 82

Hallo

die F6 wird noch verkauft aber inzwischen ist die Akku Serie mit aktuellen DSLR nicht mehr Kompatibel und die Softwareintegration hat Nikon auch vernachlässigt. Die F6 basiert noch auf F2 DSLR Technik (oder umgekehrt) und hat immer noch viele "Fans" und reguläre Nutzer (Nikon verkauft immer noch um 200 Kameras/Jahr)

Ich rate zur guten alten Tante F4. Erstens die F4 hat noch Wechselsucher und mechanische Robustheit und kann andererseits schon G Optiken handhaben. Aber es gibt auch noch F5, F90 oder die FM3a.

Selbst die F801s oder F601 hat trotz diverser Probleme mit dem Plastikgehäuse (Rückwandeckelscharniere) bei vielen Profis als Butter & Brot Kamera geschuftet.

Noch frühere Kameras können keine aktuellen G und AFS Optiken handhaben da muss man sich überlegen ob das mit dem exestierenden Objektivpark Sinn macht.

Die FM3a ist als manueler Hybrid einerseits robust andererseits hat man schon moderne Elektronic. Die hat ein klassisches Gehäuse mit Schnellaufzugshebel, einen Manuelfocussucher mit Mattscheibe und Nadelnachführanzeige. Die Kamera ist noch kompakt und leicht, wurde bis 2007 gebaut und ist vermutlich noch bis 2025 regulär beim NPS wart/reparierbar. Gebrauchtpreise sind schon auf 300€/Geh runter und arg viel tiefer geht das vermutlich nicht mehr weil FG/FE/FE2/FM/FM2 Benutzer bei Kameradefekten in FM3 "aufsteigen" während Sammler denn FM3 Markt begrenzt halten.

Aber für 300€ gibt es F4, F5 und F90 auch aus Profihand mit NPS Servicehistorie.

Die Contax Preise sind nach einer Tiefphase enorm angezogen (Wegen den Optiken und deren Adpationen) auch Pentax 645 sind wieder angezogen aber immer noch bezahlbar. Bei Zenza und Mamiya sind die Gebrauchtpreise immer noch im Keller und das Mamiya 80/1.9 oder das 140/4 Softfocus kann man für kleines Geld abstauben. Bis auf das 35/3,5 gibt es bei Mamiya keine "schlechte" Optik. Die Manualfocusopiken sind robust, selbst Blendenverölungen bei langer Lagerung ist unkritisch (im Vergleich zu Nikon). 645 also 56x42mm Format ist halt einerseits vom "Look" schon speziel und die Bildqualität ist mit einem sauberen Scan (Linotype-Hell Trommelscan) von aktuellen ISO 100 oder 200 Profifilm für DSLR nicht erreichbar (wenn DSLR mal bei 500MP sind muss/kann man nochmal vergleichen. Vollformat DSLR müssen erst mal um 200MP Sensoren bekommen um analogen Kleinbildfilm zu erreichen)

Kommentar von Mat15 ,

Danke für die sehr gute Antwort!

Die Mamiya 645 mit dem 80/1.9 interessiert mich wirklich sehr! Gerade der Preis ist ja unglaublich. Nur leider bin ich mir nicht sicher, ob es für mich nicht viel zu kompliziert ist, damit zu fotografieren. Ein paar analoge Bilder möchte ich bei jeder Hochzeit in Zukunft machen, da wäre eine Nikon F4 sicherlich deutlich umgänglicher :)

Kommentar von IXXIac ,

Hallo

für die 645 bekommt man TTL Prisma bzw dem AE Lock Prisma mit Zeitautomatik und ab Pro mit Spotmessung. Aber die meisten Hochzeitsfotografen haben eh denn Lichtschachtsucher bevorzugt (und seperate Lichtmessung)

Am besten ist man kauft sich die letzte 645 Pro TL Generation mit TTL Blitzlicht-Messung (Genial bei Mischlicht zumindest wenn man sich mal eingeschossen hat). Aber die Super/Pro Serien sind Verschleiss und defektanfälliger als die mechanischen 500er und 1000er aus der ersten GenerationWegen der langen Synchrozeit des Schlitzverschluss gr(e)ifen viele Hochzeitsfotografen zu denn Zentralverschlussoptiken. Ab der Super bzw der Pro sind Schlitzverschlüsse "narrensicher" integriert (arbeiten wie bei Hasselblad oder Pentax)

Das 145er Softfocus ist bei Objektmessung und Studioblitzanlagen eine etwas heimtücksiche Optik da muss man sich auf auf die TTL Messung verlassen bzw eine Blitzsteuerung mit TTL erleichert vieles. Aber das 150/2.8 war beliebter und mit Softaren bestückt eigentlich "besser". Das 145 SF entpricht bei KB einem 90/2.5 das 150er einem 95/1.7.  Gebrauchtpreise in der Bucht sind um 200€ aufwärts. Von der Auflösung betrachtet ist das 150 mit einem 200er Film nicht von Kleinbild erreichbar am ehesten kommt ein 90er Apo Lahntar oder das Leica R 60er oder die 100er Makro von Pentax und Minolta und 25 ASA Feinkornfilm hinterher.

Das 80/1.9 ist eine 70er Jahre Konstruktion mit einer leichten Neigung zum "glühen". Ab den 80ern wurde das 80er wie alle 645er Optiken für die Super bzw Pro Serie noch mal aufgearbeitet (N Versionen) und besser vergütet. Ein "vergleichbares" Kleinbidlobjektiv brauchte schon Blende 1.2 und das Canon 50/1.2 SSC oder andere 1.2 wie das Nikkor waren schlechter (Das Pentax 1.2 war aus meiner Sicht auf ähnlichen Level). Erst das Canon 50/1.2L aus denn 90ern ist "vergleichbar".

Das 80/1.9 N ist aber nicht mit dem Contax 80/2 vergleichbar das ist eine völlig andere Liga bei Bokeh und Auflösung aber wie gesagt ist gute Contax 645 Gebrauchtware inzwischen über dem ehemaligen Neupreis und das 120/220er (Plankfilm) Rückteil mit Vacuumplatte ist schon am Goldpreiskurs gekoppelt ;). Digitale Kodak DSC Rückwände dagegen sind recht "günstig" aber heute eher nicht mehr sinnvoll.

Die Pentax 645 Serie hatte die besten Optiken unterhalb von Zeiss und ist eigentlich eine geniale Kamera in der Funktionsföhigkeizt (16 Bilder aus einem 120er mit Motordrive konnte damals nur Pentax) hat aber nur einen Kepplersucher (kein Wechselsucher) und die Bedienung mit Tipptasten war in den 80ern schon sch.. "modern"

Also jetzt mal Rational betrachtet wenn schon eine Nikon Vollformat Ausrüstung exestiert dann würde ich erst mal einen Nikon Analogbody mit Wechselmattscheibe zum einscheissen auf Analogfilm kaufen und dazu dann noch ein Nikkor 50/1.4 und 85/1.4 oder das Voigtländer 58/1.4 bzw die Zeiss ZF 50/2 und 100/2 Makro Planar. Nikon verkauft noch neue 50er in Ai Version in 1.4 (400€) und 1.2 (600€).

Wenn man mal versteht wie Analogfilm "tickt" dann kann man in Mittelformat oder auch gleich in Grossformat investieren

Antwort
von Fragentierchen, 65

Wenn du das nur nebenbei, also neben den digitalen Aufnahmen macht, kannst du auch eine günstigere Kamera benutzen wie zb.

Eine Seagull TLR, das Ding ist zwar im Kern total billig China aber von außen hat das Ding einfach Style.

Eine 300 Land Polaroid, auch nicht das beste aber die Leute stehen draf die Bilder sofort in der Hand zu halten.

Eine Balgenkamera in 6x7, die Dinger bekommt man für ~10€ aber wenn man richtigen Retrolook haben will sind die genial, von außer wie von innen ( Fotos ).

Eine Pentax Spotmatic mit DDR Carl Zeiss, auch nicht teuer macht aber optisch einiges her und die Bilder sind klasse, besonders in schwarz weiß.

Alles keine großen Anschaffungen ..

Antwort
von Fragentierchen, 63

Soll es denn beim Mittelformat bleiben?

Wenn ich die Worte: Mittelformat, Hochzeit & Profi höre, denke ich natürlich sofort an Mamiya M645. Klasse Kamera und für um die ~250€ zu haben. Man kann zwischen Lichtschacht und Prima wechseln und die Sekor Objektive sind klasse.

Wenn was dicker sein soll, gäbe es noch die Mamiya RZ67 Pro.

Bei Kleinbild gäbe es da natürlich die legendäre F3 in schwarz mit dem roten Strich, auf die passen fast alle "nicht G" Nikkor Objektive.

Eine Nikon F3 AI, sieht natürlich retroiger aus aber hat halt nicht so moderne Features.

Aber was genau erwartest du eigentlich von einer professionellen Kamera? Brauchst du unbedingt einen Wechselsucher und 100& Sucherabdeckung?

Kommentar von Mat15 ,

Deine Vorschläge sind super aber zum Teil leider etwas zu sehr retro :) Die Kamera muss schon wenigstens ein bisschen Altagstauglich sein :)

Die Mamiya M645 interessiert mich wirklich sehr!!! Wenn ich schon so eine Kamera besitze, will ich diese auch benutzen. Sprich ich will in meine Hochzeitsreportagen ein paar Analoge Bilder einbauen. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob die Mamiya M645 nicht viel zu umständlich ist, um diese mit auf Hochzeiten zu nehmen. So weit ich weiss hat diese Kamera keinen eingebauten Belichtungsmesser und jedes Foto kostet sehr viel Zeit?!

Es muss nicht das Mittelformat sein, wobei mich das schon sehr interessiert ... eigentlich suche ich eine Mittelformatkamera mit eingebauten Belichtungsmesser für unter 300 Euro :) :) Sowas gibt es wohl leider nicht :)

Vielleicht ist auch eine Nikon F3 oder F4 genau das was ich für den Einstieg in die analoge Welt brauche :)   


Kommentar von Fragentierchen ,

Doch für die M645 gibt es drei Prismen mit Belichtungsmessung, das CdS mit ja CdS Sensor. Ein Av Prisma mit halbautomatik und ein PDS Prima mit besserem Nachfürsystem.

Antwort
von BurkeUndCo, 37

Was soll das überhaupt?

In dem Bereich, den Deine Digital-Kamera abdeckt, kann heute keine analoge Kamera (auch keine ehemalige Profi-Kamera) mehr mitthalten.

Wenn Du das Bild auf schwarz-weiß oder irgendwie auf alt trimmen willst, dann bietet Dir Photoshop & Co. alle Möglichkeiten.

Wenn Du eine analoge Kamera für Dein privates Museum willst, dann kannst Du jede (und natürlich möglichst viele) kaufen.

Wenn jemand heute noch ernsthaft analog fotografieren will, dann ist das nur in dem Bereich sinnvoll, den man digital nicht erreichen kann. Also Mittelformat (mindestens Format 6cm x 6 cm) oder sogar Großbild (Plattenkamera mit Format 20 cm x 30 cm). Mit entsprechenden Filmen und entsprrechenden Objektiven sind dann noch ganz andere Möglichkeiten der Freistellung und Bildgestaltung (Scheimpflug-Prinzip) möglich, die digital (bisher) nicht möglich sind.

Aber das sind dann eben große und schwere Kameras (nur aus diesem Grund und weil entsprechend große Detektorchips einfach unbezahlbar wären gibt es das noch nicht in digital) und das widerspricht deinem Wunsch, das das klein und handlich sein soll.

.

Also denk nach, was Du wirklich willst. Eine intensivere Beschäftigung mit dem Fotografieren durch manuelle Festlegung von Fokus, Blende, Integrationszeit & Filmempfindlichkeit ist auch bei guten Digitalfoto-Aparaten möglich. Und wo bitte, soll die sonstige Bedeutung von Anaolgfotografie liegen?

Kommentar von Mat15 ,

Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll :)

Ich besitze eine D750 und eine D600 ... mir ist völlig klar, dass die D750 zu den besten Kameras überhaupt gehört und eine Kamera aus den 70er oder 80er dort in keinster Weise mithalten kann :)

Warum fahren Leute heute noch Oldtimer, wenn es doch viel bessere Autos gibt?? 

Es ist extrem cool und faszinierend mit so einer alten Kamera zu fotografieren ... in den USA setzen immer mehr Hochzeitsfotografen wieder auf alte analog Kameras und langsam kommt dieser Trend auch nach Deutschland. Der Bildlook von einem 35mm Film und besonders von einem 120er Rollfilm sind einfach unglaublich genial. Natürlich kann man das irgendwie mit Lightroom und Photoshop nachmachen aber das ist einfach nicht echt und nicht zu vergleichen!

Es gibt ja auch sehr moderne Ford Mustang die aber irgendwie noch retro sein sollen und irgendwie noch das original kopieren sollen. Trotzdem ist ein original Mustang von 1968 ungefähr 1000 mal cooler.

Ich hoffe du verstehst meine Antwort ... hier geht es in keinster Linie darum, dass ich in der analogen Fotografie einen qualitativen Vorteil suche :) :) :) 

Kommentar von BurkeUndCo ,

Natürlich verstehe ich Deine Antwort -  auch wenn es von DXO eine ganze Sammlung von Bearbeitungstools gibt, die die Stimmung bestimmter Analogfilme erzeugen.

Aber dann sollte man wirklich konsequent sein.

Ein Bekannter von mir erzählte mir vor Jahren, als ich ganz glücklich über meine Kleinbild-SLR-Ausrüstung war, dass er nur Bilder im Formal 30x20 aufnimmt. Da dachte ich zuerst, dass das Kleinbildformat mit 36 mm x 24 mm doch größer wäre. Aber er meinte nicht Millimeter, sondern Zentimeter.

Das ist dann wirklich etwas völlig anderes: Jedes Bild im Kleinbildformat ist ein Kontaktabzug mit unvergleichlicher Schärfe. Und mit einem geeigneten Objektiv werden die Bilder dann auch wirklich scharf. Natürlich macht man dann nichht 100 oder 1000 Bilder wie mit dem Digital-Foto, bei dem Speicher praktisch kostenlos ist. Sondern jedes Bild will überlegt und bewusst fotografiert sein.

.

Ein möglicher Kompromiss wäre es auch bei Digitalfotos nicht zu knipsen, sondern bewusst zu fotografieren.

Antwort
von Falkenpost, 58

Hallo!

Wie wäre es mit der Hasselblad 500C oder der 503CX ??
https://de.wikipedia.org/wiki/Hasselblad#500er

Gruß
Falke

Kommentar von Mat15 ,

Sehr sehr cool! Nur leider auch etwas teuer

Antwort
von Biberchen, 74

die EOS 1000 F ist prima und kostet in gutem Zustand bei eBay nur wenig.

Kommentar von Mat15 ,

Danke! Aber die wäre mir noch zu neu und Canon ist eh nicht so mein Ding

Kommentar von IXXIac ,

Hallo

die EOS 1000er Serien von Canon waren "Wegwerfkameras" aus dem Point & Shot Segment aber halt mit Klapperkasten.

Deswegen gibt es die ab 1€ zu kaufen

Bei Canon gabs nur mit der EOS 1ser Serie eine vernunftigen Sucher wo man dank Mattscheibe auch Bildkontrolle ausüben konnte. Die XX Serie hatten meist keine Mattscheiben mehr aber die 30/33er hatte Eye Control und noch das praxistaugliche A-Dep Programm (welches bei DSLR seltsamerweise "anderst" umgesetzt wurde und nicht taugt)

Nachdem man gepflegte 1/1n/3/5 er für 100€ aufwärts finden kann muss man sich ja keine Canon Billigkrücke mit Gucklochsucher für Schnappschiesser antun. 

Klar bei der 1er Serie sind die Akkus ein teueres Problem...

Kommentar von Fragentierchen ,

Aua, mit einer EOS 1000 machst du dich als bezahlter Fotograf eher lächerlich. Wenn überhaupt EOS 50e oder besser ..

Antwort
von L2000, 81

Analoge Kameras gibt es neu kaum noch, gebraucht kann man bei eBay und Amazon fündig werden. Mir erschließt sich aber gerade nicht warum es unbedingt analog sein soll. Die Digitaltechnik ist mittlerweile so gut das  si der analogen sogar überlegen ist. Die Verarbeitung ist einfacher und günstiger , deutlich mehr Möglichkeiten, man sieht außerdem sofort das Ergebnis. Warum soll es denn analog sein? Würde mich schon interessieren....

Kommentar von Mat15 ,

Das beantwortet leider meine Frage nicht aber ich werde dir deine beantworten :) 

Glaub mir ich weiss was digitale Kameras drauf haben (besitze 2 Vollformat Kameras).

Ich will weg vom massenhaften "knipsen" und durch die analoge Fotografie mein Auge schulen.

Viele Fotografen betreiben einen sehr großen Aufwand und kaufen sich sauteure Lightroom Filter, damit Ihre digitalen Bilder so aussehen wie analog. Der analoge Bildstil ist einfach unglaublich genial und gerade sehr im Trend bei Hochzeiten. 

Und ich habe einfach Spaß dran ... weil es mein Hobyy ist :)  

Kommentar von Fragentierchen ,

Eine 6x4.5 Kamera in digital kostet mal schnell 9000€ eine analoge grade mal 250€.

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