Frage von frankiej, 408

Welche Abgaben werden von einer Berufsunfähigkeitsrente abgezogen?

Hallo,

ich möchte eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (1700€ Rente) abschließen und finde keine Informationen, welche Abgaben später nun genau von der BU-Rente abgezogen werden.

Steuern? Was ich bisher weiß: Steuern müssen in Abhängigkeit des Ertragsanteils bezahlt werden.

Krankenkasse- und Pflegeversicherung? Da ich weiterhin gesetzlich versichert bin, werde ich auch den Krankenkassenbeitrag weiterhin bezahlen müssen. Da sich aber nun kein Arbeitgeber mehr zur Hälfte beteiligen kann, muss ich dann den vollen Beitrag bezahlen? Sprich den Beitrag, den ein Arbeitnehmer für ein Bruttoeinkommen von 1700€ zahlen müsste und das mal 2?

Rentenversicherung? Was ich bisher weiß: Es besteht in dem Fall keine gesetzliche Pflicht mehr, in die Rentenversicherung einzubezahlen. Aber mindert sich dann nicht auch die Höhe meiner Altersrente? In dem Fall müsste ich freiwillig in die Rentenversicherung einbezahlen, um dies zu verhindern?

Andere Sozialabgaben? Wie schaut es mit Arbeitslosenversicherung und Sozizuschlag aus?

Danke für eure Antworten.

Viele Grüße Marco

Antwort
von kevin1905, 306

Es wird nichts abgezogen, da Rente keinem Quellensteuerabzug unterliegt.

Du bist verpflichtet eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Die BU-Rente wird mit dem Ertragsanteil besteuert (abgekürzte Leibrente), sofern sie nicht als BUZ zu einer bAV oder einem Rürup-Vertrag abgeschlossen wurde.

Krankenkasse- und Pflegeversicherung?

Kommt drauf an.

Wenn die BUV ausschließlich aus privaten Mitteln aufgebracht wurde, also nicht als BUZ zu einer bAV, ist sie kein Einkommen i.S.v. § 237 SGB V, sofern eben weiterhin Pflichtversicherung in der GKV vorliegt.

Solltest du, z.B. weil du keine EM-Rente der DRV erhälst, freiwillig versichert werden, so wäre die BUV in der Tat beitragspflichtiges Einkommen. Ebenso wäre sie es, wenn die BUV als BUZ an einer betrieblichen Vorsorge hängt (Versorgungsbezüge).

muss ich dann den vollen Beitrag bezahlen?

Ja. 14,6% zzgl. kassenabh. Zusatzbeitrag und 2,35 bzw. 2,6% für die Pflege.

Aber mindert sich dann nicht auch die Höhe meiner Altersrente?

Kommt auch drauf an.

Wenn du auch eine gesetzliche EM-Rente beziehst, erwirbst du weiterhin Entgeltpunkte, ebenso wenn du einer anderen versicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehst. Wer berufsunfähig ist, ist ja nicht zwingend auch erwerbsgemindert.

In dem Fall müsste ich freiwillig in die Rentenversicherung einbezahlen, um dies zu verhindern?

In vielen Fällen wäre eine private Anlage der gesetzlichen Umlage vorzuziehen. Aber Altersvorsorgeberatung steht auf einem anderen Blatt als Arbeitskraftabsicherung.

Wie schaut es mit Arbeitslosenversicherung und Sozizuschlag aus?

Nehmen wir an, du bist nicht nur BU sondern auch EM, erhälst folglich eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung. In dem Fall stehst du dem Arbeitsmarkt für eine Vermittlung nicht zur Verfügung. ALV-Beiträge wären demnach also sinnfrei.

Und selbst wenn nicht, von 1.700,- € Rente kann man eigentlich ganz vernünftig leben.

Solidaritätszuschlag ist eine Steuerabgabe.

FAZIT:

  • Die Fragen, die du gestellt hast dürften überhaupt nicht offen sein. Denn diese werden beim Beratungsgespräch von jedem guten Makler aufgegriffen und abgefrühstückt. Daraus folgt, dass du entweder keinen Makler in Anspruch genommen hast, oder dieser ein Idiot ist.
  • Die Thematik mit Gesundheitsfragen und was wichtig ist bei einer BUV greife ich hier nicht nochmal auf, die Frage gibt es schon mehrfach hier im Forum.
Kommentar von frankiej ,

Danke für die ausführlichen und nützlichen Informationen. Das Beratungsgespräch steht mir noch bevor, allerdings informiere ich mich vorher gerne selber, um auch dann die richtigen Fragen stellen zu können ;)

Mir ist noch nicht ganz klar, unter welchen Umständen die BU-Rente als beitragspflichtiges Einkommen gilt (in Bezug auf KV). Wenn eine BUZ vorliegt, was ich auch in Erwägung ziehe, sind ist die BU-Rente definitiv Bemessungsgrundlage der 14,6%. Aber wenn eine private SBU abgeschlossen wird, wann wird die Rente dann genau beitragspflichtig? Wenn sie nicht beitragspflichtig ist, hängt der KK-Beitrag von meinem restlichen Einkommen ab, richtig?

Kommentar von kevin1905 ,

Du solltest auf keinen Fall deine Arbeitskraftabsicherung mit einem Altersvorsorgeprodukt kombinieren. Denn dann kommst du schnell in die Steuer- und Beitragsproblematik, die ich oben ansprach.

Ferner gibst du deine Flexibilität vollkommen auf. Altersvorsorge muss auch nicht immer eine Versicherungslösung realisiert werden.

Das SGB V spricht von sog. "beitragspflichtigen Einnahmen" (§§ 223 ff SGB V). Was beitragspflichtige Einnahmen sind hängt aber davon ab ob du

  • versicherungspflichtiger Rentner
  • freiwillig versicherter Rentner
  • versicherungspflichtiger Angestellter
  • freiwillig versicherter Angestellter bist.

Es kommt daher auch immer darauf an, ob du ebenfalls eine Leistung aus der gesetzlichen Rente erhälst, also ob du nicht nur berufsunfähig sondern auch erwerbsgemindert bist.

Aber wenn eine private SBU abgeschlossen wird, wann wird die Rente dann genau beitragspflichtig?

Wenn du nur die SBU-Rente als Einkommen hast, gibt es NICHTS, das Versicherungspflicht in der GKV auslöst, ergo wärst du freiwillig versichert. Freiwillig Versicherte zahlen nur 14% Beitrag aber auf ALLE Einkünfte bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Kommentar von frankiej ,

Sorry, dass ich diesen Thread nochmal ausgrabe.
Mein Berater meinte, BU-Rente ist IMMER sozialabgabenpflichtig, wenn man keine Erwerbsminderungsrente erhält. Soweit, so gut. Nach deiner Aussage hätte ich nun jedoch verstanden:

"Ist man neben der BU-Rente noch berufstätig, müssen Sozialabgaben nur im Rahmen des Angestelltenverhältnisses (da gesetzlich pflichtversichert) zahlen. Die Berufsrente ist dabei kein beitragspflichtiges Einkommen und wird für die Zahlung der Sozialabgaben nicht herangezogen."

Habe ich dich richtig verstanden oder stimmst du der Aussage meines Beraters zu?

Kommentar von kevin1905 ,

BU-Rente ist IMMER sozialabgabenpflichtig, wenn man keine Erwerbsminderungsrente erhält

...oder noch Arbeitseinkommen aus versicherungspflichtiger Tätigkeit hat.

Stell dir vor

  • dein Versicherer stellt Berufsunfähigkeit fest und zahlt die Rente.
  • Die DRV ist aber der Meinung es liegt keine Erwerbsminderung vor.
  • Du arbeitest aber noch Teilzeit für 500,- € brutto im Monat im gleichen oder einem anderen Beruf.

Du bist daher versicherungspflichtig beschäftigt und die BU-Rente ist NICHT beitragsrelevant.

Hast du die §§, die ich dir genannt habe zumindest mal grundlegend gelesen?

Meine Aussage ist die gleiche wie von deinem Berater nur umfangreicher.

Kommentar von frankiej ,

Danke für die schnelle und ausführliche Antwort.

Ich habe dasselbe Fallbeispiel meinem Berater vorgelegt und er meinte: "Auch wenn ich neben der BU-Rente angestellt bin, ist die BU-Rente beitragspflichtig bezüglich Sozialabgaben".

Das ist, wie ich mir bereits dachte, wohl falsch. Und das ist für mich auch der ausschlaggebende Grund, der gegen eine BUZ spricht...

Danke nochmal für die Aufklärung.

Kommentar von kevin1905 ,

Gegen eine BUZ spricht so gut wie alles. Das BU Risiko sollte separat abgesichert werden.

Antwort
von MoechteAWissen, 212

1.Steuern:
Der Ertragsanteil ist zu berücksichtigen

2. Sozialversicherung:
Entscheidend ist der Sozialversicherungsstatus und die Vertragsform der BU (welche Schicht)

3. Rentenversicherung
Richtig erkannt!

4. Andere Sozialabgaben  
siehe Punkt 2.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 175

Für die private Rente musst du keine Versicherungsbeiträge zahlen. Nur wenn du freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse bist, musst du den Beitrag von deinem GESAMTEN Einkommen zahlen.

Die BU-Rente fällt dann natürlich weg, wenn das vereinbarte Endalter erreicht ist. Dafür musst du dann zusätzlich vorsorgen.

Kommentar von frankiej ,

Danke für die Antwort
Unter welchen Umständen ist man denn freiwillig gesetzlich versichert?

Kommentar von frankiej ,

Laut Wikipedia ist jemand freiwillig versichert, wenn er Beamter oder Arbeitnehmer, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt, ist. Ist das auch deine Definition?

Kommentar von DolphinPB ,

siehe kevin1905

Antwort
von Dickie59, 123

Hallo,

das sollte Dir der Vermittler erläutern können.

Die Rente wird immer für die verbleibende Laufzeit im Leistungsfall besteuert.

Beispiel: Sie sind 40 Jahre alt und werden berufsunfähig. Ihr Vertrag läuft noch bis zum 65. Lebensjahr. Daraus errechnet sich die vorraussichtliche Zahldauer der Berufsunfähigkeitsrente von 25 Jahren (diesen Wert suchen Sie in Spalte eins). Nach der Ertragsanteilstabelle ergibt dies einen Ertragsanteil in Höhe von 26 Prozent (Wert in Spalte zwei neben der errechneten restlichen Laufzeit aus Spalte eins). Wenn nun die monatliche Berufsunfähigkeitsrente 1000 € betragen würde, so müsste man 26 Prozent hiervon – also 260 € mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Da aber im Falle der Berufsunfähigkeit wohl wenig andere Einkünfte erzielt werden tendiert die steuerliche Belastung gegen Null

Wenn du dir das Produkt allein aus dem Netz beschaffst, empfehle ich dir trotzdem eine persönliche Beratung bei einem Makler, denn der Haftung für die Produktauswahl und hilft dir im Leistungsfall.

Alle meiner bisherigen Anträge habe ich erfolgreich durchsetzen können.

Beste Grüße

Dickie59

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