Frage von Chiaramariea, 56

Weiß man selber was man für ein Mensch ist?

Ich glaube, jeder kennt mindestens eine Person, die in seinen Augen ein schlechter Mensch ist. In (nach) bestimmten Situationen, wenn Menschen etwas tun, was sie nicht tun sollten, etwas sagen, was sie nicht sagen sollten, sich schlecht benehmen, unloyal sind oder einfach sündigen, kommt man zu dem entschluss dass es ein schlechter Mensch ist, oder? Aber ich frage mich, wissen diese "schlechten" Menschen, dass sie "schlechte" Menschen sind? Wisst ihr was ich meine?

Antwort
von Belruh, 12

Diese Menschen betrachten sich nicht selbstkritisch, was dazu führt, dass sie narzistisch, arrogant, egoistisch und kritikunfähig werden. Sie sehen sich als die Besten an, und andere, welche nicht ihre Meinung teilen, als Minderwertige. Aber auch untereinander sind sie sich Feinde, vielleicht sogar ohne, dass man es ihnen anmerkt. Sie können gegenseitig Friede-Freude-Eierkuchen spielen, aber im innern hassen sie sich wie die Pest, weil sich jeder als besser ansieht, und nur die Fehler und Schwächen der Anderen sieht. Oft sind es sogar die eigenen Fehler und Schwächen welche der Narzist an anderen Individuen sieht. Sollte sich dieser Narzismus beim Betroffenem verstärken kann der Betroffene sogar an Sozipathie erkranken, und dann sogar Gewalt gegen seine Kritiker anwenden. Zudem können sie sehr manipulativ werden, in dem sie eine oder mehrere Masken tragen (Maske = sinnbildlich), und stehts Heil vorspielen, aber im inneren Zerstörung planen.

Beispiele für solche Menschen sind Hitler, Stalin und Mohamed, dies sind aber nur die schlimmsten Fälle. Es gibt auch eine viel schwächere Soziopathie. Der Betroffene neigt dann oft nur zu Wutausbrüchen, und verletzen im besten Fall niemanden.

Wenn man also selbst ein schlechter Mensch ist, dann weiss man es selbst kaum, da man sich nicht selbstreflektiert und nicht selbstkritisch ist, was fast auf dasselbe hinausläuft. Wenn du also an einem anderem Individuum bemerkst, dass es solche Symptome auffweist, dann mach es darauf aufmerksam, damit es Hilfe bei einem Psychologen sucht! Denn die Erkenntnis, dass man Narzist oder Soziopath ist, das ist der erste Schritt zur Heilung der besagten Krankheiten.

LG. Belruh

Antwort
von rolfmengert, 8

Das hängt stark davon ab, welche Moralvorstellungen diese Menschen verinnerlicht haben. So gibt es Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern, Großeltern und älteren Geschwistern lernen, dass das Leben ein Kampf ist, dass man sich immer wehren muss, dass man sich nichts gefallen lassen soll, dass Angriff die beste Verteidigung und dass man hinlangen soll, solange noch etwas da ist. Selbst ein renommierter Tagesschausprecher (Ulrich Wickert) hat ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: "Der Ehrliche ist der Dumme."

Wenn solche Menschen dann die Gelegenheit bekommen, einen Mitmenschen bei einem Geschäft hereinzulegen, dann erleben sie dies als Sieg, also dass sie "gut getan" haben, erfolgreich waren und darauf stolz sein können. 

Da auch unsere "Helden", die "Lichtgestalten" des Sports und der Filmindustrie ihre Millionen, die ihnen durch Arbeitsverträge und Werbeeinnahmen zufließen, vor dem rechtsstaatlichen Zugriff der Steuerbehörden verschleiern, falsche Wohnsitze angeben und somit ein moralisch äußerst fragwürdiges Verhalten zeigen, haben viele Menschen kein Schuldbewusstsein, wenn sie ebenfalls kleinkriminelles Verhalten praktizieren.

Selbst die bewusst gesetzte Falschaussage zur persönlichen Vorteilsnahme, die im Volksmund als "Lüge" bezeichnet wird, gilt sehr vielen Menschen als sinnvolle Überlebensstrategie.

Auch unmoralisches Agieren gegenüber Mitmenschen wird schön geredet: "Das geschieht dem ganz recht!" "Der blöde Typ, bildet sich was ein; aber nicht mit mir!" Jede Gehässigkeit, jede Gemeinheit, jede Rache lässt sich mit verfügbaren "Sprüchen" und "Volksweisheiten" rechtfertigen

Damit ist Deine Vermutung, dass sich Menschen als "moralisch schlecht" erleben, eine Hypothese, die sich eher selten bewahrheiten wird. Es kommen ja - selbst wenn man das Gefühl hat, etwas Unredliches zu tun - noch die hilfreichen "Strategien des Unbewussten" zum Tragen. Ich denke hier an die Verdrängung, das Ungeschehenmachen, die Projektion, die Verleugnung und weitere Abwehrmechanismen, wie sie bereits Freud in seiner bekannten Schrift: "Zur Psychopathologie des Alltagslebens" herausgearbeitet hat. Mit solchen Strategien vermeidet unser Unbewusstes in eine Selbstanklage zu verfallen. Hier möchte ich auch auf Nietzsches bekannten Aphorismus verweisen: "Das habe ich getan, sagt meine Erinnerung. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz, und bleibt unerbittlich. Endlich gibt meine Erinnerung nach!"

Bilanz: Leute, die nach Deiner moralischen Bewertung "schlechte Menschen" sind, werden sich kaum einmal als solche fühlen. In einer Selbstbeschreibung würden sie sich viel eher als Überlebenskünstler bezeichnen. "Man muss eben sehen, wo man bleibt!" "Leben ist halt Kampf!" "Die Zeiten sind hart. Da muss jeder gucken, wie er klar kommt!" Genau das sich typische Spruchweisheiten, mit denen Leute ihrem unredlichen Tun einen positiven Anstrich geben.

Antwort
von GoodFella2306, 34

Es gibt ein sogenanntes Selbstbild und ein Fremdbild, und wie bei allen Dingen ist es durchaus möglich, dass sich diese Bilder entweder ziemlich gleichen oder aber sehr stark differieren.

Insofern kann es schon gut sein, dass ein schlechter Mensch an sich gar nicht reflektiert, dass er ein schlechtes oder schädigendes Verhalten an den Tag legt.

Antwort
von Suboptimierer, 22

Es ist möglich, dass derjenige es weiß und du es weißt und ihr richtig liegt. Es ist aber auch möglich, dass du es weißt und er es nicht weiß und du richtig liegst. Genauso kommen die Möglichkeiten infrage, dass du es weißt, er nicht und du falsch liegst und andersherum.

Du schlecht*|Der andere schlecht**|Du liegst richtig
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*"Du schlecht": Gemeint: Du denkst, er wäre schlecht
**"Der andere schlecht": Gemeint: Der andere denkt, er wäre schlecht.

Kommentar von Chiaramariea ,

Dankeschön, perfektes Bild :-)

Kommentar von Suboptimierer ,

Bitteschön!

Antwort
von silberwind58, 24

Wer gibt denn schon gerne zu,ein schlechter Mensch zu sein. ich glaube,auch der schlechteste Mensch ist von sich überzeugt,ein guter Mensch zu sein.

Antwort
von Parnassus, 21

Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Da du von Sünde sprichst könnte ich mir vorstellen das du ein Religiöser Mensch bist der gewisse Dinge womöglich völlig anders betrachtet / evtl enger sieht als ein anderer. (ist jetzt nur ein Beispiel) 

Ich kann mir aber auch vorstellen das es vielen egal ist was andere von ihnen halten. Oder es gibt Situationen in denen man unangemessen reagiert aber in einer anderen ähnlichen Situation schon wieder ganz anders usw.

Ehrlich gesagt sollte man anderen Menschen auch negative Seiten zugestehen bzw.nicht alles beurteilen müssen...

Antwort
von Woropa, 5

Jemand, der einen Fehler gemacht hat, ist deshalb nicht gleich ein schlechter Mensch.  Jeder Mensch macht mal Fehler, hat schwache Momente, wo er etwas tut, was er eigentlich nicht tun sollte.  Derjenige, der sowas gemacht hat, weiss natürlich, das er falsch gehandelt hat. Aber er weiss auch, das er viele gute Eigenschaften hat und wegen einem Fehler kein schlechter Mensch ist.

Antwort
von nowka20, 1

nein, das weiß man nicht, da man nur einen teil von sich kennt

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