Frage von Deborahelisabet, 25

Weiß man Dinge intuitiv?

Liebe Leute,

ich bin gläubig, als kleines Kind christlich getauft worden. Der einzige Grund, weshalb ich damals getauft worden bin, wird wohl meine Patentante gewesen sein. Meine Eltern waren nie gläubig, in Sachen Religion habe ich keine besondere Aufklärung erfahren. War auch nur im Ethikunterricht gewesen, tief im Herzen aber dennoch sehr gläubig. Seit gut einem Jahr leide ich an einer Depression (auf die Gründe werde ich hier nicht eingehen können). Ich litt schon immer an Verlustängsten, jemanden aus meiner Familie verlieren zu müssen. Klammerte mich in diesem Sinne immer an den Glauben fest. In der Anfangsphase meiner Depression litt ich an heftigen Alpträumen, ich träumte aus Passagen in der Bibel, u.a. von Abraham, der seinen Sohn fast hätte opfern müssen . Dieser Traum machte mir riesige Angst, denn ich bezog diesen auf meine Familie. Ich nehme Träume eigentlich nicht allzu ernst, habe mich dennoch gefragt, warum ich von dieser Passage träume, wo ich sie doch nie gelesen habe. ich habe zwar den Namen Abraham an sich schon gehört, aber nie in Verbindung mit dieser Szene aus der Bibel. Ich frage mich nun, woher ich davon wissen kann. Es jagt mir wirklich schreckliche Angst ein. Kann jemand Erfahrenes mir vielleicht sagen, woher ich es wissen könnte ? Für diejenigen, die hier dummes Zeug kommentieren wollen, spart es euch. Ich will nur eine Interpretation dieser Bibelstelle hören und vielleicht aus welchen Quellen man das noch gehört haben könnte.

Antwort
von uncledolan, 15

Du solltest auf gar keinen Fall jetzt in diesen Traum hineininterpretieren, dass es irgendeine göttliche oder sonstige übernatürliche Erscheinung oder Vision wäre.

Das alte Testament und damit auch die Geschichte Abrahams ist in unserer christlich geprägten Kultur nun einmal weit verbreitet. Du könntest es zum Beispiel mal als Kind in einem Film gesehen oder irgendwo von dieser Geschichte gehört haben, und da dir deine Familie so wichtig ist, hatte es eine starke Wirkung auf dich und ist bis heute (zumindest unbewusst) hängengeblieben.

Dass in Träumen alte Erinnerungen verarbeitet bzw. mit neu erlangten Erfahrungen verknüpft und zusammen verwertet werden, ist nicht ungewöhnlich. Träume sind ein Spiegel der Funktionsweise unseres Gehirns, das neue Wissen, Gefühl oder die neue Erfahrung (z.B. familiäre Verlustangst) wird im Gehirn mit demjenigen Wissen und Erfahrungen verknüpft, dass bereits vorhanden ist (frühere Erfahrung dieser oder einer ähnlichen Emotion, z.B. wenn du diese Geschichte mal gehört oder gesehen hast).

Und im Übrigen, du interpretierst diese Bibelstelle schon sehr negativ, denn diese Bibelstelle ist eigentlich eine positive Botschaft. Es handelt sich um eine theologisch fundamental wichtige Stelle des Verständnisses über den Gott des alten Testaments. Dieses Gleichnis setzt der Verehrung Gottes eine Grenze, nämlich sagt sie ein für alle mal, dass Gott keine Menschenopfer verlangt und das auch niemals wird. Du musst bedenken, dass diese Geschichte Jahrtausende alt ist und viele Kulturen damals noch extrem rückständig und religiös-spirtuell fanatisch waren und häufig extrem grausame religiöse Rituale durchführten, wie z.B. Menschenopfer. "Der eine Gott" des alten Testaments testet zwar bei seinem treuesten Diener (Abraham), ob dieser bereit wäre, seinen Sohn zu opfern, unterbricht dies aber, bevor es wirklich passiert. Denn dieser Gott würde niemals von einem Menschen verlangen, sein Kind für ihn zu opfern. Unter anderem deswegen ist es im Neuen Testament so wichtig, dass Jesus Gottes eigener Sohn ist, denn nur seinen eigenen Sohn lässt Gott unschuldig opfern, als "das letzte, einmalige Menschenopfer" zur Beschwichtigung Gottes gegenüber den Sünden der Menschen für alle Zeit. Danach ist Gott ein anderer (vergleiche Gott des alten Testaments und des neuen Testaments), kein zwar gerechter, aber rachsüchtiger und zorniger Gott mehr, sondern einer, der Sünden vergibt und Menschen trotz ihrer Sünden akzeptiert, sofern sie nur an ihn glauben.

Deshalb solltest du diese Bibelstelle lieber als Beruhigung deiner Ängste als als Bedrohung sehen, denn sie sagt für alle Zeiten, dass Gott ein gütiger Gott ist, der Eltern nicht ihre Kinder wegnimmt.

Kommentar von Deborahelisabet ,

Super, ich danke Dir für die wirklich sehr informative Antwort und die Interpretation der Bibelstelle. Das ändert natürlich meine Sicht der Dinge :)  lg  

Antwort
von Mirarmor, 15

Diese Bibelstelle ist sehr bekannt. Du kannst davon auf jeden Fall gehört haben, sei es bei einem Gespräch zwischen Anwesenden, auf der Straße, im Radio, im Fernsehen... die Szene kommt auch in älteren Filmen vor.

Man nimmt viel mehr auf, als man im Bewusstsein wahrnimmt. Das Unterbewusstsein ist in Träumen sehr aktiv und dort kann man das unterbewusste Wissen erleben, wenn man sich nachher bewusst an den Traum erinnern kann.

Ich kannte eine irische Frau, die konnte ein paar Worte Gälisch. Sie hat nie Gälisch bewusst gehört oder gelernt. Aber ihre Großmutter, die Gälisch sprach, hat auf sie aufgepasst, als sie ein Baby oder etwas älter war.

Kommentar von Deborahelisabet ,

Danke, das hilft mir wirklich durchaus weiter ! lg 

Kommentar von Mirarmor ,

Freut mich. :-)

Antwort
von Bianca1809, 14

Ich würde dir raten mit einem kirchlichen Seelsorger in deiner Gemeinde darüber zu reden.

Antwort
von Andrastor, 14

Du bist nicht gläubig, sondern abergläubisch. Nur so nebenbei.

Diese Bibelstelle wirst du irgendwann einmal gehört oder gelesen haben ohne dich bewusst daran zu erinnern. Dein Gehirn hat sie jedoch gespeichert und so kam es zu diesem Traum.

Kommentar von Deborahelisabet ,

Ich hab erst jetzt den oberen Teil deines Kommentars gelesen. Ich glaube nicht, dass du in der richtigen Position bist, um beurteilen zu können, dass ich "abergläubig" sei. Vllt. ist eine gewisse Tendenz zur Paranoia vorhanden, das gebe ich gerne zu. Dazu trägt vielleicht auch meine momentane emotionale Verfassung bei. Doch wenn ich abergläubig wäre, so würde ich mich nicht an diese Kommune wenden, um eine rationale Antwort zu erlangen und hätte nicht nach einer Interpretation der Bibelstelle gefragt. Ich kenne mich selbst nicht sehr gut mit dem Glauben aus und versuche deswegen durch erfahrene Menschen meine Lücken zu füllen. Dennoch bedanke ich mich für deinen Kommentar, der zweite Teil erscheint mir recht sinnvoll und plausibel. lg 

Kommentar von Andrastor ,

um beurteilen zu können, dass ich "abergläubig" sei

Wenn du an Dinge glaubst deren Existenz in keinster Weise wissenschaftlich nachgewiesen ist, bist du abergläubisch.

Und dein Statement:

ich bin gläubig,

Beweist dies.

Du glaubst an einen kosmischen Zauberer, welcher die gesamte Existenz nur geschaffen hat um uns Menschen da hineinzusetzen und nichts besseres zu tun hat als uns rund um die Uhr zu beobachten.

Von sprechenden Schlangen, weltumspannenden Fluten und Typen die auf Wasser laufen, mal abgesehen ist allein die oben genannte Vorstellung bereits reiner Aberglaube.

Kommentar von Deborahelisabet ,

Ich glaube, es ist jedem selbst überlassen, an was er glaubt oder nicht. Glaube heißt schließlich auch nicht Wissen. Und es gibt viele Dinge auf dieser Welt, die unsere Wissenschaft leider nicht erklären kann. Ich weiß auch nicht, ob sie es im Laufe der Jahre können wird. Was deine Ansicht zur Bibel angeht, so magst du sie wohl als "Märchenbuch" empfinden. Das ist deine Sache und auch dein Recht, dich mit vielen Dingen kritisch auseinanderzusetzen. Du bist ein Atheist. Aber warum machst du dir als Atheist überhaupt erst die Mühe, einen Menschen, der einer Religion gehörig ist, seinen Glauben dumm zu reden ? Was hat das überhaupt für einen Sinn? Meine Frage war doch eindeutig. Wieso kommst du mir damit ? Ich hatte nicht darum gebeten, dass mir jemand meinen Glauben ausredet, sondern dass mir jemand hilft, gewisse Dinge, die meinen Glauben betreffen, besser zu verstehen. Ich habe nicht das Gefühl, dass du mir mit deinem Beitrag helfen wolltest. In Zukunft solltest du dich (auch als Atheist) mehr mit dem Thema Toleranz bezüglich verschiedener Glaubensrichtungen auseinandersetzen. Seine Meinung frei zu äußern ist völlig legitim, das muss aber nicht unter meinem Beitrag sein. Bestimmte Dinge kann man für sich behalten, denn jeder möge sich seinen Glauben frei aussuchen. Wäre ich ein Atheist gewesen, hätte ich mir nicht einmal die Mühe gemacht, unter einem fremden Beitrag jemanden als "abergläubig" zu betiteln, nur weil an keine göttliche Macht glaubt.  In diesem Sinne Liebe Grüße und alles Gute 

Kommentar von Andrastor ,

Glaube heißt schließlich auch nicht Wissen.

Falsch, nicht "Glaube" heißt "nicht wissen", sondern "glauben". Der Glaube hat tatsächlich nichts mit Wissen zu tun, ausser dass er den menschlichen Wissensdurst erstickt.

Und es gibt viele Dinge auf dieser Welt, die unsere Wissenschaft leider nicht erklären kann.

Älteste Pseudo-Begründung seit es Gläubige gibt. Nur weil etwas noch nicht erklärbar ist, rechtfertigt das keine kosmischen Zauberer.

der einer Religion gehörig ist, seinen Glauben dumm zu reden ?

Wenn du ein Kind siehst, das voller Freude mit einer Gabel in der Steckdose stochert, lässt du ihm dann seine Freude, oder versuchst du es davon abzuhalten?

Ich hatte nicht darum gebeten, dass mir jemand meinen Glauben ausredet,

Diese Bitte ist bei Gläubigen höchst selten.

mehr mit dem Thema Toleranz bezüglich verschiedener Glaubensrichtungen auseinandersetzen

"Toleranz ist gut, nicht jedoch gegenüber Intoleranten."

Wenn sich Religionen tolerant gegenüber anderen Religionen und Atheisten zeigen, werde ich auch aufhören Gläubige auf den Unsinn ihres Glaubens anzusprechen.

Kommentar von Deborahelisabet ,

Dir auch noch ein schönes Leben:)

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