Weiß jemand wie der persönliche Schutz vor Radioaktivität aussieht bzw. was wird genau genutzt um sich als Person davor zu schützen?

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3 Antworten

Ich kann dir aufgrund meines Berufes mal die Schutzarten sagen die in einer kerntechnischen Anlage vorkommen:

Für den Kontaminationsschutz wird Schutzkleidung wie Papieroveralls oder sogar Kunststoffoveralls (umgangssprachlich werden sie aufgrund der bekannten Herstellungsfirma "Pedi" genannt. Gibt davon aber mehrere Modelle und Varianten) genutzt.

Bei einem Papieroverall (bzw. gibt es diese auch z.b. aus Nylonstoff) werden dann meist zusätzlich noch Stoffhandschuhe und Stoff- bzw. Kunststoffüberschuhe angezogen. Bei hoher Kontamination oder bei Arbeiten mit Feuchtigkeit, kommen noch Gummihandschuhe obendrüber und meist auch noch ein zweites Paar Überschuhe über das erste Paar (also Arbeitsschuhe --> Überschuhpaar 1 ---> Überschuhpaar 2).

Bei den "Pedis" sind oftmals (gibt ja verschiedene Varianten) Gummihandschuhe direkt am Overall mit dran. Auch sind die Füße geschlossen und der Kopfbereich (bis auf den vorderen Einschnitt wo man mit der Atemschutzmaske durchgeht). Kann man sich vorstellen wie einen großen Strampelanzug aus Plastik. Man zieht ihn an (was nicht so einfach ist), und wenn man Arm- und Beinteile und das Kopfstück anhat, macht eine Helferperson (meistens ein Strahlenschützer) den Reißverschluss zu. Überschuhe und nochmals zusätzliche Gummihandschuhe obendrüber sind auch oft angesagt, damit man beim auskleiden mehrere "Stufen" hat und die Chance sich selbst zu kontaminieren beim auskleiden mit jeder Stufe sinken.


Alpha- und Betastrahlung werden alleine schon durch die Anzüge abgeschirmt. Gamma- und Neutronenstrahlung kann man nicht abschirmen, man kann sie durch "Abschirmungen" nur verringern (Stichwort Halbwertsdicke, Zehntelwertsdicke...).  Für Neutronenstrahlung ist das ganze etwas komplizierter, geht aber auch mit Mitteln wie Wasserwänden in Kombination mit z.b. Blei.

Die erhaltene Strahlendosis kann in einer kerntechnischen Anlage übrigens jeder jederzeit ablesen. Im Kontrollbereich muss man ein digitales Dosimeter tragen auf deren Display man die erhaltene Dosis immer ablesen kann (wobei die Geräte nicht 100% genau sind, sondern immer minimal mehr anzeigen als man in Wahrheit erhalten hat). Die genaue Dosis wird mit der amtlichen Filmplakette ausgewertet die monatlich an die amtliche Messstelle geschickt werden muss. Zu erwartende Dosen werden natürlich vorab geklärt indem der Strahlenschutz seine Messungen durchführt (Aerosolprobennahmen, Wischtest- oder Screeningnahme, Probennahme, Dosisleistungsmessungen etc.)

Um die Atemwege zu schützen vor Aerosolen (radioaktive Stoffe in der Luft), gibt es je nachdem wie die Werte der Aerosole sind, Papierhalbmasken, Vollmasken und fremdbelüftete Schutzanzüge.

Die Masken haben meist die Schutzklasse "P3", fremdbelüftete Schutzanzüge kann man sich vorstellen wie ein komplett umschließendes Sumo-Ringerkostüm an das ein Luftschlauch angeschlossen wird. Der Anzug pumpt sich dann etwas auf und man kann so arbeiten.


Wenn man auf alle Anzug- und Maskenarten eingehen will, würde das wohl den Rahmen sprengen ^^

Offiziell heißt die wichtigste Regel übrigens die "3-A Regel": Abstand halten, Aufenthaltszeit begrenzen und Abschirmen. Im Kraftwerk wird oftmals scherzweise behauptet das die wichtigste "A-Regel" vergessen wurde: Andere arbeiten lassen :-D

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Neben der fünf A-Regel (Aktivität, Aufenthaltsdauer, Aufnahme, Abstand, Abschirmung) gibt es Ganzkörperschutzanzüge  und Gummistiefeln mit Atemschutz. Diese verhindern hauptsächlich das Kontaminieren durch radioaktive Stoffe in der Luft. Sie gelangen nicht durch Atmung in den Körper, zudem schützt der Anzug vor alpha-Strahlung und ich glaube auch vor beta-Strahlung, die in der Luft nicht besonders weit kommen (aufgrund ihrer Ladung und Masse, alpha-Teilchen werden schon von Papier abgeschirmt, beta-Teilchen (Elektronen) von spezieller Aluminiumfolie). Vor Gammastrahlung bietet der Anzug allerdings keinen Schutz.

Diese Anzüge werden im Idealfall nur in Kombination mit bereits geplanten Aufenthalten genutzt. Zudem verwenden Einsatzkräfte natürlich Strahlungsmessgeräte (es gibt soweit ich weiß persönliche Strahlungsmessgeräte) und können somit die Lage und weiteren Aufenthalt abschätzen.

Es gibt zudem interne Schutzmaßnahmen. 

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Iodtabletten werden da gerne genommen, das hilft aber nur gegen Schilddrüsenkrebs - Logik dahinter ist, dass sich sonst radioaktive Iod in der Schilddrüse anreichert und DNA-Schäden verursacht, deswegen gibt man einfach einen Überschuss an normalem Iod. 

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