Frage von blablaidc, 99

Weiss jemand was Hans Küng damit aussagen wollte?

Hallo, ich habe hier ein Zitat von Hans Küng: „Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“ und ich würde gerne wissen was er damit aussagen will, also was gemeint ist

Danke im Voraus!

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 50

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!

Eine Interpretation wäre, das man Gott und Welt nicht trennen kann, so wie man Geist und Körper nicht trennen kann. Es gibt keinen Widerspruch zwischen beidem.

Immerhin soll die Welt Gottes Schöpfung und der Mensch sogar nach seinem Ebenbild geschaffen sein - wie könnte es also sein, dass die Schöpfung nicht selbst, das Göttliche inne hat?

Der Anblick einer grandiosen Landschaft beeindruckt uns - "wow, der Fluß muss Jahrmillionen gebraucht haben, sich so durch den Fels zu fressen...."

Aber ich denke, wir bewundern da nicht nur einfach die Leistung einer beeindruckenden Naturgewalt, sondern empfinden emotional, dass diese Welt viel größer und mächtiger ist, als wir als einzelnes Individuum jemals sein können.

Diese "Ehrfurcht" vor der Macht von Zeit und Natur ist vielleicht mit der Ursprung des religiösen Empfindens. 

Islam

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Das klingt beeindruckend, groß, riesig.

Im Islam sagt man "Allahu akbar" - Gott ist größer. Aber da stellt sich natürlich die Frage - "größer als wer oder was?"

Größer als ein Mensch?

Wäre der Schöpfer eines Universums ganz sicher.

Größer als die eigene Schöpfung?

Vermutlich, denn sonst hätte er sie nicht schaffen können.

Gleichzeitig heißt es im konservativen Islam aber auch, das man den Körper nicht durch Tätowierungen verändern soll - er ist Gottes Geschenk. Man soll sich auch kein Bildnis von Gott machen.

Allerdings muss auch die Schöpfung etwas besonderes sein, dann im konservativen Islam ist auch die Darstellung von Lebewesen verboten, was gedeutet werden kann, dass man der Schöpfung den gleichen Respekt entgegen bringen soll, wie dem Schöpfer.

Das Uendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz.....

Hinduismus

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Gott kann in diesem Zitat auch als Symbol für das Unergründliche gesehen werden, dass sich in der gesamten Schöpfung findet.

In den hinduistischen Upanischaden gibt es die Erzählung von der Feige oder Mango die immer weiter geteilt wird, bis sie so klein ist, das man sie nicht mehr sehen kann.

Dieses Nicht mehr wahrnehmbare und daher unteilbare, sei der Wesenskern des Menschen (Atman) und identisch mit dem Göttlichen (Brahman), ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es wäre also das "Unendliche im Endlichen", wie Küng es nennt.

Hermetik

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Ich denke, in der hermetischen Philosophie wird der Ansatz vertreten, dass das Große sich im Kleinen widerspiegelt, der Makrokosmos im Mikrokosmos.

Auch das wäre eine mögliche Deutung. Das Große ist im Kleinen enthalten.

Absurdes

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Ist das nicht absurd? Wie kann etwas unendlich und gleichzeitig endlich sein? Wie kann es etwas Absolutes im Relativen geben? Das ist paradox!

Aber ich denke, vielleicht ist einfach alles paradox und wir versuchen nur zu sortieren, zu unterscheiden und zu trennen - zwischen göttlich und weltlich, geistig und materiell, zwischen Sünde und Reinheit.

Vielleicht ist diese Dualität alles ein großer Quatsch, den wir nutzen, um Ordnung in unsere Wahrnehmung zu bringen?

Dann wäre es völlig egal, ob Gott endlich oder unendlich ist, als Absolutes im Relativen weilt.

Maybe its just a joke.

Ein Zen-Meister pflegte seine Autobiographie mit den Worten zu signieren;

"Please smile about my foolish life"

Vielleicht ist das die Antwort. Auf welche Frage? Keine Ahnung.

Kommentar von Enzylexikon ,

Nachtrag:

Ich persönlich bin kein Freund von philosophischen Gedankenspielen, da sie meiner Meinung nach keine befriedigenden Antworten geben. Vielleicht helfen dir diese Gedanken aber etwas weiter.

Ich persönlich akzeptiere die Unerklärbarkeit, oder das Paradoxon des Seins. Manchmal ist Schweigen die beste Antwort.

Kommentar von Ruehrstab ,

Wenn ich von hier so gucke, muss ich sagen: Da bin zuerst mal ich, der guckt. Deswegen bin ich auch die erste Person. Du bist der da gegenüber, die zweite Person, die ich anspreche. Und wir sprechen über jenes Dritte dort ... namens "er", "sie" oder "es". Aber ... ohne mich ... gibt es euch alle nicht !

So.

Daher auch das erste Gebot. Du und jenes Dritte dort, ihr seid Bestandteil der Welt, die ich ständig schöpfe, die es ohne mich gar nicht gibt. Und Dualität gibt es darin auch nur, wenn ich so tue, als sei ich nicht ein Teil davon.

Deswegen bin ich übrigens auch umfassend dafür verantwortlich.

Antwort
von Gegengift, 56

Er hätte auch schreiben können, dass das Göttliche seiner Meinung nach Teil aller Dinge ist. Und dass das Göttliche allem eine unumstößlich fixe Bedeutung gibt.

Antwort
von berkersheim, 46

Das ist ein Spiel mit den Gegensätzlichkeiten, dass das Große im Kleinen ist, eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. Hätte er gesagt: Gott ist das Haus in der Mansarde, das Meer im Wasserglas, das Auto im Tank usw., usw., wäre die Bedeutung keine andere gewesen, da wäre es nur mehr aufgefallen, weil diese Begriffe nicht so aufgebläht sind.

Antwort
von Lennister, 8

Ich würde das so deuten, dass Gott nach Küng einerseits radikal verschieden von unserer Welt ist(unendlich, transzendent, absolut), andererseits aber auch Teil dieser Welt ist, die als endlich, immanent und relativ charakterisiert wird. 

Antwort
von sarahj, 13

Des Kaisers neue Kleider in sprachlicher Form.


Antwort
von 1988Ritter, 30

Er ist halt arg überschwänglich geworden.

Antwort
von Viktor1, 17

Geschwollene Rede (damit nicht jeder gleich versteht) = Wichtigtuerei.

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