Frage von Rosenblad, 141

Weisen sich Flüchtlinge für teilgesellschaftliche Ebenen als eine Gesamtbedrohung aus?

Stehen Flüchtlinge mittlerweile für eine von Teilen der Gesellschaft inhaftiertes Primat diffuser Ängste, gesellschaftlicher Sollbruchstellen und affektiver (Schuldzuweisungs-)Entladungen?

Im Mittelalter machten große Teile der Bevölkerung ihre jüdischen Mitmenschen für alle möglichen Notzustände, gesellschaftlichen Verwerfungen und sozialen Missstände verantwortlich. In der postmodernen Gesellschaft mit ihren vielfältigen ideellen und metasozialen Ein- und Auslagerungen (religiösen, politischen, privaten, wissenschaftlichen oder weltanschaulichen) werden reale Ängste (z.B. Krebs, im Verkehr einen Unfall zu erleiden oder im Krankenhaus sich mit MRSA-Bakterien anzustecken u.v.m.) im Allgemeinen völlig ausgeblendet und an deren Stelle diffuse eingebracht, Ängste für die nun das Narrativ der Flüchtlinge als "zielgenau" ausgemachte Obligation für alle Schuldabladung (von z.B. erlittenen Ungerechtigkeiten, Minderwertigkeiten, gesellschaftlichen Kränkungen, Ängsten im Wachstumstempo dieser hochtechnisierten, kapitalextensiven Wachstumsordnung „abgehängt“ zu werden) steht? Wo schon das Tragen eines Kopftuches, einer Niquab oder Burkini eine Muslima als Existenzbedrohung wahrgenommen wird.

Eine Anm.: Für eventuelle Nachfragen stehe ich erst am Abend wieder zur Verfügung.

Antwort
von 1988Ritter, 58

Fragestellung und Textinhalt weisen nach meinem Empfinden auf eine Wahrnehmungsstörung der deutschen Gesellschaft hin.

Lassen wir erstmal alle Flüchtlinge weg.

Ist-Zustand:

  • 7,5 Millionen HartzIV-Empfänger, wobei die aktuellen Zahlen tatsächlich verschwiegen werden.
  • über 2,6 Millionen Menschen sind arbeitslos.
  • Unsere Rentenkasse kann nicht mehr zahlen, die Deutschen müssen nun bis mindestens zum 67 Lebensjahr arbeiten.
  • In 355.000 Haushalten wurde 2015 der Strom abgesperrt, weil die Leute den Strom nicht zahlen konnten.
  • Auf unseren Straßen leben 350.000 Obdachlose.
  • Alleine in NRW ist jedes 5te Kind abhängig von HartzIV.
  • Die Armenspeisung, in Form "der Tafel e.V.", ist schon Heute zum festen Bestandteil der Unterschicht geworden.

Betrachtet man diesen Ist-Zustand, dann haben wir in unserer Gesellschaft ein Problem. Parolen, wie "den Deutschen ist es noch nie so gut gegangen wie Heute", sind in dem Zusammenhang absolut zweifelhaft.

Und jetzt kommen die Flüchtlinge wieder ins Spiel:

  1. Eine Masse von Menschen die mit über 1,0 Millionen angenommen wird, da dank Erfassungs- und Regrestrierungsfehler kein Mensch die Zahlen genau kennt.
  2. Diese Masse endet nicht, da die Politik weitere Zuwanderer aufnehmen will, und dies erst kürzlich in Italien bezüglich Schwarz-Afrikanern auch laut bekundet hat.
  3. Mit dem Flüchtlingsstrom kommt nunmehr ein Vervielfälltigungsfaktor im Rahmen des Familienzusammenzuges. Man philosophiert dabei zwischen 2 bis 5 als Faktor.

Diese Masse Menschen packen wir auf die schon bestehende Problematik oben drauf.

Wie soll das gehen ?

Man bekommt ja nichtmal die Problem im eigenen Volk hin.

Zusätzliches Problem

Neben den allgemeinen Problemen einer menschenwürdigen Lebensführung, haben wir jetzt noch unerwartet Problem mit kriminellen Strukturen erhalten. Ohne auch hier in die Tiefe zu gehen, verweise ich auf die Kriminalstatistik des Landes NRW, veröffentlicht vom Innenminister Jäger, SPD, aus der hervorgeht, dass alleinig im letzten Jahr über 12.000 Straftaten in NRW nur auf Aktivitäten von Migranten aus den Staaten Algerien und Marokko verübt wurden.

Und nun kommt die Gretchen-Frage:

Darf man es den Deutschen überhaupt zum Vorwurf machen, wenn diese bei den genannten Fakten Bedenken haben.

Kommentar von Nunuhueper ,

Hinzu kommen noch eine Million Leiharbeiter, eine Konkurrenz für alle Billiglöhner.

Kommentar von Rosenblad ,

@ 1988Ritter

Beim ersten Durchlesen Deiner Zahlen könnte man geneigt sein Deinem Angstschema sogar beizupflichten.
Aber lasse mich drei Zahlen (diese Zahlen beruhen auf OXFAM-Studien) dem entgegensetzen: 62 Menschen besitzen inzwischen genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, die 5 reichsten Deutschen besitzen so viel wie 40% der Bevölkerung und die Subprime-Krise ab dem Frühjahr 2007 , die zur sog. Finanzkrise von 2008 führte zu einer Vernichtung von ca. 7 Billionen Dollar an Wertpapiervermögen.

Mit diesen nackten Zahlen, die ich unkommentiert stehen lassen möchte, will ich zum Ausdruck bringen, das Deine Herangehensweise – ganz konkret einem Verteilungskampfdenken arm gegen arm, genau einem marktkonformen und
kapitalprospektiven Konzeptionen entgegenkommt und hier zitiere ich, wie schon einmal an andere Stelle eine – zugegebenermaßen recht polemisch anmutende Aussage des Kabarettisten Georg Schramm: Es geht letztlich ums Kämpfen, ob wir wollen oder nicht. Wir befinden uns in  einem Art Kriegszustand. Ich halte dies nicht für übertrieben. (…) Jetzt ist die Frage, wer kämpft gegen wen. Hier gebe ich Ihnen eine Antwort von berufenem Mund: Warren Buffett hat das unmissverständlich beantwortet. Falls Sie ihn nicht kennen; Warren Buffett zählt mit grob geschätzten 50 Milliarden Dollar zu den Top-5 Besitzern auf der Welt. Einer der ganz großen Oligarchen. Auf die Frage, was er für den zentralen Konflikt unserer Zeit hält, hat Warren Buffet gesagt:„Der Klassenkampf natürlich, Reich gegen Arm, und meine Klasse, die Reichen, die gewinnen gerade.Ist doch schön, dass einer einmal nicht darum herum-redet. Er nennt es einfach beim Namen. Buffet hat übrigens auch den Begriff von den finanziellen Massenvernichtungswaffen geprägt, der mittlerweile benützt wird und das zurecht."

Mit Deiner Argumentationslinie verfolgst Du genau das was diesem Ringen der Kapitalkräfte entspricht und als Wähler der AfD noch einmal entsprechend sanktioniert, da diese Partei genau im Zirkelkreis dieser kapitalfördernden Politik steht in dem man dem Kirchhof- Steuer-Modell folgen möchte und auf Erbschaftsteuerveranlagungen bewusst verzichtet – einer Partei die dem Elektorat ein übergroßes, Plakat vor das Gesicht klebt auf dem steht: Flüchtlinge zerstören unserer Deutschland – alles andere in der Programmatik dieser Dunkelsackpartei spielt dann keine Rolle mehr – Hauptsache: Flüchtlinge raus! Und dann, wird es dann den Prekariat besser gehen, mit der AfD  bei deren Sozialprogramm, das
Rentenkürzungen, gegen Mindestlohn und einer Politik gegen Alleinerziehende mit Sicherheit Nein!

Sollten über 1 Million Menschen für Deutschland ein Problem darstellen, so sollte man die Werte ändern und sich nicht mehr ein christlichen Land oder als Christ egal welcher Strömung deklarieren – so wie sich nach meinen Dafürhalten (und dieser
Satz sollte bitte auch gelesen werden) die Golfstaaten nicht muslimisch nennen sollten, da sie fast keinen ihrer Glaubensgenossen aufgenommen haben (von den nicht
mehr als Menschen zu etikettierenden anthropologischen „Monstern“ die sich dem Daesch/IS und deren unfassbare Gräueln verschrieben haben, möchte ich nicht noch anfangen zu sprechen, ihnen sollte man jegliche Religiosität, Sozialität und Menschlichkeit überhaupt
absprechen – diese Polemik sei mir in der Bitte um Verständnis – erlaubt).

Kommentar von Sachsenbruch ,

Den Spruch klebt 1988Ritter auch unter jede dritte Frage, die er "beantwortet". Der hat insofern mit der Frage überhaupt nichts zu tun, sondern ist schlicht die private Propaganda des Kreuzritters, für die er dieses Forum systematisch missbraucht.

Antwort
von Maity, 10

Deine Analyse ist soweit korrekt, wenn auch deine Wortwahl - ob bewusst oder unbewusst - ein Diskussionsausschlußkriterium für eine teilforistische Ebene ist.

Wie auch immer, die Richtigkeit deiner These wird beispielsweise dadurch belegt, dass es immer wieder Menschen gibt, deren difusen Ängste durch reale Kontakte behoben werden. Hier z.B. eindrucksvoll belegt:

"Außerdem hätte ein Mann, der im Dorf allgemein für seine rechte Auffassung bekannt sei, an Silvester den Briefkasten des Flüchtlingsblocks mit einem Böller in die Luft gesprengt. ... „Der 4-jährige Sohn dieses Mannes hat sich dann im Kindergarten mit dem Sohn einer eritreischen Familie angefreundet“, sagt Hardt. „Seine Vorbehalte waren dann irgendwann weg und er hat die Eritreer sogar zuhause besucht.

https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2016/09/02/afd-mecklenburg-...

Antwort
von MAB82, 63

Weisen sich Flüchtlinge für teilgesellschaftliche Ebenen als eine Gesamtbedrohung aus?

Ja. Das ist wohl kaum zu übersehen. Medien berichten über den Islamischen Terror als wärs die Todesursache Nr. 1 in Deutschland, Pegidaanhänger glauben sowieso der Islam wäre die Wurzel allen Übels und der Rechtsruck in der Politik ist auch klar den diffusen, irrationalen Ängsten gewisser Bevölkerungsteile geschuldet.

Das ist aber psychologisch leicht begründet. Der Mensch überschätzt bzw. dramatisiert von Natur aus neue Gefahren/Ängste immer mehr, als die Gefahren die immer vorhanden sind (Z.B. Gefahr durch einen Verkehrsunfall zu sterben.).

Kommentar von BTyker99 ,

Es ist egal, auf welchem Platz in der Todesstatistik der islamische Terror steht. Den Leuten ist das Thema wichtig, weil diese Toten ohne Weiteres vermeidbar wären. Es ist auch ein Fakt, dass die allermeisten (oder sogar alle?) No-Go-Areas in Zusammenhang mit dem Islam oder muslimischen Familien-Banden stehen.

Kommentar von MAB82 ,

Den Leuten ist das Thema wichtig, weil diese Toten ohne Weiteres vermeidbar wären.

Sind sie das? Nichtmal ein Polizeistaat kann Terrorangriffe verhindern. Dagegen könnten schon einfachste Gesetzesänderungen und Fördermaßnahmen tausende Verkehrstote jährlich verhindern. Es interessiert einfach niemandem wenn jede 2te Woche irgendwo ein LKW ohne Bremsassistent in ein Stauende knallt und ganze Familien auslöscht. Ist ja normal. 2015 gab es fast 300 Mordopfer in Deutschland. Ist aber auch normal. Aber wehe ein Mensch stirbt durch einen Terroranschlag, dann ist aber Hysterie und Panik angesagt.

Antwort
von CamelWolf, 38

Müssen gute Frage immer so betont geschwollen formuliert werden ?

Ja, es ist so wie Du sagst. Der Mensch braucht für seine Ängste ein Erklärungsmodell und ein Ventil. Auf Deutsch: Einen Sündenbock. Bevorzugt aus Bevölkerungskreisen, die sich nicht zu Wehr setzen können. 

Das können alle möglichen Gruppen sein. Wenn's keine Ausländer mehr gäbe, dann wären's eben die Sozialisten, die Langhaarigen, die Ossis sowieso (kosten nur Geld, jammern den ganzen Tag und bringen wirtschaftlich nix auf die Beine), im Angebot wären auch noch Juden und Katholiken, Behinderte und Frauen. (Halt: Letzteres bitte streichen, die brauchen wir ja noch....)

Ergo: 

Nicht alles so ernst nehmen, der Mensch ist wie er ist und nur auf dem höchsten Level der Zivilisation (zeitweise) zur Empathie bereit.

Antwort
von Nunuhueper, 29

Es geht hier nicht um therapierbedürftige Angstzustände. Die Vorsorge ist ein rationales menschliches Bedürfnis, und zwar für alle psychisch gesunden Einwohner unseres Landes.

So wie sich der Staat um eine Vorsorge in allen Bereichen des sozialen Zusammenlebens kümmert, so irrational reagiert er auf die Flüchtlinge. Oder ist die Regierung etwa auch "verängstigt"?

Mit Sätzen wie "Wirschaffendas" als "Primat einer Teilgesellschaft"  wird nichts gelöst.

Antwort
von BTyker99, 40

Der Unterschied zwischen einem Verkehrsunfall/einer Krankheit und der "Flüchtlingssituation" ist, dass man erstere aktiv beeinflussen , oder das Glück haben kann, dass es einen selbst nicht betrifft. Die "Flüchtlinge" werden aber unser Leben nachhaltig verändern und das ist unabwendbar (ausser wir ändern unsere Migrationspolitik). Der gerade eingeführte Mindestlohn müsste wieder abgeschafft werden, sonst wäre eine Integration in den Arbeitsmarkt für den Großteil der "Flüchtlinge" nicht vorstellbar. Frauenrechte stehen wieder zur Debatte, wenn wir akzeptieren, dass die "Flüchtlinge" ihre Kultur hier frei ausleben dürfen, wozu auch die Sharia gehört. Und letzen Endes werden auch viele Ghettos und No-Go-Areas gebildet werden, die dann faktisch zwar innerhalb Deutschlands liegen, aber nicht mehr als zu Deutschland zugehörig empfunden werden. Viele Deutsche werden aus der Situation fliehen, entweder durch einen Umzug innerhalb Deutschlands, oder in ein anderes Land, und dabei viel Geld und ihre Heimat verlieren.

Bei dieser Einschätzung gehe ich natürlich weder nur von den echten Flüchtlingen oder von den ca. zwei Millionen Menschen aus, die als illegale Migranten hier her gekommen sind, sondern von den Prognosen, nach denen innerhalb der nächsten 10 Jahre ca. 500 Mio. Menschen Migrations-willig sein werden.

Kommentar von Rosenblad ,

Bei so viel Affizierung und psychischer Binneneinschwärzung würde mir natürlich auch Angst und Bange werden - Attributionen sind leider nun mal Einrastpunkte für unendlich viel Diffusität und Absurdität - es muß eben nur stimmig sein mit meinen Vorstellungen, Meinungen und Vorurteilen.

Kommentar von Sachsenbruch ,

Rosenblad, ich vermute, Du willst sagen: Was geht es dem armen Kerl doch schlecht; deswegen hat er auch so komische Vorstellungen, nicht wahr? :)

Kommentar von BTyker99 ,

Das beeindruckt sie nicht.

Kommentar von Sachsenbruch ,

Das verstehst du nicht.

Antwort
von atzef, 41

Sieht man mal von der missratenen Überschrift und dem lediglich zu Sprachunglücken führenden geschwollenen Ausdrucksstil ab (In welches Gefängnis haben denn Teile der Gesellschaft den Vorrang diffuser Ängste genau verbracht...? :-) ), würde ich dir zustimmen.

Rassismus, Ausländerhass und Sozialneid sind Abwehrformen auf unbegriffene gesellschaftliche Veränderungen, die lediglich als Bedrohung und in vermeintlich negativen Aspekten wahrgenommen werden.

Kommentar von Nunuhueper ,

"Vermeintlich negative Aspekte als Abwehrformen sind Rassismus, Ausländerhass und Sozialneid, die lediglich als Bedrohung auf unbegriffene gesellschaftliche Veränderungen wahrgenommen werden."

 Man kann den Satz noch verschwurbelter schreiben.

Klar ist, es ist eine Bedrohung. Vermeintlich positive Aspekte sehe ich nicht.

Kommentar von atzef ,

Nein. Du schreibst den satz nicht "verschwurbelter", sondern verhunzt ihn und verfehlst seinen Aussagegehalt.

Wenn du Flüchtlinge als Bedrohung ansiehst und sie pauschal auf diese bedrohung reduzierst, dann bist du offensichtlich das Opfer rassistischen, ausländerhassenden und von Sozialneid angetriebenen Denkens, unfähig, positive Aspekte dieser Migration zu erkennen und einzugestehen.

Bruttozuwanderung bedeutet immer Konsumwachstum und allgemein erhöhte Nachfrage (Man schreibt der Zu 2015 einen Effekt für das BIP-Wachstum von 0, 5 bis 1 % zu). Sie sorgt derzeit für einen Boom in der Baubranche mit all den positiven Effekten für die dort Beschäftigten und mittelfristig den für eine Entspannung am Wohnungsmarkt z.B.

Kommentar von marylinjackson ,

Sprechen wir doch in 10 Jahren darüber, was daran Positives übrig geblieben sein wird, nunuhueper

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