Heeeschen am 11.05.2007 um 11:43 Uhr
Deutschen Sprache?
Mancher würde sich die deutsche Sprache wieder "deutscher" wünschen - andere fühlen sich nicht durch gebräuchliche englische Ausdrücke und Bezeichnungen gestört. Wie seht Ihr das?

Wie ravenmuc schon schrieb, wenn es im Rahmen bleibt, ist es o.k. leider wird es von einigen übertrieben und ich finde, wir haben eine sehr schöne, ausdrucksstarke Sprache die wir nicht verhunzeln sollten.
Was mich stört, ist das viele Wörter aus dem Englischen "verdeutscht" werden, wenn Du dann den Ausdruck nicht kennst, hast Du auch noch Probleme mit der Übersetzung.
Frage mal einen Engländer nach seiner Handynummer, als Beispiel. LG

Bitte alles mit Maß und Ziel. Wir wollen uns ja nicht anhören wie Jil Sander:
"Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das [!] future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann die Sachen, die refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht eben nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils."

Unsere Sprache ist einem ständigen Wandel unterworfen. Vor fünfhundert Jahren war sie durchsetzt von lateinischen Begriffen, vor 100 Jahren von französischen, und heute eben von englischen.
Ebenso, wie es um 1900 chic (<-- frz. für 'angesagt' bzw. für engl. 'cool') war, französische Begriffe in die Sprache einzuflechten, wenn man sich feiner ausdrücken wollte, so ist es eben heute überhaupt nicht cool, das Wort 'chic' überhaupt noch zu verwenden.
In ca. 50 Jahren wird vermutlich Deutsch stark von Chinesisch und verschiedenen afrikanischen Wörtern durchsetzt sein, falls wir dann nicht eh alle nur noch Englisch reden.
Aber es gibt tatsächlich einiges, was mich momentan an der wirklichen Überflutung mit Anglizismen stört:
Die englische Schreibweise sieht keine Kuppelwörter vor (z.B. 'Project Manager') und die Dussel schreiben neuerdings deutsche Wörter ebenfalls so: 'Projekt Manager' statt 'Projekt-Manager', 'Projektmanager' oder noch besser 'Projektleiter'.
Der angelsächsische Genitiv wird durch Apostroph + angehängtes s ausgedrückt: This is Mary's lamb. -- Im Deutschen wird leider seit der letzten Rechtschreibreform schlimmer denn je zuvor mit Deppenapostrophs gearbeitet: Sonntag's-Brötchen wie zu Oma's Zeiten.
Englische Ausdrücke werden ohne Sinn und Verstand einfach wörtlich ins Deutsche übernommen, wie z.B. 'It makes sense.' -> 'Es macht Sinn.' statt richtig 'Es ergibt Sinn' oder 'Es ist sinnvoll.'.
Die englische Satzbauweise wird immer öfter ohne Sprachgefühl einfach ins Deutsche übernommen, wie z.B. 'She didn't hear the train arriving because she listened music from her mp3 player.' -> 'Sie hörte den Zug nicht ankommen, weil sie hörte gerade Musik aus ihrem MP3-Spieler.'
Heeeschen am 11. Mai 2007 12:07 Das sind sehr treffende Beispiele - habe mehr als einmal schmunzeln müssen, UlfDunkel :-) Auf der anderen Seite nutze ich selbst z. B. "das macht Sinn", wohl wissend, dass es eigentlich nicht richtig ist. Auch ich liebe meine Muttersprache und beherrsche sie. Allerdings: Seit der Rechtschreibreform stehe ich einigem sehr kritisch und teilweise wirklich negativ gegenüber. Wenn wir selbst - siehe gern auch wieder Deine Beispiele - unsere Sprache so versaubeuteln, dann dürfen ruhig auch fremdsprachliche (nicht nur englische) Begrifflichkeiten Anwendung finden und einfließen.
schurke am 11. Mai 2007 12:10 gruselig, leider hast Du recht, da rollen sich mir die Zehnägel nach oben
ich finde auch diese Sätze scheuslich wie: ich tue mir Senf auf die Wurst, brrrrrrrrrrrrrrr
Projektleiter finde ich aber richtig, als deutsches Wort und "Es macht Sinn" kenne ich noch aus meiner Kindheit als Sprachgebrauch, bevor ich wußte, was "It makes sense" heißt... Im letzteren Fall könnte ich mir sogar vorstellen, daß die Engländer von uns geklaut haben statt umgekehrt...
Was das mit dem ständigen Wandel und den französischen Worten angeht hast Du aber natürlich recht...
UlfDunkel am 11. Mai 2007 14:29 @ravenmuc: > "Es macht Sinn" kenne ich noch aus meiner Kindheit als Sprachgebrauch [...]
Du glaubst gar nicht, was ich aus meiner Kindheit noch so alles als Sprachgebrauch kenne, wofür Du bei jedem Deutschlehrer-Treffen standrechtlich erschossen würdest. ;-)
Da ich kein Englisch spreche, habe ich selbst hier in diesem Forum manchmal Schwierigkeiten, ich frage dann bei meinen Kindern nach. Was mich aber wirklich stört, dass die Berufbezeichnungen lauter hochtrabende englische Namen bekommen und ich mir beim besten Willen nichts darunter vorstellen kann. Wenn ich mich dann informiere was das ist, sieht es für mich so aus als wolle man eine einfache Berufsbezeichnung schönen. Das finde ich echt ein wenig albern.

Anglizmen stören mich immer. Ich spreche auch Englisch, aber nur wenn ich es brauche. Es ist schon so schlimm, dass selbst Konzerne fast nur noch Anglizmen in der Werbung verwenden. Viel Geräte haben einen englischen Namen. Wozu frage ich mich immer. Ist das Wichtigtuerei, Angeberei oder was?

da kriege ich die Kriese wenn ich sowas lesen tu. ;-)
Ganz ehrlich, ich finde es schade, dass unsere deutsche Sprache immer mehr "ver-englischt" wird.Zwar muss ich auch zugeben,dass mir bis auf einige Ausnahmen, englischsprachige Musik lieber ist, aber das reicht auch schon.Gerade ältere Bürger,die kein Englisch in der Schule hatten, tun mir da oft echt leid. Und ich finde es wird zunehmend mehr,manchmal komm ich mir schon vor wie in England.
CrazyDaisy am 11. Mai 2007 14:28 Äääh, warst Du schon mal in England??? Zumindest hier in Berlin gilt: Nur wenige sprechen wirklich gutes Englisch, vor allem beim Servicepersonal...
So meinte ich das nicht,aber pass mal auf:Ich wohne in einer Kleinstadt mit einer nicht allzu grossen Fußgängerzone u.wenn ich mich da so umsehe, sehe ich folgendes: Backfactory, Hairfashion, Fashion-Inn, Jeans-Store, Flowers & More, Teahouse, Coffeeshop, Tatoo-Shop usw.dazu quer über die Schaufensterscheibe aufgeklebt Reklame mit folgenden Schriftzügen: O2-can do; To sell; Last Chance und auch hier liessen sich die Beispiele weiter auflisten, fällt mir nur im Moment nicht mehr ein.
An manchen Stellen stören sie mich schon, aber gerade im Computer-Bereich sind sie ja schon akzeptiert. Werbeslogans, Musiktexte, etc. - die kleinen "normalen" Dinge halt könnte es aber ruhig wieder mehr in deutsch geben.
Die richtig "alten" Lehrer regen sich tierisch darüber auf, aber es ist uns ja quasi angelernt worden und wir fügen uns der Gesellschaftsform an... Wie "sorry" oder "meeting" oder, oder (dies hat übrigens nichts mit Computer zu tun! Aber unsere Kinder (das ist mir jetzt stark aufgefallen!) können vieles davon ableiten, das ist auch ein Vorteil.

Ich finde es fürchterlich, wenn Leute "Amerikanismen" (ich sage bewußt nicht "Anglizismen") und unverständliche Abkürzungen gebrauchen, um sich wichtig zu machen (das gilt übrigens auch für Ärzte mit ihren albernen "Latinisierungen"). Es sollte doch zu den Grundlagen der Höflichkeit gehören, sich auf den anderen Menschen einzustellen und sich verständlich auszudrücken. Und im Bereich der Sprache halte ich ausgerechnet "Amerikanisch" mit den typischen comichaften Lautmalereien und Generalismen für den schlimmsten aller englischen Dialekte.

Englisch im deutschen Wortschatz wird oft falsch oder sinnlos verwendet. Wir kaufen bei McPaper ein, gehen in einen Backshop (das ist, richtig übersetzt, ein Laden, in dem Rücken verkauft werden). Toiletten nennen sich McClean (dort arbeitet der Sohn von Herrn Clean), wir fahren unser Auto zu CosyWash (das ist urgemütlich) usw. Seit wir eine Rechtschreibreform hatten , können wir nicht mehr richtig Englisch schreiben. Tip wird mit pp geschrieben, aber wie ist nun tipptop richtig (tipptopp, tiptop, tiptopp...) Na, Hauptsache, unsere Sportler sind toppfitt (topfitt, toppfit, topfit). Einfach mal drüber nachdenken...
Bei Handy seh ich's ja noch ein, denn das Wort "handy" gibt's im englischen wirklich (heißt im "handlich")... Aber Du hast recht, wenn man mit nem Engländer redet kommt man damit als Begriff für's "cellphone" nicht weiter... ;)
Unter "handy" versteht ein Brite einen Handwerker ;-)
Ok, das zählt dann aber unter "sayings and phrasings", oder?
Naja, da ist "handy" auch eine Verniedlichung für die englische Bezeichnung eines Handwerkers: "handicraftsman". Uargh! Was habe ich jetzt gefunden: Die "Gesellschaft für dt. Sprache" schrieb 1996 einen Wettbewerb aus, um eine "solide" Alternative zum Begriff "Handy" zu finden. "Eine Auswahl aus den Vorschlägen: Anrufli, Calli, Foni, Mini, Mobi, Nervi, Rufli, Sacki, Schnelli, Speaki, Telli, Tragi, Blendy, Fony, Ohrly, Porty, Talky, Trendy, Walky"
dann doch lieber Handy, wobei ich mit der korrekten Bezeichnung Mobil- (Phone) auch leben könnte