Frage von BadLove15, 124

Wegen psychischer Krankheit ein Jahr von der Schule krankschreiben lassen?

Hei ich bin 16 und seit 6 Jahren geht es mir sehr schlecht. Ich weine jede Nacht, hab Schlafstörungen, fühle mich antriebslos und kraftlos, habe Angstzustände, Konzentrationsstörungen, sehr starke Aggressionen, Selbstzweifel, teils Suizidgedanken etc. wegen jahrelangem Mobbing, Familienprobleme etc. ich habe nun im Juli meinen Realschulabschluss gut bestanden. Jedoch war das für mich auch eine Qual weil es mir halt nicht gut ging. Nun haben wir Sommerferien. Danach würde ich eig auf die Fos gehen. Bin auch schon dort angemeldet. Nur merke ich das ich momentan dazu die Kraft nicht habe. Meine Mutter hat nun mitbekommen wies mir geht Und will morgen mit mir zum Arzt gehen. Zum Hausarzt. Sie meint er soll mich krankschreiben und mich einem Psychologen zuweisen. Meine Frage ist nun wenn er mich nun krankschreibt verpasse ich ja den anfang des Schuljahres. Geht das auch das ich dann ein Jahr krankgeschrieben bin? Und wie ist das mit dem Arbeitsamt? Meine Mutter bezieht Harz 4 (ist momentan auch krankgeschrieben weil sie es auch mit der Psyche hat) kann es sein das ich dann Probleme bekomme? Bei der Fos wäre es ja nicht schlimm wenn ich erst ein Jahr später einsteige.. Aber wie ist das mit dem Arbeitsamt? Wenn ich dann Medikamente bekommen würde hab ich iwie Angst das die meine Persönlichkeit verändern.. wird man von Medikamenten nicht abhängig? Ich habe Angst dann darauf angewiesen zu sein und das es mir ohne dann noch viel schlechter geht. Außerdem was darf ich machen wenn ich wegen der Psyche krankgeschrieben bin? Darf ich raus oder muss ich nur zuhause bleiben? Und ist es nicht so das ein Psychologe nicht alles nur schlimmer macht weil er das alles (meine ganzen Probleme und Erinnerungen) ja nur immer wieder raufholt? Wisst ihr was ich meine? Ich habe so Angst. Aber iwie muss ich ja was machen. Ich will nicht das mir das mein ganzes Leben bleibt und ich nie wieder glücklich werde. Bitte helft mir. Ich bin so eine Versagerin. Ganz liebe Grüße

Antwort
von EinNarr, 68

Einmal wirklich, auch wenn es komisch klingt - tief durchatmen.

Der Vorschlag deiner Mutter morgen zum Hausarzt zu gehen ist eine gute Entscheidung. Diese kann dir zum einen Anlaufstellen in deiner Umgebung benennen und eine erste Einschätzung geben, welcher Schritt nun angemessen wäre. Auch ist dieser, im Fall der Fälle, zuständig für nötige Überweisungen. 

Soweit ein guter und auch ein richtiger Schritt.

Ich gehe deinen Fragenkatalog jetzt in Ruhe durch.

"Geht das auch das ich dann ein Jahr krankgeschrieben bin? Und wie ist das mit dem Arbeitsamt? Meine Mutter bezieht Harz 4 (ist momentan auch krankgeschrieben weil sie es auch mit der Psyche hat) kann es sein das ich dann Probleme bekomme?"

Prinzipiell ist es nicht nötig das er dich krank schreibt. Es gibt viele, die sich nach der Schulzeit ein Jahr Auszeit nehmen um beispielsweise zu reisen oder einfach um nochmal "das Leben etwas zu genießen". Das ist also völlig legitim. Du und deine Mutter werdet auch keine Probleme mit der Arbeitsagentur bekommen - soviel ist sicher. 

Sollen Unsicherheiten oder Fragen diesbezüglich auftauchen, kann deiner Mutter sich auch beim Amt melden und sich dort direkt erkundigen - eine entsprechende Auskunft wird sie dort erhalten. Ihr werden aber keine Bezüge gestrichen und auf dich wird auch kein Zwang ausgeübt sofort eine Tätigkeit aufzunehmen. 

In diesem Punkt kannst du absolut unbesorgt sein.

"Wenn ich dann Medikamente bekommen würde hab ich iwie Angst das die meine Persönlichkeit verändern.. wird man von Medikamenten nicht abhängig?"

Medikamente mit einem hohen Abhängigkeitspotential, wie beispielsweise Benzodiazepine, werden nur noch unter sehr strengen Bedingungen und als "Notfallmedikation" verabreicht. Antidepressiva oder auch Neuroleptika, die meist als Medikament verschrieben werden, haben kein Abhängigkeitspotential. Das einzige was nur wichtig ist, ist das man sie schlussendlich ausschleichen lässt und nicht schlagartig absetzt.

Das sind aber Dinge, die dir der behandelnde Arzt auch erklären wird, sofern es zu einer Medikamenteneinstellung kommen sollte.

Deine Persönlichkeit wird durch diese Medikamente auch keine 180° Wende vollziehen. Was du aber eventuell bemerken wirst, ist das deine Stimmung sich stabilisiert und du wieder etwas mehr Antrieb verspürst. Das ist auch das Ziel. Diese Medikamente sollen dich nicht heilen, denn das können sie nicht, sie sollen dich nur dabei unterstützen eine Therapie wahrnehmen zu können. 

Sie sind eine Unterstützung, keine Heilung. 

"Ich habe Angst dann darauf angewiesen zu sein und das es mir ohne dann noch viel schlechter geht."

Das wird nicht passieren. Wie erwähnt ist das Ziel der Medikamente nur, dich bei einer Therapie zu unterstützen. Die Therapie ist schlussendlich das Mittel der Genesung. 

Wenn die Therapie anfängt "Früchte zu tragen" und du beginnst erste Fortschritte zu machen, dann brauchst du die Medikamente mit der Zeit auch nicht mehr. Deine Leistungen in dem therapeutischen Kontext ersetzen dann die Wirkung der Medikamente.

"Außerdem was darf ich machen wenn ich wegen der Psyche krankgeschrieben bin? Darf ich raus oder muss ich nur zuhause bleiben?"

Du darfst alles machen, was dir Freude bereitet. Es gibt keine Einschränkungen. Kino, Essen gehen, Freizeitparks, Spazieren gehen, Einkaufen - es gibt keine Einschränkungen. Natürlich ist es ratsam, diese Zeit zu nutzen, um eine Genesung voranzutreiben. 

Schlussendlich ist das Ziel, wieder auf die Beine zu kommen und für dieses Ziel stehen dir alle Möglichkeiten offen.

"Und ist es nicht so das ein Psychologe nicht alles nur schlimmer macht weil er das alles (meine ganzen Probleme und Erinnerungen) ja nur immer wieder raufholt? Wisst ihr was ich meine?"

Ja, ich verstehe deine Angst davor. Der Psychologe hat allerdings nicht zum Ziel, für dich alles schlimmer zu machen, indem er dich völlig wahllos an prägende negative Erlebnisse erinnert. 

Diese Therapieform, die du dort beschreibst, wäre auch die Psychoanalyse - für gewöhnlich ist das nicht die erste Wahl. In den meisten Fällen beginnt man mit einer Verhaltenstherapie. Dort lernst du, mit dir besser umzugehen, Techniken, die dich stabilisieren sollen und die dir helfen sollen, deinen Alltag zu meistern.

Dort findet das, was du beschreibst, nicht statt.

Natürlich kommt man nicht drum herum sich auch mit bestimmten Ereignissen zu beschäftigen, jedoch entscheidest du und nicht der Therapeut, wann ihr darüber redet und wie lang. Dieses Recht ist dir vorbehalten und niemand wird dich zu etwas zwingen, wenn du nicht bereit dafür bist.

Im Endeffekt soll dir die (Verhaltens-)Therapie erst einmal nur helfen, wieder eine "psychische Grundstabilität" zu erreichen. Der Rest, der psychoanalytische Ansatz, ist etwas, was man sich in Zukunft einmal überlegen kann aber das ist noch Zukunftsmusik.

___________________________________________________

"Ich bin so eine Versagerin."

Nicht einmal Ansatzweise bist du eine Versagerin. Du hast die Schule gemeistert und du hast dich hingesetzt und einen ungemein ehrlichen Text geschrieben über deine Gefühle - das verlangt viel ab. Hinzu kommt, dass du einen Willen zeigst. "Ich will nicht das mir das mein ganzes Leben bleibt und ich nie wieder glücklich werde." - da steht es schon "Ich will" und genau dieser Wille ist etwas, was du dir erhalten solltest und das du in deiner Situation, mit diesen Ängsten, hast ist etwas, worauf du stolz sein kannst. 

Du hast in keiner Hinsicht versagt.

Gehe die Wege, die du und deine Mutter euch vorgenommen habt und es wird sich lohnen. Auch wenn es sich jetzt nicht so anfühlt, es dir schwer fällt das jetzt schon anzunehmen aber du zeigst die richtige Einstellung und das ist bereits die halbe Miete, für einen langfristigen Erfolg und eine Zukunft, in der du wieder glücklich bist.

Erhalte dir deinen Willen und mache ihn dir als "Mutspender" für die kommende Zeit zunutze. 

Wenn du noch Fragen hast oder sogar neue aufgetaucht sind, scheue dich nicht davor sie zu stellen - entweder als Kommentar oder auch persönlich. Sende mir für den zweiten Fall einfach eine Freundschaftsanfrage und ich bemühe mich so schnell wie möglich zu antworten.

Ich wünsche dir alles erdenklich gute für die Zukunft und viel Erfolg.

Liebe Grüße.

Kommentar von rinielein ,

Das hast du sehr schön geschrieben! :)

Antwort
von einfachichseinn, 28

Wieso solltest du ein Jahr krankgeschrieben werden?

Wenn es so arg schlimm ist, dass du nicht zur Schule gehen kannst, würdest du vermutlich eingewiesen werden (was nicht schlimm ist).

Für ein komplettes Jahr würdest du aber vermutlich nicht direkt krank geschrieben werden.

Ansonsten ist eine Therapie sehr anstrengend, weil eben belastende Dinge rausgerissen werden. Aber dann wird es leichter.

Stell dir mal vor du bist Marathonläufer und schleppst bei jeden Lauf einen Rucksack mit 10 kg mit.
Dann beginnst du den Rucksack auszuräumen, was nicht einfach ist, weil es ganz viele Glücksbringer von Freunden und Familie sind.

Aber wenn du es geschafft hast, kannst du mit 10 kg weniger laufen und wirst viel erfolgreicher sein, als zu vor.

Ähnlich ist es mit einer Depression. Du musst diese Gedanken abbauen. Es ist ja nicht so, dass alte Wunden nur wieder aufgerissen werden. Sie werden auch dauerhaft geschlossen, so dass nicht bei der kleinsten Erschütterung wieder eine wunde aufreißt.

Antwort
von Ms42Ya, 60

Viele Fragen - ein paar Antworten:

1. Klar, kannst du auch ein Jahr krank geschrieben werden. Allerdings glaube ich nicht, dass das nötig ist bzw. das ein Psychologe diese Maßnahme einfach so in Erwägung ziehen wird.

2. Wie das mit dem Arbeitsamt ist. Naja, krank geschrieben ist krank geschrieben. Ich meine ich kenne mich da nicht explizit aus, aber bei einer ernsthaften Erkrankung, weiß ich nicht wie das Amt sich da quer stellen will.

3. Kann sich bei Medikamenten deine Persönlichkeit verändern? Ja, klar. Ist das nicht der Sinn dahinter? Aber ja klar, kann das auch negative Konsequenzen haben. Aber ein Psychologe ist erst einmal ein Experte auf seinem Gebiet, der einen Vertrauensvorschuss deinerseits verdient. Gib ihm eine Chance dir zu helfen. Sprich ihn auch ruhig auf deine Bedenken an. (Ich habe aufgrund einer ADHS Behandlung in meiner Jugend ebenfalls Persönlichkeits-ändernde Medikamente bekommen - ich bin im Nachhinein allerdings dankbar, dass mir so ein halbwegs normales Leben ermöglicht wurde). 

4.Was du dann machen darfst. Prinzipiell alles was nicht deiner Genesung schadet. Nur zu Hause einschließen, dürfte auch aus psychologischer Sicht her nicht die Lösung sein. 

5. Schadet ein Psychologe? Klar, er konfrontiert dich mit deiner Vergangenheit, aber nur so kann man Probleme lösen. Natürlich kann ein Psychologe aber auch viele andere Dinge. 

6. Ja, ich weiß was du meinst. Und ich weiß auch (ja ohne dich zu kennen) das du sicherlich keine Versagerin bist. Und klar hast du Angst - sich auf einen Psychologen einzulassen ist etwas was Mut verlangt. Und Mut ist ein wichtiger Schritt Richtung glücklich sein. Also probier es wenigstens aus! Alles andere kann erstmal warten. 

Antwort
von RuedigerKaarst, 54

Hallo,
eine Versagerin bist Du bestimmt nicht.
Deine Mutter hat richtig entschieden, dass Du zum Arzt kommst.
Arzt muss nicht zwangsläufig Medikamente bedeuten.
Ein Psychologe wird versuchen, mit dir die Gründe zu finden und dort anzusetzen.

Wue es finanziell aussieht, kann ich keider nicht sagen, aber Deine Gesundheit geht vor.

In dem einen Jahr wirst Du bestimmt nicht gezwungen, die ganze Zeit zu Hause zu sein, zumal es Deine Probleme wohl nur verstärken würde.

Eher sind wohl Kontakte und Freundschaften und natürlich Leute, die sich Deine Probleme anhören hilfreich.

Es könnte auch die Möglichkeit bestehen, ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren und dann mit der FOS weiter zu machen.
In diesem Jahr könntest Du einiges lernen, gutes tun, neue Menschen kennenlernen und dazu in die Arbeitswelt schnuppern.

Auch auf dem Lebenslauf dürfte es sich gut machen.

Da wirst Du schon merken, dass Du gebraucht wirst und keine Versagerin bist.

Alles Gute!

Antwort
von Goldsuppenhuhn, 33

Hallo BadLove15,

step by step - Du machst Dir zu viele Gedanken im Vorfeld.

Jetzt gehe erstmal zum Arzt, dann versuche baldmöglichst Gesprächstermine bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten zu bekommen.

Es ist doch gar nicht gesagt, dass es Dir ein ganzes Jahr lang schlecht geht und Du ein ganzes Jahr krankgeschrieben werden musst. Wenn man wegen psychischer Probleme krankgeschrieben wird, muss man keineswegs zuhause bleiben - im Gegenteil: Soweit es einem möglich ist, soll man natürlich aus dem Haus gehen und irgendwelchen Aktivitäten nachgehen.

Es ist auch nicht gesagt, dass Dir irgendjemand deshalb Medikamente verschreibt. Medikamente können grundsätzlich durchaus hilfreich und auch mal notwendig sein, aber das ist bei Dir im Moment gar kein Thema.

Ein Psychologe/ Therapeut wird Dich nur soweit belasten, wie es für Dich verkraftbar ist. Du solltest ihm die Angst vor der Auseinandersetzung mit Deiner Vergangenheit mitteilen.

Ich kenne Deine Probleme nicht. Aber ich denke, Du solltest mit Zuversicht in die Zukunft schauen und nicht von vornherein denken, dass nun eine längere Zeit kommt, in der es Dir so schlecht geht. Versteife Dich nun nicht auf ein Jahr!

Evtl. bekommst Du sehr bald wieder Auftrieb und Motivation und kannst sogar die Schule wie geplant besuchen? Oder fehlst nur kurzzeitig und kannst den Stoff nachholen? Lasse es einfach auf Dich zukommen und nimm es dann so, wie es kommt. Aber sich vorher den Kopf zerbrechen, bringt nichts.

Du hast Deinen Realschulabschluss gut bestanden. Ganz bestimmt hattest Du in Deinem bisherigen Leben in den unterschiedlichsten Bereichen auch schon Erfolge, hast Menschen geholfen, hast sie bereichert, etc. Denke mal darüber nach! Ganz bestimmt bist Du keine Versagerin.

Alles Gute, Goldsuppenhuhn.

Antwort
von DerGuru455, 73

Das kannst du ruhig machen Hauptsache dir geht es besser.Ich zb leide unter einer Depression und bin nie zur Behandlung gegangen das leiden dauert schon drei Jahre an und ich habe die 11te klasse nicht geschafft erreichen kannst du nur was mit Motivation also stimme ich dir zu such dir Hilfe solange du noch lust darauf hast.Vielleicht machen die Medikamente dich abhängig aber du musst nicht unbedingt welche Nehmen.Der Hausarzt kann dich weiter leiten zu anderen Instituten oder Psychiatern.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community