Frage von Trollzor, 100

Kann ich unter 18 Webseiten verkaufen?

Hallo liebe gutefrage.net Community Ich bin 17 Jahre und mein Kumpel ist 15, wir kennen uns im Bereich IT sehr gut aus und möchten jetzt nebenbei eine bisschen Geld damit machen. Wir möchten Internetseiten für kleinere Firmen erstellen und dann verkaufen. Können wir das einfach so machen und es dann irgendwie versteuern oder müssen wir extra ein Gewerbe anmelden. Fall wir ein Gewerbe anmelden müssen: Mit Einverständnis des Vormundschaftsgerichts dürfen wir das ja aber mehr weiß ich nicht. Wie sieht es da mit Abgaben, Haftung und so aus und brauchen wir einen Mindestumsatz? MfG Karsten

Antwort
von klausbacsi, 6

Neben den ganzen hier genannten rechtlichen Problemen wäre ich jedoch etwas vorsichtig mit sicher guten Absicht, Webseiten zu verkaufen. Dafür gibt es genügend Anbieter und die haben sicher auch schon einen guten Ruf. 

Ich will Eure Fähigkeiten nicht in Frage stellen, aber ich habe ähnliches über lange Zeit probiert. Ich habe über 50 eigene Webseiten und habe meine Leistungen für andere kostenlos angeboten. Die Nachfrage dafür über mehrere Jahre war mehr als ernüchternd.

Diesen Hinweis gebe ich nämlich, weil es gut überlegt werden sollte, bevor man die Behördenwelle in Gang setzt. Das ist nämlich alles mit Aufwand und Kosten verbunden....Alles Gute

Antwort
von Geochelone, 62

Als Minderjährige könnt ihr solche (gewerblichen) Verträge nur schließen, wenn euch zuvor das Familiengericht für dieses Gewerbe "voll geschäftsfähig" erklärt hat. Die Zustimmung der Eltern reicht nicht.

Wenn Ihr die Zustimmung des Gerichtes habt, könnt ihr ganz normal ein Gewerbe anmelden. Einen Mindestumsatz gibt es nicht. Es ist auch nicht vorgeschrieben, ob du Gewinne oder Verluste machst ;-)

Als Geschäftsleute müsst ihr natürlich euren Kunden und den Behörden gegenüber für die Produkte und die betrieblichen Verbindlichkeiten haften.

Kleingewerbe ist übrigens keine Rechtsform. Das ist auch keine Unterart von Gewerbe, sondern nur ein Steuererleichterungsverfahren. Und auch das nur bezüglich der MwSt.

Kommentar von mrhashpipeotto ,

Es ist auch nicht vorgeschrieben, ob du Gewinne oder Verluste machst

was zu gewinnerzielungsabsicht steht dick und fett im steuerrecht drin § 15 Abs. 2  EStG


Kommentar von Geochelone ,

1. Nicht jede Gewinnerzielungsabsicht führt auch zu einem Gewinn...

2. Was im EStG steht ist gewerberechtlich völlig unbedeutend. Da zählt nur die GewO !

Kommentar von mrhashpipeotto ,

ja du experte, dann sag mir mal warum die meinem kumpel das gewerbe entzogen haben. der hat nämlich ein startup für selbstentwickelte hochqualitative lautsprecherboxen gegründet. nach dem ersten jahr stand auf der gewerbesteuererklärung 0 € umsatz da er noch mit der entwicklung der lautsprecher beschäftigt war und die vertriebstrukturen aufbauen musste, hat dem realitätsfernen finanzbeamten sowas von nicht interessiert, der hat nur gesehen 0 Euro umsatz = liebhaberei und gewerbe wurde direkt entzogen... und nu??

Kommentar von Droitteur ,

Wie dein "du experte" schon sagte, muss man das Steuerrecht vom Gewerberecht unterscheiden.

Für das Finanzamt ist entscheidend, wie viele Steuern jemand zu zahlen hat; ein Gewerbe im Sinne des Steuerrechts ist dabei mindernd zu berücksichtigen. Im Fall der Liebhaberei gibt es für diesen "Bonus" aus Sicht des Finanzamtes jedoch keinen Grund mehr.

Das Gewerberecht hat einen völlig anderen Grund, Tätigkeiten als Gewerbe oder nicht als Gewerbe zu beurteilen: Es geht letztlich um die Erlaubnis. Darf ich Türstehen; darf ich Gaststätten betreiben - um nicht jeden Hanswurst da ranzulassen, braucht man eine formelle Erlaubnis, um ein solches "Gewerbe" auszuführen; zum Schutz also der Gäste. Und genauso in der Frage hier, ob der Minderjährige ein Gewerbe führen darf - hier freilich verstärkt noch zum Schutz des (minderjährigen) Gewerbetreibenden selbst.

Aus den unterschiedlichen Interessen von Steuerrecht und Gewerberecht daran, ob man eine Tätigkeit als gewerblich betrachtet, ergeben sich eben die unterschiedlichen Kriterien.

Dein Freund übt aus Sicht des Finanzamtes kein Gewerbe mehr aus, so dass die Ausgaben daraus nicht mehr steuernmindernd berücksichtigt werden können. Die Tätigkeit mag aber immer noch einer Erlaubnispflicht gemäß dem Gewerberecht unterliegen, stellt in dieser Hinsicht also sehr wohl ein "Gewerbe" dar.

Andernfalls könnte man ja auf die Idee kommen, das Finanzamt könnte einem eine Tätigkeit verbieten - aber welchem Interesse sollte das dienen?

Kommentar von Droitteur ,

Vllt noch mal kurz auf den Punkt gebracht:

Dass in den Augen des Finanzamtes kein Gewerbe mehr vorliegt, dient dem Interesse daran, die Ausgaben nicht mehr mindernd berücksichtigen zu müssen.

In den Augen der Gewerbeordnung ist dagegen (grob gesagt) nur wichtig, ob eine Tätigkeit vorliegt, vor der irgendjemand aus welchen Gründen auch immer geschützt werden muss, so dass man sie einer Erlaubnispflicht unterwirft = sie "Gewerbe" nennt.

Antwort
von Spirit528, 3

Ihr könntet das Gewerbe auf einen volljährigen Geschäftsführer laufen lassen bis ihr selbst volljährig und damit voll geschäftsfähig wäret.

Ich würde heute von der puren Erstellung von Webseiten als Geschäftsfeld absehen. Man muss eigentlich auch potentiell Apps anbieten können.

Naja für ein Taschengeld nebenbei reicht es allemal.

Ansonsten würde ich die Zeit und Energie lieber in ein eigenes Projekt stecken, mit dem man innovativ Geld machen kann.

Beherrscht ihr denn auch Serverseitige Scriptsprachen wie PHP?

Antwort
von Rockuser, 92

Du kannst mit 17 noch kein Rechtskräftigen Verkauf machen. Da müssten deine Eltern mit ins Boot. Wenn man einen Gewerbeschein hat, braucht man keinen Mindestumsatz.

Kommentar von Trollzor ,

Ja mit Einverständnis meiner Eltern würde es aber gehen

Ok kein mindestumsatz ist schonmal gut.
Danke!

Kommentar von Rockuser ,

Nicht nur das Einverständnis der Eltern, die müssten auch die Haftung übernehmen.

Kommentar von Geochelone ,

Eltern, die müssten auch die Haftung übernehmen.

Das ist absoluter Blödsinn.

Kommentar von mrhashpipeotto ,

Wenn man einen Gewerbeschein hat, braucht man keinen Mindestumsatz.

kein oder wenig umsatz = liebhaberei, bei liebhaberei nimmt das finanzamt einem ruckizucki das gewerbe (zu recht) wieder weg :D


Antwort
von Girschdien, 100
Kommentar von Trollzor ,

Es geht es ja durch dieses Vormundschaftsgerichts auch jetzt schon und bis mein Freund 18 ist dauert es noch zu lange

Also braucht man da ein richtiges Gewerbe mit allen Abgaben oder geht das auch anderes?

Danke für die Antwort

Kommentar von Girschdien ,

Du bräuchtest ein Gewerbe. Aber wenn Du 18 bist, kannst Du problemlos ein Gewerbe anmelden und dann könntest Du Deinen Freund z.B. einstellen (im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen können ja auch Minderjährige arbeiten). Wenn Du Webseiten verkaufst, ohne das anzumelden, ist dann mal ganz schnell von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung die Rede.

Kommentar von Trollzor ,

Hmm Ok...

Wenn ich das dann anmelde was muss ich dann alles machen? Rechnungen schreiben Steuererklärung machen und so?

Kommentar von Girschdien ,

Exakt. Du musst Gewerbe anmelden, am besten erst mal ein Kleingewerbe.

https://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/recht-und-steuern/r...

Später Rechnungen stellen, eine Buchführung betreiben und natürlich eine Steuererklärung abgeben. 

Kommentar von Trollzor ,

Vielen Dank! 
Ich werde mir das mal durchlesen und dann mal sehen..

Kommentar von Trollzor ,

Also Kleingewerbe als Rechtsform hört sich (bis auf die persönliche Haftung, die meiner Meinung nach bei Webseiten erstellen keine große Rolle spielt) gut an. Nur kann man ein Kleingewerbe nur alleine betreiben und meinen Kumpel möchte ich nicht als Angestellten sondern als Geschäftspartner haben. Gibt es da eine Möglichkeit

Kommentar von Girschdien ,

Ohne Grundkapital? Schwierig. Und dann muss ja das Vormundschaftsgericht zustimmen. Was, wenn es das nicht tut? 

Ansonsten: Google doch mal nach Gewerbeformen. Die meisten sind aber mit einem Mindestgrundkapital verbunden, eine GmbH z.B. mit 25.000€, die man haben muss, allein, um die GmbH zu gründen.

Und das mit der Haftung solltest Du nicht unterschätzen: Wenn Du für (bspw.) einen Handwerker die Webseite machst, dort einen Fehler einbaust, der ihn am Ende eine Menge Geld kostet, kann er Dich haftbar machen. 

Kommentar von Trollzor ,

Ja aber ich Denke wenn wir Webseiten verkaufen kann da nicht so viel passieren. Oder was denkst du?
Ja Kapitalgesellschaften sind aber mit unserem Geld leider nicht möglich :D

Kommentar von Girschdien ,

Wenn Ihr sorgfältig arbeitet, sollte nichts passieren. 

Kommentar von Trollzor ,

Ok und ich denke die besten passende Rechtsform hier ist die GBR. Finden Sie auch?

Kommentar von Girschdien ,

Ja, das klingt gut. Aber richtet Euch darauf ein, dass das alles nicht von heute auf morgen möglich ist. Die Mühlen der Bürokratie mahlen auch in D recht langsam...

Kommentar von Trollzor ,

Ok ich werde mir das alles nochmal genauer angucken aber was meinst du damit das es lange dauern wird?

Kommentar von Girschdien ,

Das Vormundschaftsgericht wartet nicht gerade auf Euch....

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community