Frage von Revoluzzer86, 30

Was zeichnet eure Kanzlei aus?

Hallo zusammen,

ich würde gerne von euch da draußen, die in einer Steuerkanzlei oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeiten, vorzugsweise als Steuerassisten gerne aber auch Steuerberater oder WP etwas über euren Tagesablauf und eure Strukturen intern erfahren !?

Warum: Ich arbeite in einer kleinen Kanzlei. Hier habe ich die Möglichkeit meine Zukunft aufzubauen, d.h. ich könnte die Kanzlei zu gegebener Zeit übernehmen. Ich verstehe mich mit unseren Mandanten bestens, kann in großem Maße selbständig und eigenverantwortlich arbeiten, die Kanzlei an sich ist wunderschön, Altabau im Herzen Münchens, freie Zeitanteilung, Getränke 4 free, und meine Gehalt mit 2000 Netto als Assisten ist auch gut. Negativ zu erwähnen ist, dass es zuweilen ziemlich chaotisch bei uns ist und unsere Beziehung im Team als auch zu unserem Chef, der einzige Steuerberater in unserer Kanzlei, sehr persönlich ist. Dies kann einerseits schön sein, andererseits sehr, sehr, sehr, Nervraubend. Mein Problem: Ich habe keinen Vergleich und Sorge was "besseres" zu verpassen. Das bedeutet, ich Frage micht: Wie läuft der Alltag in anderen kleinen Kanzleien ab, wie in großen Kanzlein, was sind eure täglichen Aufgaben, wie sieht euer Arbeitsplatz aus, was sind eure Sorgen, Bedenken, Pros und Kontras hinsichtlich eurers Arbeitgebers??? Zum Abschluss: Bitte, verzichtet auf Belehrungen oder anderweitigen negativen persönlichen Äußerungen, auch wünsche ich mir keine Streitparolen unter euch, dies hängt mir bei solchen Plattformen zum Hals raus. Ich spreche Menschen an, die aus Ihrem Leben erzählen können und/oder vielleicht ähnliche Fragen haben. Vielen Dank für das Lesen meiner Fragen und für Eure Zeit diese auch zu beantworten. Viele Grüße aus München

Antwort
von vdeparty, 9

Hallo Revoluzzer,

ich arbeite in einer kleinen Steuerkanzlei mit 6 Mitarbeitern.
Auch in unserer Kanzlei geht es relativ familiär und freundlich zu. Ich selber arbeite seit bald 4 Jahren dort, alle anderen sind schon sehr lange, fast von Anfang an dabei.
Getränke (Wasser, Sprudel, Kaffee, Tee) steht zur Verfügung, außerdem eine großzügig gefüllte Süßigkeiten-Schublade. Oft bringt irgendjemand noch etwas zusätzlich mit (Obst, Kuchen, z.B.) und stellt das dann in die Küche, damit sich jeder bedient.
Die Betriebsausflüge und das Weihnachtsessen sind immer lustige Treffen und werden gemeinsam ausgesucht, wobei natürlich das letzte Wort immer der Chef hat.
Bis vor zwei Jahren befanden wir uns in größeren Räumlichkeiten in Bürogemeinschaft mit einer anderen Kanzlei. Das war auch nicht schlecht, aber seitdem wir unsere eigenen Räumlichkeiten haben, fühlt es sich viel lockerer, freier und schöner an. Es hat sich irgendwie ergeben, dass ein Teil der Wände und was an Deko da ist, in hellem grün gehalten ist und das ist eine kleine aber sehr feine Verbesserung zu dem vorigen ständigem grau. Ein Arbeitsplatz, an dem ich mich sehr wohlfühle.

Als chaotisch würde ich uns nicht bezeichnen. Was sehr wichtig war, als ich anfing: Genaues Aufzeichnen und Dokumentieren der Bearbeitung. Das wirkte auf mich am Anfang etwas hinderlich und zeitraubend. Doch hat es sich bewährt.
Wenn ich mit einem Mandanten telefoniere um eine Information einzuholen, dann fasse ich das schriftlich zusammen und hefte es ab (oder füge es bei den Arbeitsunterlagen im Computer ein).
E-Mails werden ausgedruckt und im Ordner abgelegt. Das erscheint manchen wie eine Papierverschwendung. Doch bei der Flut an E-Mails heutzutage, muss man sich einen Überblick bewahren. Wenn ich eine Steuererklärung bearbeite, will ich nicht eine Stunde damit verbringen mir von drei verschiedenen Stellen die nötigen Unterlagen zusammenzusuchen. Wenn alles seinen richtigen Platz hat, spart mir das Zeit und dem Mandanten Geld.
Ausgangskorrespondenz wird als Kopie bei uns aufbewahrt.
Usw...
Ich denke, gerade bei kleinen Kanzleien muss eine gewisse Grundstruktur und Ordnung da sein, der sich alle fügen. Jeder Steuerordner ist nach dem selben Schema aufgebaut, jede Buchhaltung wird mit dem gleichen Ablauf bearbeitet (zB. erst Kreditoren, dann Kasse, dann Bank, Lohnbuha am Schluss).
Warum gerade in kleinen Kanzleien? Weil wir füreinander einspringen und vieles zusammen bearbeiten. Es gibt nicht die eine große Buchhaltungsabteilung mit 10 Mitarbeitern... fast jeder macht hier fast alles wenn nötig. Wenn jemand fehlt, kann jeder andere von uns einspringen und Aufgaben übernehmen, weil wir den Ablauf kennen.

Bei kleineren Kanzleien ist wohl auch sehr wichtig - so erlebe ich das - dass ein harmonisches Verhältnis zwischen ALLEN besteht. Wir sind eine Gruppe! Wenn von 5 Mitarbeitern einer ausgegrenzt würde, das wäre eine Riesenbelastung! Das ist bei uns nicht der Fall. Auch ich wurde von Anfang an sehr nett aufgenommen und im Laufe der Zeit tauschen wir uns mehr und mehr aus. Ein interessanter Aspekt bei uns ist letztendlich auch, dass wir alle Eltern sind. Damit kennen wir unsere Prioritäten und müssen nicht lange diskutieren. Wenn ein Anruf von Kindergarten oder Schule kommt, weil ein Kind krank ist, meckert keiner rum. Dann heißt es nur "gute Besserung".

Klare Strukturen und Ordnung sind ein absolutes Muss, gerade weil wir so ein gutes Arbeitsklima haben.
Das spiegelt sich auch in der Bürokleidung wieder: Das wird relativ locker gehalten: Im Sommer sind Sandalen und kurze Hosen erlaubt. Keine Hemd- und Krawattenpflicht. Ich trug am Anfang noch sehr auffallend bunte Haare. Das fand der Rest der Truppe auch okay. Nur Nieten z.B. waren ein No-Go. Aber weniger aus ästhetischen Gründen, sondern weil damit auch mal schnell Abdrücke auf Dokumenten usw. entstehen.

Viel mehr fällt mir dazu gerade gar nicht ein.
Ich bin glücklich an meinem Arbeitsplatz. Es hat Charme und Ordnung. :-)

Antwort
von nafta, 23

Ich arbeite in der WP, bei einer der Big4. Deine Frage ist leider absolut ausartend gestellt.

Ganz kurz: Die Vorteile und Nachteile hast du wirklich gut selbst beschrieben.

Größere bieten in der Regel für Assistenten und in der Hierarchiekette bessere Gehälter (wenn auch dennoch mies) und bessere Schulungs- und Ausbidlungsmöglichkeiten. Entsendung oder nationaler Einsatz kann natürlich auch ein Anreiz sein.

Selbstbestimmung, schneller Aufstieg und Mitbestimmungsrecht sind in kleinen Kanzleien natürlich unter Umständen maßgeblich.

Wenn die Kanzlei stark wächst und man sich an wirkliche Macher ranhängen kann, kann einen das sehr reich machen. Beispiele geben die Historien bekannter "kleinerer" Gesellchaften.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community