Frage von AnniWan, 352

Was zählt, Testament, oder Grundbucheintrag?

Unsere Situation ist wie folgt:
Meine Oma ist verstorben und hat ihrem Testament meine Mutter als Erbin ihres Hauses eingesetzt. Meine Tante soll zu 1/3 ausgezahlt werden, ebenso, wie die Kinder meines verstorbenen Onkels zu je 1/6.
Nun möchte meine Mutter das Haus gerne übernehmen.
Im Grundbuch stehen aber meine Mutter, meine beiden Tanten und ihre Kinder.
Kann meine Mutter als Erbin das Grundbuch ändern lassen?
Könnten die Eingetragenen im Grundbuch einer Auszahlung widersprechen, wenn meine Mutter das Haus übernehmen möchte ?

Das Testament ist notariell beglaubigt.

Antwort
von Akka2323, 119

Deine Oma kann nichts vererben, was ihr nicht gehört. Das Haus gehört denjenigen, die im Grundbuch   stehen.

Kommentar von AnniWan ,

Im Grundbuch steht meine Oma zu 1/2 und der Rest der Leute zu mehrfach ungeteilter Erbengemeinschaft zu 1/2, habe ich gerade nachgelesen.

Kommentar von Akka2323 ,

Geht lieber zu einem Anwalt, alle zusammen und einigt Euch dort.

Antwort
von miboki, 156

Offenbar konnte Deine Oma das Haus gar nicht vererben, weil sie im Grundbuch nicht als Eigentümerin eingetragen war. Sie hat das Eigentum am Haus wohl vorher schon übertragen. Nun müsste man wissen, was vertraglich geregelt war.

Kommentar von AnniWan ,

Im Grundbuch steht meine Oma zu 1/2 und der Rest der Leute zu mehrfach ungeteilter Erbengemeinschaft zu 1/2, habe ich gerade nachgelesen.

Antwort
von berlina76, 183

Wann wurde das Grundbuch geändert? Nach Testamentseröffnung oder vor dem Tod der Oma. Die Oma kann nicht etwas vererben was ihr gar nicht mehr gehört. Wenn die Grundbucheintragung länger als 10 Jahre alt ist ist diese Gültig. Ansonsten fliesst das Haus anteilig ins Erbe. Pro jahr 10 %.

Ist die übertragung z.b. 5 Jahre alt fliessen 50% Des Hauswertes ins Erbe und werden nach testament verteilt. Der rest bleibt wie im Grundbuch vereinbart.

Kommentar von AnniWan ,

Im Grundbuch steht meine Oma zu 1/2 und der Rest der Leute zu mehrfach ungeteilter Erbengemeinschaft zu 1/2, habe ich gerade nachgelesen.

Kommentar von berlina76 ,

D.h. deiner Oma gehörte nur noch das halbe Haus. Dann kann sie auch nur ihre Hälfte vererben. Die andere Hälfte gehört den eingetragenen Erben. Ich nehm mal an das sind die Erben vom Opa der schon früher verstorben ist?

Das ganze am besten von einem Anwalt auseinanderklamüsern lassen, wer wieviel besitzt und wer wen auszahlen muss.

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 211

Meine Oma ist verstorben und hat ihrem Testament meine Mutter als Erbin ihres Hauses eingesetzt.

Das ist kein Erbe, sondern ein Vermächtnis oder eine Teilungsanordnung. Hierbei muß man unterscheiden ob es ein Vorausvermächtnis ist, bei den kein Ausgleich erfolgt oder ob der Wert ausgeglichen werden soll.

Bei einen notariellen Testament sollte man diesbezüglich eigentlich eine eindeutige Formulierung erwarten.

Erben sind Rechtsnachfolger und übernehmen die meisten Rechte und Pflichten des Erblassers also insbesondere auch Eigentum und Schulden. Das Erbe erfolgt dabei automatisch, d.h. es bedarf keinerlei Zustimmung.

Ein Vermächtnis/Teilungsanordnung ist hingegen ein schuldrechtlicher Anspruch gegen die Erben auf Erfüllung. 

Im Grundbuch stehen aber meine Mutter, meine beiden Tanten und ihre Kinder. Kann meine Mutter als Erbin das Grundbuch ändern lassen?
Könnten die Eingetragenen im Grundbuch einer Auszahlung widersprechen, wenn meine Mutter das Haus übernehmen möchte ?

Hier muß man zwei Dinge unterscheiden. Das Grundbuchamt ändert nur, wenn die im Grundbuch Eingetragenen explizit zustimmen oder ein rechtskräftiges Urteil dazu vorliegt. Letzeres heißt, das die Mutter erfolgreich klagen müßte.

Im Grundbuch steht meine Oma zu 1/2 und der Rest der Leute zu mehrfach ungeteilter Erbengemeinschaft zu 1/2, habe ich gerade nachgelesen.

Die Möglichkeiten von Vermächtnissen und Teilungsanordnungen sind recht weitreichend. So gibt es etwa das Verschaffungsvermächtnis nach §2170 BGB wonach der Erbe den Vermächtnisnehmer einen nicht im Nachlass befindlichen Gegenstand verschaffen muß. Das heißt im Klartext, der schuldrechtliche Anspruch auf Übertragung setzt nicht zwingend voraus, das das Haus vollständig zum Nachlass gehört. Ob tatsächlich ein Anspruch besteht kann man aber so pauschal nicht beantworten.

Ferner ist Folgendes zu beachten. Der mit den Vermächtnis beschwerte Erbe kann die Erbschaft ausschlagen und den Pflichtteil verlangen. In diesen Fall muß er das Vermächtnis natürlich nicht erfüllen. Außerdem kann das Vermächtis gekürzt werden wenn es der Nachlas unter beachtung der Pflichtteile wertmäßig nicht hergibt.


Antwort
von HelmutPloss, 135

Wenn laut Grundbuch der Oma das Haus gar nicht gehört, kann sie es auch nicht vererben. Die Besitzverhältnisse im Grundbuch sind bindend. Und wenn davon jemand allein Besitz an dem Haus erlangen will, muss er (sie)sich mit den anderen Eigentümern einigen.

Kommentar von AnniWan ,

Im Grundbuch steht meine Oma zu 1/2 und der Rest der Leute zu mehrfach ungeteilter Erbengemeinschaft zu 1/2, habe ich gerade nachgelesen.

Kommentar von HelmutPloss ,

Die Hälfte der Oma wird dann wie im Testament beschrieben verteilt. Das ändert aber nichts an den Besitzverhältnissen der anderen Hälfte des Hauses.

Kommentar von ichweisnix ,

Das stimmt so nur begrenzt. Die Anordnungen im Testament der Oma sind für die Erben der Oma in der Regel bindend.

Die Wirkung kann dabei grundsätzlich auch über den Nachlass hinaus gehen. Die Oma könnte einen Erben z.B. auch beauflagen, eine FSJ zu absolvieren.

Natürlich können dabei nur die Erben ( und Vermächtnisnehmer ) beschwert werden und dies haben das Recht auszuschlagen.


Kommentar von AnniWan ,

Kann meine Mutter denn entscheiden, dass die anderen ausgezahlt werden? Oder müssen die dem zustimmen ?

Kommentar von HelmutPloss ,

Die Hälfte der Oma kann deine Mutter wie im Testament festgeschrieben, auszahlen. Doch das ändert nichts an den Besitzverhältnissen der anderen Hälfte des Hauses.

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