Frage von XY123XY123, 92

Was würdet Ihr machen, wenn Euch im Supermarkt eine Frucht runterfällt?

Ich wollte vor Kurzem eine Avocado kaufen. Und als ich eine aus der Schachtel rausnahm, ist eine andere auf den Boden gefallen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und hab mich dann entschieden, die am Boden liegende zu nehmen. Heute wollte ich sie essen und sie war teilweise schlecht (weiß natürlich nicht, ob das vom Runterfallen kommt).

Jetzt möchte ich Euch fragen: Was würdet Ihr machen, wenn Euch das passiert? Ebenfalls kaufen? Oder sie vom Boden aufheben und zurücklegen? (Ich dachte kurz daran, aber dann hatte ich den Gedanken, dass das unfair dem gegenüber ist, der sie dann kauft und nicht weiß, dass sie runtergefallen ist.) Oder würdet Ihr es einer Verkäuferin sagen und die soll dann was damit machen? Oder...?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Cokedose, 41

Das ist keine Frage von Fairness usw. sondern von Erziehung und Anstand sowie von Rechtsbewusstsein.

Denn rein juristsch bist du zum Schadensersatz verpflichtet wenn du jemand anderem gegenüber einen Schaden verursachst. Ganz gleich ob vorsätzlich, fahrlässig oder versehentlich.

Somit hast du im Grunde vollkommen korrekt gehandelt. Wenn nur jeder zweite Mensch so denken und handeln würde - was wäre das schon für eine deutlich bessere Welt.

Kommentar von Cokedose ,

Hier noch der entsprechende Gesetzestext, der die Frage zweifelsfrei beantworten sollte.

§ 823 Abs. 1 BGB:

Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

Kommentar von XY123XY123 ,

Danke! Hier steht aber nur was von vorsätzlich oder fahrlässig. In meinem Fall war es keines von beiden, es war einfach ein Versehen.

Kommentar von Cokedose ,

Da macht der Gesetzgeber keinen Unterschied. Du kannst auch aus Versehen jemanden erschießen. Es wäre dann trotzdem Fahrlässigkeit, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass du nichts alles Menschenmögliche unternommen hast, dass es nicht dazu kommt. Weil dann wäre es ja nicht passiert.

Im Falle der Avocado hätte er gesagt, dass du nicht ausreichend dafür gesorgt hat, dass du sie fest im Griff hast und sie dir so gar nicht runterfallen kann.

Sonst könnte jeder einfach vor Gericht "Versehen" als Grund angeben und wäre fein raus. Weil soll man das nachweisen oder widerlegen?

Antwort
von Nouredine1989, 52

Ich hätte es eine Verkäuferin gegeben und ihr die Situation erklärt. Sie hätte es bestimmt abgeschrieben und fertig ist es! ;)

Antwort
von diekuh110, 59

Erkennbar auf die seite legen oder am boden irgendwo liegen lassen wo niemand reintritt

Antwort
von Repwf, 49

Ich als VERKÄUFERIN würde mich freuen wenn Kunden es einfach bei mir abgeben! Gerade ware die so druckempfindlich ist wie zB die avokado oder auch Apfel zB! 

"Wir" können so von außen ja auch nichts sehen, da ist es für den nächsten der sie kauft einfach ärgerlich!

Wenn du dich nicht traust es abzugeben, dann lass es auf dem Boden liegen, schieb es aber ganz ans Regal/Theke Sodas keiner drüber fällt 

Kaufen musst du es auf keinen Fall! Auch dir steht einwandfreie ware zu! Das gilt auch für Gläser und Co die dir im Markt kaputt gehen! Ist ein Problem des Unternehmens (zumindest solange du es nicht mutwillig machst!) 

Kommentar von XY123XY123 ,

Bist Du Verkäuferin? Ist es wirklich so, dass ich nicht für Schaden aufkommen muss, den ich in einem Geschäft (nicht mutwillig) verursache?

Kommentar von Repwf ,

Ich bin marktleitung bei Lidl, seit Ca 15 Jahren - also ja ;-)

Und ja, du musst nicht für kaputtgegangenes aufkommen! Bei teuren Dingen wäre das ein versicherungsschaden, bei Kleinigkeiten geht es bei uns in die Abschriften und gut ist! 

Kommentar von Cokedose ,

Sorry, aber was bist du für eine Marktleitung wenn du nicht mal grundlegende rechtliche Dinge weißt.

Grundsätzlich ist jeder der einen Schaden verursacht auch zum Schadensersatz verpflichtet. Dass die meisten Läden bei Waren von geringem Wert darüber hinweg sehen geschieht rein aus Kulanz. Ein Versicherungsschaden wären es nur bei Feuer, Wasser, Stromausfall (Kühlschaden) usw. Keine Versicherung muss für den Schaden aufkommen der durch Dritte verursacht wurde. Das müsste allenfalls die Haftpflicht des Kunden der den Schaden verursacht hat.

Kommentar von XY123XY123 ,

Ok, danke! Ich hab allerdings im Internet ein wenig herumgelesen und es dürfte so sein, dass im Prinzip schon der Kunde für Kaputtgegangenes haftet. Nur machen es viele Geschäfte freiwillig, dass sie für den Schaden aufkommen (bzw. ihre Versicherung).

Kommentar von XY123XY123 ,

@Cokedose: Wir haben offenbar gleichzeitig geschrieben, mein Kommentar bezog sich auf Repwf.

Kommentar von Cokedose ,

Gar kein Problem. Im Gegenteil, es ist lobenswert, dass du eigenständig weiterforschst anstatt dich auf den Antworten auszuruhen.

Kommentar von Repwf ,

http://www.sat1.de/ratgeber/finanzen-recht/recht/rechtsirrtuemer-im-supermarkt-c...

Auszug:

Beschädigte Ware im Supermarkt muss ersetzt werden

Im Supermarkt kann schnell etwas zu Bruch gehen. Mal kurz mit den Gedanken woanders und – schwupps – landet das Apfelmus auf dem Boden. Da stellt sich die Frage: Muss ich von mir beschädigte Ware im Supermarkt bezahlen? Viele werden denken: Wieso soll ich eine Ware zahlen, die ich gar nicht gekauft habe. Doch im Supermarkt gilt der Grundsatz: Wer vorsätzlich oder fahrlässig fremdes Eigentum beschädigt, muss den Schaden ersetzen.

Interessant: DER LETZTE SATZ HIER in Verbindung mit meinem letzten Satz ob (der in Klammern steht) ...!

Kommentar von XY123XY123 ,

Interessant. Ich versteh allerdings nicht, was "fahrlässig" in diesem Zusammenhang bedeutet. Also welches Verhalten des Kunden als fahrlässig anzusehen wäre. Etwas ist mir aber noch eingefallen, was vielleicht den Standpunkt von Repwf untermauert: Generell ist es ja so, dass man den Schaden ersetzen muss, den man verursacht hat. Wenn jetzt also die Avocado mit 1 Euro angeschrieben ist, dann habe ich ja dem Geschäft nicht einen Schaden von 1 Euro verursacht. Sondern viel weniger. Es kann ja nicht sein, dass man die Gewinnspanne bezahlen muss; das Geschäft würde ja sonst vom Schadensfall profitieren. Also wenn es so wäre, dass man im Geschäft kaputtgemachte Ware ersetzen muss, dann könnte es nur zum Einkaufspreis sein. Oder eventuell Selbstkosten. Aber nie zum angeschriebenen Preis.

Kommentar von Cokedose ,

Fahrlässig ist es z.B. wenn du dir keinen Einkaufswagen nimmst und dir etwas von den 10 Sachen herunterfällt die du im Arm trägst. Du hättest den Schaden also durchaus vermeiden können. Vorsätzlich wäre es, wenn du z.B. etwas öffnest um zu probieren.

Ich meine, mal ein entsprechendes Urteil gelesen zu haben, wonach du auch den kompletten Verkaufspreis erstatten musst und nicht nur den Einkaufspreis, weil der entgangene Gewinn auch ein Schaden ist den der Eigentümer hat.

Kommentar von XY123XY123 ,

Ah ok, das ist ein gutes Beispiel für Fahrlässigkeit. Dass dem Geschäft ein Gewinn entgehen sollte, finde ich aber seltsam. Das wäre ja nur dann der Fall, wenn es ganz sicher einen Käufer für diese (in meinem Fall) Avocado gibt und wenn nicht noch dreißig andere daliegen würden. In Wahrheit wird es ja eher so sein, dass nicht alle verkauft werden und einige weggeworfen werden müssen. Aber ok, das wäre jetzt wieder eine andere Diskussion...

Kommentar von Cokedose ,

Ganz genau. Da man sowas einfach nicht vorhersagen kann, lässt der Gesetzgeber auch keine Diskussionen über fiktiven Hätte-wäre-wenn-Situationen zu, sondern geht einfach davon aus, dass der Händler dieses Produkt ja auch nur zu diesem Zweck eingekauft hat um es zu verkaufen.

Ich habe dir mal den entsprechenden Wortlaut aus dem bürgerlichen Gesetzbuch rausgesucht (§ 252 BGB):

Der zu ersetzende Schaden umfasst auch den entgangenen Gewinn. Als entgangen gilt der Gewinn, welcher nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge oder nach den besonderen Umständen, insbesondere nach den getroffenen Anstalten und Vorkehrungen, mit Wahrscheinlichkeit erwartet werden konnte.

Kommentar von XY123XY123 ,

Danke! Wobei der gewöhnliche Lauf der Dinge in einem Geschäft normalerweise der sein dürfte, dass es bei einem Schadensfall keinen Gewinnentgang gibt. Außer eben, wenn nur mehr wenige Produkte auf Lager sind und der Vorrat ausgeht, bevor eines nachbestellt werden kann. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Gericht hier von Fall zu unterschiedlich entscheidet. Also wenn es zum Beispiel um einen sehr teuren Fernseher geht, nicht um eine Avocado :-)

Kommentar von Cokedose ,

Bei einer Avocado würde es eher gar nicht erst zu einer Verhandlung kommen. Die Klage würde wohl direkt abgewiesen werden. Der Streitwert stünde ja in keinem Verhältnis zu den Kosten.

Kommentar von XY123XY123 ,

Ja, ich meine ja, wenn es um was Teureres geht. Ich hab jetzt einen interessanten Link gefunden. Da geht's zwar um Österreich, aber es dürfte ja in Deutschland gleich sein. Ein Auszug: " Wenn Kunden in einem Geschäft unabsichtlich eine Ware fallen lassen oder anders beschädigen, liegt es - rechtlich gesehen - am Verkäufer, ob er das kaputte Teil in Rechnung stellt oder nicht." Ein weiterer Auszug: " Weder Versicherung noch der den Schaden verursachende Kunde muss aber den Verkaufspreis der Ware ersetzen, sondern nur die Kosten, die dem Geschäft selbst entstehen, also den Einkaufswert." Damit wäre auch diese Frage geklärt. (Falls das alles stimmt, wovon ich mal ausgehe.) Das ist der Link: http://kaernten.orf.at/m/news/stories/2692454/

Kommentar von XY123XY123 ,

Aha, letzteres widerspricht Deinem zitierten Paragraphen. Keine Ahnung, was das bedeutet.

Kommentar von XY123XY123 ,

P.S.: Der erste Auszug ging eher an Repwf, denn das ist ja eh das, was Du schon immer gesagt hast.

Kommentar von Cokedose ,

Auch wenn Deutschland und Österreich sich gefühlt sehr ähnlich sind, so können sie rechtlich doch weit auseinander liegen.

Ob ein Verkäufer davon absieht die beschädigte Ware in Rechnung zu stellen oder nicht ist ja ganz selbstverständlich. Keine Ahnung wozu die das dort mit reingeschrieben haben. Wenn dir selbst etwas beschädigt oder gestolen wird, wenn du verletzt oder beleidigt wirst, bist du ja auch nicht gezwungen das zur Anzeige zu bringen oder dem sonstwie nachzugehen. Es ist deinen persönliche und freie Entscheidung ob du das weiter verfolgen oder die Sache auf sich beruhen lassen möchtest.

Kommentar von XY123XY123 ,

Ich hab noch was Interessantes gefunden (leider wieder ein österreichischer Link): "Hat der Schädiger nur leicht fahrlässig gehandelt (leichtes Verschulden), dann kann nur der Ersatz des Verkehrswertes der betreffenden Sache verlangt werden.Ist dagegen dem Schädiger grobes Verschulden (Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit) vorzuwerfen, so muss er dem Geschädigten auch den entgangen Gewinn ersetzen. (In diesem Fall hat der Geschädigte das Recht zur sogenannten „subjektiven Schadensberechnung“. Der Schaden ist die Differenz zwischen dem Vermögen des Geschädigten, wie es sich nach der Schädigung darstellt, und dem Vermögen, wie es sich darstellen würde, wäre die Schädigung nicht eingetreten.)" Ist ein Auszug aus http://www.rechtsanwalt-prchlik.at/content/rechtsanwalt/anwalt_wien/schadenersat...

Kommentar von XY123XY123 ,

Naja, hier ging es um einen PKW. Ist vielleicht was anderes.

Antwort
von WilderHilde, 39

Wenn du etwas versehentlich kaputt machst, musst du es auch nicht zahlen. Nimm nächstes Mal, die bessere Frucht und leg die andere zurück. Im Tante Emma-Laden ist es wohl was anderes...

Kommentar von XY123XY123 ,

Ok, ich dachte, dass ich eigentlich für den Schaden hafte. Zurücklegen würde ich die andere aber nicht, eher abgeben oder auf die Seite legen.

Kommentar von Cokedose ,

Das stimmt nicht. Wer einen Schaden verursacht, der haftet auch dafür.

Kommentar von WilderHilde ,

Stimmt. Habe mich dann genauer informiert. Die meisten großen Ketten verzichten darauf. War die Ware wackelig oder ähnlich unsicher aufgestellt und dann passiert etwas ist es wieder der Laden der haftet.

Kommentar von Cokedose ,

Das ist richtig, denn dann hat der Laden ja selbst fahrlässig gehandelt.

Die meisten Läden verzichten einfach deshalb, weil es für sie ein Nachteil wäre sich mit einem Kunden wegen 1-2 Euro zu streiten. Wenn der Kunde deshalb seine Einkäufe künftig woanders tätigt wäre der Schaden höher. 

Kommentar von WilderHilde ,

Danke für die Ergänzung.

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