Frage von KeinSpiel, 145

Was wenn nichts mehr geht?

Hallo Leute,

Ich weiß, dass es schon viele Fragen zu diesem Thema gibt und das tut mir sehr leid, aber irgendwie haben diese Antworten mir nicht geholfen. Deshalb Frage ich jetzt noch einmal, mit meiner eigenen Schilderung.

Ich bin 18 Jahre alt und seit etwa zwei Jahren diagnostiziert schwer depressiv. Ich befinde mich in Psychotherapeutischer Behandlung, war schon in zwei verschiedenen Psychiatrien und lebe in einer therapeutischen Wohngruppe.

Vermutlich haben meine Depressionen angefangen, als ich sieben Jahre alt war und sind seither immer schlimmer geworden. Ich habe mich ins Essen geflüchtet, weswegen ich stark übergewichtig bin. Ich habe den ganzen Tag Schmerzen, im Rücken, Knien und Füßen.

Ich wurde in der Schule gemobbt, mein Bruder hat mich geschlagen und versucht mich umzubringen. Meine Mutter war mehrmals todkrank, war lange depressiv und hat Panikstörungen und ebenfalls starkes Übergewicht, mein kleiner Bruder ist autistisch und mein Vater hat Depressionen, ist aber nicht in Behandlung.

In meiner Wohngruppe wollten alle, dass ich mich um einen Ausbildungsplatz kümmere, was ich getan habe, obwohl ich unter Schulangst leide, aufgrund meiner Erfahrungen. Ich habe einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag, für einen Beruf, bei dem ich nicht sicher bin, ob ich diesen wirklich ausüben möchte, weil meine Betreuer mich so bedrängt haben. Und ich dachte sie geben jetzt Ruhe, aber Nein, ich soll mir etwas zu tun bis zum Sommer suchen. Weil nichts tun, für Depressive nicht gut ist.

Aber ich kann nicht mehr. Ich habe mich jetzt ein halbes Jahr lang beworben, obwohl ich unter Panik leide, bei fremden Menschen. Ich habe alles getan, was die wollten. Ich mache inzwischen Sport, obwohl mir das nur Unbehagen bereitet. Aufgrund meiner Gelenke darf ich nicht joggen und ähnliches, weswegen ich schwimmen gehe. Aber da sehen alle meine Ritznarben. Das ist mir extrem unangenehm!

Ich muss mir alles doppelt verdienen.

Ich kann mir auch keinen anderen Ausbildungsplatz suchen, weil ich gar nicht weiß, was ich will! Aber ich habe keine Zeit nachzudenken. Mein Ausbilder sagt, dass das hier vermutlich meine letzte Chance wird, nachdem ich mein Abi abgebrochen habe, aufgrund der Schulangst.

Meine Therapeutin meint, wenn ich das so erzähle, dann klingt es, als wäre ich faul. Aber ich mache doch so viel. Warum sieht das keiner??

Ich denke schon seit längerem über Selbstmord nach. Ich lese immer wieder Beiträge dazu. Ich habe mir sogar schon das Messer dafür gekauft. Ich kann einfach nicht mehr.

Ich habe damals gesagt, ich gehe in die Klinik und wenn es danach nicht besser wird, bringe ich mich um. Dann kam die WG. Aber hier ist es auch nicht wirklich besser. Die eine Hälfte der Betreuer macht mich selber fertig, wahrscheinlich ohne es zu merken, weil ich super sensibel bin und die andere Hälfte versteht mich einfach nicht. Die sehen nur, dass ich irgendwas machen muss.

Gefühlt würden sie dafür über Leichen gehen.

Bitte.Hilfe!

Antwort
von labertasche01, 28

Ich finde schon das du etwas tust. Ich weiss ,aus eigener Erfahrung, wie viel Kraft das kostet.
Du solltest aber meiner Meinung nach in eine andere Wohngruppe.
Es gibt irgendwo jemanden der dich versteht, der dir helfen kann.
Ich hatte einen Psychiater für ein Gutachten ( leider für regelmäßige Besuche zu weit weg) der mich nach 1Stunde durchschaut hatte und mir genau sagte wie es mir geht. Ich fühlte mich so gut in dem Moment und Verstanden das ich nur noch weinen konnte.
Job hin oder her, wenn es nicht der Richtige ist hilft es glaube ich nicht viel.
Wie wäre es wenn du versuchst verschiedene Praktika zu machen? Du hast ja schon damit angefangen.
Um so die richtige Richtung zu finden?
Besprich das mit deinem Therapeuten zu dem du ja anscheinend einen guten Draht hast.
Und denke mal darüber nach den Betreuer zu wechseln. Man muss dem Menschen vertrauen können und sich verstanden fühlen.
Wenn du reden willst kannst du mich gerne anschreiben.
Alles liebe!

Antwort
von ettchen, 43

Aber ich mache doch so viel.

Was machst du denn? Du hast uns nur geschrieben, was du alles nicht machst oder nicht mehr machen willst. Und dass alle anderen deiner Ansicht nach irgendwie doof sind.

Ich habe schon ein wenig den Eindruck, dass du nicht viel machst. Ebenso, dass du Probleme eher auf andere schiebst, als mal daran zu denken, selber aktiv zu werden. Und ja, irgendeine Ausbildung ist besser als rumzusitzen und zu faulenzen. Das ist so.

Ich weiß selber, dass fehlende Motivation das Hauptproblem bei depressiven Erkrankungen ist. Das kenne ich leider nur zu gut. Aber um da rauszukommen, ist es erforderlich, selber auch zu wollen, da rauszukommen. Wenn der Wunsch, diesem dunklen Loch der Motivationslosigkeit endlich entfliehen zu können, erst gar nicht vorhanden ist - ja sorry, dann kommt man da auch nicht raus.

Niemand erwartet von dir, plötzlich munter und aktiv ans Tagesgeschäft zu gehen. Aber es wird sehr wohl erwartet, dass du es wenigstens möchtest. Dass du den Wunsch hast, deine Situation selber, aus eigenem Tun heraus, zu verbessern.

Möglicherweise hilft es dir, wenn du an dieser kleinen Sache mal arbeitest. Wenn du wenigstens versuchst, den Wunsch zu entwickeln, selber dein Leben zu führen.

Kommentar von KeinSpiel ,

Ich habe angefangen Sport zu machen, trotz aller Beschwerden, ich habe gerade ein dreiwöchiges Praktikum hinter mir, ich lerne für meine Ausbildung, ich lerne im Moment für die Fahrschule, ich helfe im Haushalt, ich suche einen Job.

Im Moment kommt mir jeder Schritt den ich tue extrem anstrengend vor. Vor allem, nachdem ich zwei Jahre lang fast gar nichts gemacht habe. Für mich ist das schon extrem. Weiß nicht, wie du das siehst...

Ich suche mir immer wieder neue Hilfe. Aber ich schaffe es nicht alleine, was aber scheinbar alle von mir erwarten. Und wie soll mir eine Ausbildung die ich nicht machen will, dabei helfen, meine Schulangst zu überwinden?


Kommentar von ettchen ,

Im Moment kommt mir jeder Schritt den ich tue extrem anstrengend vor

Ja. So ist das, wenn man unter Depression leidet.  Das bleibt auch so, zumindest ist es bei mir so. Nur - ich habe das akzeptiert und lasse mich davon nicht vom Tun abbringen.  So mache ich dann Dinge, von denen mich die Depression (und noch die eine oder andere Sache, bei der es bei mir so hakt) abhalten will, obwohl ich es irgendwie vermeiden möchte. Ich finde es zB doof, unter Menschen zu sein - also gehe ich gezielt mindestens zweimal die Woche unter Menschen, weil man das eben doch braucht. Nur mal so als ein Beispiel. Es gibt keine "magische Pille", die die Depressionen weg macht. Das bleibt. Man kann nur lernen, damit umzugehen.

Dafür ist es aber erforderlich, wie ich oben bereits schrieb, es auch zu wollen.

Antwort
von MissDarylDixon, 48

das hört sich wirklich alles sehr schlimm an. gerade das mit deiner familie... wenn dir das mit der wg nicht gefällt bzw es dir nicht wirklich was bringt dann wäre das vielleicht die möglichkeit da was zu ändern. du solltest vielleicht über einen wechsel wenn sowas möglich ist nachdenken oder es mit einer wg ganz lassen wenns dir dadurch besser geht. das ist schon ne heftige situation und ich denke damit solltest du zu jemandem gehen der dir auch wirklich helfen kann. jemand der dich entlastet und für dich dinge in die wege leitet sodass du den kopf frei bekommst und dich auch mal fallen lassen kannst. du bist ja schon so unter druck gesetzt und dann wäre das wirklich nicht verkehrt. also sprich am besten mit einer bezugsperson darüber und versucht gemeinsam eine lösung zu finden. vielleicht wäre die psychatrie wieder eine bessere lösung. ich hoffe du stehst das durch und das es dir eines tages besser geht :) 

Kommentar von KeinSpiel ,

Das mit der Psychiatrie hat meine Therapeutin auch schon gesagt, aber meine Betreuer waren dagegen, weil ich Jobtechnisch grade alles so gut läuft :/

Kommentar von MissDarylDixon ,

dann sprich mit deiner therapeutin darüber und erzähl ihr die bedenken deiner betreuer. ihr solltet auf lange sicht denken und nicht nach der arbeit oder sonstigem entscheiden. es geht hier um dich und deine gesundheit und dein wohlbefinden. arbeiten ist wichtig aber die gesundheit sollte immer im vordergrund stehen. 

Kommentar von KeinSpiel ,

Meine Betreuer meinen, dass ich nur auf lange Zeit gesund werden kann, wenn ich etwas zu tun habe... Und die finden das super, dass ich jetzt irgendwas habe. 

Antwort
von Pizek, 49

Ich würde mir an deiner Stelle ein Ziel setzen. Ich denke das passende für dich wäre, melde dich in einem Fitnessstudio hol dir einen Plan und fang langsam aber diszipliniert an. Nach paar wochen wirst du dich viel besser fühlen glaub mir und nach 1-2 monate, wenn die ersten Ergebnisse sich schon scheinbar machen, würdest du dich vielleicht fragen warum war ich überhaupt depressiv! Erfolg ändert dich! Ich drück dir die Daumen hoch

Kommentar von KeinSpiel ,

Das Problem ist, dass ich ja nicht depressiv bin, weil ich übergewichtig bin, sondern ich bin übergewichtig, weil ich depressiv bin.

Kommentar von Pizek ,

Ja ich habe das nicht auf das Übergewicht bezogen, sondern auf erfolge sehen und erleben, und je besser man sich in seinem körper fühlt um so stabiler er innerlich wird. 

Antwort
von hahaaa, 32

Im grundegenommen kann dir hier niemand richtig helfen. Klar wir können dir alle Tipps und Ratschläge geben, aber letztendlich kommt es allein auf dich an. Du musst dein Leben leben und lernen es zu lieben. Trotz allem was dir wiederfahren ist, hast du eine Zukunft, auch wenn du vielleicht längere Wege gehen musst, als andere. Du hast eine Zukunft und sie liegt allein in deinen Händen. Und es ist egal was deine Eltern, Freunde, Therapeuten, Betreuer oder sonst jemand sagt. Dein Leben gehört dir und du hast jeden Tag die Chance ein neues zu beginnen und den Balast Schritt für Schritt hinter dir zu lassen und daraus zu wachsen. Und eines Tages wirst du metaphorisch gesehen, eine Haut haben, die frei von all deinen Narben der Vergangenheit ist. Du musst es nur wollen, du musst dein Leben wollen. Das ist vorerst das wichtigste, Schule/Ausbildung etc ist zweitranging und wer was anderes sagt ist blind für das Offensichtliche. Denn was bringt es denn deine weitere Zeit hier zu planen, wenn du diese Zeit vielleicht gar nicht willst oder dich nur quälst? Egal wie schlimm manchmal alles ist, es gibt unglaublich viele schöne Dinge und das darfst du niemals vergessen. Du bist nicht umsonst hier, aufgarkeinen Fall. Wenn ich dir eines raten kann, dann das du dich selbst lieben lernen musst. Denn du bist die wichtigste Person in deinem Leben, am Ende zählst nur du, deine Entscheidungen. Liebe dich und dein Leben, trotz all den schrecklichen Erinnerungen und Narben und ich sage dir, die Türen werden sich für dich öffnen und die Dinge werden leichter, wenn du sie akzeptierst und offen für neues und gutes bist.

Kommentar von ghost9 ,

Bravo :)

Kommentar von hahaaa ,

@ghost danke, schätz ich mal?:)

Antwort
von Gwennydoline, 34

Ach, Dude... Ich hab leider nicht genug psychologische Kenntnisse um dir einen guten Tipp zu geben.
Aber ich möchte dir sagen, dass das, was damals geschehen ist irgendwann nur noch ein kleiner hartnäckiger Splitter in deiner Seele sein wird... Nicht mehr und nicht weniger :)
Es tut mir leid, dass ich dir nicht helfen kann...
aus tiefsten Herzen.

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