Frage von RollercoasterXX, 68

Was wenn man so wie man ist, schlecht ist?

Also man sagt ja immer, man soll sich nie verstellen und so sein wie man ist. Aber was, wenn man von Natur aus ein * ist ? Es ist so, dass ich nächste Woche eine stationäre Therapie beginnen werde, und vor allem dort ist es ja wichtig, man selbst zu sein.

Bei mir ist es irgendwie so, dass ich garnicht weiß wer ich bin und befürchte dort unbeliebt zu werden und dass das alles für die Katz ist. Ich bin 21, aber geistig echt auf dem Level eines 16 jährigen. Ich mache immer so blöde Witze wo nur sadisten drüber lachen können, rede gerne in dieser "assi" Sprache usw. Das hat zur Folge, dass ich nur mit Gleichaltrigen und ähnlich gestrickten gut auskomme. Aber Leute die Älter sind (was bei dieser Einrichtung wohl zu 90% der Fall sein wird) oder eben gebildete anständige Leute mit mir überhaupt nicht auskommen werden.

Die Gründe der Therapie sind bei mir Depression sowie soziale Phobie. Die soziale Phobie tritt bei mir nur auf, wenn ich allein unterwegs bin. Ich brauche nur 1 Freund der mitkommt, und alles ist wie weggeblasen, dann bin ich ein komplett anderer Mensch, deswegen glauben mir alle meine Freunde denen ich mich offenbart habe nicht, dass ich solche Probleme habe weil die mich nur so als "harten" aufbrausenden Typen kennen.

Ich habe auch den Verdacht, dass mein Auftreten im Beisein meiner Freunde eine Art der übertuschung meiner eigentlichen Ängste ist oder so. Naja meine Frage ist halt, wie kriege ich diese Therapie am besten hin? Wenn ich ich selbst bin, werde ich mich wahrscheinlich bei allen Mitpatienten unbeliebt machen.

Antwort
von Driggo, 19

Meine Meinung ist, dass dich Glaubenssätze darin aufhalten, der zu sein, der du sein willst. Was du bis hierhin richtig machst, ist, dass du dein Verhalten hinterfragst und dich mit dir damit auseinander setzt. Das ist schon mal ein erhebliches Fundament, auf das du bauen kannst, wenn du in deiner Persönlichkeitsentwicklung wachsen willst.

Es sind bei allergrößter Wahrscheinlichkeit Glaubenssätze, die du in dir trägst, die dich in deinem Verhalten so limitieren, dass du glaubst, du hättest eine soziale Phobie, die aber in Gesellschaft mit Leuten, die du kennst (und denen du vermutlich auch vertraust), wegfällt. Was heißt das für dich? Natürlich, dass diese soziale Phobie nur eine Einbildung deines Verstandes ist. Denn ansonsten würdest du dich nicht anders verhalten, wenn Freunde anwesend sind.

Wir tragen alle sämtliche Persönlichkeitsanteile in uns, egal ob das schüchterne, extrovertierte oder jähzornige Anteile sind. Diese sind alle schon in unserer Persönlichkeit enthalten. Viele davon haben wir aber nie wirklich gelernt, zu "bedienen". Durch elterliche Erziehung und Umfeld bilden wir einige Persönlichkeitsanteile viel stärker aus, als den restlichen Großteil dessen. Und genau da entwickeln wir Menschen derartige Glaubenssätze wie "ich bin schüchtern", "ich bin ein A****loch", "ich kann einfach nicht gut mit Menschen".

Im Link unten findest du eine andere Antwort von mir, wo ich dieses "Glaubenssystem", das wir in uns tragen, sehr detailliert beschreibe und dir bestimmt weiterhelfen wird, das zu verstehen, was ich hier meine und zu verstehen, wieso du so tickst.

Ich denke, dass dir diese Therapie sehr helfen kann, denn dort werden dich die Leute dahingehend unterstützen, diese Ängste und Unsicherheiten zu entschlüsseln. Was auch heißt, dass deine "Mitpatienten", so will ich sie jetzt mal nennen, dich ebenfalls stützen und motivieren werden. Geh mit der selbstsicheren Einstellung hinein, dass du dort nach Beendigung der Therapie als ein Mann herausgehst, der in ziemlich kurzer Zeit persönlich enorm gewachsen ist. Nutze es als Chance und sieh die Menschen und die Therapie an sich nicht als "Problem" an. Ersetze das Wort viel lieber durch "Herausforderung" oder "Chance". Es gibt keine Probleme. ;-)

https://www.gutefrage.net/frage/durch-was-definiert-man-sein-eigenes-ich-oder-di...

Expertenantwort
von Sternenmami, Community-Experte für Gesundheit, 18

Ich denke, eine stationäre Psychotherapie ist ja gerade dafür gedacht, um zu lernen, sich künftig in bestimmten Situationen anders zu verhalten und mit Problemen anders umzugehen. Insofern ist der Rat "Bleib so, wie Du bist!" in diesem Fall wohl nicht angebracht, denn Fakt ist ja, dass Du, so wie Du jetzt bist, nicht wirklich zurecht kommst.

Das bedeutet jetzt aber natürlich nicht, dass Du ein komplett anderer Mensch werden solltest. Nein!!! Du brauchst da jetzt also keine Angst zu haben, dass Du, wenn Du die Therapie abgeschlossen hast, ein komplett anderer Mensch bist. Du bist immer noch Du selber, nur wirst Du in der Therapie lernen, Dich in bestimmten Situationen anders zu verhalten.

Wenn Dich eben diese Tatsache, dass Du mit älteren Menschen nicht zurecht kommst, stört, dann solltest Du dieses Thema auch im Einzelgespräch ansprechen und zusammen mit dem Psychotherapeuten erörtern. Vielleicht kann der Therapeut zusammen mit Dir Wege finden, wie Du Dich künftig anders verhältst, ohne Dich selber zu verbiegen. Das geht ... glaube mir!

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg für die Therapie. Sei den Therapeuten gegenüber offen und ehrlich und sprich die Dinge an, bei denen Du Probleme siehst. Nur dann können die Therapeuten mit Dir zusammen Wege erarbeiten, wie man diese Probleme künftig aus der Welt schaffen könnte.

Viel Glück!

Antwort
von aayra, 9

Hallo-ich kenne mich in der Psychotherapie nicht aus.Aber so wie du hier schreibst kommen deine fragen und aussagen doch recht sympathisch rüber-und von einer assi-sprache kann hier wohl keine rede sein, da drücken sich hier aber viele wesentlich weniger gewählt aus.vielleicht ist es gar nicht so extrem wie es dir vorkommt? oder vielleicht ist da auch einfach eine gehörige Portion Angewohnheit dabei? ich glaube wenn du so wie du hier schreibst auch bist ,bist du kein wirklicher unsympath.mach dir Gedanken, aber nicht zu viele sorgen, ich glaube du wirst mit den anderen gut auskommen-und denk dran-auch Die haben Probleme.viel erfolg für dich.

Antwort
von Bethmannchen, 5

Du hast für dich schon einige Selbsterkenntnisses gewonnen. Für mich liest es sich so, als würdest du dich innerlich davon zurückhalten, erwachsener bzw. reifer zu werden. Es ist ja such so bequem, einfach kindisch zu sein.

Wegen der Therapie und deinem Verhalten dort, solltest du dir nicht so viele Gedanken machen. Du wirst mit Leuten zusammenkommen, die du noch nicht kennst. Die kennen dich aber auch nicht. Dass ist eine sehr gute Chance für dich. Die andern haben dir gegenüber noch keine Erwartungshaltung.

Wenn du da ankommst, verhältst du dich mal reifer, als du bist. Dazu musst du dich natürlich selbst puschen, aber du wirst das schaffen. Orientiere dich am Verhalten anderer, wenn du nicht weißt, wie du das machen sollst. Die anderen dort wissen nicht, wohin du "abrutschen" könntest, sehen also erst einmal nur deine "Schokoladenseite" als dein ganz normales Ich. 

Wenn du stets dein Niveau hältst, wird dir das in Fleisch und Blut übergehen, und du wirst dadurch schon reifen. Wie ein Theaterspieler spielst du erst einmal deinen neuen Charakter, und zuletzt wirst du das dann auch geworden sein. Würde der Held im Stück auf einmal Angst zeigen, versaut er doch die ganze Aufführung.

Das würde auch im täglichen Leben klappen, aber am besten noch, wenn man, wie du jetzt, in eine neue Gruppe kommt. Und dann noch ein Tipp: wenn du etwas sagen/tun willst, und nicht weißt, ob es so gerade angebracht ist, dann zähle still für dich erst einnmal bis 10 oder vielleicht bis 20. Willst du es dann immer noch sagen/tun, dann ist es wohl auch OK.

Antwort
von Pregabalin, 28

Geht es Dir in erster Linie um Beliebtsein oder draum, Deine Probleme langfristig in den Sinn zu bekommen?

Es ist doch gerade wichtig, das Du an den Problemen arbeitest, die Dir so sehr zu schaffen machen. Versuch Du selbst zu sein und in einer stat.Therapie habt ihr auch Einzelgespräche, was bedeutet, das Du Therapiestunden alleine mit Deinem Therapeuten haben wirst. Und wenn Du ganz taff bist, kannst Du das Problem doch auch mal in der Gruppentherapiesitzung erklären.

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg.

Antwort
von rudelmoinmoin, 21

bedenke EINbildung ist auch eine BILDUNG, die aber zu nichts führt, also Verbiege dich nicht, Verhalte dich so wie du bist, und nicht so wie die anderen es wollen 

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