Was wenn alles oberflächliche im Leben gut ist, aber man trotzdem wegen seinen Gedanken unzufrieden ist?

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5 Antworten

Ich finde es gut, dass du so engagiert bist. Du gibst dich nicht mit einfachen Antworten zufrieden, sondern hinterfragst die Dinge (das tun nicht alle). Ich kann mir das gut vorstellen, dass du gut in der Schule bist.

Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass du zu viele Dinge auf dich lädst. Dass du versuchst, die Gesellschaft im Alleingang zu reformieren. Das wird uns als Einzelpersonen nicht gelingen (wir können nur Teile beeinflussen).

Dennoch ist Engagement nicht verkehrt. Vielleicht wäre ein Verein etwas Gutes für dich, dort könntest du Gleichgesinnte treffen, und etwas von deiner Energie investieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass - wenn du in einem kleinen, aber relevanten Bereich Erfolg hast - daran Spaß hättest.

Was für ein Verein das sein sollte, weiß ich nicht, vielleicht etwas im Bereich Gesellschaft/Politik/Soziales...

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 Hallo Neutralis,

es ist schön, dass Du Dir in Deinem Alter solche Gedanken machst. In Deinem Alter machen sich da viele Gedanken über die Welt. Nicht alle, viele sind Oberflächlich. Aber es sind mehr, als, so wie ich Deine Fragen lese, Du Dir vorstellen kannst. Ich kann Dich gut verstehen, dass Dich das, was Du beschreibst, wirklich verunsichert und enttäuscht. Was Du da beschreibst, gibt es tatsächlich, es ist sogar sehr weit verbreitet. Es ist die bekanntere, aggressivere Welt. Die, die von Marktinteressen beworben wird und überall zu sehen ist, im Fernsehen, in der Zeitung, im Urlaub, halt überall dort, wo sich die Massenmenschen aufhalten.

Aber es gibt auch die andere Welt: wo Menschen zusammenarbeiten, die erkannt haben, dass es so nicht weitergehen kann. Da gibt es Menschen, die sich zusammenschliessen, um die Natur zu erhalten. Andere gründen alternative Wirtschaftsbetriebe, die auf Resourcenschonende Produktion, Sozialverträgliche Arbeitsbedingungen und fairen Handel achten. Riesen wie Chiquita haben ihre gesamte Erzeugung sozial- und umweltverträglich umgestellt, nachdem sie stark von der Öffentlichkeit kritisiert wurden, mussten aber Federn lassen, weil andere Konzerne mit den althergebrachten Produktionsmethoden in die entsehende Lücke eingedrungen sind.

Hier ist jeder aufgefordert, sich zu informieren, und dann solche Projekte
zu unterstützen. Und da brauchen wir natürlich Leute, die sich für solche Projekte einsetzen und auch mal gegen den Mainstream andiskutieren und Stellung beziehen, sich auch mal gegen die Masse stellen.

Ich denke, die Chancen etwas zu ändern gibt es. Es ist sicher schwierig, viele Leute davon zu überzeugen, dass sich etwas ändern muss. Das Problem dabei ist, dass unsere Welt sehr kompliziert geworden ist, und viele Menschen immer den einfachen Lösungen hinterherlaufen. Damit landen sie dann bei den alten Rezepten, die uns in die Misere geführt haben: AfD, Nazi, Alternativmedizin, Verschwörungstheorien sind verlockende Modelle. Diese zeigen zwar an, dass die Leute wissen, dass sich etwas ändern muss, aber es sind nicht nur einfache Lösungen, sondern die alten, die schon versagt haben und wohl auch in Zukunft nicht funktionieren werden.

Ich sehe durchaus auch positive Entwicklungen in der Realpolitik. Als ich so alt war wie Du, war es praktisch unmöglich in einem Fluss zu baden; die
Meisten Seen waren ebenfalls zu sehr verschmutzt. Es gab noch Dampfloks - ich kann mich erinnern, das auf dem Fensterbrett regelmäßig mehrere
Zentimetergroße Rußflocken lagen. Die Bahnstrecke war 2 km entfernt. Die
Luftverschmutzung wurde geringer und es wurden viele Kläranlagen
gebaut. Für den Umgang der Menschen untereinander hat sich z.B. die
gewaltfreie Erziehung ins Gesetz vorgekämpft. Das ermöglicht langfristig
bessere Umgangsformen der Menschen untereinander - einerseits, aber
auch mehr eigenständige, selbstbewusste Menschen, die dann auch besser
in der Lage sind, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und
nicht mehr so sehr auf Oberflächlichkeiten Wert zu legen.

Die gewaltfreie Erziehung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mehr integere Führungspersönlichkeiten heranwachsen, die sich nicht überall
bedingungslos anpassen sondern mehr vernünftige Entscheidungen treffen.

Ich könnte Dir da noch einige Punkte aufzählen, die mir Hoffnung machen,
dass sich doch noch Weiteres zum Guten wenden wird. Aber trotzdem bin
ich mir bewusst, dass es sehr kritisch werden wird. Wir haben nicht viel
Zeit, das alles zu ändern, was nötig ist. Aber die Vorraussetzungen
sind besser, als es bei oberflächlicher Betrachtungsweise ausschaut.

Wichtig wird sein, das der breiten Masse zu erklären, denn sie erliegen zu leicht den einfachen Lösungen. D

Das wäre doch eine Aufgabe, Oder?

LG

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Kommentar von Neutralis
03.09.2016, 11:53

Ich denke schon, aber das wird schwierig. Die Leute sind so überzeugt von ihrer Meinung, dass viele aggressiv werden sobald sie einer anderen gegenüber stehen. 
Gerade in der Politik sehe ich das immer öfters. Ich habe das schon in einer anderen Frage erwähnt, als ich einer Freundin folgendes gesagt habe als wieder ein Anschlag statt fand :"Das sind bestimmt wieder die Moslems vom IS." Hat sie den Kontakt abgebrochen, mit der Begründung, dass die Medien nur lügen würden und es den IS nicht gibt, das wären nur Amokläufer und die Medien würden das hochpushen. Und das erschreckende ist, dass dieses Mädchen nicht mal dumm ist, sie ist einfach nur in die falschen Kreise geraten. 
Mittlerweile behaupten sowohl links als auch rechts, dass die Presse nur lügen würde und alles was gegen ihre Meinung spricht ist gelogen/gefälscht oder erfunden. Solche Menschen zu überzeugen wird schwierig, aber ich denke man kann eine Lösung finden. 

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Ich nenne das > die Arroganz der Jugend<, ohne das böse zu meinen. Es ist ein Phänomen, das ich schon oft beobachtet habe: Großes Interesse, hohes Engagement, Positionierung und auch Polarisierung (Schwarz-Weiß-Denken), Leidenschaft bei jungen Leuten. Es erinnert mich an meine Jugend, als so viele auf die Straße gingen und für >Frieden ohne Waffen<, gegen Pershings, gegen Atomkraft usw. demonstriert haben. Ich bewerte so ein Engagement in der Jugend daher sehr positiv. Aus der Sicht von Älteren wirkt so ein Verhalten aber manchmal übersteigert und engsichtig. Deshalb mein o.g. Ausdruck dafür.

Mit der Zeit wird man ruhiger, die Berufsausbildung, die eigene Familie, die Kinder, die Berufstätigkeit usw. nehmen immer mehr Zeit und Raum in einem Leben ein und die Themen, für die man gebrannt hat, müssen in den Hintergrund rücken.

Was du schreibst zeigt mir, dass du Verantwortung übernehmen willst und das ist doch sehr super. Natürlich gibt es Grenzen des Machbaren, aber an die wirst du erst stoßen, wenn du aktiv bist und du wirst die eine oder andere Grenze überwinden, andere wirst du erst einmal akkzeptieren müssen.

Eigentlich will ich dich ermutigen, dein Verantwortungsbewusstsein und dein Engagement aufrecht zu erhalten. Wenn die gesellschftlichen Themen dich dermaßen beschäftigen, dann wird es nichts nützen, deine Gedanken einfach wegzudrängen. Du könntest dich aktiv beteiligen, in einer Organisation wie z.B. Greenpeace o.ä. und deine Gedanken in konkrete Arbeit umsetzen.

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Kannst ja Entwicklungshelfer in irgendeinem 3.Welt-Land werden oder Politiker zB. Oder du machst youtube vlogs über alles was dich so stört, vllt erreichst du damit Leute xD

Ich würd dir aber auch empfehlen mal zu relaxen, stellst ja hier dauernd solche Fragen

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Kommentar von Neutralis
02.09.2016, 02:47

Ja das ist mein Problem, ich kann einfach nicht entspannen. Sobald ich nichts zu tun habe muss ich sofort daran denken. 
Über die Politik habe ich auch schon nachgedacht, über YouTube Vlogs... auch aber als ich mir dann die Deutsche Community angeguckt habe, habe ich es mir anders überlegt. 

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