Frage von huff12, 124

Was war Gautamas (Buddha) Argument, dass er einen Schöpfergott ablehnt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 123

Ich bin Buddhist und gebe mal meinen Senf dazu ab.

Meines Wissens nach lehnte der Buddha die Existenz eines Schöpfers nicht ab, sondern erklärte, es sei unnötig darüber nachzudenken, da sich diese Dinge dem menschlichen Verstehen entziehen.

Traditionelle Erklärung

In der Sammlung von Buddhas Lehrreden, dem Palikanon, findet sich auch eine entsprechende Passage (Acintita Sutta, Anguttara Nikaya 4.77)

Dort lehrt er, über welche Dinge ein Nachdenken unnötig ist und nennt sie die "vier Unergründbarkeiten". Dies sind:

Die  Fähigkeiten eines Buddha, die spirituellen Kräfte der Meditation, die genaue Funktion des Karma und die Vorstellungen von der Schöpfung.

Diese Dinge würden einen nur unnötig von der geistigen Sammlung abbringen und sie hätten keinerlei Nutzen für die eigene Entwicklung.

Man würde sich einen dicken Kopf machen, anstatt sich geistig zu befreien.

Der Buddha warnt, letztlich könne man sogar dem Wahnsinn verfallen, wenn man sich nur mit solchen metaphysischen Fragen beschäftigt (und den Bezug zur Realität verliert).

Eine moderne Erklärung

Diese Erklärung habe ich mal irgendwo aufgeschnappt, daher kann ich sie nur sinngemäß wiedergeben und keine Quelle angeben.

Der Buddha habe erklärt, er sei auch als Erwachter keineswegs allwissend und könne sich irren.

Wenn er nun behaupte, es gäbe einen Gott, und dies stelle sich irgendwann als falsch heraus - dann würden künftige Generationen möglicherweise auch die wichtigen Teile seiner Lehre für fehlerhaft halten.

Wenn er dagegen sage, es gäbe keinen Gott und später werde seine Existenz bewiesen, könnte das ebenfalls dazu führen, dass man seine übrigen Lehren nicht mehr beachte - nur weil er sich in einem einzigen Punkt irrte.

Deshalb zog es der Buddha vor, über diese Dinge zu schweigen.

Kommentar von Enzylexikon ,

Buddha schloss die Existenz eines Gottes also nicht rundheraus aus, allerdings stehen einige Aspekte des Buddhismus im Widerspruch zu der Vorstellung eines allmächtigen Gottes.

Im Buddhismus sind alle Wesen - von Gottheiten bis zu den Hungergeistern - der Vergänglichkeit unterworfen und hängen im Kreislauf des ewigen Leidens fest.

Auch Götter leiden demnach, denn sie fürchten den Tag, an dem sie ihren göttlichen Status wieder verlieren und in niederen Existenzformen wiedergeboren werden.

Eine solche Vorstellung ist mit der Allmacht Gottes in den drei großen monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) nicht vereinbar.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von webschamane, 124

Der Buddhismus hat sich aus den Hinduismus entwickelt, Gautama stammte selber aus der Klasse der Brahmanen und hat daher die Vorstellungen übernommen. Der Hinduismus lässt sich Einwanderung von Halbnomaden, in das Gebiet der Draviden (ursprüngliche Ureinwohner Indiens) zurückführen und Nomaden haben üblicherweise keine Götter, sondern oder eher Geister und Schamanen.

Kommentar von Enzylexikon ,

Da der Vater Siddhartas der Legende nach ein König bzw. Fürst war, dürfte er vermutlich eher der Kaste der Kshatriya (Krieger) angehört haben.

Antwort
von Diimiitrii, 105

Der Buddhismus steht nicht in der Pflicht einen Schöpfergott abzulehnen, genauso wenig wie das Christentum in der Pflicht steht das Nirvana zu widerlegen. 
Es ist eine eigene Weltanschauung.

Antwort
von Eselspur, 93

Wie webschamane schon geschrieben hat, war in der Umgebung von Buddha die Idee eines Schöpfergottes nicht verbreitet. Er hat diese Vorstellung nicht explezit abgelehnt, sondern gemeint, wir können nichts über Gott sagen. wir verschwenden unsere Zeit und unsere Energie, wenn wir uns mit damit beschäftigen, anstatt an unserer Selbsterlösung zu arbeiten.

Antwort
von nowka20, 35

buddha war ein ausführendes organ des schöpfungsgottes, um die menschen zur kraft des mitleids zu bringen

Antwort
von suziesext04, 34

hi huff12 - der Buddha hat zwar die Vedenreligion als "akusala, nicht zum Ziel führend" verworfen und sich über die Veda-Kundigen lustig gemacht

(zB: sie gleichen drei Blinden, die sich gegenseitig durch den Wald von Magadha geleiten: der vordere sieht nichts, der mittlere sieht nichts und der hintere sieht auch nichts)

aber er hat sich über eine ganze Reihe von Fragen (Ontologie, Theologie, diverse philosophische Konzepte wie "Seele" etc) prinzipiell und kategorisch nicht geäussert, sondern immer darauf beharrt, er lehre ausschliesslich die Ursache des Leiden und seine Aufhebung, wie ein Arzt.

Denn ob nun einer dies oder jenes theologisches Konzept vertrete, ändere rein gar nichts an Ignoranz, Leidenskreislauf und dem methodischen Ausweg daraus.

Und nur darum ginge es ihm in seiner Lehre.

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