Frage von prinnce, 28

Was war die Ursache der Wirtschaftskriese in spanien?

Antwort
von mambero, 21

Die Immobilienkrise, d.h. im traditionell auf Eigenheim setzenden Spanien verteuerten sich die Immobilienpreise überproportional aufgrund der großen Nachfrage. Es wurde dann sehr viel gebaut, die Banken witterten das Geschäft und vergaben Kredite an Leute, die nicht unbedingt alle Garantien erfüllen konnten, im Wissen, dass sie ja im Notfall eben den Immobilienwert (der bis dato ständig anstieg) als Pfand hätten und die Immobilie eben versteigern oder anderweitig verkaufen konnten. Dann war der Immobilienmarkt gesättigt, in den USA wurde vorsichtig ausgelotet, was dort passieren konnte, wenn der Immobilienpreis mal fallen könnte mit dem Ergebnis, dass dort Banken kollapsierten, was auch in Europa eine Krise auslöste, wodurch sozusagen eine Kreditklemme entstand und durch diese oft keine Hypotheken mehr vergeben wurden, somit also die Immopreise fielen und am Ende die leichtfertig vergebenen Hypotheken durch den sinkenden Immobiliengegenwert nicht mehr gedeckt waren, was manche (unsauber arbeiteten) Banken in einen Strudel stoß und auch gesunde Banken zu weitaus mehr Eigenkapital verpflichtete, wobei die Rücklagen dann negativ in der Bilanz ausflien (d.h. ein Bank macht z.B. 500 Millionen Gewinn, muss nun aber 1 Millarden Rücklagen bilden, schaft das locker, hat aber lt. Bilanz nun 500 Millarden Verlust) und somit noch weniger neue Hypotheken verkauft wurden, die Preise weiter purzelten, noch höhere Rücklagen fällig waren usw. usf. Das hatte letztlich Auswirkungen auf die Kreditfähigkeit Spaniens, was nun auf einmal 5% mehr Zinsen für Kredite zahlen musste, aufgrund der nervösen Börsenlage. Durch den Verlust von Arbeitskräften in der Bauindustrie wurden auch Möbelhäuser, Handwerker, Immobilienhändler, Fahrzeugbauer (z.B. Baufahrzeuuge) und letztendlich auch Restaurants, PKW-Bauer usw. betroffen. Die Wirtschaftsleistung sank, die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an, da die Wirtschaftsleistung zum BIP gemessen wird, wurden alle Ziele verfehlt, die Zinsen für Spanien stiegen ins Uferlose, EZB & Co. fordernten weitere Sparmaßnahmen, welche die Wirtschaft weiter abwürgten, forderten weitere Lockerungen der Arbeiterrechte, welche dann zur Massenentlassung genutzt wurden usw. usf.

Antwort
von berkersheim, 14

Alles, was Mambero schreibt, ist richtig. Darum nur zwei wichtige Ergänzungen.

1) Die Immobilienblase in Spanien auf Basis hoher Verschuldung hat was mit dem EURO zu tun, weil dadurch in Spanien sehr viel niedrigere Zinsen fällig wurden als ohne EURO. Der Immobilienboom wurde auch durch die spanische Politik angeheizt, die Bauaufträge wie wild vergeben haben.

2) Was in den abstrakten Wirtschaftstheorien immer viel zu niedrig bewertet wird: Wirtschaft ist ein "organischer Prozess". In diesem Prozess verteilt sich bei ungestörter Entwicklung die Energie auf alle Bereiche. Greift die Politik willkürlich ein, entsteht eine Blase, dann wird das ganze Kraftfeld auf diese Blase konzentriert und anderen Bereichen entzogen. Die bekommen kaum noch Arbeitkräfte, verlieren an Marktanteilen gegenüber ausländischer Konkurrenz. Die Blase zieht alles an, Arbeitskräfte, Kapital, Ideen, die ganze ökonomische Energie. Platzt diese Blase, hinterlässt das nicht nur in den betroffen Branchen ein Loch. Es hinterlässt ja auch das Loch, das vorher bereits durch Abzug der Energie aus den anderen Branchen abgezogen wurde. Bis das wieder ins Lot kommt, das dauert.

Kommentar von prinnce ,

ich soll dazu ne Präsentation machen wie hätten sie die beiden texten in paar stichwörten auf einer Folie gepackt 

Kommentar von berkersheim ,

Ich habe ergänzend das ökonomische Umfeld beschrieben.

Da ist einmal der EURO, der den Spaniern niedrigere Zinsen beschert, als sie vor dem EURO selbst als eigenständiges Land bekommen haben. D.h. die Zinsen für Spanien waren vor dem EURO teurer. Nach dem EURO haben sie sich verbilligt. Das schaffte Anreize, Immobilien auf Pump aus dem Boden zu stampfen.

Vor dieser Situation gab es eine Verteilung von Arbeitkräften und Löhnen einer ausgeglichenen Wirtschaftsstruktur. Mit dem Anheizen der Bauwirtschaft und anhängender Wirtschaftszweige haben die mehr Arbeitkräfte gebraucht und zur Abwerbung auch bessere Löhne gezahlt. D.h. in Bauwirtschaft und drumherum sind die Löhne gestiegen, was die guten Arbeitskräfte dorthin gezogen hat. Andere Industrien mussten mit weniger und schlechteren Arbeitskräften auskommen. Sie waren dem Wettbewerb nicht mehr so gewachsen und haben teils aufgegeben oder sind ins Ausland gegangen. Das geliehene Kapital hat sich niedergeschlagen in Gewinnen und und Löhnen. Davon profitierte der örtliche Handel, die Importe stiegen, weil die ausländische Industrie leistungsfähiger war als in Spanien außer Bau.

Wie sich die Baublase auf Pump entwickelt beschreibt "mambero" in einzelnen Schritten bis zu dem Punkt, dass die Blase in sich zusammenfällt. Das aber reist alles mit: Der Arbeitsmarkt bricht zusammen, weil wesentlich auf die Baubranche und Nachbarn gestützt. Andere Industrien, die das auffangen könnten, gibt es nicht, weil im internen Wettbewerb ausgebootet. Der örtliche Handel kollabiert, weil niemand mehr kaufen kann. Spanien sitzt auf riesigen Schulden des schuldenfinanzierten Baubooms und der gestiegenen Importe. Das Land ist ökonomisch in ein tiefes Loch gefallen, vor allem, wenn die Profiteure ihre Gewinne aus der Boomzeit ins Ausland gebracht haben.

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