Frage von Dabangg, 25

Was war der Zweck der Rede im Hintergrund des Krieges gegen Sparta?

,,Die Leichenrede des Perikles"

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 7

Zwecke der Gefallenenrede, die Perikles im Winter 431/430 v. Chr. auf die athenischen Gefallenen (Kriegstoten) des ersten Jahres des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.) gehalten hat, waren:

  • Ehrung der athenischen Kriegstoten und Würdigung ihres Einsatzes in einer öffentlichen Veranstaltung entsprechend einer Tradition
  • Bekräftigung eines positiven Selbstbildes und der leitenden Werte durch lobende Darstellung Athens, seiner demokratischen Verfassung, der Athener und ihrer Verhaltensweise
  • Ermunterung durch Auffassung einer Überlegenheit der Athener über die Spartaner/Lakedaimonier in manchen Bereichen und Gleichwertigkeit in anderen Bereichen
  • Hochhalten/Aufrecherhalten der Motivation, der Einsatzbereitschaft der Athener, auch wenn der Krieg Opfer kostet
  • Vermittlung einer Botschaft, die gefallenen Athener seien nicht umsonst gestorben, sondern für ihr Vaterland, im Dienst für die athenische Demokratrie, in Verteidigung einer guten Sache
  • Zuspruch für die hinterbliebenen Angehörigen der Gefallenen mit Hinweis auf ein Aufziehen der Kinder der gefallenen Athener auf öffentliche Kosten


Perikles hat im Winter 431/430 v. Chr. eine Rede auf die athenischen Gefallenen (tote athenische Bürger, die als Soldaten gekämpft hatten) des ersten Jahres des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.) gehalten. Beim athenischen Geschichtsschreiber Thukydides (2, 35 – 46) gibt es eine Darstellung, wobei die Rede keine wörtliche Aufzeichnung ist, sondern vom Geschichtschreiber geschaffen unter Berücksichtigung des Gesamtsinns der tatsächlichen Rede und der Situation. Sie ist nicht die wörtliche Wiedergabe der Perikles-Rede, sondern eine Gestaltung des Geschichtsschreibers, die auf das in der Lage Erforderliche ausgerichtet ist und sich so nah wie möglich an die inhaltliche Gesamtrichtung der tatsächlich gehaltenen Rede hält (Thukydides 1, 22 über die Methode). Formulierung und genaue gedankliche Ausgestaltung sind also nicht unbedingt genau wie bei Perikles.

Aufgrund des Anlasses ist ein lobendes Hervorheben von Vorzügen zu erwarten und daher ist in den Grundzügen das anzunehmen, was zum Selbstverständnis des demokratischen Athens gehörte. Perikles war damals ein führender Politiker der athenischen Demokratie.

Eine Gefallenenrede (ἐπιτάφιος λόγος (epitaphios logos]) war der Redegattung nach eine Lobrede.
Ingesamt ist das Thema der Rede die lobenswerte Leistung der Gefallenen und die Vortrefflichkeit Athens, der Athener und der athenischen Demokratie. Die Rede enthält ein positives Selbstverständnis, ein Idealbild der athenischen Demokatie und des Lebens in ihr.

genannte Vorzüge (vor allem in 2, 37):

  • Mehrheitsprinzip: In der Demokratie herrscht das Volk, die Mehrheit der Bürger entscheidet, nicht einige wenige (eine kleine Gruppe).
  • Gleichheit vor dem Gesetz: Alle sind hinsichtlich der Gesetze, im öffentlichen Recht gleich.
  • Chancengleichheit: Tüchtigkeit/Vortrefflichkeit (ἀρετή) ist bei Ansehen/Wertschätzung auschlaggebend. Bevorzugung im öffentlichen Leben geschieht allein aufgrund persönlicher Tüchtigkeit/Vortrefflichkeit, nicht aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Armut ist kein Hindernis, sondern wer etwas Nützliches für die Gemeinschaft beiträgt, wird anerkannt.
  • Rechtsstaatlichkeit: Die Menschen haben Ehrfurcht vor geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen und erweisen ihnen Achtung/Respekt.
  • Freiheit: Das Leben und der Umgang miteinander ist freiheitlich.
  • angenehme Lebensqualität: Es gibt ein reichhaltiges Angebot (Wettspiele, Feste, allen offenstehende schöne Anlagen) an Erholung von Anstrengungen.


Die Bürger haben nach der Darstellung ausgezeichnete Verhaltensweisen und Eigenschaften:

  • Großzügigkeit und Toleranz, die Verdächtigungen im Alltagsleben entgegenwirken
  • Achtung vor geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen
  • Weltoffenheit
  • gute politische Urteilsfähigkeit
  • gelungene Verbindung von Sinn für das Schöne und Liebe zu Wissen und Bildung mit Mut, Tatkraft und Einsatzbereitschaft


Die Erwähnung der Ehrfurcht vor den Gesetzen ist lobend, indem nach der Darstellung Demokratie als durch ein großes Ausmaß an Gesetzestreue gekennzeichnet ist. Damit wird zugleich ein ganz anderes Bild gegeben als eines bei Angriffen auf die Demokratie, in ihr herrschten Willkür und Zügellosigkeit, sie gleiche einer chaotischen Anarchie.

Thema in in einzelner Abschnitten:

1) Schwierigkeit der Aufgabe, die Gefallenen in einer Rede zu ehren (2, 35)

2) Leistungen und weitergegebenes Erbe der Vorfahren, der Väter und der Bürger der Gegenwart (2, 36)

3) Vorbildhaftigkeit der demokratischen Verfassung der Athener und Prinzip der Freiheit (2, 37)

4) hohe Lebensqualität in Athen (2, 38)

5) militärische Gewohnheiten und Leistungskraft (2, 39)

6) Verhalten der Athener im öffentlichen Leben (2, 40)

7) Athen als Schule/Bildungsstätte Griechenlands, mit Verbindung von Schönheitssinn und einsatzbereiter Tatkraft (2, 41)

8) Lob der Gefallenen und Tröstung der Angehörigen (2, 42 – 45)

9) abschließender Hinweis auf Ehrung durch Begräbnis und Aufziehen ihrer Kinder auf Staatskosten (2, 46)

einige Hinweis zum Demokratielob stehen bei:

Linda-Marie Günther, Perikles. Tübingen ; Basel : Francke, 2010 (UTB : Profile ; 3406), S. 47 – 51




Antwort
von ullimail, 6

Habe dazu was bei Wikipedia gefunden. Nennt sich auch Gefallenenrede.

Hier der Link dazu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gefallenenrede_des_Perikles

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