Frage von lel4ca, 344

Was wäre eine geeignete Deutungshypothese für das Gedicht "Begrabenes Glück" von Theodor Storm?

Meine Lehrerin meinte nämlich, dass wir zwischen den Zeilen lesen sollen und keine zu offensichtliche Hypothese aufstellen sollen und jetzt weiß ich nicht welche Hypothese für dieses Gedicht geeignet wäre. BItte um Hilfe.

Expertenantwort
von LolleFee, Community-Experte für deutsch, 316

Ich habe eine Deutungshypothese im Kopf, aber was denkst Du denn über das Gedicht? Wie verstehst Du es? Vielleicht suchst Du etwas zwischen den Zeilen und hast es längst gefunden?

In Wahrheit erwarte ich Eigenleistung bei solchen Fragen. Ich unterstütze es nicht, dass man alles immer irgendwie im Internet findet... ;))

Ich verspreche Dir, dass ich Dir schreibe, was ich darüber denke, wenn Du mir sagst, was Du darüber denkst.

Kommentar von lel4ca ,

Ich denke, dass dieses Gedicht sehr traurig ist obwohl er zu Beginn nochmal das Verlangen hat dieses verlorene Glück "wieder zu finden". Am Ende aber (ich verstehe in der letzten Strophe Vers 1 den "Morgenschein" als Hoffnung - aber in Vers 2 wird dies schon wieder aufgehoben) hat er noch bisschen Hoffnung, die dann, durch die Gedanken an die Bestattung, vollkommen verlischt. 

Ich weiß aber weder, ob ich dies als Deutung nehmen kann bzw ob dies genug zwischen den Zeilen gelesen ist noch wie ich das als Deutung formulieren soll. 

Nehme dein Angebot gerne an und würde mich über deine Hilfe sehr freuen :-)

Kommentar von LolleFee ,

Ja, das Gedicht ist sehr traurig. Allerdings denke ich nicht, dass das Ich das Glück wiederfinden will, sondern dass er manchmal noch einmal Glück erleben möchte. Doch dann denkt er darüber nach, was Glück ist, und sofort ist da der Tod eines geliebten Menschen, durch den sein Glück erlosch. Er denkt an die Beerdigung, und die Sehnsucht, noch einmal Glück zu erleben, erlischt.

Begrabenes Glück

Mitunter weicht von meiner Brust, / Was sie bedrückt seit deinem Sterben > er (ich schreibe jetzt "er", das ist kürzer als jedes Mal "das Ich" zu schreiben) trauert, aber manchmal verlässt ihn die Trauer und dann...

Es drängt mich, wie in Jugendlust, / Noch einmal um das Glück zu werben. > ... leuchtet der Wunsch auf, noch einmal das Glück der Liebe zu erleben.

Doch frag' ich dann: was ist das Glück? / So kann ich keine Antwort geben, / Als die, daß du mir kämst zurück, / Um so wie einst mit mir zu leben. > Wenn er darüber nachdenkt, dann bedeutet Glück für ihn nur, mit einem bestimmten geliebten Menschen zusammen zu sein, der aber...

Dann seh' ich jenen Morgenschein, / Da wir dich hin zur Gruft getragen; > ... schon gestorben ist

Und lautlos schlafen die Wünsche ein, / Und nicht mehr will ich das Glück erjagen. > Bei dem Gedanken an den Tod des geliebten Menschen erlischt der Wunsch, noch einmal das Glück der Liebe zu erleben, und die Trauer macht sich wieder breit.

Und wie wird daraus jetzt eine kurze Deutungshypothese? Vorschlag?

Kommentar von lel4ca ,

Der Autor beschreibt in diesem Gedicht eine Widersprüchlichkeit indem er zuerst wieder das Glück der Liebe erleben möchte, aber bei genauerem Überlegen, was Glück für ihn bedeutet, und er abermals an die Beerdigung denkt, erlischt sein Streben nach dem Glück. 

Und diese Aussage im Zuge der Gedichtinterpretation belegen.

Wäre dies eine Deutungshypothese? Bin mir dabei nie ganz sicher... :-/

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