Frage von Porticed, 82

was wär wenn man den mond durch einen klon von der erde ersetzen würde?

Antwort
von NutzlosAlpha, 40

Eine exzellente Frage!

Die augenscheinlichste Veränderung wäre natürlich die Erscheinung des Klons selbst. Mit einem maximalen Durchmesser von fast 2° erscheint er wesentlich größer als der Erdmond (ca 0,5°), wobei der genaue Wert natürlich auch vom Abstand abhängt.

Der Klon hätte mit einem Albedo von 0,367 auch einen wesentlich höheren Reflexionsgrad als der Mond (0,11). Man könnte viele Details ausmachen, einzelne Kontinente wären auch ohne Teleskop problemlos erkennbar, jedenfalls solange sie nicht von den zahlreichen Wolken verdeckt wären.

Insgesamt wäre der Klon rund 45 mal heller als der Erdmond während derselben Phase. Bei "Vollmond" hieße das, dass man draußen rumlaufen oder lesen könnte, und der Himmel wäre auch nicht schwarz, sondern dunkelblau.

Natürlich wäre auch die Umlaufzeit des Klons deutlich anders gegenüber dem Erdmond. Entgegen anderslautender Aussagen müsste er aber nicht auf die Erde fallen, nur weil er wesentlich schwerer ist als der Mond. Dies hinge davon ab, wieviel Impuls der Klon in welche Richtung hat. Es ist aber sinnlos zu fragen, wieviel Impuls ein Körper gegenüber sich selbst hat, da die Antwort immer 0 ist.

Sinvoller wäre es zu fragen, wie sich der Klon bewegen würde, wenn er dieselbe Bahn einnimmt wie jetzt der Erdmond. Da in diesem Fall die beiden Massen gleich sind, wäre das Baryzentrum außerhalb der beiden Körper. Im alltäglichen Leben wäre dies aber weder bemerkbar, noch von Bedeutung.

Was sich aber ändert, ist die Umlaufzeit der beiden Planeten umeinander. In nur ca. 19,4 Tagen ist eine Umrundung komplett. Damit würden nicht nur der Wechsel der Mondphasen häufiger verlaufen, sondern es käme auch häufiger zu Sonnen- und Mondfinsternissen, weil der Klon häufiger die Ekliptikebene schneidet.

Außerdem würde durch die größere scheinbare Fläche, die der Klon bedeckt ebenfalls die Häufigkeit zunehmen, wenn auch nur geringfügig. Was sich wesentlich ändert ist die Art der Sonnenfinsternis: Ringförmige sind nicht mehr möglich, da der Klon niemals kleiner als die Sonnenscheibe erscheint. Alle Finsternisse, die bisher ringförmig waren, sind nunmehr totale Sonnenfinsternisse.

In der Mitte der Totalität wäre der Himmel auch nicht blaugrau, wie bei einer normalen Sonnenfinsternis, sondern tiefschwarz, wie in der dunkelsten Nacht. Wenn man sich also schon vorher in einem geschlossenen Raum der Dunkelheit angepasst hat, könnte man tagsüber die Milchstraße beobachten.

Der Klon ist wesentlich größer, aber er hat auch eine höhere Bahngeschwindigkeit. Da sein Durchmesser aber stärker zum Tragen kommt als die Geschwindigkeit, sind Sonnenfinsternisse nun auch länger. Die längsten unter ihnen, welche bisher ringförmig waren, haben Totalitätsphasen von weit mehr als 15 Minuten, wobei es hier natürlich wieder auf die genaue Position auf der Bahn ankommt.

Im Unterschied dazu gibt es nun keine totalen Mondfinsternisse mehr, da der Schatten der Erde viel kleiner ist als die Fläche des Klons am Himmel. Alle Finsternisse sind nunmehr ringförmig oder partiell. Der Erscheinung wäre deswegen allerdings nicht minder eindrucksvoll: Der mehrere tausend Kilometer große Schatten der Erde wäre deutlich sichtbar gegenüber dem hellen Hintergrund.

Auch auf der Erde würde sich einiges ändern. Gezeitenkräftwerke wären der neue Renner, während Offshore-Winparks regelmäßig überflutet würden. Die stärke der Gezeiten skaliert linear mit der Masse, und der Erdklon wiegt mehr als 81 mal soviel wie der Mond. Die Konsequenz wären durchschnittlich 50 m hohe Gezeitenberge, wobei diese lokal auch deutlich größer ausfallen können.

Die Gezeiten beschränken sich allerdings nicht nur aufs Wasser. Während der Mond nur eher geringfügige Effekte auf die Erdkruste hat, so wären diese durch die viel größere Masse des Klons erheblich. Die Gezeitenberge innerhalb des Gesteins wären fast 25 m hoch, was zu einem enormen Anstieg von Geoaktivität wie Erdeben und Vulkanausbrüchen führen würde.

Insgesamt wäre das Leben unterhalb von 100 Höhenmetern und in der Nähe der Plattengrenzen wohl nicht länger erstrebenswert. Für die Raumfahrt wäre so ein System natürlich vorteilhaft, da man mithilfe des Klons hervorragend Energie durch Swing-by-Manöver gewinnen oder verlieren könnte. Reisen innerhalb der Erdbahn würden dadurch erheblich erleichtert, Reisen nach draußen profitierten von der erhöhten Geschwindigkeit bzw. größeren Nutzlast.

LG, NA

Kommentar von derkiesi ,

Ganz gute Antwort, aber:

Sonnen und Mondfinsternisse würden nicht viel öfter geschehen, sondern immernoch nur ca. je 2 pro Jahr.

Das liegt an den Knotendurchgängen bei Voll oder Neumond, dh. Voll- oder Neumond müßen mit Sonne und Erde in einer Linie stehen.

Und das passiert auch mit einer Klonerde als Mond nur 2mal im Jahr.

Kommentar von PostMeUser ,

Wow...! Und wie viele Fremdworte der nutzlose Alpha drauf  hat...! ;-)

Kommentar von dschingis514 ,

nur für die unwissenden fremd ;)

Antwort
von unlocker, 43

auch wenn das rein theoretisch ist (woher das Material nehmen? die Planetenarchitekten von Magrathea* fragen?) würden die bei der gleichen Entfernung wohl in kurzer Zeit aufeinander stürzen

*aus "Per Anhalter durch die Galaxis"

Antwort
von PostMeUser, 53

Lustige Frage :-)

Wir hätten dann zwei Erden, die sehr dicht beieinander wären. Ich glaube, die würden im Anschluss an deinen Klon-Vorgang sofort ineinander stürzen.

Ich hoffe, du setzt deine Idee nicht in die Tat um :-)

Kommentar von NutzlosAlpha ,

Es ist nicht gesagt, dass sie tatsächlich ineinander stürzen würden.

Antwort
von newcomer, 55

wenn wir 2 Monde haben würden sich die Gezeiten verändern und damit die Vegetatiion. Was folgt ist das Tierreich und natürlich auch unser Leben. Ob das positiv oder negativ ist kann niemand genau sagen aber ich denke es wäre sehr negativ

Antwort
von derkiesi, 24

Sonnen und Mondfinsternisse würden nicht viel öfter geschehen, sondern immernoch nur ca. je 2 pro Jahr.

Antwort
von Schwoaze, 44

Aha! Und wohin mit dem Mond? Und woher das Baumaterial für den Klon der Erde nehmen? Und wofür soll das gut sein?

Kommentar von PostMeUser ,

Na das ist doch nun wirklich einfach!

Den Mond könnte man etwas weiter entfernt 'zwischen parken' und erst einmal abwarten, ob man ihn vielleicht noch benötigt. 

Für das sogenannte 'moon-hauling' entwickelt die NASA doch schon seit 1988 den bekannten 'Mondschlepper' mit seinen 3,7 Milliarden PS (mal kuugeln!).

Das Baumaterial für den Klon könnte man wohl kaufen, das gibt's doch heutzutage überall. Falls es aber wider Erwarten nicht reichen sollte, müsste man halt die Erde klonen.

Ich finde die Frage von Porticed jedenfalls sehr gut und nahe liegend! 
Denn uns alle - mitsamt unseren lustigen Fragen - gäbe es dann ja auch zwei mal! Doppelt hält eh besser...!

Pmu

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community