Frage von Tmihy, 35

Was versteht man unter Vollzeitarbeit?

Guten Tag,

in meiner schulischen Ausbildung ist es mir zum Auftrag gemacht worden, meinen Klassenkameraden das Modell einer Vollzeitbeschäftigung detailliert zu erklären. Wenn ich jedoch im Internet danach suche, finde ich häufig nur Informationen zur Teilzeitbeschäftigungen oder irgendwelche Hirngespinste von Menschen, die einfach keine Ahnung haben. Ich war bereits auf Seiten wie www.bmas.de, Wikipedia, usw., aber ich finde einfach NICHTS! Mittlerweile bin ich auch echt genervt, weil anscheinend kein Mensch einen Plan davon hat, was Vollzeitbeschäftigung wirklich ist. Wie viele Stunden muss man minimal/maximal arbeiten, um als Vollzeitbeschäftigter zu gelten? Ich weiß, es ist vom Vertrag abhängig usw., aber es muss doch eine minimale und maximale Grenze geben? Wo genau liegt der Unterschied zwischen einer Vollzeitbeschäftigung nach tariflichem Vertrag und einem nicht tariflichen Vertrag? Bezieht sich das nur auf den Lohn oder auf die Anzahl der Arbeitsstunden, den Urlaub oder worauf genau? Wie viel Urlaub steht einem in der Vollzeitarbeit zu? Bekommt man mehr Rente als in einer Teilzeitbeschäftigung? Wenn ja, warum? Was zum Teufel macht die Vollzeitbeschäftigung aus? Und wo sind die Unterschiede zu einer Teilzeitbeschäftigung, einem befristeten Arbeitsverhältnis oder zur Arbeit auf Abruf? Kann Vollzeit auch ein befristetes Arbeitsverhältnis sein? Hilfe! :(

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Antwort
von petrapetra64, 4

Vollzeit ist 35 Stunden pro Woche und mehr. Die meisten großen Firmen sind an Tarifverträge gebunden, die über dem einzelnen Arbeitsvertrag stehen, d.h. der Arbeitsvertrag darf den AN nicht schlechter stellen. Im Tarifvertrag sind die Vollzeitarbeitsstunden ( zwischen 35 und 40 Stunden in der Regel, früher waren es oft sogar 42 Stunden) festgesetzt, den Stundenlohn und der Urlaub und Arbeitszeiten.

Wer weniger Stunden arbeitet als in der Firma als Vollzeit üblich. der arbeitet Teilzeit und das steht dann im individuellen Arbeitsvertrag. Laut Gesetz müssen Teilzeitarbeitnehmer die gleichen Leistungen erhalten wie Vollzeitangestellte, aber anteilig. Arbeit jemand also nur 25 Stunden, dann bekommt man 25 Stunden bezahlt nach Stundenlohn des Vollzeitbeschäftigten. Hat man Vollzeit 5 Wochen Urlaub, hat man das in Teilzeit auch. 

Das Gesetz steht über tariflichen oder vertraglichen Vereinbarungen, diese mussten nach der Gesetzersänderungen angepasst werden. 

D.h. gleicher Urlaub anteilig, gleiche Sozialleistungen. Mich selbst hat diese Änderung damals betroffen, ich habe damals 19 Stunden Teilzeit im Erziehungsurlaub gearbeitet und in unserem Tarifvertrag stand, dass man mindestens 50 % der Vollzeitstunden (bei uns 38.5 Stunden, also 19,25 Stunden) arbeiten muss, um vermögenswirksame Leistungen zu bekommen. Ich bekam sie daher gestrichen. Nach Gesetzesänderung mussten sie die Beträge nachträglich nachzahlen anteilig. Das war im Jahr 2001.

Vollzeitarbeit kann sowohl befristet wie auch unbefristet sein. Oft fängt man erst mal befristet an, so ist es bei meinem Sohn im öffentlichen Dienst, nach der Ausbildung bekamen alle, die übernommen wurden, erst mal einen befristeten Zeitvertrag (bei Vollzeitarbeit), danach gab es einen festen Vertrag. 

Urlaub ist gesetzlich geregelt, jedem steht mindestens 4 Wochen zu, in den Tarifverträgen gibt es aber meist mehr (bis zu 30 Tagen meist, 6 Wochen). Ebenso ist der Mindestlohn (Stundenlohn) inzwischen gesetzlich geregelt, viele bekommen natürlich per Tarifvertrag mehr. Unterschritten darf die gesetzliche Regelung nicht werden. 

Mit einer Vollzeitstelle sollte man zumindest einigermaßen leben können und über die Runden kommen. Bei 45 Jahren Arbeit sollte auch die Rente einigermaßen ausreichen, wobei die private Vorsorge heute immer wichtiger wird, weil die Rente nicht mehr reicht. 

Zur Rente, wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist der zahlt selbst (und auch der Arbeitgeber noch extra) Beträge in die Rentenkasse ein. Je mehr man einzahlt, desto mehr Rente erhält man am Ende daher. Daraus folgt natürlich, dass Teilzeitkräfte weniger einzahlen und daher auch weniger Rente erhalten werden, denn die zahlen ja weniger ein. Die Rente hängt natürlich aber auch sehr von der Höhe des Stundenlohns ab, ein super bezahlter Teilzeitjob könnte daher auch mehr Rente bringen als ein schlecht bezahlter Vollzeitjob. 

Auf Abruf ist natürlich die schlechteste Option für den Arbeitnehmer, gut für den Arbeitgeber, er kann flexibel Leute einsetzen und zahlt nur, was er braucht. Der Arbeitnehmer hingegen kann sich auf nichts verlassen, weiß nicht, was am Monatsende bleibt. 

Bei einem Vollzeitjob sind die Arbeitsstunden festgelegt und müssen bezahlt werden, selbst wenn keine Arbeit da wäre, man weiss, wo man dran ist. In Teilzeitverträgen wird die Stundenzahl und die Arbeitszeiten auch meist festgelegt, aber es gibt eben auch diese Verträge auf Abruf, wo nur gearbeitet und bezahlt wird, wenn auch Arbeit da ist. Bei diesen Auffüllern in den Supermärkten, die die Ware auffüllen, ist das oft so. Die werden eben auf Abruf geholt und arbeiten so lange, wie Ware zum Verräumen vorhanden ist. Da ist man nie sicher, wie viel Geld man bekommt und wann man wirklich arbeitet. Im Vertrag ist dann keine genaue Stundenzahl festgelegt.

Mit Vollzeitjob geht so etwas nicht. 

Antwort
von kabbes69, 6

Vollzeitbeschäftigung:

Wenn du in deinem Beruf die durch Tarif oder gesetzlich vorgegebene Wochenarbeitszeit zu 100% erfüllst. Das diese zwischen 35 und 40 Stunden und mehr liegen kann, hast du ja bereits rausgefunden.

Teilzeitbeschäftigung: 

Wenn du nur einen Teil von diesen 100% arbeitest. Beträgt die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 40 Stunden, arbeitest du mit 35 Stunden Teilzeit. Prozentual zu deiner Teilzeit wird dein Urlaubsanspruch und dein Gehalt errechnet. 

Befristetes Arbeitsverhältnis geht sowohl Vollzeit als auch Teilzeit. Du bekommst mit deiner Einstellung bereits ein Datum an welchem dein Arbeitsvertrag endet.

Arbeit auf Abruf: Du gehst nur Arbeiten, wenn dein Chef nach dir verlangt.

Rente: wird bei allen Vertägen aus dem sozialversicherungspflichtigem Brutto abgeführt. Ein Teilzeitbeschäftigter mit einem Jahreseinkommen von 60.000 €, bekommt also später mal mehr Rente als ein Vollzeitbeschäftigter mit 30.000 € . Unterstellt das die Rentenberechnung unverändert bleibt. 

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Rente, 12

Die Vollzeitbeschäftigung ist (noch) der reguläre Arbeitsvertrag mit tariflich festgelegter Arbeitszeit.

Dagegen steht eine Teilzeit- oder Halbtagsbeschäftigung.

Kommentar von Tmihy ,

Also ist die Vollzeitarbeit nur in Verbindung mit einem tariflichen Vertrag möglich?

Kommentar von DerHans ,

Natürlich nicht.

Nur gibt es Branchen, in denen immer noch 40 Stunden gelten, aber auch eben 38,5 Stunden oder auch 42 Stunden.

Antwort
von TheAllisons, 13

Das ist ganz einfach ein 40 Stunden-Job. Alle die weniger Stunden arbeiten sind Teilzeitarbeiter

Kommentar von Tmihy ,

Das stimmt ja so nicht. Auch mit 38,5 Stunden oder 39 Stunden oder sogar nur 35 Stunden kann man Vollzeit beschäftigt sein.

Kommentar von TheAllisons ,

Das ist aber Branchenbedingt, wir haben in der Regel die 40 Stundenwoche

Kommentar von petrapetra64 ,

Es gibt Branchen mit 40 Stunden Woche, aber auch mit 35 Stunden Woche (IG Metall - Industrie) oder auch 38.5 Stunden Woche. Vor einigen Jahren wollte man mal von 40 auf 35 Stunden runter in Tarifverhandlungen. Irgendwo dazwischen blieben viel hängen. 

Ich arbeite in einem Bereich im mehreren Zehntausend Beschäftigten in ganz Deutschland und wir arbeiten 38.5 Stunden Vollzeit. Im öffentlichen Dienst ist es glaube ich genauso. 

Daher geht man bei Vollzeit von 35 Stunden und mehr aus und nicht 40 Stunden. 

Antwort
von Konrad Huber, 8

Hallo Tmihy,

Sie schreiben:

Was versteht man unter Vollzeitarbeit?

Antwort:

Eigentlich sagt der Name schon alles aus!

Es gibt eine gesetzlich vorgegebene, zulässige Arbeitszeit pro Tag, pro Woche, pro Monat und dies wird im Grunde genommen als Vollzeitarbeit gesehen!

Dies macht der Gesetzgeber als "Gesundheitsschutz" für die Beschäftigten!

Davon gibt es relativ wenige Ausnahmen/Abweichungen, welche in Arbeits- und in Tarifverträgen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern individuell dokumentiert/vereinbart werden!

https://de.wikipedia.org/wiki/Wochenarbeitszeit

Auszug:

Rechtslage in Deutschland

Aufgrund der Tarifautonomie regelt das deutsche Arbeitszeitgesetz als ein Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer die Wochenarbeitszeit nicht explizit, sondern definiert maximale zulässige Arbeitszeiten und Arbeitsverbote an bestimmten Tagen. 

Damit existiert ein im Wesentlichen aus dem Gesundheitsschutz begründeter weit gespannter Rahmen, in dem sich die Tarifparteien mit ihren Vereinbarungen bewegen können. 

So sieht § 3 ArbZG vor, dass die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten darf. 

Nach § 9 ArbZG[6] dürfen Arbeitnehmer sonntags grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Von dem Sonntagsarbeitsverbot gibt es allerdings viele Ausnahmen. 

Daraus ergibt sich eine maximale reguläre Wochenarbeitszeit (Vollzeitarbeit) von 48 Stunden. (Samstage eingeschlossen)

Denken Sie hierbei z.B. an die Gastronomie und, und, und..

Die Tagesarbeitszeit kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Daraus ergibt sich eine kurzfristig mögliche maximale Wochenarbeitszeit von 60 Stunden.

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von Tmihy ,

Also machen die Anzahl der gearbeiteten Stunden das Grundprinzip der Vollzeitarbeit aus? Dann verstehe ich aber nicht, warum man mit 35 Stunden sowohl Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigt sein kann (natürlich nicht zur gleichen Zeit, aber diese beiden Möglichkeiten bestehen ja nun mal). Wo liegt denn dann der Unterschied zwischen der Voll- und Teilzeit, wenn nicht bei den Stunden?

Und, zu dem letzten Absatz:

Angenommen es werden täglich 8 Stunden täglich gearbeitet, nehmen wir sogar mal an von Mo-Sa. Da kommen wir auf eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. Wenn diese auf bis zu zehn Stunden verlängert werden kann, kommen wir auf eine maximale Wochenarbeitszeit von 58 Stunden und nicht von 60.

Vielleicht kann man das irgendwie für Doofe erklären? Ich verstehe das alles einfach nicht, ich empfinde es alles als so widersprüchlich...

Kommentar von Konrad Huber ,

Also machen die Anzahl der gearbeiteten Stunden das Grundprinzip der Vollzeitarbeit aus?

Antwort:

Sie müßen unterscheiden zwischen den gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen und zwischen diversen, vertraglich fixierten Vereinbarungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern!

Wichtig ist hierbei, daß sich diese vertraglich fixierten Vereinbarungen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegen!

Wo liegt denn dann der Unterschied zwischen der Voll- und Teilzeit, wenn nicht bei den Stunden?

Antwort:

Der Unterschied liegt einzig und allein an den vertraglichen Vereinbarungen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitszeitgesetz

Wenn diese auf bis zu zehn Stunden verlängert werden kann, kommen wir
auf eine maximale Wochenarbeitszeit von 58 Stunden und nicht von 60.

Antwort:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wochenarbeitszeit#Rechtslage_in_Deutschland

Auszug:

Rechtslage in Deutschland

Aufgrund der Tarifautonomie regelt das deutsche Arbeitszeitgesetz als ein Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer die Wochenarbeitszeit nicht explizit, sondern definiert maximale zulässige Arbeitszeiten und Arbeitsverbote an bestimmten Tagen.

Damit existiert ein im Wesentlichen aus dem Gesundheitsschutz begründeter weit gespannter Rahmen, in dem sich die Tarifparteien mit ihren Vereinbarungen bewegen können.

So sieht § 3 ArbZG[5] vor, dass die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten darf.

Nach § 9 ArbZG[6] dürfen Arbeitnehmer sonntags grundsätzlich nicht beschäftigt werden.

Von dem Sonntagsarbeitsverbot gibt es allerdings viele Ausnahmen.

Daraus ergibt sich eine maximale reguläre Wochenarbeitszeit von 48 Stunden.

Die Tagesarbeitszeit kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Daraus ergibt sich eine kurzfristig mögliche maximale Wochenarbeitszeit von 60 Stunden.

>>>>Ich verstehe das alles einfach nicht, ich empfinde es alles als so widersprüchlich..<<<<

Antwort:

Sie suchen ein Haar in der Suppe, obwohl keines drinn ist!

Es geht nicht um die Stunden an sich, es geht um die Rahmenbedingungen!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Antwort
von decentr, 2

Du hast eine Frage, davon nicht mal Gesetzgeber selber wissen....

Vollzeit;

Auf lohnsteuerkarte,
Mit Renten AV, KS, PV, Beiträge,
ab 450€ bist drin

Also SV pflichtig

451€ kannst in eine Stunde aber mit eine Stunde hat Berufsgenossenschaft und Arbeitsamt Problem und Kein keine deine Urlaub und Krank Lohnfortzahlung berechnen..

Urlaub min.

Monatsraten des Betrieb×deine Tage/Betriebstage=

Teilzeit;

Max 112.5 € in der Woche max 15 Stunden

Renten seit 2012 wahlweise wenn du willst

Urlaub Krank ja wenn der Betrieb berechnet
Nicht SV pflichtig

Durcheinander... weiß ich

Antwort
von ApfelTea, 9

Vollzeit ist i.d.R. ne 40 stunden woche. Das kann befristet sein (z.B. für 2 Jahre) oder eben unbefristet

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