Was versteht man unter Fürstenwillkür im Absolutismus genau?

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1 Antwort

Es gibt keinerlei "Demokratie". Was immer er tut, ob er nun einen Berater hat oder nicht, der Landesherr entscheidet  völlig nach eigenem Gutdünken, auch wenn objektive Gründe  dagegen sprechen, eben "willkürlich" und
"absolut",  was zwar durchaus manchmal eine Wohltat für  einen oder mehrere oder sogar alle Untertanen, aber gleichzeitig auch wieder letztlich ungerecht  sein kann.

Lessing hat das in seiner "Emilia Galotti"  (1772, 1. Akt, 1. Auftritt) zu 100% treffend in einer winzigen Szene dargestellt: 

Der Prinz (an einem Arbeitstische voller Briefschaften und Papiere, deren einige er durchläuft). Klagen, nichts als Klagen! Bittschriften, nichts als Bittschriften! – Die traurigen Geschäfte; und man beneidet uns noch! – Das glaub ich; wenn wir allen helfen könnten: dann wären wir zu beneiden. – 

Emilia? (Indem er noch eine von den Bittschriften aufschlägt und nach dem unterschriebenen Namen sieht.) Eine Emilia? – Aber eine Emilia Bruneschi – nicht Galotti. Nicht Emilia Galotti! – Was will sie, diese Emilia Bruneschi? (Er lieset.) Viel gefordert, sehr viel. – Doch sie heißt Emilia. Gewährt! (Er unterschreibt und klingelt, worauf ein Kammerdiener hereintritt.) 

Eine gute Tat, sicherlich, aber  die Bitte wird einfach gewährt, weil die Bittstellerin den gleichen Namen hat wie die Frau, die der Fürst verehrt, und das ist Willkür.

Bei einem Todesurteil ist's dann später  sogar dem Minister zuviel!



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Kommentar von jejenn
20.03.2016, 12:13

Vielen Dank

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Kommentar von Koschutnig
20.03.2016, 12:20

Weil die Passage so gut den Gegensatz zwischen Absolutismus und Aufklärung zeigt: der  8. Auftritt:



Camillo Rota. Ein Todesurteil wäre zu unterschreiben.

Der Prinz. Recht gern. – Nur her! geschwind.

Camillo Rota (stutzig und den Prinzen starr ansehend). Ein Todesurteil – sagt' ich.

Der Prinz. Ich höre ja wohl. – Es könnte schon geschehen sein. Ich bin eilig.

Camillo Rota (seine Schriften nachsehend). Nun hab ich es doch wohl nicht mitgenommen! – – Verzeihen Sie, gnädiger Herr. – Es kann Anstand damit haben bis morgen.

Der Prinz. Auch das! – Packen Sie nur zusammen; ich muß fort – Morgen, Rota, ein Mehres! (Geht ab.)

Camillo Rota (den Kopf schüttelnd, indem er die Papiere zu sich nimmt und abgeht). Recht gern? – Ein Todesurteil recht gern? – Ich hätt' es ihn in diesem Augenblicke nicht mögen unterschreiben lassen, und wenn es den Mörder meines einzigen Sohnes betroffen hätte. – Recht gern! Recht gern! – Es geht mir durch die Seele dieses gräßliche Recht gern!


http://gutenberg.spiegel.de/buch/emilia-galotti-1174/3



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