Es gibt Menschen, die man als narzistisch bezeichnet im Sinne einer krankhaften Störung. Was versteht man heute exakt darunter?

Narziss ist in der Mythologie der Sohn des Flussgottes, der in sein Spiegelbild im Wasser verliebt ist. Das war übrigens eine Strafe von Aphrodite oder Nemesis (je nach Überlieferung), nach dem er die Nymphe Echo abwies.
Umgangssprachlich versteht man darunter meist einen Menschen, der nur sich selbst sieht und in sich, seine Kunst, seine Worte usw. verliebt ist und daneben wenig gelten läßt bzw. es kommt einfach nicht an. Ein Narzisst lebt in seiner eigenen Welt.
Aber damit kommt man auch schon an die Überschneidung zum psychopathologischen Bild des Narzissten.
wikipedia hat da eine kurze Zusammenfassung, die es meines Erachtens ganz gut trifft:
> Narzissmus ist eine Charaktereigenschaft, die sich durch ein geringes Selbstwertgefühl bei gleichzeitig übertriebener Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und dem großen Wunsch nach Bewunderung auszeichnet.
Der bereits genannten Definition mit der 'übersteigerten Selbstliebe' muss ich leider widersprechen. Narzissten im pathologischen Sinn, nach denen hier gefragt wird, verfügen eben nicht über Selbstliebe. Ihr Lebensgefühl ist geprägt durch elementare Selbstzweifel bis hin zum Selbsthass. Diese Selbstunsicherheit wird auf das Gegenüber projiziert, indem der andere abgewertet, beleidigt (und, falls es das passende 'Opfer' ist, psychisch und/ oder physisch gequält wird). Der Anschein der Großspurigkeit und Selbstliebe des Narzissten täuscht massiv. Tatsächlich ist er ein extrem unsicherer Mensch, Angst behaftet und meist extrem vereinsamt. Es gibt einen passenden Spruch: "Gott vergisst alles, ein Narzisst vegisst nie". Ein Narzisst wird auch nach Jahren noch eine (von ihm als solche interpretierte) Verletzung hervorholen und dem anderen vorwerfen. Ihm fehlt das gesunde Selbstbewusstsein, sich Situationen entgegenzustellen, in denen an seinem 'Wert' gekratzt wird- seiner Ansicht nach, denn eine solche Wertminderung sieht er in der allerleisesten Kritik. Übrigens ist das Bild des Narzissten eng verwandt mit dem des Borderliners, die Diagnosen sind schwer voneinander abzugrenzen. Ende des Romans und freundliche Grüße!

Eine narzisstische Störung ist ganz das Gegenteil von den bisher drei vertretenen Meinungen.
Alle drei haben erklärt, was ein narzisstisch besetzter Mensch ist: er liebt nur sich selbst und lässt andere nicht neben sich gelten.
Die Liebe zu sich selbst ist eine der wichtigsten Funktionen, die wir haben. Wir nehmen uns selbst an, beziehen daraus unsere Stärke und unser Selbstwertgefühl. Und wir sind fähig, andere zu lieben, und zwar in einem gesunden Maß, das nicht zur Abhängigkeit führt.
Von einer "narzisstischen Störung" spricht man dann, wenn diese Eigenliebe nachhaltig gestört ist. Diese Menschen haben ein sehr stark gestörtes Selbstwertgefühl, sie sind sich selbst nichts Wert. Oft definieren sie sich nur über ihr Tun, nicht über ihr Sein. Damit ist das Selbstwertgefühl nur so lange halbwegs stabil, so lange "Erfolge" verzeichnet werden können, denn sie glauben, nur über "Erfolg" eine Daseinsberechtigung zu haben.
Dementsprechend geht es schon beim kleinsten Misserfolg sturzflugartig in den Keller, weil Misserfolge schon fast existenzbedrohend sind.
Narzisstisch gestörte Menschen haben sehr häufig ein hoch ausgeprägtes Einfühlungsvermögen in andere Menschen, weil sie ständig auf der Jagd nach Anerkennung sind.
Herrmann Hesse war ein solcher gestörter Narzisst, sein Krankheitsbild wurde in einer einmalig lesenswerten Dokumentation beschrieben in dem Buch von Alice Miller "Das Drama des begabten Kindes".

Das sind Menschen mit übersteigerter Selbstliebe, die dabei gerne andere Menschen vernachlässigen. Im weitesten Sinn könnte man das mit Egoismus, Egozentrik vergleichen.
Narzisten sind Menschen, die sich selbst am meisten Lieben bzw. selbstverliebt sind.
Das sind schlichtweg selbstverliebte Menschen, welche für sich persönlich generell im Mittelpunkt stehen. So etwas kann in Extremfällen schon mal krankhaft sein.
Einen Menschen, der seine eigene Weltanschauung so absolut einschätzt, dass er sich selbst als den Größten hält. Er sieht alle Gute, was er in anderen sieht als ein Abboild von seinen guten Eigenschaften.