Frage von anikanayan, 43

Was versteht man unter der Kommunistischen Theorie?

Was versteht man unter dem Begriff und wie könnte ich das am besten erklären und was ist das heute?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Grautvornix16, 17

Hi,- verweise gerne auf die Lesehinweise von "Ottavio". Welche Idee ansonsten in dem Begriff steckt kannst du aus dem Begriff selbst ableiten.

Für Details siehe "Blaue Reihe" - gesammelte Werke in x Bänden.

Allerdings fehlt noch ein ganz zentrales Begriffspaar in den bisherigen Beiträgen: Entäußerung und Entfremdung welche aus seiner Sicht als fatale Transformation einer an sich für den Menschen notwendigen Aneignung von Umwelt durch Arbeit  ihre Ursache in den kapitalistischen Produktionsverhältnissen haben und letztlich zu der weiteren Feststellung führen, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt was dann letztlich auch die Herrschaft des Kapitals über den arbeitenden Menschen manifestiert.  Dies ist eigentlich die Keimzelle des Ungerechtigkeitsgedankens bei Marx und eine Art roter Faden, um eine Art von grundlegender Ursache für soziale Disfunktionalitäten darzustellen.  Im Kern ist sein Ansatz die Ausformulierung einer emanzipatorischen Idee als Gerechtigkeitsidee, die sich allerdings zentral über die Frage der Besitzverhältnisse der Produktionsmittel und der Verfügung über den Mehrwert,- also politisch-ökonomisch definiert. - Diese Verengung ist zwar eine wichtige Fokussierung als Schutz gegen das Zerreden von Sachverhalten die wesentlich für Ungerechtigkeiten sind. Aber sie sind auch zugleich eine Schwäche der Theorie da sie die grundsätzliche Korrumpierbarkeit des Menschen und damit die Austauschbarkeit derjenigen, die Macht und Elitenstatus anstreben weitestgehend ausblenden.

Insofern sind die Hinweise auf das Scheitern bisheriger Versuche wichtig da sie zeigen, das auch Machtansprüche von wenigen über viele im Namen einer guten Sache letztlich wieder das hervorbringen was die Idee überwinden wollte, frei nach dem Motto: "Die Revolution frißt ihre Kinder".

Wie hoch der Anspruch an die "Tugendtauglichkeit" des Einzelnen ist, um dieses System als Ganzes etablieren zu können kann man im übrigen jetzt schon ganz einfach an Eigentümerversammlungen von Wohnkomplexen mit Eigentumswohnungen studieren. - Ein echter Schenkelklopfer!

Allerdings könnte man zu recht auch hier argumentieren, daß man ja auch nicht von einer Versammlung von "Systemverseuchten" von jetzt auf gleich ein leuchtendes Beispiel für die Machbarkeit dieser Idee erwarten kann.

Menschen, die sich vor tausend Jahren gegen Ungerechtigkeiten aufgelehnt haben hätten ja wohl auch nicht gleich ein fertiges Demokratiekonzept in der Tasche gehabt.

Das bringt mich abschließend zu dem Hinweis wie sehr auch dieses System um sein Überleben kämpft - frei nach eine Variante von Marx: "Design bestimmt das Bewußtsein". Das gilt ganz wesentlich für den Einfluß auf Sprache (z.B. "Freisetzen" statt Entlassen oder "Kernenergie" statt Kernspaltung usw. usw.). Und das gilt auch für die Verwendung des Begriffs "Utopie". - In unserer Systemsprache haben wir gelernt Utopie mit Spinnerei oder fehlendem Realitätssinn  gleichzusetzen und wir bekommen das in Tagesschau und Polit-Sprech ständig vorgesetzt. Griechisch "U-Topos" ist aber einfach nur der Ort, den es - noch - nicht gibt. Aber von unmöglich kommt in diesem Begriff nichts vor.

In meinen Augen hat Marx nur den Fehler gemacht mit der Fokussierung auf die Ökonomie zwar den Kern erkannt aber die Randbedingungen zu wenig beachtet zu haben und der Revolution zuviel aber der Evolution zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Frei nach Günter Grass ist "der Fortschritt nämlich eine Schnecke" - vor allem wenn er mit Menschen zu tun hat. :-)

PS: Schau dir mal Modelle von Genossenschaften an. Ich glaube da wäre Marx fürs erste gar nicht so unzufrieden mit auch wenn sie hierzulande mehr oder weniger ihre systemtypischen Ausprägungen zeigen (gibt ja sogar "Genossenschaftsbanken").

Als Feldstudie zu dem Thema würde ich übrigens auch mal Struktur und Funktionsweise eines israelischen "Kibuz" studieren oder nach "Kooperativen" überall auf der Welt googlen. - Eine moderne Ausführung findest du übrigens auch in der aktuellen Idee des "Kommunitarismus" (nicht "Kommunismus"). Und wenn du den Ursprungsgedanken der Günen verfolgst - "basisdemokratisch" erkennst du auch wie unser jetziges System arbeitet. Da hatte Marx dann wohl doch auch ein bischen recht. ;-)

Gruß


Antwort
von Ottavio, 19

Die kommunistische Theorie hat Karl Marx niedergeschrieben in seinem Werk Das Kapital, 1.,2. und 3. Band. Er hat daran 20 Jahre gearbeitet. Ich wünsche Dir viel Ausdauer beim Lesen ! Ein Kurzfassung ist "Lohnarbeit und Kapital". Das zu lesen müsste machbar sein. 

Antwort
von berkersheim, 9

Gar nichts. Gibt es nicht. Es gibt nur die maristische Theorie und der Kommunismus ist eine Utopie, auf welche die marxistische Theorie einen Ausblick gibt. Da sollte man die Begriffe schon sauber trennen, sonst dreht sich Karl Marx im Grab um.

Antwort
von DieterSchade, 15

Der wichtigste Begriff ist der des Mehrwerts.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrwert_(Marxismus)

Im Kommunismus sind die Produktionsmittel und Banken in staatlichem Besitz. Die Organisation der Wirtschaft erfolgt durch Planwirtschaft. Es gibt keine Kapitaleinkommen. Geld dient nur dem Austausch von Waren. Die Einkommen sind nach Leistung und Bedürftigkeit gestaffelt. Das höchste Einkommen beträgt nur ungefähr das 20-fache des niedrigsten Einkommens (jeweils bei Vollzeitarbeit). 

Antwort
von Senfkorn19, 17

Der Grundgedanke ist, dass am Ende eine klassenlose Gesellschaft entsteht und allen Mitgliedern dieser Gesellschaft das gleiche zusteht.

Es ist eine Utopie an der die sozialistischen Staaten bis zum Zerfall der Sowjetunion festhielten. 

Leider waren die Methoden um diese Utopie durchzusetzen, Überwachung und Zwang.

Durch die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen ist so ein System ungeeignet für derzeitige Gesellschaften und wird noch lange Utopie bleiben.


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