Frage von Thomas19841984, 34

Was unterscheidet moralisch und juristisch gesehen Köpfeabschneiden von Tötungen durch Drohnen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kendall, 13

Der Zusammenhang, den Du herzustellen versuchst, ist logisch nicht wirklich haltbar. Im weitesten Sinne stellst Du ja nur zwei Methoden gegeneinander (Enthauptung vs. Drohnenangriff), wobei die dahinter liegenden Motive das Entscheidende sind. Diese sind aber logisch nicht in Einklang zu bringen, weshalb Du es aus rhetorischen Gründen auf die Tötungsmethode herunterbrichst, um das Statement zu machen, dass die Schuld der Tötung eines terroristischen Kämpfers genau dieselbe sei wie die medienwirksame Enthauptung eines gefangengenommenen Journalisten.

Da es sich bei beiden Dingen nur um (übrigens sehr unterschiedlich geartete) Methoden handelt, muss man die Unterscheidung anders vornehmen. Das größte juristische Problem sind die Drohnenangriffe innerhalb Pakistans, da nach dem Kriegsrecht dazu seitens der USA keine Legitimation besteht - man befindet sich ja gegenüber Pakistan nicht im Kriegszustand. Das Problem in Pakistan ist, dass die jeweiligen Staatsführungen de facto kaum Macht im eigenen Territorium gegenüber terroristisch Aktiven haben, da der eigene Geheimdienst sie zum großen Teil deckt. Dazu muss man sich die Geschichte des pakistanischen Geheimdienstes ansehen: Als Reaktion auf den Bürgerkrieg nach dem Afghanistankrieg wurde die Taliban durch den pakistanischen Geheimdienst gegründet und ausgerüstet, d.h. hier bestehen teils Jahrzehnte alte Kontakte und Seilschaften, die u.a. auch dafür verantwortlich waren, dass sich Bin Laden zehn Jahre lang in Pakistan verstecken konnte. So kann es zu der absurden Situation kommen, dass ein Drohneneinsatz in Pakistan durch die legitime Regierung Pakistans geduldet wird. Allerdings ist der Einsatz der Drohnen so ineffizient, dass dabei immer wieder Zivilisten ums Leben kommen - ein Umstand, der kriegsrechtlich absolut nicht zu billigen ist.

Wenn wir über den IS sprechen, dann handelt es sich hierbei allerdings nicht um Verbrecher wie z.B. Terroristen, sondern tatsächlich kriegsführende Rebellengruppen. Drohneneinsätze z.B. im umkämpften Syrien sind hier nur ein Mittel der Kriegsführung, wobei auch das schwierig ist, da die IS-Koalition nicht von Assad gebilligt, wohl aber doch geduldet ist, solange sie sich nicht gegen ihn selbst richtet.

Der andere Fall - die medienwirksamen Enthauptungen - ist in jedem Fall aufgrund der Intention zu verabscheuen. Hier sind die Ziele völlig Unschuldige, die aus terroristischen Gründen vor laufender Kamera hingerichtet werden. D.h., die Intention ist so gelagert, dass sie durch nichts zu rechtfertigen ist, während der Drohnenkrieg aus moralischer Sicht nicht wegen der primären Ziele zu verdammen ist, sondern weil einfach viel zu große Kolateralschäden entstehen.

Allgemein betrachtet sind beides nur sehr unterschiedliche Methoden. Im Falle des IS ist es eine terroristische Methode, um Angst und Schrecken zu verbreiten, ursprünglich aber einfach "nur" eine Methode zur Vollstreckung eines Todesurteils.

Kommentar von aermelvollschee ,

Sehr gut beschrieben, finde ich.

Ergänzend vielleicht noch, das lt. Genfer Konvention freilaufende Kämpfer getötet werden dürfen, Gefangene jedoch nicht.

Antwort
von spaceflug, 22

Nichts, rein garnichts.

Der Unterschied ist nur auf welcher Seite "du" stehst,

entsprechend findet man das eine schrecklich und über das andere denkt man besser nicht nach.

Antwort
von DerJustinBieber, 17

Kein Unterschied.

Antwort
von dantes, 13

Bei Drohnenangriffen werden in der Regel militärische Ziele angegriffen oder Schlüsselpositionen in terroristischen Organisationen liquidiert. Kollateralschäden sind wie bei allen militärischen Operationen nicht auszuschließen.

Beim Köpfe Abschneiden geht es nur um das Töten von Menschen anderer Kultur oder Religion, auch wenn es z.B. Entwicklungshelfer sind. Und letztlich nur um Lösegeld.

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