Frage von Kajawizu, 74

Was unterscheidet einen "Stein" von einem Menschen, physikalisch/ materialistisch gesehen?

Besitzen wir "eingehauchtes Leben" oder haben wir einfach eine komplexe Strukur gebildet die interagiert? Sind wir ein Haufen voller Moleküle die als Mikroorganismen ein Gebilde schaffen?

Expertenantwort
von Hamburger02, Community-Experte für Physik, 14

Genau mit dieser Frage beschäftigt sich die Theorie Dissipativer Strukturen, für die Ilya Prigogine 1977 den Nobelpreis erhielt, und die große Auswirkungen auf alle biologischen Wissenschaften hat.

Physikalisch gesehen gibt es einen entscheidenden Unterschied:
Der Stein ist ein geschlossenes System nahe des thermodynamischen Gleichgewichtes. Für seine Existenz braucht er keinerlei Wechselwirkungen mit der Umwelt.

Ein Mensch ist ein komplexes System weit fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes. Diesen Zustand fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes kann es nur dann halten, wenn es offen ist, also mit der Umwelt wechselwirkt. Ständig muss wertvolle Energie aus der Umwelt aufgenommen werden und gleichzeitg muss ständig Abwärme abgebeben werden. Durch die internen Wechselwirkungen der einzelnen Systemelemente (Zellen, Neuronen etc.) wird die aufgenommene Energie dissipiert (entwertet) und dabei werden höhere Ordnungsstrukturen erzeugt oder erhalten. Der Mensch als ganzes, einzelne Zellen oder auch die menschliche Gesellschaft, eigentlich alles, was lebt oder aus Leben entsteht, stellt eine dissipative Struktur dar.

Nur aus dissipativen Strukturen können neue Merkmale emergieren (im Rahmen der Selbstorganisation entstehen). Prigogine schildert in seinen diversen Büchern zu diesem Thema ausdrücklich, dass Geist und Bewusstein aus der dissipativen Struktur "Gehirn" emergiert und nicht etwa von irgendwas eingehaucht werden müsste. Geist und Bwusstsein sind natürliche Erscheinungen, auf denen sich sogar prima mit der Theorie Dissipativer Strukturen rumrechnen lässt.


Antwort
von OlliBjoern, 12

Naja, einerseits sind wir schon ein "Haufen Moleküle", aber wir haben andererseits einen "Bauplan" (wir sind keine zufällige Ansammlung von Molekülen), dieser ist in der DNA hinterlegt. Unsere "Einzelteile" (Organe, Muskeln, Knochen usw.) wirken sinnvoll zusammen.

Früher sprach man noch von einer Art "Lebensenergie", die den Bestandteilen des Körpers innewohnt, aber heute weiß man, dass wir zu einem hohen Anteil aus komplexen, spezialisierten Materialien bestehen, die bestimmte Aufgaben übernehmen. Dabei sind organische Moleküle zwar vielfältiger als anorganische Materialien (aber auch solche anorganischen Materialien haben wir im Körper, z.B. in den Zähnen und Knochen), aber sie sind nichts prinzipiell anderes (seit der Harnstoffsynthese von Friedrich Wöhler ist klar, dass es keine strikte Trennung Anorganik/Organik gibt).

Ein Körper eines Lebewesen existiert aber in einem energetisch hohen Zustand (was aber nicht viel mit der mystischen "Lebensenergie" zu tun hat), der aufrechterhalten werden muss. Dazu dient die Atmung und die Nahrungsaufnahme. Nach dem Tod wird der Körper in energetisch tiefer liegende, einfachere Bestandteile abgebaut.

Antwort
von ThomasJNewton, 14

Der Mensch lebt, der Stein nicht. OK, wustest du schon?

Die Lehre vom Leben nennt sich Biologie. OK, wustest du schon?

Ich wüsste jetzt nichts, was am Leben und der Biologie in irgendeinem Widerspruch stehen sollte zu einer materialistischen Weltsicht.

Allerdings ist Leben nicht nur Chemie/Physik, sondern auch Struktur, Evolution, Information, Entwicklung, Lernen, Soziologie (oder Verhaltensforschung), Ökologie, Geologie, Meteorologie uva.

Leben/Biologie ist halt was eigenes, wie das Jodel-Diplom:

Daher ist es auch ein eigenes Fach in Schule und Wissenschaften.
Das lässt sich nur durch Nachdenken lernen.

Wir Menschen sind eben Lebewesen, und wie genau, lässt sich ohne metaphysisches Hintergrundgeschwurbel lernen.

Antwort
von koraline, 18

Wir leben durch eingehauchten Atem, sonst müssten wir nicht atmen.

Manche sagen auch im Atem ist die Seele des Menschen. Durch den Atem sind wir an die geistige Welt gebunden. Als Mensch sind wir an diese Physis, an den fleischlichen Körper gebunden und können nur das erfahren, was aus diesem heraus möglich ist. Es geht nicht immer um das Erlangen von mehr Wissen, sondern auch um sein eigenes Bewusstsein zu ergründen und zu entwickeln. Wir sind auf der Reise, um das Mensch-Sein zu erlangen und zu erfahren - und dann, um es zu leben.

Es heißt aber nicht umsonst: "der Stein der Weisen"... , an dieser festen anorganischen Struktur, da ist schon was dran. Vielleicht ist überall ein Bewusstsein, von Höherem getragen?

Antwort
von FouLou, 35

Wir und alle anderen mehrzelligen lebewesen sind eine ansammlung von kleinen lebewesen die und als große lebewesen bilden.
Die einzelnen zellen haben konkrete aufgaben und können auch nicht ohne den verbund leben. Dennoch sind sie eigenständige lebewesen meines wissen nach.
Der vergleich dazu sind einzeller die wirklich nur aus einer zelle bestehen und dessen bausteine nicht die bedingungen der definition lebens erfüllen.

Funfact: ca. alle 5 jahre haben sich alle zellen komplett in unserem körper erneuert.

Antwort
von PeterKremsner, 26

Ein Stein besteht hauptsächlich aus Salzen, ein Mensch aus Wasser Aminosäuren bzw Eiweiß, Hämoglobin verschiedene Enzyme, Hormone etc...

Ebenso hat ein Mensch eine DNA.

Antwort
von Suboptimierer, 39

Ich weiß nicht, ob das noch zu physikalisch gehört, aber ein Mensch kann denken, fühlen, wachsen, sich gezielt bewegen, sich vermehren und er ist weicher als ein Stein. Das mit den Molekülen ist eigentlich nur die einzige Gemeinsamkeit.

Kommentar von Kajawizu ,

physikalisch kann man denken schon zT erklären; wäre dann psychologisch untersucht, aber es basiert ja auf materie, "wo nichts ist kann auch nichts sein"

Kommentar von Suboptimierer ,

wo nichts ist kann auch nichts sein

Wenn du mit "nichts" "keine Materie" meinst, ist es die Frage, ob es eine Annahme oder eine Wahrheit in sich ist.

Was lässt dich glauben, dass zum Beispiel ein Gehirn notwendig für Bewusstsein ist?

Antwort
von Herb3472, 17

Rein chemisch-materiell betrachtet bestehen Mineralien aus anorganischen Stoffen, Lebewesen dagegen im Wesentlichen aus organischen Kohlenstoff-Verbindungen.

Antwort
von PeterJohann, 11

In erster Linie ist es der weit höhere Komplexitätsgrad und die Unzahl der vielfach rückgekoppelten Reaktionsketten im Stoffwechsel der "belebten" Materie.

Beim Menschen kommt dann nochmals die um Magnituden höhere Komplexität und das enorme Interaktionsvermögen der neuronalen Netze im Gehirn dazu, was dann zu Bewusstsein, Selbsterkenntnis und dem Erkennen der Gegenwart als zwischen Vergangenheit und Zukunft liegende Handelsebene führt. 

Antwort
von stracciatella33, 24

Wie lustig, gestern habe ich erst ein Video zur Definition von "organisch" (bzw. war es ein englisches Video zur Definition von "organic") gesehen, in dem genau das behandelt wurde.. :D

Was Lebewesen (naja, und Viren in dem Fall auch) von z.B. Steinen unterscheidet, ist der Aufbau aus großen, komplexen (idR organischen) (Bio-)Molekülen, wie Lipiden, Proteinen, Kohlenhydraten und Nucleinsäuren, während unbelebte Materie meistens aus eher einfacheren und anorganischen Verbindungen (Metalle, Salze...) besteht.

Nur organische / Biomoleküle sind aber in der Lage, so zu wechselwirken (etc.), dass ein Stoffwechsel (und damit Bewegung, Wachstum, Wahrnehmung, Fortpflanzung...) möglich wird. Ein wichtiger Bestandteil sind z.B. Enzyme (also Proteine), die viele Soffwechselvorgänge katalysieren und möglich machen - sie kommen sowohl in Einzellern, wie Bakterien, als auch in großen Lebewesen wie uns Menschen vor.

Kommentar von Kajawizu ,

wie heißt das video, hast du link?

Kommentar von stracciatella33 ,

Bitte:

https://www.youtube.com/watch?v=9j2a0q14wOs

(Falls der Link nicht funktioniert - gib bei Youtube "SciShow IDTIMWYTIM: Organic" ein.)

Antwort
von Rosenblad, 2

Der Mensch ist, der Stein hat - Information. Zudem weist der Mensch eine Selbstreproduktions-, Selbstreferenz - und  Selbstproduktivitätsfähigkeit auf.

Antwort
von Referendarwin, 12

Mensch: Hauptsächlich Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff.

Stein: Hauptsächlich Sauerstoff, Silicium und Metalle.

menschen haben wie alle Tiere einen Stoffwechsel, können sich fortpflanzen und sind sterblich.

Antwort
von mcrossc, 6

1.Er hat auf jeden Fall eine höhere Dichte.

2.Er ist härter.

3.Er ist viel älter.

Antwort
von GandalfAwA, 20

Tja, die einen glauben, der Mensch ist nichts als ein Haufen Zellen, die anderen glauben an eine Seele des Menschen und an Gott.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass der Mensch eine Seele hat, und das Gott den Menschen erschaffen hat. Wenn ein Mensch wie Mahatma Gandhi so viel Gutes und so viel Frieden in die Welt bringen konnte, wie sollte das alles ein Irrtum sein, wenn es keinen Gott gäbe?!

Die Frage ist aber: Und Du Kajawizu, was glaubst Du?   ... Auf DEINEN Glauben kommt es an ...


Kommentar von Kajawizu ,

von allem etwas, aber nicht ideologisch :)

Kommentar von GandalfAwA ,

Das ist dann schon mal eine ganz gesunde gute Basis, denn ideologisch ist NIE gut!!! :-)))

Kommentar von PeterJohann ,

Glaube bleibt Glaube, egal ob es der Glaube an eine Ideologie, eine Religion oder an das Fliegende Spaghettimonster ist.

Dummheit wird es wenn der Glaube die Naturwissenschaften ersetzen oder erklären will....

Kommentar von PeterJohann ,

Warum soll sich aus dem Guten das ein Mensch tut die Existenz von Göttern herleiten lassen?

Das wären ja dann auf jeden Fall dieselben Götter, die auch einen Himmler oder Pol Pot zugelassen oder erschaffen haben.

Traurig wenn man Götter brauch um die Komplexität der Natur oder auch des menschlichen Handels zu erklären (oder zu rechtfertigen, was nochmal etwas dümmer wäre... ).

Antwort
von josef050153, 3

Wenn ein Mensch dir auf den Fuß tritt, wird er sich (vielleicht) entschuldigen. Von einem Stein habe ich das noch nie gehört.

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