Frage von Nepomuk22, 41

Was unterscheidet den Rationalismus vom Idealismus?

Der Rationalismus geprägt von, DESCARTES, SPINOZA und LEIBNIZ basierte auf der ratio, der Vernunft alles mußte durch die Vernunft exakt erdacht und erkannt werden. Was aber unterscheidet diesen Rationalismus vom Idealismus ?

Bitte erklären...

Antwort
von Grautvornix16, 25

Hi,- aus meiner Sicht nur marginal da der Rationalismus im Schwerpunkt dem Idealismus verhaftet ist und insofern den (insbesondere angelsächsischen) Strömungen des Positivismus entgegentritt. Dabei übersieht der Rationalismus allerdings nicht die Relevanz der Empirie.

Seine aussagekräftigste Ausprägung hat der Rationalismus m. E. in der jüngeren Vergangenheit durch den "Kritischen Rationalismus" von Karl Popper erhalten, der in einer kritischen Distanz sowohl zu deduktiven (Idealismus) wie induktiven (Positivismus) Verfahren der Erkenntnisgewinnung / Theoriebildung eine eigenständige Synthese beider Ansätze als ergänzende Instrumente auf der Grundlage des sog. "Fallsifikationsprinzips" formuliert hat.

Der Schwerpunkt verbleibt allerdings im deduktiv-begriffslogischen Bereich.

Dabei hilft ein Beispiel zum grundlegenden Widerspruch des Positivismus in seinem Selbstanspruch als vorrangig gültigem Erkenntnisprinzip: Wenn der Positivismus die Empirie und damit die Induktion zum vorangigen Mittel der Erkenntnisgewinnung erklärt so ist diese Erklärung selbst empirisch nicht belegbar. Der Positivismus begründet sich selbst also in einer Idee außerhalb seiner postulierten Methodik.

In Ergänzung könnte man auch anmerken, daß beispielsweise die theoretische Physik der praktischen häufig vorauseilt und mathematisch evidente Sachverhalte oft mit jahrzehnte oder jahrhunderte langer Verzögerung empirisch bestätigt werden. - Ebenso gilt der Primat der Idee bei allen Dingen die unser Leben bestimmen ohne selbst ein empirischer Sachverhalt zu sein wie etwa "Gerechtigkeit", "Demokratie" usw.

Kritscher Rationalismus gilt aber auch im Sinne der selbstkritischen Distanz zu den eigenen Theoriegrundlagen unter Einschluß der eigenen Erkenntnis- und Darstellungsgrenzen. So wird Karl Popper auch die Unterscheidung zwischen Rationalität und Rationalitätsprinzip zugeschrieben worauf ihm der Satz zugeordnet wird, das wir nicht selten auf sehr rationale Weise völlig irrationale Ziele verfolgen. - Diese Selbsterkenntnis und Mahnung zur Selbstreflektion des eigenen Rationalitätsanspruches macht diesen philosophischen Ansatz für mich heute noch zur symphatischsten und einer leitenden Denkrichtung als Rehabilitierung mittels Erweiterung und Präzisierung des Idealismus.

Gruß


Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community