Frage von Jugendfragerin, 172

Was tun wenn Vater alkoholiker ist, aber es nicht einsieht?

Hallo Leute...

Mir fällt dieser Text jetzt sehr schwer zu schreiben, weil ich nicht mal mit meinen engsten Freunden darüber gesprochen habe. Dieses Thema war in der Öffentlichkeit für mich persönlich tabu und wenn überhaupt habe ich nur intern in der Familie darüber gesprochen.

Ich bin w, inzwischen 16 und mein Vater 62 und meine Mutter 48.

Wir leben alle zusammen in einem Haus, mein Bruder fast 25 ist aber schon ausgezogen.

Mein Vater ist schon seit ich klein bin Alkoholiker. Meine Mutter hat mir erzählt, dass er als ich klein war schlimm alkoholabhängig war.

2010-2012 war er komplett nüchtern auf einmal. Dann verlor er sein Job und hat auf einmal wieder angefangen. Es war ein schlimmes Jahr. 2013 wurde er wieder berufstätig, hat aber nicht mit dem trinken aufgehört. Hier mal ein Fläschchen, da mal ein Fläschchen. Er trinkt nur hartes Zeug(wodka, Ouzo), kein Bier.

Wegen dem Alkohol flog er 2015 dann auch noch von diesem Job. Er trinkt mind.1 Flasche pro Tag!!! Ist manchmal für Monate in einem so schlimmen dauerzustand, dass er nur in seinem Zimmer sitzt, raucht trinkt. Er rasiert sich nicht, stinkt, duscht nicht. Er beleidigt, terrorisiert immer brüllt rum. Leider kann ich nicht mein Zimmer zuschließen und wenn meine Mutter in meinem Zimmer schläft, wenn mein Bruder zu Besuch ist(sonst schläft sie nämlich immer da). Kommt der Alkoholiker meistens Abends in's Zimmer rein und schreit rum beleidigt den toten Vater meiner Mutter, dass er im Grab verottet usw. Er wünscht allen den Tod.

Manchmal hat er 2-3 Tage, in denen er gar nichts mehr trinkt, damit er wieder fit ist zum mehr trinken. Ich hasse ihn und dafür was er mir und meiner Mutter antut. Ich gestehe, ich wünsche mir inzwischen einfach nur dass er stirbt. ich kann keine Freunde nachhause einladen und muss mir immer wieder neue Ausreden ausdenken, warum es diesmal mal wieder nicht klappt sich bei mir zu treffen. Ich gehe auf ein Gymnasium der 10. Klasse und er beschimpft mich immer wieder, das ich zur Hilfsschule gehöre und dass ich sitzen bleiben soll. Er hat mal eine Tür zerschlagen. Ich hatte Todesangst. Meine Mutter war an dem Abend nicht da

Ich will einfach mit meiner Mutter ausziehen, aber das geht nicht. Er lebt dann ganz alleine in dem Haus, in das meine Mutter so viel Geld mitinvestiziert hat und so viel Arbeit gesteckt hat. Da meine Mutter als Putzfrau arbeitet können wir uns dann auch keine große Wohnung leisten.

Ich merke einfach dass meine Nerven darunter leiden, dieser Stress tut mir 0 gut und ich kenne nichts anderes als das. er soll einfach sterben, auch wenn man niemandem den tot wünscht. ich halte das nicht mehr aus.

Meine Noten leiden teilweise auch daran. Wenn der Alkoholiker z.b den ganzen Tag und Nacht lang in meinem Zimmer ist und rumbrüllt, wie soll ich dann erklären dass ich meine Hausaufgaben nicht habe? Zum Jugendamt gehen ist keine Lösung. die macen nur mehr Probleme! Ich spreche aus eigener Erfahrung.

ich weiß einfach nicht was das richtige ist was zu tu

Antwort
von Ringoscarlett, 96

Hallo

Du solltest wissen, dass du nicht alleine bist. Auch wenn du dich nicht an deine Freunde wenden möchtest, gibt es Menschen, denen du dich anvertrauen kannst. Im Internet findest du diverse Selbsthilfegruppen -  nicht für Alkoholiker, sondern für Angehörige. Dort kannst du dich anonym oder namentlich mit anderen Menschen austauschen die in einer ähnlichen Situation sind. Sie können dir sagen, wie sie damit umgehen, oder auch, wie sie es geschafft haben, die Probleme hinter sich zu lassen. 

Dass die Situation daheim schrecklich für dich und deine Familie sein muss, kann ich mir vorstellen. Es darf aber nicht sein, dass dein Vater das Zusammenleben soweit dominiert, dass es auf Dauer - wenn nicht sogar schon - psychische Auswirkungen auf dich und deine Mutter hat. Konstante Angst ist ein furchtbarer Zustand, der nicht nur deine geistige Gesundheit dauerhaft beeinflussen kann, sondern auch zu körperlichen Krankheiten führen kann. Wenn du niemanden kennst, an den du dich wenden kannst, dann geh zu deinem Hausarzt. Sprich offen mit ihm/ihr. Sag, dass du nicht weiter weißt, dass die Situation sich ändern muss und dass es du dich um die Gesundheit deiner ganzen Familie sorgst. Er kann dir Ansprechpersonen nennen, Adressen, Hilfsprogramme - er kann dir helfen, die ersten Schritte zu gehen.

Habe keine Angst vor dem Jugendamt. 

Dass du deinem Vater den Tod wünscht, zeigt, wie ernst die Lage bereits ist. Ich will das Verhalten deines Vaters nicht entschuldigen - um gar keinen Fall. Was er macht, ist falsch. Aber er ist ein Mensch, der nicht perfekt ist, der seinen Weg verloren hat und der alleine nicht mehr aus der Dunkelheit findet. Er verdient nicht den Tod - er benötigt Hilfe. Er wird sie sich nicht suchen und er wird sie nicht annehmen. Das macht Alkoholismus so gefährlich. Wenn du ihm den Tod wünscht, gibt's du dich Gefühlen hin, die sehr gefährlich werden können. 

Ich habe eine Freundin, die ebenfalls Alkoholikerin ist. Außerdem gibt es in meinem Umfeld frühere sowie aktuelle Fälle von Menschen, die entweder nicht bemerken, wie nah sie der Gefahr sind, oder aber den Absprung geschafft haben. Meine Freundin kann der wunderbarste Mensch sein und kaum fünf Minuten später macht sie andere für alles Schlechte in ihrem Leben verantwortlich, droht mit Selbstmord, wird aggressiv oder bricht weinend zusammen. Man fühlt sich einfach hilflos, weil man nicht helfen kann. Ich kann ihr nur immer wieder sagen, dass ich sie trotzdem liebe. 

Mehr kannst auch du auch nicht für deinen Vater machen. Aber du kannst das Leben von dir und deiner Mutter ändern und dort musst du ansetzen. Du gehst noch zur Schule. Du stehst am Anfang eines Lebens, das so nicht sein sollte. 

Wenn du jetzt mit jemanden sprechen möchtest, wende dich an die Seelsorge. Die Leitung bei denen ist immer offen. Ich wünsche mir, dass du dort anrufst, nur um einfach mal alles auszusprechen, was dich bedrückt. Es einem anderen mitzuteilen, nicht geschrieben, sondern ausgesprochen, kann schon einen riesigen Unterschied machen. 

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute! 

Antwort
von zippo1970, 78

Hallo Du! :-)

Ich kann dich nur zu gut verstehen. Ich bin in der gleichen Situation aufgewachsen. Es war die "Hölle".

Es ist schwierig dir einen guten Rat zu geben. auchmama hat hier schon den Besten gegeben. Wende dich mit deiner Mutter, an eine Angehörigengruppe, z.Bsp. al-anon, dort könnt ihr unter Gleichgesinnten, Kraft, Strategie und Mut finden, die Situation zu verbessern.

Ich habe damals sehr viel Halt und Hilfe, in meiner Kirchengemeinde gefunden. Ich denke es ist wichtig, dass man Menschen hat, mit denen man offen darüber reden kann, die einem das Gefühl geben, nicht allein mit dem Problem zu sein, und die einen verstehen.

Wichtig ist auch, dass du dir klar machst, dass du nichts für die Situation deines Vaters kannst. Er ist krank. Und er ist zu schwach, gegen seine Krankheit zu kämpfen. Das hat nichts mit dir oder deiner Mutter zu tun.

Ich bin mit 18 von zu Hause ausgezogen, und wollte alles besser machen als mein Vater. Und ich denke, ich habe das auch, bei meiner Familie geschafft. Aber es war nicht so einfach, diesen Hass, den ich in mir trug, gegen positive Energie zu tauschen.

Dein Schicksal teilen sehr viele Menschen. Du bist nicht allein. Such dir Menschen, die dich verstehen, und dir helfen können.

Alles wird gut!!!

LG :-)

Antwort
von Herpor, 65

Bei mir war das auch so.

Inzwischen bin ich selbst Alkoholiker und seit 29 Jahren trocken.

Du kannst deinem Vater nicht helfen.

Die Angehörigen nennen das Hilfe durch Nicht-Hilfe.

Duz kannst ihm sagen und zeigen (Adressen) dass es AA gibt, und dass er da hin kann, wenn er mit dem Trinken aufhören will.

Wenn er es nicht tut - und das ist wahrscheinlich, da es ihm noch nicht schlecht genug geht und er ja immer Leute, hat, die ihn versorgen, deine Mutter und dich - dann solltet ihr euch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern anschließen.

Da gibt es für dich die Al-ateen und fü´r deine Mutter die Al-anon (beides auch im Netz).

Da erfahrt ihr, dass es sich um eine Krankheit handelt, dass ihr selbst genauso krank seid, natürlich ohne zu trinken, und dass ihr etwas für euch selbst tun könnt.


Alles Gute!


Kommentar von zippo1970 ,

Super das du schon so lange trocken bist.....Respekt!!! :-)

Antwort
von auchmama, 78

Schau Dir bitte mal diese Seite hier an:

http://www.al-anon.de/gruppe-finden

Vielleicht gibt es eine Gruppe in Deiner Nähe und da solltest Du und Deine Familie sich hin wenden!

Ihr müsst begreifen, dass Ihr dem Mann und Vater nicht helfen könnt. Er muss ganz allein zur Einsicht kommen!

Wie das alles für Euch zu bewältigen ist, erfahrt Ihr in dieser Gruppe!

Alles erdenklich Gute wünsche ich Euch allen!

Antwort
von Noeblacklike, 65

Hey :)

Das ist echt eine schwere Situation! Ich kann dein Wunsch er soll sterben gut verstehen... und ich denke es ist auch nicht schlimm dass du so denkst! Das einzige was mir dazu einfällt ist, dass wenn er etwas illegales tut, du ihn anzeigen könntest, denn wenn die Polizei sieht wie das bei euch zuhause zu geht, würden sie ihn bestimmt in ein entzugs Heim stecken... Vieleicht könntest du deinen Bruder um hilfe bitten, da er erwachsen ist hat er mehr Rechte... eine andere möglichkeit wäre, dass du dich in psychologoie über das thema manipulation und gehirnwäsche informierst und versuchst ihn dazu zu bringen aufzuhören oder auszuziehen... ich weiss nicht ob das überhaupt möglich ist, da ich nicht weiss, ob du mit ihm sprechen kannst...

Ich wünsche dir alles gute und viel glück!

Lg Noeblacklike

Antwort
von finalanswer, 67

naja also einen wirklichen rat geben kann ich dir leider nicht...aber das haus könnt ihr behalten wenn sich deine mutter trennt...sogar wenn im ehevertrag etwas anderes steht da das eine besondere situation ist...aber entweder trennt sich deine mutter von ihm oder du musst leider das jugendamt kontaktieren ( ich weiß das es damit nur mehr probleme gibt ) ...ihr könntet vielleicht zur polizei gehen aber wenn er nichts illegales gemacht hat ( euch geschlagen etc. ) können die euch auch nicht helfen...dein vater wird wohl eine psychische betreeung brauchen sowas alleine zu bewältigen stelle ich mir schwierieg wenn nicht sogar unmöglich vor

Antwort
von NorwinSchneider, 37

Mein Vater war sein ganzes Leben ständig angetrunken. Ich denke man kann sie da nicht umstimmen solange sie nicht selber drauf kommen. 

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