Frage von annschee18, 141

Was tun wenn man nach einem schweren Reitunfall angst hat wieder aufs Pferd zu steigen?

Vor ungefähr 2 Wochen bin ich schlimm vom Pferd gefallen. Ich lag mit einem Wirbelbruch zwei Wochen im Krankenhaus. Außerdem hatte ich einen schock und zitterte am ganzem Körper. Ich weiß das ich in 4 Monaten wieder aufs Pferd steigen darf. Dieses Hobby möchte ich auch niemals aufgeben aber ich merke jetzt schon das es mir mulmig wird wenn ich daran denke. Ich habe große Angst wieder aufzusteigen. Ich bin schon oft vom Pferd gestürzt und ich reite auch mindestens schon 10 Jahre ( Es gehört nun mal zum reiten dazu) aber bis jetzt hatte ich noch niemals was ernstes. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht warum ich solche Angst habe. Was soll ich tun und wie soll ich wieder ans Reiten heran gehen?

Antwort
von hupsipu, 141

Taste Dich langsam vor: putzen, führen, longieren, Bodenarbeit. Irgendwann an der Longe oder mit Führperson drauf sitzen (zB mit Voltigurt, die Griffe geben anfangs sehr viel Sicherheit). Such Dir eine Begleitperson der Du vertraust und die nach Möglichkeit bei Deinem Unfall nicht dabei war und sehr viel Ruhe ausstrahlt. Und dann geh jedesmal so weit wie möglich an Deine Angst-Grenze - die kann jedesmal anders sein - so lange bis Du das Gefühl hast, die Situation auszuhalten. Das wird ein langer Weg und Du wirst sicher immer wieder Rückschritte machen, das ist aber ganz normal. Lass Dir Zeit, dann findest Du sicher wieder Sicherheit.

Kommentar von annschee18 ,

Dankeschön so werde ich das auch angehen. Aber man weiß nie wie plötzlich immer sowas kommt das ist einfach meine große Angst. Das Problem an der Sache ist auch das die Ärzte mir immer noch so eine Angst gemacht haben.

Antwort
von maus1414, 106

Am besten ist wenn du es wieder langsam angehst! Nicht gleich aufs Pferd rauf sondern wieder das Vertrauen aufbauen, und zwar solange bis du keine Angst mehr hast, da Pferde diese Angst spüren und sie selbst auch nervös werden. Wenn du soweit bist, trage beim ersten Mal einfach eine schutzweste vlt fühlst du dich dann sicherer. Lg

Kommentar von annschee18 ,

Dankeschön ja daran habe ich noch garnicht gedacht. Habe nur so einen Protektor der voll dünn ist ( Sommer) . Kaufe mir jetzt einen besseren.

Antwort
von MyLittlePrinces, 114

Hallo du,
Ich würde dir raten am Anfang erst wieder dss vertrauen zu dem Pferd aufzubauen. Du kannst es ja mit Spaziergängen oder auch mit Bodenarbeit versuchen. Aber im allgemeinen würde ich 'schnekk' wieder aufs Pferd hoch. Ich selbst traue mich nach meinem Reitunfall Anfang dieses Jahres immernoch nicht wirklich, da ich das aufsteigen etc. Immer raus gezögert habe und mich selbst verrückt gemacht habe.
Viel Glück

Kommentar von annschee18 ,

Danke dir auch

Antwort
von martinax33, 108

am anfang ganz wenig also eher mit dem pferd spazieren gehen und dann immer nur so schritt bis du dich wieder mehr traust..

Ich bin damals auch vom pferd gefallen und trau mich bis heute eigentlich so gut wie gar nicht mehr zu reiten:o ich hoffe bei dir ist das nicht so:)
aufjedenfall viel glück und gute besserung:)

Kommentar von annschee18 ,

dankeschön das werde ich auf jedenfall erstmal tuen. <3:)

Kommentar von martinax33 ,

kein problem:)<3

Antwort
von Viowow, 71

ich bin vor knapp 3 jahren auch ganz übel gestürzt. 2 cm am zaun vorbei mit dem kopf und auf dem rücken geknallt. seitdem knackt mein unterster wirbel und ich kann erst seit einem jahr wieder länger sitzen. ansonsten war bewegen oder stehen angesagt. voll nervig. aufgestiegen bin ich gleich wieder. eine runde im schritt im gelände, meine damalige trainerin neben mir zu fuß. angst hab ich heute noch manchmal, wenn mir ein ähnliches pferd unterkommt. was mir hilft:ganz viel auf verschiedenen pferden/ponys reiten. und immer nur soweit wie du magst, aber auch selber ein ziel setzen und sich überwinden. ich hab mir danach eine rb gesucht und 1 jahr später mein eigenes gekauft...

Kommentar von annschee18 ,

Danke ich finde es schön zu hören das es Leuten genauso ging wie mir und sie es geschafft haben. Aufsteigen ging bei mir leider nicht mehr so bzw.Aufstehen. Danke du machst mir hoffnung :D Schönes bild.

Antwort
von PeterP58, 84

Reite! Ganz normal!

Du kannst natürlich vorher mit einer Psychologin oder so reden, aber die wird dir das selbe sagen.

Es ist deine Leidenschaft. Und ich glaube, wenn das Pferd vor Dir steht, dann weißt Du selber, dass Du es reiten möchtest.

Alles Gute! :*

Antwort
von Tangstedt, 77

Du hattest in mehrerlei Hinsicht Glück:

1. Weil du wieder ganz gesund wirst

2. Weil du nicht von deinem eigenen Pferd gefallen bist.

Mir ist vor ein paar Jahren das gleiche wie dir passiert. Bei mir waren es 3 Rückenwirbel. Ich steckte gute 10 Wochen in einem Stahlkorsett. MEIN Problem: Ich bin von meinem eigenen Pferd gestürzt - im Stehen! O.k. Meine Stute hatte sich beim Stehen erschreckt und ist dann gestiegen - und ich bin wie ein nasser Sack auf den Rücken gefallen...

Mit dem "Gerüst" um mich rum konnte ich nichts, und reiten durfte ich offiziell nach 3 Monaten wieder. Habe ich auch gemacht - mit großer Angst. Ich war noch krank geschrieben und wusste genau: Wenn mein Pferd irgendwie blöde läuft und ich noch einmal runterfalle, breche ich mir wieder was! Wie hätte ich das meinem Arbeitgeber klarmachen sollen?  Aber was hätte ich tun sollen? Monatelang nur longieren? War keine Alternative.

Meine Angst hat sich übrigens wieder gelegt, hat aber ein paar Wochen gedauert. Und heute setze ich mich nicht mehr auf Pferde, von denen ich nicht sicher bin, dass sie "normal" zu reiten sind.

Du hast Glück: Du bist "nur" von einem Schulpferd gefallen. Das musst du nie wieder reiten. Zum einen: Zeit heilt alle Wunden. Deine Angst wird weniger werden, je länger der Unfall her ist.

Fange schon jetzt an, wieder in den Stall zu gehen, mal ein Pferd zu putzen oder beim Reiten zuzusehen. Vielleicht kannst nach den vier Monaten in deiner Reitschule hin und wieder ein Pferd trocken reiten - nur im Schritt, bis du dich mehr traust.

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um deine Angst ganz zu überwinden. Dann wirst du irgendwann wieder natürlich ohne Bedenken mit den Pferden umgehen.

Kommentar von annschee18 ,

Ja ganz schön ähnlich mir sagen auch alle das ich glück hatte weil ich scharf am Rollstuhl vorbei bin aber ich habe das schlimmste rum. Ich trage auch ein Korsett. Kann ich dich fragen was du damit alles machen konntest ? großen respekt an dich ich glaube das es nicht viele Leute wissen was das für eine Überwindung sein kann. Ich glaube gerade bei dir wo du dein eigens Pferd hast. Ich hoffe es wird so wie du es sagst danke :))

Kommentar von Tangstedt ,

Na ja, mein Problem: Ich habe einen eigenen Stall, den ich versorgen musste. Ging natürlich nicht. Ich musste mir viel Hilfe holen. Und ich bin in eine ziemliche Depression verfallen. Habe den ganzen Rest des Jahres zur Genesung gebraucht. Mein Korsett war wirklich aus Stahl. Ich konnte mich nicht bücken, musste immer kerzengerade sitzen. Autofahren ging auch nicht. Fast 10 Wochen lang. Ich habe dann irgendwann so eine Taktik entwickelt, wie ich wenigstens die Stallgasse fegen konnte oder mal Heu verteilen. War unbequem, aber möglich.

Anfangs habe ich das Teil gehasst. Musste es 24 Stunden tragen. Ganz besonders nachts war es hinderlich. Nach 2 Wochen hatte ich mich aber so daran gewöhnt, dass ich mich ganz nackig ohne das Teil fühlte. Ich konnte es anfangs nur stundenweise ablegen, weil meine Rückenmuskeln weg waren. Bekam dann ein anderes zum Zukletten. Damit bin ich dann geritten.

Bei so einem schweren Unfall lernt man übrigens seine wahren Freunde kennen... anfangs hatten mich alle bedauert, mir Hilfe auch beim Reiten meines Pferdes zugesichtert. Inklusive meiner Reitlehrerin. Geritten hat sie es in den drei Monaten genau 2 Mal. Den Rest der Zeit stand das Pferd auf der Weide (es war zum Glück Sommer). Ich habe mich von der RL dann übrigens getrennt...

Es mag sein, dass ein Rest Skepsis durch den Unfall über geblieben ist. Ich bin heute beim Reiten nicht mehr so waghalsig, weil ich weiß, dass ich mir beim Fallen etwas tun kann. Das hatte ich vorher nicht. Allerdings dürfte ich viele Jahre älter sein als du :-)

Antwort
von Farmer00, 103

Du als Reiterin weißt sicher, dass man Vertrauen zu einem Pferd aufbauen muss. Wenn du dieses Vertrauen nicht spürst, wirst du es niemals zurück auf das Pferd schaffen. Im Leben kann man leider nicht immer alles vorhersehen, aber ein gut ausgebildetes, ruhiges Pferd schmeißt dich nicht einfach so vom Sattel. Es muss einen Grund haben und wenn du versuchst, diesen Störfaktor zu beseitigen, läuft alles so wie es laufen soll. Aber jeder Sport bürgt eben Risiken. 

Kommentar von annschee18 ,

Das ist das Problem an der Sache:) Es ist nicht mein eigenes sondern vom Reitunterricht. Ich wüsste nicht wie man da immer so großes vertrauen aufbauen soll. :(

Kommentar von Farmer00 ,

Wenn du bei jemandem im Auto sitzt, dann vertraust du dieser Person insgeheim auch dein Leben an. Das ist aber mehr ein passives Vertrauen. Wenn du ein Pferd reitest, musst du die Risiken beachten, aber niemals vergessen, warum du reitest. Reiten ist deine Passion und die Angst musst du überwinden. Hat denn dieses Schulpferd, welches du reitest, dich abgeworfen?

Kommentar von annschee18 ,

Das ist eigentlich voll der schöne vergleich, sowas macht mir hoffnung :). Ja hat es. Es ist im Renngalopp auf die Bande zugerannt und ganz schnell stehen geblieben. Sowas habe ich schon 100 mal erlebt auch wenn ein Pferd mal Angst hatte oder so. Aber ich konnte nichts mehr machen und lag auf dem Boden.

Kommentar von Farmer00 ,

Wenn du tatsächlich davon überzeugt bist, dass das Pferd das mit Absicht getan hat, dann würde ich es natürlich nicht mehr reiten. Ein Pferd aufs Genaueste verstehen tut niemand; deshalb wird dir auch keiner sagen können, ob du dich irrst. Ich will dir aber fürs Erste den Tipp geben, dieses Schulpferd erstmal nicht mehr zu reiten. Dann kurierst du dich aus und wagst dich wieder in einen Reitstall. Übernimm erst einmal wieder Aufgaben in der Pflege der Pferde. Somit lernst du die einzelnen Pferde auch genauer kennen und baust Vertrauen auf. Dann wagst du dich wieder an Reitpferde heran, denen du vertraust. Dass diese Pferde dich nicht auch wieder abwerfen, kann dir keiner garantieren, denn erschrecken tun sich Pferde oft. Es geht zu aller erst nicht darum, dass du davon überzeugt bist, dass das Pferd dich nicht wieder abwirft. Es geht darum, dass du selbst das Vertrauen und den Mut aufbaust, wieder ein Pferd zu reiten. Das Pferd muss dabei die zweite Rolle spielen, denn du kannst ein einziges Pferd nicht dein ganzes Leben reiten. Aber lass dir niemals den Mut und den Spaß am Reiten nehmen. Dafür ist das Leben zu kostbar. 

Kommentar von hupsipu ,

Ich finde das auch nicht so richtig zutreffend. Auch das ruhigste Pferd erschrickt mal, und alle "Störfaktoren" auszuschalten ist schlicht nicht möglich...

Kommentar von Farmer00 ,

Das stimmt. Die Risiken hat man doch aber grundsätzlich immer im Leben. 

Kommentar von annschee18 ,

Hätte es sich erschreckt wäre es glaube ich auch nicht so schlimm gewesen aber es hat es einfach aus Boshaftigkeit getan. Ich konnte in dem Moment einfach nicht schalten. Ärger mich bis heute.

Kommentar von Viowow ,

ein pferd macht nichts aus boshaftigkeit!

Antwort
von Michel2015, 56

Die beste Therapie ist immer die, da weiter zu machen wo man aufgehört hat mit der Erkenntnis was vor einem Unfall eigentlich falsch gelaufen ist. Du kannst Dich da natürlich hineinsteigern und die Angst manifestieren, in Deiner Frage entnehme ich schon leichte Tendenzen. Hüte Dich davor dem Pferd dabei die Schuld zu geben oder irgendwelchem nicht vorhandenen Equipment. Ein „Was hätte noch alles passieren können?“, bringt auch gar nix, andere sterben weil sie vom Stuhl fallen. Was immer hilft, ist eine starke Person die einen anfänglich begleitet, suche Dir einen männlichen Trainer. Das hat nichts Diskriminierendes, es ist ein Phänomen welches ich immer wieder beobachte und sehr gut funktioniert, denn das fehlende eigene Vertrauen holt man sich gerne bei scheinbar stärkeren Personen ab, es ist die sog. „Starke Schulter“, jeder benötigt sie ab und zu und das ist auch schon das einzige Fremdmittel Ängste abzubauen, der Rest kommt von Dir.

Kommentar von annschee18 ,

Ich habe schon einen Männlichen Trainer. Du hast recht das man sich überall verletzen kann. Aber Versuchen muss bzw. werde ich es sowieso. Dankeschön.

Antwort
von pipepipepip, 54

,,Ein Pferd handelt nie aus Boshaftigkeit oder weil es dem Reiter schaden will. Soweit kann das Tier nicht denken." Dieses Zitat aus einem Buch hat mir damals das Vertrauen wieder gegeben. Es sind Tiere. Und Pferde sind Fluchttiere. Ein Reitunfall kann immer passieren deshalb achte ich immer auf die Sicherheit wo es nur geht. Helm, Protektor, Sicherheitssteigbügel. Seitdem habe ich mich nie wieder verletzt :)

Kommentar von annschee18 ,

Ja das sagst du so leicht ich hatte auch einen Protektor an und trotzdem sind Wirbel durch. Aber der erste Satz ist schön und ich hoffe du hast damit recht. Ich denke mir nur immer wieder das jedes Pferd anders ist genau wie wir menschen manche sind gut und manche schlechter wegen dummen erfahrungen oder so.. :)

Kommentar von pipepipepip ,

Ganz genau ;)

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