Frage von Balu100, 123

Was tun, wenn man den Selbstfindungsprozess abgeschlossen und sich etwas sehr destruktives und zerstörerisches herauskristallisiert hat ?

Die Lebensbestimmung muss nicht bei jedem Menschen zwangsläufig immer positiv sein, oder ?

Antwort
von NewKemroy, 13

Du könntest selber noch ein bisschen besser nachschauen (Meditation). Denn das SELBST ist nicht auffindbar für Dich.

Wenn Du Dich fragst: Bin ich mein Auto, mein Haus, mein Boot? Dann ist die Antwort klar. Nein. Fragst Du weiter: Bin ich meine Gedanken, Gefühle, Emotionen, Wahrnehmung oder Körperlichkeit? Na, das ist schon schwieriger. Aber auch hier haben viele herausgefunden: Nein.

Alles was Du finden kannst isses nicht. Da kannst Du alles ausprobieren: Dies isses nicht. Das isses nicht. Isses nicht, isses nicht, isses nicht.

Das da etwas Übles, Destruktives in uns ist, darüber sind sich die meisten einig. Aber das sind nicht wir (im höchsten Sinne). Nenne es Ego wenn Du willst. Ein Konglomerat aus Gedanken, Gefühle, Emotionen, Wahrnehmung oder Körperwahrnehmung, das in unserem Datenspeicher (Gedächtnis) existiert und fälschlicher Weise zum Leben erweckt wurde, indem wir die Gegenwart etwas (in unseren Datenspeicher hinein (Vergangenheit)) ausgedehnt haben (meine Interpretation).

Hierdurch kam es zu falschen Rechenoperationen, falschen Erfahrungen der Wirklichkeit, die dann zu falschen Konditionierungen führten. Und die sind das Hauptübel. Im Buddhismus spricht man dabei von Kilesa, im Christentum heißen sie Erbsünde. Und es ist fast unmöglich das wieder gerade zu rücken. Meditation scheint da ein wenig zu helfen, aber die absolute "Heilung" is schwierig.

Aber ich schlage vor Du beginnst mal damit die Möglichkeit ins Auge zu fassen, dass das nicht Du bist, das Übel. Hör einfach auf dich damit zu identifizieren.


Antwort
von Tasha, 76

Dann stimmt etwas nicht. Dann gibt es mMn ein zugrunde liegendes Problem, das diese Haltung hervorbringt. Ich denke auch nicht, dass der Sinn eines Lebens darin bestehen kann, anderen oder gar sich selbst Schaden zuzufügen. Das ist dann kein Lebenssinn, sondern eine momentane Angewohnheit, um ein Problem zu lösen, das man anderweitig nicht lösen kann (Frust, Überforderung, mangelndes Selbstwertgefühl, Verarbeitung von Misshandlungen etc.).

Jeder hat doch auch etwas, das er gut kann, gut findet, das ihm Kraft gibt, das ihn begeistert. Danach sollte man Ausschau halten. Es muss nichts Großes, Hervorstechendes sein. Man muss kein Mathegenie sein, nichts erfinden, in nichts besser sein als die Profis. Aber man kann etwas finden, in dem man so gut ist, dass man Stolz empfindet und Spaß an der Sache hat, OHNE dass man dabei anderen schadet.

Oder man versucht, seine destruktiven Impulse so umzusetzen, dass man dadurch etwas bewirken kann, ohne anderen Schaden zuzufügen. Einige kann man in bestimmten Berufen umsetzen, wo man Kraft braucht oder Sachen kaputt machen muss (z.B. bei Räumungen von Häusern Verstorbener etc.). Oder man prüft mal, was das zentrale Element ist, das man nutzen könnte, ohne Schaden anzurichten. Z.B. wenn man andere gut verbal fertig machen kann und Spaß dabei hat, kann man stattdessen auch gute Reden schreiben oder statt andere fertig zu machen ein Buch schreiben mit einer Figur, die das macht.

Kommentar von Balu100 ,

Wie kann man sich nur derart anmaßen und respektlos dem Leben und der Schöpfung gegenüberstehen. Als ob du wüsstest, was für ein universeller Plan hinter all dem hier steckt. 

Kommentar von Tasha ,

Höh?!

Wer hat denn etwas von einem Plan geschrieben?

Es geht nicht um einen "universellen Plan", es geht darum, dass der Mensch Freude an dem findet, was er gut kann und dass man das immer auch in andere Bereichen einsetzen kann. Man ist z.B. nicht nur gut im Sport, man ist gut darin, präzise Bewegungen zu lernen. Das kann man auch in anderen Bereichen einsetzen. Wenn man nun das Gefühl hat, dass man nur gut darin ist, anderen Schlechtes zuzufügen, müsste man mal analysieren, was dahinter steht, welches Talent man da einsetzt und überlegen, ob man es auch anderweitig einsetzen kann. Normalerweise bekommt man dann mehr positives Feedback, hat also noch mehr Spaß an der Sache.

Die Ausgangsfrage habe ich so verstanden, dass man unglücklich mit dieser Lage ist, also sich nicht wünscht, als einziges Talent die Zerstörung anderer und die Selbstzerstörung zu haben. Selbstzerstörung als Lebenssinn ist ja schon mal in sich widersprüchlich, denn dann wäre es der Sinn, das Leben so unangenehm und kurz wie möglich zu halten, als wäre das Leben verfehlt und wenn es einen universellen Plan gäbe, hätte die dahinterstehende Macht sich vertan, etwas geschaffen, das sich selbst zerstört, also Energie verschwendet. So etwas wäre aber sicher in einem universellen Plan auch nicht vorgesehen. Also wäre dann ein Fehler im System. Wenn das der Fall ist, könnte man noch von einem universellen Plan sprechen?

Dagegen spricht übrigens mMn die Chaostheorie: Jede kleinste Änderung/ jeder kleinste Faktor kann das Ergebnis massiv verändern. Wie kann es einen universellen Plan geben, wenn jede kleinste Entscheidung im Leben dessen Endergebnis abändern könnte? Man könnte nur daran glauben, wenn man nicht an die Entscheidungsfreiheit glaubt. Wenn das aber der Fall ist, müsste man solche Fragen gar nicht stellen, weil die eigene Meinung, Bewertung und Entscheidungen sowieso egal wären, wenn alles vorherbestimmt ist und man dem hilflos ausgeliefert wäre.

Kommentar von Balu100 ,

Wenn man sich etwas nicht erklären kann, werden die wildesten Theorien hervorgegraben. Typisch,.... :D

Antwort
von purushajan, 9

der weg der selbstfindung ist die rückkehr ins paradies, in anderer therminologie die erfahrung der transzendenz oder in physikalischen begriffen des "einheitlichen feldes der naturgesetze". wenn du diesen weg bis zum ende zurücklegst, merkst du, dass deine vorstellung, zu etwas negativem bestimmt zu sein, eine illusion war, eine täuschung der sinne und des verstandes, ein fehler des intellekts. du hast dich mit etwas identifiziert, was du in wirklichkeit gar nicht bist.

aber auf dem weg zum paradies kommst du nach meiner erfahrung am garten der lüste vorbei. dort locken dich all deine schattenseiten und kitzeln aus dir deine negativen wünsche, sehnsüchte, emotionen heraus, bis du selber entsetzt bist, was da alles an perversionen und schädlichen tendenzen in deiner eigenen seele schlummert.

an dieser stelle auf dem weg zur selbstfindung ist deine wachsamkeit gefordert. du kannst glauben, hier sei der weg zu ende, und dich deinen negativen tendenzen hingeben, weil du glaubst: so bin ich eben, und das muss ich akzeptieren. wir kennen genügend beispiele von personen aus geschichte und gegenwart, die den weg bis dahin gegangen und sich dort ausgelebt haben.

aber das sind nicht unbedingt die intelligentesten menschen gewesen. denn früher oder später fällt jeder schaden, den du anderen zufügst, auf dich zurück. jeden schmerz, jedes leid wirst du irgendwann einmal selber erfahren, und dann bereust du, dass du deiner unreifen lust aus freude am destruktiven nachgegangen bist. denn du bist ja destruktiv gewesen, weil es dir selber freude bereitet hat, und jetzt merkst du, dass du dir damit genau das gegentel eingehandelt hast.

denn das ziel der selbstfindung ist die erkenntnis der völligen einheit mit dem gesamten kosmos. dein kleines individuum ist ein teil vom großen ganzen, mit dem es wieder verschmelzen und einswerden kann. dann merkst du, dass es gar nichts anderes als dich selber gibt. jeden schaden, den du glaubst, einem anderen zuzufügen, fügst du in wirklichkeit dir selber zu.

also sei nicht dumm und gehe deinen weg weiter bis zum unbitteren ende. lass dich nicht auf halbem wege aufhalten, dein wahres selbst zu finden. denn das besteht laut der uralten vedischen tradition aus ANANDA, aus reiner wonne, reinem glücksgefühl.


Antwort
von Herb3472, 62

Ich denke nicht, dass der Mensch - sofern psychisch einigermaßen gesund - seinen negativen Gefühlen und seinen destruktiven Gedanken und Neigungen hilflos ausgeliefert ist. Schließlich haben wir ja auch noch unseren Verstand und unsere Vernunft, die wir gebrauchen und für positive Ziele einsetzen können.

Kommentar von Balu100 ,

Es geht dabei nicht um Vernunft. 

Kommentar von Herb3472 ,

Selbstverständlich geht es um die Vernunft. Wenn die Selbstfinder statt ihrer Selbstfindungsbemühungen ihre Vernunft einschalten und sich sagen würden: "Schluss damit, jetzt höre ich auf zu grübeln und ständig hinter mir her zu rennen und alles zu hinterfragen!", würden sie wahrscheinlich ein glücklicheres Leben führen.

Kommentar von Fantho ,

Die Vernunft wird Dich aber nicht über Dein Ich lehren...

Die Vernunft wird Dir nicht Empfindungen wie Empathie, Freundschaft, Liebe vermitteln...

Die Vernunft allein wird aus einem keine Persönlichkeit machen...

Dies zu erfahren und zu erkennen, dafür kann einem die Vernunft allein nicht weiterhelfen...

Gruß Fantho

Kommentar von Herb3472 ,

So war das ja auch nicht gemeint. Sondern eher in dem Sinn, wie Jesus zu dem Lahmen gesagt hat: "Steh auf und geh!"

Mit Grübeln wirst Du Deine Persönlichkeit nicht entwickeln und entfalten können. Deine Chance liegt im Tun, und nicht in der Selbstfindung! Freilich, wenn Du herausgefunden hättest, dass Du von irgendwelchen Zwängen in eine Richtung gedrängt wirst, die Dir und/oder anderen schadet, dann wäre das gelinde gesagt Sch....

Kommentar von NewKemroy ,

Aber wenn ich z.B. der weltbeste Bankräuber wäre, so kann mein Verstand und meine Vernunft nicht viel daran ändern, oder? Zugegeben ich könnte die Entfaltung meiner Talente unterdrücken, aber dass sie sich immer wieder mal spontan melden "hallo hier bin ich - yes we can - ähhh could" dagegen lässt sich wohl nicht viel ausrichten.

Antwort
von nowka20, 3

dann war der prozeß höchst einseitig

Antwort
von triunitas3in1, 8

Der Selbstfindungsprozess ist niemlas abgeschlossen... auch (und gerade) nach einem sog. Einheitserlebnis ist das Leben (und dessen Herausforderungen) dazu da, sich in ALLEM Selbst zu finden bzw. zu erkennen, immer wieder und in jedem Moment...

Antwort
von Kiboman, 60

stimmt, was ist denn deiner meinung nach sehr destruktiv.

aber da für uns menschen der soziale umgang lebenswichtig ist, passen wir uns zwangläufig an.

ohne sozialen umgang

andere nennen es liebe und zuneigung, freunde was auch immer,

leiden psychisch und gehen daran kaputt.

Antwort
von Fantho, 43

Dann wirst Du eben ein negatives Leben führen,. indem Du Dich und / oder anderen schadest...

Und nu? Worauf willst Du jetzt hinaus?

Die Konsequenzen daraus ziehst ja Du...

früher, oder später...

Oder Du startest einen neuen Selbstfindungsprozess, nachdem Du festgestellt hast, dass das Ergebnis des ersten Selbstfindungsprozesses nicht das gewünschte war (was bereits wiederum ein Teil des Selbstfindungsprozesses ist, das Erkennen)...

Gruß Fantho

Kommentar von Balu100 ,

Das Leben ist kein Wunschkonzert, ich füge mich demütig meinem Schicksal. Der Prozess kann sich noch weiter ausdehnen, neue Erkenntnisse gewonnen aber die grundlegende Lebensbestimmung kann nicht verändert werden :) 

Kommentar von Herb3472 ,

Das Leben ist kein Wunschkonzert,ich füge mich demütig meinem Schicksal..

Dass das Leben kein Wunschkonzert ist, ist klar. Aber man kann sich darum bemühen, sein Leben positiv zu gestalten. Nichts muss, aber Vieles kann sein.

Es gibt kein Schicksal. Sich demütig einem Schicksal zu ergeben, das es gar nicht gibt, ist Schmonzes.

Nicht die Dinge an sich sind es, die uns beschäftigen, vielmehr ist es unsere eigene Sicht der Dinge. Wenn Du das Leben nicht durch die schwarzgraue Brille betrachten würdest, würde Vieles wohl anders aussehen und verlaufen, auch für Dich.

Kommentar von Fantho ,

Es gibt kein Schicksal in dem Punkt, wie Du Dein Leben führen wirst.

Es gibt ein Schicksal zB in dem Punkt, wann und auf welche Weise Du sterben wirst, aber - ich wiederhole mich - nicht auf die Art und Weise der Lebensgestaltung. Über die bestimmst Du ganz allein...

Du allein bestimmst, ob Du die Gestaltung übernehmen, oder (durch andere, nicht durch das Schicksal) übernehmen lassen wirst...

Du sprichst vermutlich auf den freien Willen an, welcher anscheinend nicht in Deiner (Lebens)Philosophie integriert zu sein scheint, da Du, wenn ich Dich richtig verstanden habe, an ein vorgegebenes Schicksal glaubst. Oder irre ich mich hier?

Gruß Fantho

Antwort
von gottesanbeterin, 2

Wenn sich etwas sehr Destruktives und Zerstörerisches "herauskristallisiert" hat, dann hat man etwas anderes gefunden, nicht das Selbst.

Das Selbst zerstört sich doch nicht selbst!

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