Frage von wissbegierig0, 80

Was tun, wenn Kinder nicht auf mich hören (als Praktikantin)?

Ich bin Praktikantin in einer Lebenshilfe. Dort bin ich im Kindergarten. heute fing ein Kind so laut das heulen an, dass ich ihn nicht beruhigen konnte. ich bin bei sowas einfach ratlos. ich musste aber mit ihm alleine zur Betreuerin in den Keller die dort mit den anderen Kindern aufräumte. auf dem Weg mussten wir aber leise sein und das schaffte er nicht. auf dem Gang saßen noch andere Erzieher aus anderen Gruppen und saßen nur da. Ich war so überfordert, das Kind schrie und weinte immer lauter - unerträglich! Ich konnte das Kind nicht beruhigen, einer der anderen Betreuer kam zu uns und redete energischer auf ihn ein und er war still ...

wie kann ich sowas vermeiden bzw. schneller und selbst lösen?

oder auch heute: ich sollte mit einem Kind ein Blatt ausmalen, das Kind hatte aber absolut keine Lust und rannte immer wieder weg und sonst ging es auch nur schleppend schon allein bis es am Tisch saß. dabei musste mir die Erzieherin helfen...

das ist nicht nur peinlich, aber ich habe Angst das Kind beim Packen zu verletzen und die packt es am Arm und zieht es mit sich ...

Antwort
von Keksstulle, 30

So hart das jetzt für dich klingen mag:

Sollte das Schlimmste in dieser Situation für dich gewesen sein, dass dich jeder anschaut und du dich beobachtest fühlst, dann belasse das Ganze bei einem Praktikum.
Der Umgang mit behinderten Kindern (meistens sind es in der Lebenshilfe ja
Downies) ist nicht so einfach wie mit gesunden Kindern.
Des weiteren halte ich es höchst verwerflich zu einem solchen Kind zu sagen: "So (Name), komm, wir machen jetzt das, aus dem und dem Grund."
und noch viel schlimmer finde ich: " ich zeige dem kleinen mal wo es lang geht"

Eine psychische Disposition bei behinderten Kindern (in diesem Fall mal von
Downies gesprochen) herbeizuführen ist für dich als Erzieherin schier
unmöglich.
Ich habe Kinder mit Down-Syndrom erlebt die gegen
"gesunde" Kinder im Lesewettbewerb in der gleichen Jahrgangsstufe
gewonnen haben und gleichzeitig befanden sich in dieser Außenklasse
andere Downies die ich bis heute nicht verstehen kann und eines der
anderen Kinder "übersetzen" muss, weil die Artikulation einfach nicht
gegeben ist.
Das gesamte Konstrukt der intentionalen Erziehung
erfolgt durch die Eltern und dies meist so ungenügend, dass der Großteil
wie oben geschilderter Fall ist.
Die Möglichkeiten einer Erziehung durch Erzieher von diesen Kindern beschränkt sich m.M.n. nur auf eine funktionale Erziehung.

Ein solches Kind zu PACKEN ist der größte Fehler den du machen kannst.
Ich gehe jetzt wieder einmal von einem Downie aus, da du die Behinderung des Kindes nicht angesprochen hast.
Diese Kinder werden nicht umsonst "Sonnenkinder" genannt.
Sie strahlen, sind immer gut drauf, wenn auch sehr naiv dabei.
Nichts desto trotz kann dieser Zustand sehr sehr schnell umschlagen.
Das macht es dann nicht besser wenn du das Kind "zerrst oder packst".
Die Eltern möchtest du nicht vor dir haben wenn du das getan hast und das Kind das unter Tränen zuhause erzählst.
Denn merk dir eins: Diese Kinder vergessen so etwas NIE!

Nächster Punkt: Nur weil eine etwas schroffe Methode eines anderen Erziehers bei seinen Kindern erstmal bzw. augenscheinlich klappt, brauchst du nicht glauben dass diese Situationen nicht auch in deren Klassen vorkommen.

Ich bitte dich im Wohle der Kinder deinen Standpunkt, deine neu gemachten
Erfahrungen und deine Zukunftsplanung noch einmal genau zu überdenken,
denn so wie du es dargestellt hast, wäre vielleicht ein Beruf, evtl. auch Erzieherin im Zusammenhang mit gesunden Kindern für dich besser geeignet.

Kommentar von wissbegierig0 ,

Du hast da glaube ich etwas völlig falsch verstanden. 

anfangs war ich - verständlicherweise - unerfahren, also beobachtete ich die Erzieher. beim essen nachmittags fand ich deren Methoden ziemlich überzogen, aber von mir wird erwartet es denen gleich zu machen. ich versuche erst einmal auf das Kind einzureden aber das hört nicht, trotzdem soll es mit mir diese Übung machen. meine Meinung: wenn es keine Lust hat, hat es keine Lust. das sieht die Erzieherin aber ganz anders. sie zerrt das Kind (völlig übertrieben in meinen Augen) an den Tisch und setzt es auf den Stuhl. dieses downie-kind hat zur Zeit eben eine "null-bock"-Phase da kann auch Zwingen nichts ändern

Kommentar von wissbegierig0 ,

sowas wie "ich zeige dem kleinen wo es lang geht" habe ich doch gar nicht erwähnt? 

ich habe dem Kindern doch nichts getan? ehrlich gesagt verstehe ich den Zusammenhang deines letzten Absatzes mit mir nicht.

ich bin wirklich die letzte, die Kindern etwas schlechtes will! nur orientiere ich mich am verhalten der anderen Erzieher. (an was auch sonst?) und manche derer Verhaltensweisen finde ich Wie gesagt über erzogen. von mir wird dort aber erwartet ebenso zu handeln,  da die Kinder Disziplin lernen sollen. ... auch wenn es mir äußerst unangenehm ist so zu handeln

Antwort
von heckmeck244, 30

Der Schlüsselpunkt ist dich nicht verunsichern zu lassen. Denke in dir drin einfach, Hey, ich habe hier die Lebenserfahrung und zeige dem Kleinen mal, was er jetzt machen sollte. 

Du solltest nicht in Panik verfallen. Selbst wenn ein Kind laut und heftig weint, dann darf es das auch. Es muss nicht sofort aufhören und auf deine Worte reagieren. Du darfst also also nicht unter Stress oder Zeitdruck stehen. Lass dem Kind einfach seine Zeit. 

Kinder lassen sich extrem leicht ablenken, du kannst z.B. einfach sagen: "Oh, nanu was ist denn das…? (Zeig dann wirklich auf etwas interessantes). Eine andere Möglichkeit ist sich zu dem Kind hinzuknien (wg Augenhöhe) und zu sagen: "(Name), hör mir mal zu. Ich erzähle dir jetzt mal eine Geschichte von mir, da hab ich so etwas ähnliches erlebt wie du jetzt…." Meistens sind die Kleinen davon ziemlich fasziniert. Die Geschichte sollte natürlich super gut ausgehen..

Eine weitere Methode ist nach einer gewissen Zeit einfach zu entscheiden, dass es jetzt Zeit für etwas anderes ist. Einfach keinen Platz für Diskussionen lassen und freundlich aber bestimmt sagen: "So (Name), komm, wir machen jetzt das, aus dem und dem Grund."

Viel Erfolg!:)

Kommentar von wissbegierig0 ,

wenn man mitten auf dem Gang vor lauter Erziehern steht und eigentlich weiter gehen muss aber nicht weiter kann, weil das Kind zu laut ist, steht man unter Druck und dass eine der Erzieher sogar zu ihren Kindern sagt, dass sie jetzt ins Zimmer kommen sollen, weil das ("mein") Kind so laut ist ist auch nicht wirklich ruhefördernd, weil einen jeder anschaut und ich mich beobachtet fühle und die darauf lauernd, dass ich etwas falsch mache oder nicht schaffe ...

Antwort
von FlyingCarpet, 40

Du hast ja gemerkt wie der andere Betreuer reagiert hat. Das machst Du dann beim nächsten Mal auch so.

Kommentar von wissbegierig0 ,

im Grunde taten sie das selbe wie ich, nur hören die Kinder nicht auf mich

Kommentar von FlyingCarpet ,

Die Kinder sind sehr pfiffig, das probieren sie bei jeder neuen Betreuungsperson erstmal gnadenlos aus. Schau viel von den anderen Betreuern ab und handel sehr, sehr konsequent. 

Kommentar von wissbegierig0 ,

nur dann habe ich wieder Angst, zu hart zu sein oder einen erzieherischen Fehler mache oder den Kindern beim "An den Tisch zerren" weh tue ...

Kommentar von FlyingCarpet ,

Mit der Zeit wirst Du prima damit umgehen können, das brauch halt ein wenig. 

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