Frage von BabyBaylee, 48

Was tun gegen Ungehorsam (Kind, 2 Jahre)?

Hallo zusammen. Gestern wäre beinahe eine Katastrophe passiert: unser Sohn sollte ins Auto einsteigen, ich hielt im die Tür auf und er rennt plötzlich auf die Straße wo sich ein Auto näherte. Er ist so schnell, da fällt es schwer blitzschnell zu reagieren. Jedenfalls bin ich selbstverständlich hinterher und das heranfahrende Auto hat zum Glück rechtzeitig bremsen können (dennoch nur eine Wagenlänge entfernt...) Ich sammelte den Knirps ein und war erstmal völlig von den Socken.

Er hat im Moment so eine Phase, da wird jedes Wort von Mama und Papa ignoriert, ob er jetzt stehen bleiben, sich hinsetzen, herkommen oder aufräumen soll... Was kann ich bzw können wir dagegen tun? Wir sind am verzweifeln, denn so einen Herzaussetzer wie gestern hat mir gereicht.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rockige, 39

Erst mal: beruhige dich, es wird im Leben noch der eine oder andere Schreckmoment geschehen. Wenn der Knirps das erste mal der Länge nach hinfällt im vollen Lauf, wenn er vom Fahrrad fällt, wenn er im Schwimmbad kurz vergisst die Schwimmbewegungen zu machen, wenn er zum ersten Mal alleine zu einer Spielverabredung eingeladen ist (ohne dich), wenn er zum ersten Mal als Teenager auf einer Party eingeladen wird und bei dir abends das Telefon klingelt... und so weiter.

Was du nun tun kannst? Lerne aus dieser Erfahrung. In dem Alter ist unser Nachwuchs nicht alleine eingestiegen oder ausgestiegen sondern bekam dabei Assistenz von uns. Wir Eltern sind immer so weit verantwortlich für die Absicherung wie unsere Kinder noch nicht in der Lage sind sich selbst und andere bzw. Gefahren auch nur ansatzweise einschätzen zu können.

Damit meine ich nicht "in Watte packen". Damit meine ich nur das man an solchen (und weniger gefährlichen) Situationen wächst. Man kennt das eigene Kind noch am besten und weiß wie es aktuell so drauf ist - darauf kann man lernen sich einzustellen und entsprechend zu reagieren.

Euer Kind ist noch so klein, es hat weder die Gefahr gesehen noch absichtlich gehandelt. Es weiß garnicht einzuschätzen was los war, hat nur eure anschließende Reaktion erlebt (und kann es wahrscheinlich nicht mal einordnen). Wie auch, es ist grade mal 2 Jahre alt. Ausschimpfen bringt nix (das Kind kann in dem Alter das alles noch nicht miteinander verknüpfen - erst Recht nich nach einer sooooo langen Zeit).

Antwort
von hertajess, 42

Wie wäre es wenn Du erst mal danach fragst WARUM sich Dein Kind so verhält? Das wäre ja immerhin auch eine Möglichkeit. Danach aber fragst Du nicht. Du willst nur wissen was Du DAGEGEN tun kannst. Wogegen denn eigentlich wenn Du die Ursache nicht mal kennst?

Ihr habt ein Auto? Die Bremsen versagen. Dann geht Ihr also in die Werkstatt und verlangt dass dagegen Irgendwas unternommen wird. Nach der Ursache fragt Ihr nicht. Was wenn sich die Ursache damit nicht beheben lässt weil es beim Auto womöglich ein Marder ist? 

Bei Deinem Kind ist gerade eine wesentliche Entwicklungsphase seines ganzes Seins im Gange. Genau genommen ist er dabei sein eigenes Ich zu entwickeln. Er steckt also ständig in massiven und existentiellen Konflikten. Die hat er sich nicht ausgesucht. Sie gehören schlicht zur Entwicklung jeden Säugetieres, also auch bei uns Menschen. 

Es macht in der nächsten Zeit keinen Sinn das Kind auch nur einen Moment von der Hand zu lassen so lange Gefahr besteht. Natürlich wird sich der Knirps nicht gefallen lassen ständig an der Hand gegängelt zu werden. Es geht aber auch einfach die Hand am Rücken - bestenfalls - so nah an seinem Anorak oder Was auch immer er an hat zu haben dass sofort zugegriffen werden kann wenn im Rahmen der Umbaumaßnahmen er seine Energie sinnfrei und für sich schädigend austoben MUSS. 

Die Zeit wo das Kind brav wie ein Hund folgte geht jetzt so langsam vorbei. Es beginnt die Zeit der Ich-Findung. Du magst davon überzeugt sein dass die Zahnbürste in sein Glas gehört. Ihm mag es besser gefallen sie auf dem Waschbeckenrand zu legen. So sind die Menschen verschieden. An solchen Fragen gehen viele Ehen kaputt. Und manche Kinderseele wird damit zerbrochen bevor sie sich auch nur ansatzweise entwickelt haben kann. Die wirklich schwerwiegenden Folgen bekommen die Eltern dann so ab der Pubertät des Kindes zu spüren. Dabei geben die Eltern nur weiter Was ihnen selbst vermittelt wurde. Es geht also nicht um Vorwürfe sondern um die Einladung die menschliche Entwicklung und damit das eigene Kind verstehen zu lernen. 

Es gibt auf youtube einige gute Kanäle welche von Fachmenschen für stressfreie Erziehung der Eltern erstellt wurden. Da gibt es manchen Vorschlag mit allerlei Alltagssituationen so umzugehen dass alle zufrieden miteinander leben können. Weiter gibt es an zunehmend mehr Volkshochschulen Kurse für Eltern wo ebenfalls erlernt werden kann auf die speziellen Anforderungen welche diese Heranreifung zahlreicher neuronaler Zellen und damit der Wahrnehmung an die Umwelt stellt. Hier können auch andere Eltern kennen gelernt werden. So lässt sich gemeinsames Spiel verabreden. Kinder erziehen sich gegenseitig durchaus eine ganze Menge, vor allen Dingen für die Kinder auch stressfreier auch wenn es hier und da zu Handgreiflichkeiten kommen mag. Für meine Generation waren diese noch normal. Denn sie sind oft genug ganz natürlich. Das eigene Ich will seine eigenen Grenzen erforschen, kennen lernen. Auf Augenhöhe ist das leichter. 

Weiter gibt es sowohl in öffentlichen Bibliotheken als auch in Büchereien manches gute Buch welches von Fachmenschen für Eltern geschrieben wurde. 

Die Phase wird vorbei gehen. Aber nicht dann wenn wir Menschen es wollen sondern wenn die Natur mit diesem Entwicklungsschritt fertig ist. 

Hilfreich ist dem Kind in dieser Phase die Möglichkeit zu geben seine Sinne in Ruhe zu entdecken. Dazu kommt es in einen Raum auf eine Decke auf den Boden. Ihm werden verschiedene Gegenstände zur Verfügung gestellt die weder verletzen noch verschluckt werden können. Im Zimmer sollten sich keine zerstörbaren Gegenstände befinden. Das Kind wird die Gegenstände nicht nur erforschen sondern auch seinen Tastsinn, seinen Geruchssinn, seinen Gehörsinn und so fort ausprobieren. Und es kann anfangen seine eigene Fantasie zu entwickeln. 

Bezüglich Kleidung macht es jetzt Sinn Alternativen anzubieten. Also anstatt darauf zu bestehen dass unbedingt dieses Unterhemd angezogen wird vielleicht einfach ein T-Shirt zur Wahl anbieten. 

Es ist eine sehr prägende Entwicklungsphase die sich auf das ganze spätere Leben auswirkt. Es macht also Sinn sich ihr mit einiger Mühe zu widmen. 

Und ja: Ich finde es furchtbar dass wir anstatt ständig mit Börsenmüll überhäuft zu werden nicht solche Themen in den Medien haben. Denn auf diese Weise lassen wir als Gesellschaft die Eltern im Stich. 

Antwort
von Still, 45

Lass ihn in kontrollierbaren Situation mal auslaufen. z.B. wenn er dir nicht folgen will; geh einfach weiter und beobachte dann heimlich, wann bei ihm die Panik ausbricht. Wenn er sich im Auto nicht anschnallen will, einfach mal in langsamer Fahrt auf die Bremse steigen, damit er "spürt" was passiert. Ich persönlich würde sogar geschehen lassen, wenn er auf "Finger weg, dass ist heiß!" eine schmerzliche Erfahrung macht. Danach sollte das vertrauen in deine Worte wieder hergestellt sein.

Antwort
von Volkerfant, 18

Mit so einer Reaktion des Kindes muss man immer und überall rechnen.

Wenn das Kind nicht folgt, sollte es in Zukunft an der Hand laufen. Wenn es das nicht will, muss es sich bessern. Man kann dem Kind erklären wieso und warum.

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