Baiana am 29.03.2008 um 16:43 Uhr
Ich muss momentan eine längere Arbeit fürs Studium schreiben und bekomme keine Seite zusammen. Material und Exerpte habe ich genug - bin aber von der Fülle des von mir angehäuften Materials komplett überfordert.
Habt ihr Tipps, die mich ans Schreiben bringen und meinen Prof beruhigen?

Mach dir erst mal ein paar Stichpunkte von den Dingen, die dir wichtig erscheinen! Dann schreibst du den Text dazu! Hinterher kannst du immer noch streichen, oder hinzufügen. So hast du schon mal einen Anfang!

Du scheinst etwas konzeptlos zu sein. Sortiere dein Material! Was ist super wichtig, was ist gut zu gebrauchen und was ist richtig aber überflüssig? Wenn Du das mehrmals machst sollte sich Dein Material auf das wesentliche zusammenschrumpfen und nur noch Deine eigentliche Arbeit übrig bleiben, die Du dann nur noch zu „Papier" bringen musst.

Reduzier das Material erst einmal auf das wichtigste, damit Du nicht den Überblick verlierst und auch nicht so erschlagen wirst von der Fülle. Dann beginnst Du zu schreiben. Nach und nach holst Du Dir das restliche Material dazu. Du wirdt sehen, so klappt es.

Versuche eine grobe Inhaltsangabe zu erstellen und ordne einzelne Inhalte zu

Du musst nicht mit dem Anfang beginnen. Such Dir einfach eine der vielen Fragen der Arbeit, die Du ausführen möchtest, und schreibe zu dieser Frage die Gedanken, die du in der Arbeit sehen willst. Du kannst dieses Problem vorläufig oder vollständig ausarbeiten. Als Textbaustein läßt sich dieses Kapitel später an beliebige Stelle einfügen. Und dann der nächste Komplex, weil der erste so gut gegangen ist. Und dann läuft es von allein weiter. Am Schluss kommen die Verbindungen und Überleitungen zwischen den einzelnen vorformulierten Komplexen und der Feinschliff. Einfach mit dem Kapitel anfangen, das Dir momentan am meisten Spass macht oder am leichtesten fällt.
Baiana am 29. März 2008 20:42 Den Tipp gebe ich auch immer, wenn die Frage an mich gestellt wird - aber bei mir selbst klappts nicht. Vermutlich einfach auf den Hosenboden setzen und nicht in netten Internetplattformen stöbern... seufz
Dazu kommt, dass mir das Ganze mittlerweile kaum noch Spaß macht und mir nichts von den einzelnen Kapiteln besonders leicht fällt.
vollyhn am 29. März 2008 22:29 Ich habe einmal gehört, wie sich ein paar über Dissertationen unterhalten haben. Da ging es darum, ob man so ein Werk in einem Jahr schreiben kann. Die Argumentation war prima und hat mir auch immer bei Unlust oder Blockade geholfen:
Jeder Absatz enthält eigentlich nur einen Gedanken (nur den Teil einer großen Frage): Fragestellung bzw. These, kurze Erörterung, Ergebnis. Von der Erörterung und dem Ergebnis muss man sich nur einen Bruchteil selbst ausdenken, hauptsächlich benutzt man Gedanken und Zitate, bei denen sich andere Personen schon mit dem Gedanken befasst haben. Jede Seite gedruckt enthält zwei bis drei Absätze. Zeihundert Seiten sind also 600 Gedanken. Zwei Gedanken am Tag zu haben und zu formulieren ist doch ein Kinderspiel, oder?
Fang einfach an, einen Gedanken zu formulieren. Natürlich gehört Disziplin auch dazu. Ich weiss, dass eine normale Wohnung und dann noch ein Internetzugang 1.000 wichtigere Dinge bietet, die nur ganz schnell, aber schon längst und dringend erledigt werden müssen. Aber es kommt der Tag, da musst Du Dich an den Schreibtisch setzen und Dich zwingen, erst wieder aufzustehen (und Dich damit belohnen) wenn der Gedanke des Tages formuliert ist.
Und auch die ständige Suche nach Material ist nur eine Ausrede dafür, nicht schreiben zu müssen. Erst einmal schreiben, dann Zitate einfügen. Dann den Zitaten nachgehen und aus den dortigen Fundstellen weitere Ideen und Zitate ablesen, die vielleicht noch in Deinen Text eingebaut werden können. Und so wächst der Text mit der Zeit, bis Du Dich irgendwann einmal zwingen musst, dass Du aufhörst, entweder weil ein fester Abgabetermin kommt oder weil das Leben eine neue Aufgabe bietet und ohnehin nichts perfekt sein kann, auch nicht eine wissenschaftliche Arbeit.
Baiana am 30. März 2008 10:26 Das ist so ziemlich der beste Tipp/A...tritt, den ich bisher in der realen und virtuellen Welt erhalten habe. Herzlichen Dank dafür. Eigentlich wollte ich heute endlich mal wieder Fensterputzen, aber das wird wohl für 2-5 Gedanken draufgehen! Schade, dass man Kommentare nicht mit DH bewerten kann, denn dieser hätte es wirklich verdient!
Mist - der Kommentar sollte eigentlich zum Kommentar von vollyhn gehören - vertippt.

Eigene Antwort, da Kommentar zu allen bisherigen Antworten.
Die Arbeit ist relativ fortgeschritten, Inhaltsverzeichnis steht relativ fest, auch einzelne Textabschnitte schon. Es geht ans editieren, einfügen und vor allem ums umschreiben, neuordnen, Thesen belegen, weil einiges jetzt nicht mehr so paßt, wie es vor zwei Jahren passend erschien.
300 Seiten sind schwer zu handeln - und neuschreiben fällt aus.
Ich steh einfach vor einem Berg von Material und Text, der so, wie er im Moment steht, nicht sonderlich stabil ist.
vip19 am 29. März 2008 21:01 du kannst nicht alles auf einmal, nimm dir dann einfach ein Kapitel vor oder auch nur einen Absatz