Frage von Weiniii, 87

Was tun bei meiner Essstörung?

Hallo Leute,
Ich hab schon seit ich 12-13 Jahre alt war eine Essstörung. Zuerst wollte ich etwas abnehmen und hab dann das Frühstück weggelassen und meine Kalorienaufnahme eingeschränkt. Ich war nicht dick und habe abgenommen, aber es war noch gerade so im Normalgewichtbereich. Danach habe ich immer wieder Fressanfälle gehabt und hab die dann wieder versucht zu kompensieren mit wenig Essen, sodass ich auch nie dick geworden bin sondern mein Gewicht immer schwankte. Mit 16 hab ich mich dann in meinen lehrer verliebt und die nächsten 2 Jahre war dann mein Essverhalten relativ normal, manchmal hab ich noch zu viel gegessen, aber ich hab mich nicht mehr so mit dem Essen beschäftigt sondern die ganze Zeit nur an meinen Lehrer gedacht und so extreme Lust sehr viel zu essen hatte ich gar nicht. Dann als die Verliebtheit abklang ging es aber wieder los. Um meine Essanfälle zu kompensieren und schuldfreier zu werden sowie mehr essen zu können oder stark zuzunehmen hab ich mich dann sehr gesund ernährt. Ich habe vegan gegessen, fettarm und glutenfrei , sowie 60-70 Prozent rohkost. Es wurde besser mit meinen Essanfällen, vorallem weil es auch nicht so viel Fertigzeugs in dieser lebensmittelkategorie gibt. Aber auch an glutenfreien Nudeln und Reis habe ich mich manchmal überfressen aber das schlimmste war, dass ich nur noch and essen gedacht habe und immer überlegt habe was ich noch essen kann und ich nie satt wurde.
Mittlerweile esse ich wieder alles aber es muss vegan sein und nun habe ich wieder sehr schlimme Heißhungeranfälle vorallem mit Süßigkeiten. Ich hab vorallem Abends das Gefühl nie satt zu werden und esse 3 Packungen Kekse oder Unmengen an Nudeln etc. Wenn ich meinem Bedürfnis abends nicht nachgehe, dann werde ich richtig unruhig und kann nicht schlafen. Über den Tag esse ich aber ganz normal und auch genug, sowie relativ gesund.
Bin hier jetzt in einer lebens und Arbeitsgemeinschaft für Behinderte (Camphill Community in Großbritannien) und mache hier einen Freiwilligendienst für ein Jahr. Könnt ihr mir irgendwie helfen? Ich dreh echt durch mit meiner Essstörung und habe deswegen sogar schon Selbstmordgedanken. Bin jetzt 20. ich hab an nichts mehr Lust außer zu essen. Nur essen macht mir Spaß. Bin ziemlich depressiv im Moment,nehme auch schon 100mg 5htp abends, hilft aber nicht so glaub ich, nehm ich aber auch erst seit fast 2 Wochen.
Wisst ihr was gegen meine Essstörung hilft?
Danke schonmal, ich hoffe irgendjemand kann mir helfen...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von sarahj, 87

Ich denke Du solltest versuchen, nicht mehr in Extremen zu leben, sondern einen gesunden Mittelweg zu gehen. Wenn Du Dir bestimmte Dinge versagst (z.B. Süssigkeiten), steigt der Wunsch danach und es kommt zu solchen Ausbrüchen. Gönne Dir, regelmässig ein bisschen was, aber weder zu wenig, noch zu viel.

Vielleicht hilf ein Plan der (ohne in Extreme zu verfallen) alles Wichtige beinhaltet, und an den Du Dich hältst. Der muss aber auch ein paar goodies beinhalten (also auch mal Schokolade, Bonbons oder was immer Du magst). Und gönne Dir ruhig auch mal etwas Besonderes (es gibt da sehr leckere Pralinen, also nicht nur billige Schoko oder gar langweilige Müsliriegel). Wenn Du Dir jeden Tag was kleines gönnst, wird die Sehnsucht danach nicht so gross. Und halte den Plan ein, und frühstücke wieder - wenn auch nur ein bisschen!

Ich bin auch kein großer Freund von übertriebenem veganen oder übertriebenem "nur gesundem" Essen. Rohkost finde ich langweilig - und habe erst neulich in einem Vortrag von einem Professor gehört, daß Gemüse genauso gesund ist, wenn man es kocht und würzt... Gönn Dir auch mal einen junk-food Tag, und ein Glas Wein/Bier/Cola (was immer Dich anmacht). Es ist nicht gut, wenn man bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen hat. Essen ist eine Sinneslust - zelebrier und geniesse sie. Insbesondere gutes Essen, guter Wein, mit anderen genossen macht Laune.

Zweitens: das eigentliche Problem ist eine unausgeglichene Psyche, die Du durch Essen kompensieren willst. Versuch da mal was zu ändern, Sport, Hobbies, Vereine, gemeinsam kochen mit Freunden, was auch immer, so daß Du (unabhängig von einer Beziehung) ein ausgeglichenes Leben führst, und vor allem: Spaß am Leben hast. Die Beziehung kommt dann meistens von alleine, wenn man Zufriedenheit ausstrahlt.

Sicher wäre auch eine psychologische Beratung hilfreich, oder eine Selbsthilfegruppe. Auf keinen Fall so weiter machen, denn wenn Du schon depressiv bist, Medikamente nimmst und Selbstmordgedanken hast, ist es höchste Zeit, die Ärmel hochzukrempeln, einen Plan zu machen, und aktiv aus der Krise zu navigieren.

Zu Plan machen: mein Tipp: mach eine Liste, was die Probleme sind, wo Du stehst und wo Du hin willst. Dann mach aus dem Weg eine Liste mit erreichbaren Meilensteinen, die als Zwischenziele dienen. Die müssen zielführend, aber realistisch sein. Gönne Dir regelmässig und insbesondere beim Erreichen der Zwischenziele etwas, was Dir Freude bereitet (das Hirn braucht Belohnung). Das kann alles mögliche sein, was Dir gefällt (ein Konzertbesuch, ein neues Kleid, ein neues Fahrrad, ein Festessen in einem 3-Sterne Restaurant, einen guten schottischen Whiskey, einen Joint, was auch immer...).


Alles Gute.

PS: ich bin auch nicht sicher, ob Du Dich jetzt nicht erst mal um Dich selbst kümmern solltest - also Frage Dich, ob Dir Deine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft im Moment eher hilft, oder nicht.

Kommentar von Weiniii ,

Danke für deine Antwort:)
Ich frühstücke immer und ich esse aucch Süßigkeiten, aber da ist das Problem, dass ich alle Süßigkeiten aufesse die ich im Haus hab. Ich kann mir die nicht einteilen, hab das schon so oft probiert. Vegan möchte ich schon auf jeden Fall weiter machen, da hab ich ein viel zu schlechtes Gewissen weil wegen mir dann Tiere leiden und sterben.
Außerdem finde ich diesen fettigen Käse und Butter auch mittlerweile echt eklig und die Vorstellung dass das die Milch bei den Tieren aus dem Euter kommt auch.

Am liebsten würd ich das Jahr hier auch abbrechen, aber das geht nicht, weil ich das ein Jahr machen muss um meine volle Fachhochschulreife zu haben. Bin nämlich im Sommer durchs Abi gefallen und Muss deswegen noch den praktischen Teil für die Fachhochschulreife machen. Das ist hier so eine Art Praktikum.
Und ich weiß gar nicht wenn ich das hier abbreche was ich sonst machen soll. Aber ich vermiss meine Eltern so... Vorallem meine Mama.

Kommentar von sarahj ,

zu "dass ich alle Süßigkeiten aufesse die ich im Haus hab" und "hab das schon so oft probiert":

Es ist ein bisschen wie "Rauchen aufhören": viele haben es geschafft, aber man selbst glaubt nicht daran.

Mach mal kleinere Schritte die auch realistisch sind: z.B." jetzt halte ich mich mal 5 Tage an den Plan". Danach sehen wir weiter. Und die 5 Tage teile ich mir die Süssis ein. (nicht ganz weglassen, aber unbedingt den Plan einhalten).

Dann gönn Dir was: (z.B. ich geh' ins Kino und gönn mir Pop Corn - ist natürlich nur ein Beispiel - musst schon was für Dich passendes aussuchen).

Wenn es klappt, versuch es wieder mit ein paar Tagen mehr.
Wenn nicht, belohn Dich nicht, versuch es aber nochmal.

Ich finde es nicht gut, von vorneherein zu sagen, man könne etwas nicht. Man kann. Und wenn es nicht gleich klappt, muss man aufstehen und es nochmal probieren. Es ist Dein Wille und den kannst Du steuern!
Sag Dir: es wäre doch gelacht, wenn ich diesen inneren Schweinehund nicht beherrschen könnte. Und: ich bin selbst Herr (sorry Frau) meiner Lage und hab es in der Hand. Denk daran: von selbst lösen sich keine Probleme. Und: ich kann es!

Zum Abbruch: also Du musst da durch. Auch OK. Ist ja nur noch ne Weile, und andere wären froh, mal eine Zeit im Ausland zu verbringen. Nimm davon mit, was Du kannst - es gibt ja soviel anderes zu entdecken (gehst Du manchmal in ein Pub? oder mal teatime mit scones und clotted cream - mhm lecker und very british - gönn' sie Dir mal als Belohnung). Man kommt doch mit Briten durchaus schnell ins Gespräch - vielleicht lernst Du ein paar Leute in der Dorfkneipe kennen...
Ist klar, daß das jetzt eine blöde (deprimierende) Jahreszeit ist (geht mir auch so: grau in grau); aber bald ist Adventszeit - die Briten sind ja auch ein bisschen kitschig drauf - mach's beste draus.

Zur Mama: Skype regelmässig und freue Dich auf's Wiedersehen, mach ein paar Pläne, was ihr gemeinsam unternehmen werdet, wenn Du zurück bist. Versuche spannende neue Entdeckungen zu machen und erzähl ihr davon statt an die Trennung zu denken...

Nochmal: Kopf hoch und alles Gute!

Expertenantwort
von Eva Helle, Naturheilkundlerin, 59

Ich kann mich der sehr kompetenten und ausführlichen Antwort von Sarahj nur anschließen. Allerdings wäre aus meiner Sicht eine psychologische Behandlung unbedingt notwendig.

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