Frage von bachforelle49, 36

Was tun Arbeitgeber heute für die BAV, um die jungen Leute für das Alter finanziell zu unterstützen?

die heutigen Rentner bekommen nächstes Jahr eine saftige Rentenerhöhung, meist sind sie auch bei bAV recht gut abgefedert, wenn sie denn vom Arbeitgeber eine Betriebsrente für zB 45 Jahre Betriebszugehörigkeit beanspruchen dürfen, sodaß keine Grund zur Klage besteht. Die jungen Leute haben dafür eher maue Aussichten und Perspektiven, denn der Kuchen wird immer mehr aufgeteilt und die reinen Betriebsrenten sind längst abgeschafft, sodaß Alternativen her müssen. Was hat es mit der Perspektivlosigkeit auf sich und wie bekommt man die Löcher gestopft, die neuen Ansporn versprechen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Schwertfisch18, 34

Ob die Rentner nächstes Jahr wirklich einmal eine saftige Rentenerhöhung bekommen bleibt abzuwarten. Zu oft wurden die Rentner auf das nächste Jahr vertröstet und zu groß sind die aktuellen Finanzlöcher. Wie sagt der Volksmund: Die Hoffenden sind die Narren der Herrschenden.

 

Daß Leute eine auskömmliche Betriebsrente haben, ist eher die Ausnahme. Zu oft müssen die Arbeitnehmer wechseln (der neue Arbeitgeber übernimmt oft den alten Vertrag nicht und muß stillgelegt werden) und nur wenige Betriebe können sich heutzutage saftige Zuschüsse zu den Betriebsrenten leisten. Außerdem kassiert der Staat kräftig bei den Betriebsrentnern ab. Über Steuern und volle Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträge. Da können schon mal ca. 50 % der Betriebsrente gleich weg sein.

Die Betriebsrente bedarf einer grundlegender Reform, gerade im Hinblick auf die zukünftigen Generationen. Aber leider wird es wohl wieder nur eine Mogelpackung werden.


 

Antwort
von kevin1905, 36

Was hat es mit der Perspektivlosigkeit auf sich und wie bekommt man die Löcher gestopft, die neuen Ansporn versprechen?

Altersvorsorge ist heute weitaus komplizierter als noch vor 15 und mehr Jahren.

Es gibt Tarifverträge, welche eine Arbeitgeberbeteiligung an der bAV zwingend vorschreiben. Ansonsten ist es Verhandlungssache.

Ich bemühe mich immer die Arbeitgeber dazu zu bringen zumindest die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge an die Arbeitnehmer weiterzugeben (bis zu 45,- € p.M.). Dadurch ändert sich nichts an der Bilanz, die Lohnkosten bleiben gleich, aber der Arbeitnehmer hat eine zusätzliche Betriebsrente und der Arbeitgeber eine Möglichkeit der Betriebsbindung von wertvollen Fachkräften dadurch, dass die Unverfallbarkeit der ArbG-Beiträge erst nach 60 Monaten eintritt.

Ansonsten bleibt der Rechtsanspruch jedes Arbeitnehmers auf Entgeltumwandung unberührt, sowie weitere Möglichkeiten der privaten geförderten oder nicht geförderten Vorsorge.

Was für wen sinnvoll ist oder nicht, ist eine Frage der individuellen Betrachtung der Situation und des Menschen selbst und kann nicht allgemeinverbindlich beantwortet werden.

Antwort
von hertajess, 31

Das Thema wird in der Regel viel zu vereinfacht öffentlich dargestellt. 

Tatsächlich waren schon vor vielen Jahren manche AG bereit eine Betriebsrentenversorgung einzurichten. Übrigens auch Betriebskindergärten. In den meisten Fällen wurden sie von Politik daran gehindert. Da werden dann mal eben Gesetze verändert, da werden unerfüllbare Auflagen erfunden zur Verhinderung. Es könnte also heute durchaus mehr Betriebsrentenempfänger geben als es tatsächlich gibt. 

Dann ist es absolut nicht so dass das Geld welches arbeitende Menschen in die Rentenkasse einzahlen auch tatsächlich zweckentsprechend genutzt wird. Fremdnutzung ist seit Jahrzehnten politische Praxis. Diese Fremdnutzung hat sehr viele unterschiedliche Gesichter:

Es werden Leistungen die von der ARGE zu erbringen sind per Gesetz auf den Rentenkasse geschoben. 

Es werden Leistungen die von den Krankenkassen zu erbringen sind auf die Rentenkasse geschoben. 

Es wird zugelassen dass Rehabilitation durch sogenanntes ärztliches Gutachten ausgeschlossen wird obwohl es wissenschaftliche Beweise gibt dass Reha lohnenswert ist. 

Es wurden neue Krankheiten erfunden um früher berenten zu können und damit die Rentenkasse anzuzapfen. 

Helmut Kohl war gerade mal 14 Tage im Amt als er ein Gesetz durchdrückte wonach Amtsärzte des Arbeitsamtes jeden Menschen der vorher auch nur wegen einer Erkältung beim Arzt gewesen war zwingen können binnen maximal vier Wochen Antrag auf Rente zu stellen dank erfundener und nicht zu begründender Begutachtung ohne den Menschen auch nur gesehen zu haben. 

Heute kann die ARGE Menschen zwingen vorzeitig in Rente zu gehen anstatt sich ihrer eigentlichen Tätigkeit, der Arbeitsvermittlung, zuzuwenden. 

Ambulante Krankenpflegedienste sparen eine Menge Steuergelder, Gelder aus den Sozialversicherungen. Das eingesparte Geld wird verwendet um den Ausfall welcher durch Minijobs entsteht zu kompensieren. Es wäre besser benutzt zu einer guten Versorgung der Bevölkerung bezogen auf Prävention und Krankenversorgung, Hygiene.

Ärzte haben das Recht die teuerste Maßnahme zu empfehlen anstatt auf die beste zu achten. Denn die teuerste Maßnahme ist absolut nicht zwangsläufig auch die beste. 

----------------------------------------

Eine Perspektive ergibt sich daraus dass all solche Missstände benannt und abgestellt werden. Das ist ein sehr dickes Brett welches da zu bohren ist. Dann wird die Rentenkasse nicht mehr zweckentfremdet geplündert und kann ansteigen. Es kann durchaus in einem solchen Fall eine Grundrente in Höhe von mindestens 900,- Euro monatlich heute gezahlt werden. Die Zahl stammt nicht von mir sondern von Experten die im Deutschlandfunk hier und da über solche Themen diskutieren und ihre Einschätzung mit Fakten belegen können. 

Es liegt alleine an uns WählerInnen welche Forderungen wir den Politikern gegenüber regelmäßig äußern. Es liegt alleine an den Menschen in diesem Staat welche Themen uns tatsächlich wichtig sind und welche nicht. Wir können uns entscheiden uns von irgendwelchen verfassungsfeindlich agierenden Titelträgerchen mit substanzlosem Geschwätz von den eigentlichen Themen unserer Gesellschaft abhalten zu lassen. Wir können uns auch entscheiden das Internet zu nutzen, uns mit den Fakten vertraut zu machen, die Meinungen von Fachmenschen dahingehend zu überprüfen ob sie durch Fakten belegt sind und uns darum kümmern die genannten Missstände abzubauen einzufordern. Denn wenn der Präsident der Rentenanstalt sich kritisch äußert nimmt das die Politik wie einen Schluck Wasser in der Kurve zur Kenntnis. Wenn aber eine entsprechend gut formulierte und gut begründete E-Petition mit etwa zwei Millionen Unterschriften dem Deutschen Bundestag vorliegt gibt es Veränderung. Die Wahl haben wir. Also die Wahl zwischen Perspektivlosigkeit und abgesichertem Altersbezug. 

Antwort
von mrlilienweg, 27

Auch ich bin seit ein paar Jahren Rentenempfänger, eine bAV bekomme ich leider  auch nicht - ich habe 49 Jahre voll gearbeitet. Die Rente liegt bei ca. 40 % meines letzten Einkommens.  Ich gebe dir mal einen Überblick über die Rentenentwicklung im Vergleich zur Inflation in Deutschland (entnommen vom Stat. Bundesamt):

2004 Rentenanpassung     0 % - Inflationsrate 1,6 %

2005 Rentenanpassung     0 % - Inflationsrate 1,6 %

2006 Rentenanpassung     0 % - Inflationsrate 1,5 %

2007 Rentenanpassung 0,54 % -Inflationsrate 2,3 %

2008 Rentenanpassung 1,10 % -Inflationsrate 2,6 %

2009 Rentenanpassung 2,43 % -Inflationsrate 0,3 %

2010 Rentenanpassung     0 % -Inflationsrate 1,1 %

2011 Rentenanpassung  0,99 % -Inflationsrate 2,1 %

2012 Rentenanpassung 2,18 % - Inflationsrate 2,0 %

2013 Rentenanpassung 0,25 % -Inflationsrate 1,5 %

2014 Rentenanpassung 1,67 % -Inflationsrate 0,9 %

2014 Rentenanpassung 2,10 % -Inflationsrate 0,21 %

Es waren in 12 Jahren  4 Jahre ohne Rentenanpassungen dabei und in 8 von 12 Jahren war die Rentenanpassung immer unter der Inflationsrate, das waren von der Politik angeordete Rentenkürzungen die wir real abbekommen haben. 

  

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community