Frage von MnutzerM, 94

Was stimmt nicht mit mir. Leute gehen mir aus dem weg?

Hallo zusammen.

Ich muss mir jetzt mal was von der Seele reden und hoffe auf etwas Hilfe, da ich momentan auf einen platz beim Psychologen warte, aber redebedarf hab.

Es geht um folgendes... von klein auf hatte ich nie wirklich Freunde. Immer nur mal ein oder zwei. Ich wurde immer geärgert und war nie wirklich Teil von einer Klique oder sonst was. Also genau genommen schon immer Einzelgänger mit kleinen Ausnahmen. Nie wirklich von anderen gemocht. Akzeptiert, weil man nunmal existiert, aber mehr nicht. Ich bin jetzt 28. Vor zehn Jahren bin ich in einen Verein in meinem Heimatort eingetreten, wo ich seit der ersten Begegnung gern ein teil von sein wollte. Zwei Mitglieder des Vereins waren meine Nachbarn zu dem Zeitpunkt. Über sie bin ich dort maßgeblich rein gekommen. Leider ist es dort heute noch wie immer schon. Man wird akzeptiert, weil man eben da ist, aber mehr auch nicht. Ich meine ich hab mir anfangs, gebe ich zu selbst ein Bein gestellt. Hab Geschichten erfunden und erzählt um mich interessant zu machen. Diese flogen dann auf und dadurch hab ich mich natürlich unbeliebt gemacht. Dazu kommt das ich mein Leben nicht so auf der reihe habe, wie es eigentlich in meinem alter sein sollte. (keine Ausbildung, Krankheit, öfter mal ohne Job) Nach ner kurzen Zeit hab ich das allerdings aufgegeben und versucht so akzeptiert zu werden wie ich eben bin. Und hab mich normal verhalten (bin eigentlich ein sehr höflicher mensch, der gern zuhört und zu helfen versucht wo er kann). Jedenfalls haben einige Leute die mich durch meine anfängliche Eskapade nicht mochten, mittlerweile mitbekommen das ich eben nicht mehr so bin und mich akzeptiert und nehmen mich teilweise auch auf und sowas. Aber so wirklich intensiv mit mir unterhalten tut sich keiner. Geschweige denn begrüßen oder sich freuen wenn man irgendwo zusammen kommt. Ich bin immer da wenn geholfen werden muss bei Aufbauten, Festen, Diensten usw. Was ich gerne mache. Ich gebe mein Herzblut für diesen Verein, weil ich den Verein selbst einfach super finde und er ein Teil meines Lebens geworden ist. Einige ganz wenige rechnen mir das auch an. Trotz allem will eine gute Beziehung zu den Leuten einfach nicht zustande kommen. Ich muss dazu sagen, das die meisten Leute im Verein auch wesentlich (also 10-20 jahre) älter sind, was mich nicht stört, da ich mich meiner Meinung nach und schon immer mit älteren besser verstanden hab. Genauso ist es im privaten mit Freundschaften. Ich lerne immer mal Leute kennen mit denen ich mich anfangs super verstehe. Und viel gemeinsam habe. Ich bin auch jemand der Freundschaften pflegen möchte. Das geht auch ne weile gut, aber meist verliert sich das Interesse von der anderen Seite an mir als Mensch und das ganze verläuft nach ein paar Monaten im Sand. Wie gesagt ich bin immer nett und zuvorkommend. Also was mache ich falsch das mir die Leute aus dem weg gehen?? Wie kann ich versuchen etwas mehr anerkannt zu werden was den Verein angeht?

Bitte keine blöden Kommentare

LG M

Antwort
von PicaPica, 26

Kann natürlich an dem Altersunterschied und damit einhergehenden unterschiedlichen Lebensanschauungen liegen; 10-20 Jahre machen da schon etwas aus.

Zum Anderen ist es leider so, dass die wenigsten Menschen bereit sind, sich einerseits in Andere hineinzuversetzen, da sie sich selbst das Wichtigste sind und Andere für sie eben mehr oder weniger nur Mittel zum Zweck also Mittel zu ihrer Selbstbestätigung, Selbstverwirklichung,

andererseits sind die Wenigsten bereit, bei Anderen etwas tiefer zu graben und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich gerade bei den etwas Zurückhaltenden, Schüchternen, dadurch aber eben auch Tiefgründigeren lohnt tiefer zu graben und dann nicht immer, aber oft auf einen Schatz zu stoßen.

Was ganz wichtig ist - hör auf Anderen gefallen zu wollen, dich nach Anderen zu richten. Sei einfach du selbst mit all deinen Stärken und Macken. Kümmere dich nicht mehr so sehr um Andere.

Wenn du so, letztlich dadurch selbstbewusster, durchs Leben gehst wirst du dich wundern, wer auf einmal Interesse an dir hat.

Und natürlich geht das nicht von heute auf morgen, ist wie bei jedem Spezialgebiet, Niemand ist ganz schnell Fachmann und Profi und du musst, wie gesagt, noch nicht mal etwas Spezielles lernen sondern einfach nur du selbst sein.

Viele gute Antworten wurden hier schon gegeben und wenn du zu den sog. Einsamen Wölfen gehörst (ob du`s nun gut findest oder nicht), dann akzeptiere das zum. ein Stückweit.

 Bewege dich (erstmal) auf dem Terrain, mit dem du vertraut bist und von diesem gefühlsmäßig sicheren Ort kannst du dann kleinere Exkursionen in andere Welten machen.

Hilft auch sicher, dahin zu gehen, wo sich Gleichaltrige befinden, die (noch) nicht so verknöchert sind mit ihren Dorf-Ansichten. Ist nicht negativ gemeint und ich hoffe, du verstehst, was ich damit sagen will. Alles Gute dir, LG. 

Kommentar von MnutzerM ,

Hi. Ich denke am Altersunterschied liegt es eher weniger, denn es sind auch einige andere aus meinem Jahrgang im Verein, die beliebt sind, gern gesehen und voll akzeptiert werden. Auch von den älteren. Aber ansonsten bin ich da schon bei dir mit der Antwort. Wie gesagt ich will niemandem mehr gefallen. Ich bin wie ich bin. Meine frage ist im Endeffekt nur... Bin ich schlecht so wie ich bin?

Kommentar von PicaPica ,

Um das letztendlich beurteilen zu können, sind mir etwas zu wenig Charaktereigenschaften von dir vorhanden, aber eigentlich denke ich das nicht.

Versuche in deinem Verein in der Thematik gut zu sein und die Anderen werden dich alleine wegen deines Wissens schätzen lernen. Evtl. klappt es über diesen Umweg, dass sie sich sagen `der weiß viel und schau an, ist mir noch nie so aufgefallen, aber charakterlich taugt er auch was.´

Ansonsten, wie gesagt, mach dein Ding und wenn du gar nicht klarkommst, hol dir Feedback bei anderen Bekannten, deiner Familie, oder wenn auch das nicht geht, bei einem Psychologen.

Antwort
von Paguangare, 31

Ich kann dein Problem gut verstehen und grübele auch schon seit Monaten oder Jahren an einer ähnlichen Fragestellung herum.

Ob eine Psychotherapie hierbei Abhilfe bringen kann, finde ich auch ungewiss.

Es gibt verschiedene Antwortansätze, die allesamt nicht den Anspruch auf Richtigkeit erheben können:

a) Am Ende ist jeder Mensch alleine. Niemand kann sich den anderen verständlich machen und mit ihnen vertraut werden. Wenn einige Menschen so tun als hätten sie Hunderte Freunde, dann ist das nur ein hohler Schein und eine Oberflächlichkeit, die über die eigentliche Einsamkeit hinwegzutäuschen versucht.

b) Kein Mensch ist allein. Jeder ist in Gott geborgen.

c) Es gibt ganz unterschiedliche Menschentypen. Manche sind gesellig und finden leicht Anschluss. Sie sind beliebt und können gut kommunizieren. Andere sind eben Mauerblümchen. Sie können stundenlang in einer Gesellschaft sitzen, schweigen, und niemand fragt einmal, wie es ihnen geht.

d) Jeder Mensch hat es selbst in der Hand, wieviele Freunde er hat. Er muss sich eben dafür einsetzen. Wer hilft, dem wird auch irgendwann geholfen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.

e) Kein Mensch kann etwas für seine grundlegende Persönlichkeit. Es gibt  "unansprechende" Persönlichkeiten. Wenn man eine solche hat, dann hat man eben Pech gehabt.

Antwort
von moebi64, 14

Leider gehört deine Frage zu den wenigen die eigentlich kaum vernünftig zu beantworten sind ohne dich persönlich zu kennen. Kennst du wirklich niemanden der offen und ehrlich genug ist um dir den einen oder anderen Tipp zu geben darüber wie du auf andere wirkst?

Was ich so allgemein sagen kann, es ist eigentlich relativ normal, dass es in Vereinen so zugeht wie du es beschreibst. Es ist auch normal, dass diejenigen die besonders viel Einsatz zeigen und immer da sind wenn man sie braucht, nicht so besonders geschätzt werden, zumindest nicht so sehr wie es ihnen zustehen würde, denn bei ihnen ist es einfach ''normal'', dass sie da sind, während es bei anderen eben bemerkenswert ist, wenn sie denn mal da sind. Das soll nun natürlich kein Aufruf werden dich weniger zu engagieren, eher ein Appell dich mit dieser weniger schönen aber zutiefst menschlichen Seite deiner Mitmenschen zu arrangieren. Die besseren von uns versuchen dieses Verhalten so gut es geht zu vermeiden, doch Rückfälle gehören einfach dazu.

Was das ''pflegen von Freundschaften angeht'', da kann man z.B. auch mal zu viel tun. Ob das bei dir so ist kann ich natürlich nicht wissen. Doch wenn deine ''Pflege'' z.B. mehr Zeit in Anspruch nimmt als der andere bereit war zu investieren, dann kann das dazu führen das er sich zurück zieht.

Ich fürchte allerdings, dass dir deine Vergangenheit doch noch mehr im Weg steht als dir bewusst ist. Auch wenn den Menschen nun klar wird, dass du nicht (mehr) so bist, so heißt das noch lange nicht, dass sie dir wieder so vertrauen wie zuvor. Du hast vielleicht schon von dem Vergleich gehört, dass es mit dem Vertrauen wäre wie mit einem Spiegel, einmal zerbrochen wird er nie wieder heil. Ich kann zwar mit so einem Menschen problemlos ein Bier trinken, auch gegen etwas Smalltalk spricht nichts, doch ein richtiges intensives Gespräch führen, wenn ich ständig im Hinterkopf habe, dass er vielleicht gar nicht meint was er sagt? Wohl eher nicht und damit ist der Kontakt leider auf Oberflächlichkeiten beschränkt. Auch wenn deine Taten für den Verein wirklich sehr für für dich sprechen, einen Weg in die Herzen der anderen Vereinsmitglieder können sie allein dir nicht bereiten.

Antwort
von Elfi96, 8

Was mir zu dir noch eingefallen ist: ist der Verein ein Schützenverein? Da ist es meistens üblich, mitzutrinken, und man erwartet sozusagen, dass du kein 'Lauschepper' bist und in einer Runde auch gerne eine Runde springen lässt. LG 

Antwort
von 420haze420, 43

Ich bin genau wie du !! Manchmal frage ich mich ob ich einfach unsympathisch bin .. wie du schon sagst man tut alles man macht alles um bei jedem in ein gutes Licht zu rücken damit jeder zufrieden ist und es allen gut geht aber man bleibt unverstanden ...

Antwort
von Uzay1990, 33

Um diese Frage mit der von dir gewünschten Nachhaltigkeit zu beantworten, muss losgelöst vom Alltag ein intensives Gespräch (immer wieder) mit dir geführt werden. Von daher ist die Entscheidung einen Experten zu Rate zu ziehen ein erster wichtiger Schritt. Dass man (von allen?) gemieden wird kann die verschiedensten Ursachen haben, die sich manchmal leicht und manchmal schwer oder überhaupt nicht bewältigen lassen.

Dazu können auch ganz profane Äußerlichkeiten gehören, wie:

  • schlechter Mund- und Körpergeruch
  • ein Sprechfehler
  • eine Entstellung oder Behinderung
  • eine (politische) Lebenseinstellung
  • (ungewöhnliches) Outfit oder Körpermodifikationen
  • eine (Sucht)Erkrankung
  • ein 'Tick'
  • usw.

Wie gesagt, man müsste dich sinnlich erfahren, um dir überhaupt einen allerersten Tipp zu geben, worauf deine persönliche Situation begründet sein könnte.

Antwort
von Elfi96, 35

Ich denke, es liegt daran, dass du nur im Dorf geblieben bist. Ich war mehr das stille Mauerblümchen, wuchs auch in einem Dorf auf, war in der Schule allenfalls akzeptiert. Nach der Lehre drehte ich dem Dorf den Rücken zu und zog in eine Stadt, etwa 50km weit weg. Durch meinen Job in einer Gaststätte lernte ich, offener zu werden. 

Inzwischen sind beinahe 30 Jahre vergangen und ich bin nicht mehr das stille Mädchen von früher. Nebenberuflich arbeite ich jetzt sogar in einem Hotel (mit Gaststätte) im Heimatdorf und stellte für mich folgendes fest: muss ich auf Partys für Leute aus dem Dorf kellnern, wird mir  sehr viel Sympathie entgegen gebracht  (auch wenn sie mich tw namentlich nicht der gebürtigen Dörflern zuordnen können).

Ich will damit sagen: du hast dein Leben lang versucht, dich den Dörflern anzupassen, um akzeptiert zu werden, statt dich in einer fremden Umgebung weiterzuentwickeln. Ich wünsche dir alles Gute!  LG 

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