Frage von Gatshnik, 10

Was stimmt mit mir nicht/ mit meinem Leben nicht/ meiner Einstellung nicht?

ich habe bereits seit 16 Jahren Depressionen.Die unstete Kindheit, durch Gewalt und Psychoterror waren da nicht sonderlich hilfreich.Es fing im Alter von 5 Jahren an als mein Vater uns ohne ein Wort verließ (wir waren bei Verwandten zu Besuch, als wir nach Hause kamen, hatten wir kein Zuhause mehr.Er hatte es verkauft und sich nach Spanien abgesetzt).Daraufhin kam meine Mutter mit dem ehemaligen Versicherungsmakler zusammen, nachdem dieser uns ein Dach über dem Kopf geboten hatte.3 Jahre später konnte er seine cholerische Ader und sonstigen Probleme nicht weiter unterdrücken.Was folgte ging bis zu meinem 19. Lebensjahr.Cholerische Anfälle, Psychoterror, Schläge.Meine Mutter und ich versteckten seine Waffen (er war Jäger) und Munition nach einer Weile, da er die Angewohnheit hatte bis 4 Uhr morgens damit durchs Haus zu toben.Als ich 15 war und ihm körperlich gewachsen, hat meine Mutter mich davon abgehalten ihn aus schierem Hass zu Tode zu strangulieren.Ihrer Aussage nach, warum wir überhaupt so lange geblieben sind, brauchte ich halt eine Vaterfigur.Ich nehme an nach der ersten "Trennung", blieb ihr keine Kraft für mehr als Durchhalten.Meine Vaterfiguren wurden Helden aus Comics und Fantasy-romanen.Sie fixierte sich komplett auf mich und trieb meinen musikalischen Werdegang voran.Ständiges Konkurrenzdenken gegenüber Anderen wurde gefördert.In nichts war ich gut genug.Ausser Musik brachte ich auch nichts mehr auf die Reihe.Die Schule ging gänzlich daneben. In meiner wenigen freien Zeit war ich jedes Wochenende Sturzbetrunken.Meine längste Beziehung dauerte ein knappes Jahr und in jeder wurde ich belogen oder betrogen.Als ich mit 20 Jahren endlich aus dem Haus kam war die letzte Beziehung. Diese ging in die Brüche und damit auch die Vorbereitung auf das Musikstudium. Ich öffnete monatelang keine Post, nahm keinen Anruf entgegen. Seit einiger Zeit (ich bin seit 10 Jahren Single und eine Beziehung kam aus mannigfaltigen Gründen nicht zustande) interessiere ich mich immer mehr für Transgender-Frauen (unoperiert). Mein Interesse an Frauen nimmt immer mehr ab. Vor 3 Monaten habe ich einen Annäherungsversuch an eine Frau gewagt, welchen diese positiv aufnahm, mit mir gekuschelt hat und mich daraufhin in eine Bar eingeladen hat. Dort angekommen stellte sie mir einen Mann vor mit den Worten :" Dies hier ist mein Freund. Es tut mir leid, falls ich mich vorher nicht deutlich ausgedrückt habe." Den Rest des Abends haben beide jedes von mir bestellte Getränk geleert. Meine Freunde waren weg, ich war alleine in Hamburg. Ich bin in einer Meisterschule für Högeräteakustik und habe die letzten 2 Prüfungen verpasst, weil mir einfach die Kraft fehlt wieder hochzukommen. Ich gehe wieder seit 2 Monaten nicht aus dem Haus. Öffne Post nur sporadisch, gehe nur ans Telephon um so zu tun als sei alles in Ordnung. Von den 50kg, die ich in harter Arbeit die letzten 2 Jahre abgenommen habe, sind vielleicht noch 35 übrig. Ich bin unzufrieden mit mir, meinem Leben und der Welt.

Antwort
von Deepdelver, 3

Hallo Gatshnik, ich hab mir deine Geschichte durchgelesen. In manchem hab ich mich wiedererkannt... es ist schwer, eine einfache Antwort zu geben, aber du brauchst definitiv jemanden mit dem du reden kannst! Wenn du keine Freunde hast, denen du deine Gedanken anvertrauen möchtest, dann sollte es ein/e Therapeut/In sein.

Ein guter Therapeut wird am Telefon erkennen, dass es dir wirklich schlecht geht und dir zumindest eine Selbsthilfegruppe oder sowas empfehlen können (die Wartezeit auf einen Termin ist meistens ziemlich lange).

Hast du einen Hausarzt? Geh dort mal hin und erzähl ihm, wie depressiv du bist. Der schreibt dir eine Überweisung, vielleicht kann er dir sogar jemand empfehlen.

Aber du kannst z.B. auch einfach bei deiner Krankenkasse anrufen, die können dir jemanden aus deiner Region empfehlen.

Dass du unzufrieden mit dir und der Welt bist, ist ja klar, schließlich hast du bisher noch gar nichts aus deinem Leben gemacht. Aber ich glaube nicht, dass mit dir etwas grundsätzlich nicht in Ordnung ist! Die Schuld liegt hauptsächlich bei deinen Eltern, die wohl einen sehr schlechten Job gemacht haben und dir keine Vorbilder waren. Wahrscheinlich hast du dich für sie geschämt und deshalb den Kontakt zu Gleichaltrigen gemieden. Das und den Rückzug in Comic- und Fantasy-Welten kenne ich von mir selbst nur zu gut.

Aber das ist alles keine Lösung! Lass dir von deinen Scheißeltern nicht dein ganzes Leben kaputt machen!! Du musst aktiv nach Menschen suchen, mit denen du reden kannst. Du wirst merken, wie sehr das hilft. Wenn man immer nur allein zuhause sitzt und versucht alles mit sich selbst auszumachen, dreht man sich nur im Kreis - das habe ich selbst viel zu lange gemacht!

Und es ist völlig egal, auf was für Menschen du stehst, aber sei bitte ehrlich zu dir selbst! Ich bin selbst eine Transgender-Frau (noch nicht operiert) und ich weiß, dass es viele Männer gibt, die uns besonders geil finden - bis zur OP. Wenn dann der Schwanz weg ist, sind sie nicht mehr interessiert. Viele von denen sind schwul und können/wollen es sich nicht eingestehen.

Du hattest eine unglückliche Kindheit und Jugend. Das ist nicht deine Schuld. Es ist auch völlig normal unter so etwas zu leiden, dafür hat jeder Verständnis. Aber jetzt bist du erwachsen und musst dein Leben selber in die Hand nehmen! Du hast ein Talent (Musik) um dass dich viele Menschen beneiden würden. Wenn du daraus nichts machst, DAS ist dann wirklich deine Schuld! Also such dir Hilfe und fang dein Leben endlich an!

Ich wünsche dir viel Glück!

Antwort
von safur, 5

Interessante Geschichte. Wie geht's jetzt weiter? Welche Ziele hast du dir gesetzt? Wie willst du selbst wieder Schwung ins Leben bekommen?

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