Frage von Vier4444, 64

Was spricht gegen ein Direktdemokratisches Deutschland?

Ich finde wir könne dafür das wir in eine Demokratie leben zu wenig Einfluss auf die Politik nehmen, wir können nur einzelnen Politiker unsere Stimmen geben und dann hoffen das diese das was Sie versprechen auch einhalten.

Wäre es nicht besser man würde Deutschland zu einer Direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild umgestalten, so das wir durch Initiativen und Volksabstimmungen mehr Einfluss auf die Politik nehmen können.

Was spricht dagegen was dafür.

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Antwort
von uyduran, 64

Ich finde, es hängt immer davon ab, um welche Art von Beschluss es sich handelt. Beispielsweise bei der Zeitumstellung macht es absolut Sinn, per Volksabstimmung darüber zu entscheiden, ob es sie weiterhin geben soll oder nicht. Das sind Dinge, die das Volk direkt betreffen und wozu man nicht unbedingt Fachwissen braucht.
Bei anderen, komplexeren Themen halte ich direkte Demokratie für fragwürdig. Darum sollten sich dann schon Menschen kümmern, die von der Materie auch tatsächlich Ahnung haben oder sich zumindest intensiv damit auseinandergesetzt haben. Wenn in Deinem Haus oder an Deinem Auto etwas defekt ist und es handelt sich um einen komplexen Fall, dann fragst Du ja auch nicht in der Nachbarschaft rum, sondern bestellst einen professionellen Elektriker oder Mechaniker. Insofern sollte man zumindest vor so einem Volksentscheid eine Art Eignungstest machen müssen, um nachzuweisen, dass man bei dem entsprechenden Thema überhaupt die Verantwortung besitzt, mitentscheiden zu können. Außerdem bestünde jederzeit die Gefahr von affekthaften, rein emotional gesteuerten Entscheidungen, bei denen die Medien eine sehr große Rolle spielen. Je nach Gesellschaftsklima könnten bei Streitthemen wie z.B. Flüchtlingen oder dem Islam diskriminierende Ergebnisse herauskommen.

Antwort
von TUrabbIT, 49

Aus meiner Sicht spricht dagegen, dass dann Mehrheitsentscheidungen die Richtung bestimmen. Ich bin ehrlich gesagt nicht von der Intelligenz bzw Kompetenz und Objektivität von Mehrheiten überzeugt. Ich geh da ganz nach Schillers Aussage: "Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet." Es ist auch einfach zu leicht so Entscheidungen zu manipulieren mit Werbung etc.

Für eine direkte Demokratie in begrenzten Bereichen spricht meiner Meinung, die stärkere Involvierung der Bevölkerung in die Richtungsgebung der Politik. Mehr Engagement und hoffentlich mehr Wahlbeteiligung (bei der derzeitigen Wahlbeteiligung kannst du Wahlen nahezu vergessen. Es nehmen teilweise nicht mal mehr 50% der berechtigten an der Wahl teil!).

Ich denke in einigen Bereichen würde es viel Sinn ergeben die Bevölkerung direkt zu beteiligen, besonders auf kommunaler Ebene, auf Landes und Bundesebene jedoch wird es schwierig, denn da ist oft nicht die beliebteste Entscheidung die beste oder richtige.

Antwort
von plato, 30

Eine kleine Präzisierung: Die Schweiz ist eine halbdirekte Demokratie, wir verfügen durchaus über ein gewähltes Parlament, welches den allergrössten Teil der Entscheidungen für das Volk trifft. Nur wenige Vorlagen gelangen vors Volk.

Natürlich könnte man in Deutschland dieses System einführen. Das Problem ist, wie will man es ausgestalten, dass es wirklich funktioniert. In der Schweiz ist es zum Beispiel so, dass die Hürden für eine Initiative oder ein Referendum viel zu tief sind. Deshalb stimmen wir teilweise über Unsinniges ab. Das könnte man mit einer wirklich herausfordernden Anzahl Unterschriften für ein Referendum oder eine Initiative etwas unterbinden.

Auch sollte besser überprüft werden, welche Vorlagen im Falle einer Annahme überhaupt umgesetzt werden können. So viele der angenommenen Initiativen können gar nicht umgesetzt werden, weil dies schlicht und einfach unmöglich ist. Nehmen wir nur mal die Alpeninitiative. Hier sollte ein Fachgremium eben entscheiden, was überhaupt zur Abstimmung kommt.

Wenn nun jemand aber sagt, dass die Herren und Damen Politiker "das besser können" oder "mehr Bescheid wissen", dann muss man eben erwähnen, dass das sehr oft eben nicht so ist. Zu sagen, dass das Volk eben viel dümmer ist als die gewählten Parlamentarier, ist sehr vermessen.

Die Demokratieform hier in der Schweiz ist nicht perfekt, aber sie ist um einiges näher beim Volk und sie ist ehrlicher. Es stünde der gesamten EU gut an, da etwas demokratischer zu werden.

Antwort
von EdNewgate, 54

Als Schweizer kann ich sagen das direkte Demokratie nicht bei jeder Entscheidung eine gute Idee ist.

Bei eher komplexeren Themen sollte man Experten machen lassen und nicht das Volk. 

Bei uns ist es auch schwer unbeliebte aber dringend notwendige Gesetze durchzubringen, z. B. ein Erhöhung des Rentenalters, die bei der momentan herrschenden demografischen Entwicklung irgendeinmal notwendig sein wird, wird es sehr schwer haben als Gesetz verankert zu werden.

Zusätzlich haben wir in der Schweiz mittlerweile so viele Abstimmungen das keine 50% der Wahlberechtigten wircklich noch wählen gehen.  

Um es nicht falsch zu verstehen ich bin froh in einer direkten Demokratie zu Leben, aber das System ist bei weitem nicht ohne Fehler.

Antwort
von Meine5teTasse, 35

Kurz und knapp ohne jemanden auf den Fuß treten zu wollen, nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung hat das Wissen sich über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen bewusst zu sein. Politik und Wirtschaft sind komplexe Bereiche, in denen jede Entscheidung wohl überlegt werden sollte. In wie weit das unsere Politiker hin bekommen sei mal dahin gestellt aber Fakt ist, dass ihr Anteil an kompetenten Persönlichkeiten höher ist als in der gesamten Bevölkerung. Man muss zudem auch nicht jede Entscheidung von einem einzelnen Politiker/Partei herausragend finden. Das ist schlicht weg nicht möglich weil es häufig verschiedene Sichtweisen und Ziele gibt. Sollte das Ziel sein, die deutsche Wirtschaft zu stärken, innerhalb Deutschland lebender Personen unterstützen oder doch mehr auf unsere gesellschaftliche Verantwortung achten? Das wäre ein weiteres Problem. Bei rund 80 Millionen Einwohner gäbe es so viele Meinungen, dass das organisatorisch ein sehr hoher Aufwand wäre. Manche Länder bekommen aber Direktwahlen gut hin. So zB die Schweiz. Auch in Deutschland gibt es hin und wieder welche, dann aber meist aus Süddeutschland. ZB Rauchverbot in Bayern. Allerdings sind diese Entscheidungen sind sonderlich weitrechend. 

Kommentar von Meine5teTasse ,

letzte Zeile "nicht" statt das zweite "sind". :)

Antwort
von LizWa, 41

Der Fakt, dass wir (ich schätze nur) zehn Mal so viele Leute in Deutschland sind, würde ich sagen. Das wäre ein riesiger Verwaltungsaufwand.

Und außerdem müssten sich Politiker dann ja die Zeit nehmen und uns tatsächlich Sachen erklären und uns für etwas zu begeistern...also müsste die Politik viel, viel durchsichtiger werden.

Versteh mich nicht falsch, ich bin nicht dagegen, eher zweigeteilter Meinung. Das ist mir nur als erstes eingefallen.

Antwort
von Maimond, 40

Dagegen spräche, dass sich viele Menschen nicht genug für Politik interessieren oder dich auskennen um angemessene Urteile zu fällen. Du müsstest also zu vielen Themen intensive Infomaterialen zusammenstellen in der Hoffnung ,dass sich die Leute das geben. Ist ja in der Schweiz so ;) zudem bestünde die Frage nach verantwortungsbewusstem bundesweitem Handeln. Es sollen ja keine stärkeren Salte zwischen den Bundesländern/ Schichten/etc entstehen. Und letztendlich ist die Frage ob die Wahlbeteiligung nach der Gewöhnungsphase nicht radikal absinken würde.

Antwort
von ichdergeist21, 50

Eine direkte Demokratie ist sicher besser als diese Schein- bzw. Pseudodemokratie, die in der EU herrscht.

Jedoch ist es bei der direkten Demokratie so, dass jeder jeden Entscheid endlos in Frage stellen kann, dass schlussendlich einfach überhaupt nichts gemacht wird. Für ein grosses Land wie Deutschland wäre das sicher ein Problem. 

Man sollte sich allgemein Fragen, ob Demokratie überhaupt funktioniert.

Kommentar von Schnoofy ,

Man sollte sich allgemein Fragen, ob Demokratie überhaupt funktioniert.

Das ist mit Sicherheit eine Frage, die man niemals stellen sollte.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und dessen Umsetzung in praktische Politik ist kein Ideal oder Nonplusultra, das gestehe ich gerne zu. Aber ein besseres System ist mir leider nicht bekannt.

Kommentar von PatrickLassan ,

Man sollte sich allgemein Fragen, ob Demokratie überhaupt funktioniert.

Was schwebt dir denn so als Ersatz vor, das besser funktioniert?

Kommentar von ichdergeist21 ,

Nur weil man etwas hinterfragt, heisst das nicht, dass man es abschaffen will. 

Es ist offensichtlich, dass in Europa die Dinge nicht so laufen wie sie sollten. Man könnte behaupten, die Politik hätte nichts damit zu tun, doch das stimmt nicht. 

Bei Merkel braucht man gar nicht erst anzufangen, die Masseneinwanderungsinitiative die in der Schweiz bald wahrscheinlich ganze 3 mal über den Gleichen Sachverhalt abgestimmt wird oder die Demokratie in den USA, wo der ganze Stimmenfang schon ans Lächerliche grenzt... 

Wieso sollte man es nicht infrage stellen? 

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