Frage von bayern011,

Was spricht für Kolonien in Afrika (1900) und was dagegen?

Hilfreichste Antwort von riara,
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Zum Anfang sprach alles dafuer, wie ja auch die Entdeckungsreise des Columbus eigentlich das Ziel hatte Indien zu entdecken, spaeter dachte man dann in Tonnen von Gold...

Afrika wurde z.B. bereits im 16.Jh. von den Portugiesen umschifft, der Preussische Kurfuerst baute im heutigen Ghana bereits 1683 eine Niederlassung im pommerischen Stil, die sein Sohn aber rund 30 Jahre spaeter an die Hollaender verscherbelte...

Der Grund fuer die Kolonialisierung waren am Anfang in erster Linie Sklaven, spaeter - als man ins Landesinnere vorstiess - fing man an Rohstoffe auszubeuten und Landwirtschaftliche Monokulturen anzupflanzen (Baumwolle, Tee, Kaffee, e.t.c.). Der eigentliche Vorstoss erfolgte im 19. Jh. im Zuge des Nationalismus war es wichtig moeglichst viel Land zu besitzen, die Briten, Franzosen und Portugiesen erbeuteten dabei Land was z.T. mehr als 100x groesser war als Ihr Staatsgebiet.

Fuer einige haben sich die Kolonien gelohnt, der belgische Koenig presste alles was ging aus dem Kongo, auf Kosten von rund 10 Millionen Einwohnern. Bei seinem Ausstieg forderte er vom belgischen Staat eine Abfindung. Sicher sind auch einige britische, deutsche oder franzoesiche Haendler reich geworden, fuer die Staaten war es i.d.R. ein Verlustgeschaeft, weshalb sich z.B. Bismark als Antikolonist bezeichnete.

Die Frage ob es gut fuer die Kolonien war, ist sicher nicht so leicht zu beantworten, viele vormals kolonisierte Staaten verdanken Ihre Landesgrenzen, Verwaltungen und sogar Ihre Landessprache den Kolonialherren, dafuer schulden sie den Kolonialmaechten sicher keinen Dank aber es hatte Vorteile.

Die Nachteile sind auch nicht ohne. Man zerstoerte die lokale Kultur und redete den Eingeborenen ein sie waeren Menschen zweiter (oder dritter) Klasse, was viele nach Jahrzehnten der Unterdrueckung auch glaubten und woran noch heute viele Gesellschaften der 3. Welt leiden. Ausserdem war die Kolonialwirtschaft auf Monokulturen und eine Exportwirtschaft fiziert, die lokalen Bedarf und regionale Absatzmaerkte aussen vor liessen. Einige Maechte wie z.B. Portugal rissen bei Ihrem Abzug aus Angola und Mosambik selbst die Telefonleitungen und Rohre aus den Waenden, oder gossen die Kanalisation mit Beton zu...

Schoen war es sicher nicht kolonisiert zu sein, aber es ist ein Fehler - vor allem in Afrika - alles schlechte dem Kolonialismus anzuhaengen, bzw. ist es eine billige Ausrede...:-)

Kommentar von Sajonara,

Schön geschrieben, etwas "dogmatisch" wie ich dich "kenne", aber auch teilweise recht "naiv" in der Schlussfolgerung!?

Kolonialismus nicht als grundsätzlichen Motor einer grandiosen Fehlentwicklung zu sehen und zu benennen ist schon etwas leichtfertig in meinen Augen. Fehler, Unzulänglichkeiten? Die liegen also in der Hauptsache bei den ausgebeuteten Völkern Afrikas selber? Ach ja?

Etwa 97% des Golds aus dem Kongo geht in den Westen und nur 3% bleiben vor Ort, die Leute dort wollen das anscheinend so, oder? Und kennst du übrigens die Geschichte von Deutsch Südwest Afrika, (gut erzählt in einem Buch vom dt. Comic Zeichner Gerhard Seyried, ..) die Geschichte der Hereros dort, die fast ausgerottet wurden von den deutschen Kololnialmächten, deren positiver, sozial integrativer Lebensstil, der auf gemeinsamen Eigentum (an Rindern etc.) aufgebaut war, brutal unterdrückt und von den Weißen Helden in sein Gegenteil verkehrt wurde!

Diese wie andere afrikanische Völker wurden ermordet, ausgeplündett, zu Sklaven gemacht, ihnen wurden die Ressourcen u.a. mit Glasperlen aus Deutschland abgekauft und dann wurden sie einheimischen Herrschern überlassen, die sie als Platzhalter für die Kolonialmächte weiter drangsaliert haben und ausbeuteten. Im Einklang mit sogn. "Entwicklungshilfe" die eigentlich in der Substanz nur als Subventionen für europäische Industrien gedacht war, ... Kenst du nich tdie Fotos von verottenden Industrie anlagen in Afrika, die einmal verkauft dort "geparkt" wurden und für die dann plötzlich kein Geld mehr für "Wartungsarbeiten" vorhanden war, etc?

Das hab enise also selbst zu verantworten?

"Sorry wenn ihr zu dumm wart und zu freundlich mit uns, das ihr euch damals nicht genügend gegen uns gewehrt habt und nicht einsenhart gegen jeden Eindringling vorgegangen seit?"

Kommentar von Sajonara,

Und "Columbus" wurde übrigens nach zähen Verhandlungen nur losgeschickt damals, weil er versprochen hatte, Reichtümer ungeahnten Ausmaßes für die Krone zu beschaffen, das war der Hauptmotor der lauschigen "Entdeckungsfahrt", ... wirtschaftliche Erwägungen und so ist es bis heute geblieben, ..

Kommentar von riara,

Das ist eine ziemlich knappe Zusammenfassung, dass muss ich zugeben, nur fehlt mir sicher als Afrikaspezialist nicht der Durchblick, ich wohne seit 7 Jahren in Nairobi und kenne Afrika seit mehr als 12 Jahren...

Ich glaube nicht, dass Du den Text verstanden hast, ich weigere mich die Kolonialisierung zu 100% als schlecht fuer Afrika zu betrachten. Lese mal Patrice Nganag aus Kamerun oder Hakeem Jimo, dann wirst Du schnell erkennen wo die wirklichen Probleme Afrikas liegen, denn Afrika war nicht das Paradies bevor die Weissen hier auftauchten. Ich habe bei den Wahlen 2007 hier in Kenia einen Holocaust erlebt und nur mit Glueck bin ich lediglich mit dem Schrecken davon gekommen, die 'Big Men' hatten wiedermal beschlossen Ihre Staemme aufeinander loszulassen, ich habe damals zwei Mitarbeiter verloren, junge Burschen die nur dem falschen Stamm angehoerten und sich am falschen Ort aufhielten, bei der Gedenkfeier kam ich mir wie ein Schwein vor, weil ich von Sicherheitskraeften ausgeflogen wurde, ich bin mit einer Afrikanerin verheiratet und bin Aeltester in drei kenianischen Staemmen...Also bitte ein wenig mehr Respekt fuer Mzee, ich koennte Dir Dinge ueber Afrika erzaehlen die in keinem Buch stehen, ehrlich...

Antwort von KingM4x,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Pro:

-Wirtschaftlicher Aufschwung (Steuern, Rohstoffe..)

-Strategischer Stützpunkt

-Neue Handelswege

Contra:

-Gefahr der Ausbeutung

-leicht angreifbar

-erhöhte Rivalitäts-Gefahr (mögl. Angriff)

-Politische Instabilität

Antwort von Ingwer,

In unserer heutigen Zeit spricht nichts mehr für Kolonialismus. Aber wahrscheinlich meinst Du, ob dieser früher auch vielleicht sinnvoll war. Nein, war er nicht, denn er hat dazu geführt, dass zusätzlich zum afrikanischen "Tribalismus" - die Überbewertung des Stammes zum Nachteil anderer Stämme - noch unser europäischer Nationalismus zu noch mehr Trennung und Uneinigkeit geführt hat. Es war ja ein Wettkampf in Europa, welches Land es schaffte, die meisten Kolonien unter seine Herrschaft zu kriegen. Wären die Europäischen Nationen damals nicht so zerstritten untereinander gewesen und hätten sie zusätzlich zum eigene Wohl auch das Wohl der afrikanischen Menschen bedacht, hätten sie sich als "Lehrer" verstanden in Sachen Medizin, Technologie, Naturwissenschaften, Organisation und Verwaltung usw., dann vielleicht wäre es heute nicht so schlecht bestellt um Afrika.

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