Frage von Lomby, 94

was spricht dagegen, zu meinem Freund zu ziehen?

Vorgeschichte: Vor etwas über einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Zu meinem Vater und dessen seite der "Familie" gibt es seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr, und in Europa wohnen die auch nicht. Es gibt in meiner Familie Mütterlicher seits nur noch meine Oma und meine Schwester, und ein paar sonstige Onkel und Tanten, zu denen ich aber kaum Kontakt hab und auch nie viel Kontakt hatte (evtl 2 mal im Jahr, höchstens).

Folgendes passierte nach dem Tod meiner Mutter: Meine Schwester (28) übernahm die Vormundschaft, bzw hat die Vollmacht. Wir wohnen in der Eigentumswohnung unserer Mutter, die an uns geerbt wurde. Ich wollte von Anfang an zu meinem Freund und seiner Familie, da diese wie eine Familie für mich sind, die ich nie hatte. Das Jugendamt war damals dagegen. Nun halte ich es aber wirklich nicht mehr hier aus, ich bin dauerhaft alleine, die Wohnung sieht schrecklich aus, etc. Seine Familie war von Anfang an dafür, mich bei Ihnen aufzunehmen. Ich würde gerne nochmals zum Jugendamt gehen und das besprechen, nur habe ich Angst, dass die mich ins Heim, bzw betreutes Wohnen schicken. Da ich unter Depressionen leide, muss ich die 10. Klasse wiederholen. Doch ich seh da keinen Sinn, denn ich glaube nicht, dass sich hier was ändern wird und ich hier glücklich sein werde. Also würde ich gerne zu meinem Freund ziehen. Ich bin immer in den Ferien bei ihm, ich habe ein richtig enges Verhältnis zu ihm und seiner Familie, besonders zu seiner Mutter. Das Problem ist jedoch, er wohnt am komplett anderen Ende Deutschlands, also ca 600 km. Ich würde ohnehin in dem Ferien meine "Familie" besuchen kommen. Ich hab absolut keine Ahnung, wie ich in der jetzigen Wohnsituation aus den Depressionen kommen soll, oder nur ansatzweise gute Noten in der Schule bekommen soll. Die Situation macht meine Psyche kaputt und meine Psyche meine Zukunft. Welche Möglichkeiten gibt es? Was spricht dagegen, zu meinem Freund zu ziehen? Ich bin schließlich 17 und finde, ich kann selbst entscheiden wo ich wohnen möchte. Hat jemand evtl noch eine Idee, falls es wirklich nicht klappt, dass ich zu ihm zieh?

Antwort
von Muckula, 55

Wieso sollte dich das Jugendamt denn ins Heim stecken? Bist ja eh fast volljährig.

Besprich das mit einer Betreuungsperson vom Jugendamt, der Familie deines Freundes und deiner Schwester. Am besten alle zusammen. Niemand hier kennt deine Situation persönlich und kann das beurteilen.

Wenn die Eltern damit einverstanden sind und du denkst, dass dir das gut tun würde, wüsste ich nicht wieso man dir das verbauen sollte. Aber ich kenne mich mit den Regelungen dazu nicht aus. Du solltest auf jeden Fall eine Therapie machen, wenn du Depressionen hast, damit du Strategien erlernst, wie du dagegen ankämpfen und besser mit deinem Leben klar kommen kannst.

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!

Kommentar von Lomby ,

Ich  bin bereits bei einer Psychologin in Behandlung. 

Damals hat das Jugendamt gesagt, dass ich nicht zu ihm ziehen darf, warum auch immer. Ob meine Schwester damit einverstanden wäre, weiß ich nicht, ich trau mich auch nicht so wirklich, mit ihr darüber zu reden.. evtl kann ich das ja mit ihr und meiner Psychologin besprechen... 

Vor einem Jahr hieß es noch: 

Betreutes Wohnen, Schwester oder Oma.. Zu meiner Schwester zu ziehen War halt das, was am wenigsten schlimm war.. Und wenn ich nicht zu meiner Oma will, und die dagegen sind 600 km weit weg zu ziehen, muss ich wohl ins heim..-

Kommentar von Muckula ,

Das tut mir Leid. Mit deiner Schwester und deiner Psychologin zu reden halte ich für eine gute Idee. Deine Schwester sollte im Idealfall auch in deine Therapie mit einbezogen werden! Gemeinsam könnt ihr sicher eine akzeptable Lösung finden, wie du dein letztes Jahr bis zur Volljährigkeit konstruktiv nutzen kannst und deine Klasse abschließen kannst.

Antwort
von landregen, 31

Es ist schon eine schwierige Lage. Nur wirst du deine Probleme mitnehmen, wenn du zu deinem Freund ziehst.

Wenn du in der 10. Klasse bist, kannst du schon dafür sorgen, dass es in eurer Wohnung nicht "schrecklich" aussieht. Räum auf, mach sauber, richte dir alles schön ein! Dann ist Vieles schon viel besser.

Du kannst natürlich mit dem Jugendamt sprechen (ich würde dann erst einmal aufräumen und sauber machen, damit nicht der Eindruck entsteht, du müsstest in ein Heim). Allerdings klingt es schon für mich Außenstehende so, als würde ein Umzug keins deiner Probleme lösen. Du hättest nicht mehr die Unterstützung deiner Schwester, du würdest aus deinen sozialen Zusammenhängen gerissen, und wie die Familiendynamik sich dort untern entwickelt, ist nicht vorhersehbar. Depressionen und Antriebsschwäche würdest du auch mitnehmen. Kann gut sein, dass das Jugendamt diesem Vorhaben nicht zustimmt.

Kommentar von Lomby ,

Ich kann eben nicht dafür sorgen, dass es sauber ist.

Zum einen hast du schon die Antriebsschwäche erwähnt. Ich bin völlig antriebslos und schaffe es gerade so, mein Zimmer einigermaßen sauber zu halten. Ich hab außerdem Ganztagesschule, das heißt jeden Tag bis 16 Uhr. Da ich zudem auch noch Schlafprobleme habe, bin ich den restlichen Tag so müde, dass ich nichts mehr schaffe. Außerdem sind in der Wohnung 9 Zimmer (inklusive Badezimmer), die sauber gehalten werden müssen. Das ist einfach zu viel, vorallem weil meine Schwester alles komplett zugemüllt hat, manche Zimmer kann man nicht einmal betreten. Sobald ein Zimmer sauber ist, wird es sofort wieder zugemüllt von ihr.

Welches meiner Probleme würde es denn nicht lösen? Ich hab null unterstützung von meiner Schwester. Die einzigen, die mich wirklich unterstützen sind mein Freund und dessen Familie. Und wie bereits erwähnt, ich kenne seine Familie sehr gut, ich hab auch die meiste Zeit Kontakt zu ihnen. In den Ferien würde ich ja "nach Hause" kommen, also werde ich den Kontakt zu meiner "familie" hier und meinen Freunden, die ich sowieso nur in den Ferien sehe, nicht abbrechen oder vernachlässigen.

Klar ist es nicht vorhersehbar, aber ich bin oft mehrere wochen dort, und ich skype ständig mit meinem Freund, ich bin also schon ein Teil dieser Familie geworden. 

Die Depressionen kommen ja von hier. Ich halte die Wohnung, dieses alleinesein hier nicht mehr aus. Nicht dauerhaft. Klar würde ich mir dort noch einen Psychologen suchen. Ich denke nicht, dass mir meine Psychologin helfen kann, solange ich hier bin.. Einfach, weil hier alles zu viel ist und ich hier raus will.. Hört sich vielleicht dumm an, aber ich habe hier so viele freiheiten, es fehlt mir einfach dass jemand zu mir sagt "Du musst jetzt Mittagessen" oder "Du musst um 22 uhr zuhause sein" usw.. Mich macht die Situation hier einfach kaputt!

Kommentar von landregen ,

Sprich mit den zuständigen Leuten im Jugendamt.

Kommentar von Lomby ,

Wie bereits erwähnt, habe ich Angst, dass die mich ins Heim stecken. Deswegen habe ich hier ja gefragt, ob ich irgendwie eine Chance habe, zu ihm zu gehen.

Antwort
von hertajess, 24

Lomby, Du bist 17 Jahre alt und damit hat ein Familiengericht Dich verpflichtend anzuhören und Dein Wohl an erste Stelle zu setzen. So einfach zunächst mal. 

Aber

Gehst Du zu Behörden nehme immer einen Beistand mit. Dein ganzes Leben lang. Diese Person kann selbst sprechen. Dann aber spricht sie in Deinem Namen. Es wird dann so gewertet als hättest Du gesprochen. Es sei denn Du widersprichst sofort. Sinnvoll ist also sich vorher abzusprechen bzw. einfach darum zu bitten sich den Gesprächsverlauf zu merken, ihn mitzuschreiben oder danach ein Gesprächsprotokoll aufzusetzen mit Datum und Unterschrift. 

Mündliche Aussagen von Behördenmitarbeitern und auch Richtern sind wie Wind so lange sie nicht aufgeschrieben sind. 

Weiter

Gehst Du zu Behörden habe bestenfalls Dein Anliegen schriftlich formuliert bereits in zweifacher Ausfertigung dabei. Eine Ausfertigung gibst Du ab, auf der anderen lässt Du Dir mit Datum, Unterschrift und Stempel die Entgegennahme bescheinigen. 

In Deinem Fall scheint es mir sinnvoll wenn die neue Familie mitkommt. Weiter würde ich bereits schriftlich den Wunsch äußern das Jugendamt solle Fakten vorlegen die gegen einen Ortswechsel Deinerseits sprechen. Fakten sind keine Ansichten. 

Und wie ich lese braucht auch Deine Schwester fachliche Hilfe. Es ist also sicherlich sehr sinnvoll wenn sie zu einem oder mehreren Gesprächen mit in Therapie kommt - falls es Dich nicht stört bzw. behindert. 

Kommentar von Lomby ,

Danke für die Antwort. 

Ich habe die Unterstützung meine Oma. Würde meiner Schwester die Vollmacht entzogen werden und meiner Oma "gegeben", könnte ich dann zu meiner "Pflegefamilie". Die Frage ist nur, wie lange das dann dauert?.. Würde nämlich spätestens in den Sommerferien hier wegziehen, um dann die 10. Klasse dort noch einmal zu machen..
In Therapie ist meine Schwester schon seit Jahren, bringen tut es leider nichts.

Kommentar von hertajess ,

Warum soll Deiner neuen Familie dann nicht die entsprechende rechtliche Grundlage zugesprochen werden sondern Deiner Oma? Aber wie Du willst. 

Naja. In Therapie sein und an sich arbeiten sind tatsächlich zwei sehr unterschiedliche Paar Stiefel. Vor allen Dingen da jeder Soziopath zu dieser Tätigkeit zugelassen wird. Da kann dann Nichts bei raus kommen. 

Wir lange es dauert? Nutze die Nummer. Dann wird es sicherlich schneller gehen da Du von da kompetente Unterstützung bekommst. 

Kommentar von Lomby ,

Weil ich denke, dass das Jugendamt dagegen ist, dass meine "neue Familie" irgendwie das Sorgerecht bekommt, und bei meiner Oma ist es nicht dagegen. Wenn meine Oma es hat, kann ich auch dahin, weil sie dann das Aufenthaltbestimmungsrecht hat. 
Meine Schwester will sich auch nicht helfen lassen, da kann man wirklich nichts machen.. 
Ich hab einen Termin mit der, die für mich zuständig ist, aber der ist erst in 3 Wochen.. Weil sie, wie immer, Urlaub hat ^^...

Kommentar von hertajess ,

Nun ja. Wenn Deine Oma damit einverstanden ist dann soll es gut sein. 

Schade um Deine Schwester. Es gibt so Menschen. In dem Fall sorge gut für Dich auf jeden Fall. 

Ob die zuständige Person tatsächlich in Urlaub ist oder auf Fort- oder Weiterbildung - wer weiß? Oder ob sie in dem Amt dermaßen unterbesetzt sind dass in zu kurzen Abständen Überstunden abgebaut werden müssen - wer weiß? Fest steht dass deutsche Jugendämter in Westdeutschland schon immer unter Finanzmangel litten und folglich auch unter Personalmangel. 

Kommentar von Lomby ,

Naja sie hat selbst gesagt, dass sie Urlaub hat :3 

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