Frage von toinia, 50

Was sollten die Bücher von Erich Kästner rüberbringen?

Hallo,

mich würde es interessieren, welche "Message" er mit seinen Büchern sagen wollte. Mir hat jemand gesagt, dass er eine andere Kindheit zeigen wollte. Er wollte, dass Kinder auch selber denken und nicht so "gehorchen" müssen. Stimmt das?
Wäre euch dankbar!

Antwort
von knallpilz, 13

Das kommt darauf an, welche Bücher du meinst.
Pünktchen und Anton soll sicher was anderes rüberbringen als Fabian.

Meist geht es aber um Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, was von ihrer Umgebung oft weder gewürdigt noch anerkannt wird. Bei seinen Kinderromanen wird es am Ende belohnt, bei den anderen endet es gerne auch mal tragisch.

Ich denke aber, du meinst seine Kinderromane.
Die Kinder, die er schreibt, sind meist sehr tatkräftig und verstehen mehr als man ihnen zutraut. Sie werden durch eine ungerechte und zynische Welt dazu gezwungen, sehr erwachsen und verantwortungsvoll zu sein. Ihr Gerechtigkeitssinn, ihre Neugier, ihre Loyalität und ihre Hilfsbereitschaft bieten meist einen Kontrast zu ihrer Umwelt, die eher selbstbezogen und ignorant ist.
Sie haben meist ihre eigenen politischen, sozialen Strukturen (siehe deren ganze Organisation in Emil und Detektive), da sie eben kleine Menschen sind und nicht einfach nur Idioten. Kleine Menschen, die den Zynismus der Erwachsenen verwunderlich finden und noch nicht so sehr von gesellschaftlichen Normen und Konventionen in ihrem Handeln und ihrem Denken eingeschränkt sind. Die Idioten sind eher die, die sie bevormunden und sie nicht respektieren. Wie in dem Film "Das doppelte Lottchen" von 1950, zu dem Kästner das Drehbuch geschrieben hat, als eine der Ferienlager-Insassinen einen Brief von ihren Eltern bekommt, dass sie sich scheiden lassen. Was eine ihre Freundinnen (Luise glaube ich) ziemlich gemein findet. Dass sie sie extra in die Ferien schicken, um dann sowas abzuziehen. Als Luise und Lotte entdecken, dass sie verwandt sind und was ihre Eltern gemacht haben, sagt Luise auch irgendwann "Aber sie hätten uns doch erst fragen müssen, ob sie uns halbieren dürfen!".
Sie halten sich nicht für  etwas besseres, so wie die Erwachsenen. Es gibt eine geniale Stelle in "Das doppelte Lottchen", dem Film, in dem Luise die Idee hat, die Rollen zu vertauschen und ihren Eltern einen Streich zu spielen. Die brave, wohlerzogene Lotte meint "Aber das dürfen wir gar nicht. Wir sind doch nur Kinder." Woraufhin Luise empört reagiert. "Nur!?".

Es sind nichtsdestotrotz immer noch Kinder und noch keine fertigen Erwachsenen. Siehe Emils Grund nicht einfach zur Polizei zu gehen: Er denkt, weil er schwarzgefahren ist, wird er als Verbrecher gesucht. Aber auch diese Unschuld ehrt ihn.

Ich vermute mal ganz stark, das soll rüberbringen, dass man sich an diesen Kindern eine ganz dicke Scheibe von abschneiden sollte.


http://www.rulit.me/books/p-read-282411-20.html

Antwort
von Gummibusch, 15

Wenn ich eine relativ kurz gefasste Antwort darauf geben sollte dann diese...

Er wollte uns sagen, dass Kinder nicht so dumm sind für wie sie oft gehalten werden und erwachsener als wir sein können.

Analog dazu passt sein von Erwachsenen erweckter Eindruck, dass diese einfach oft nicht so klar und unbefangen denken können wie Kinder und dann eben hilflos "wie Kinder" sind. 

Ich lese seine Bücher auch heute noch gerne ☺

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